Was Dich hier erwartet:
Wer die Munich Re, Swiss Re, Hannover Rück, Allianz oder Talanx im Depot hat, hat es gemerkt: Versicherungen und erst recht Rückversicherungen haben einen Lauf. Ihre Kurse kennen in den letzten Monaten kein Halten und sind auch jetzt in den Zollturbulenzen überdurchschnittlich stabil geblieben.
Aber wie geht das eigentlich angesichts immer größerer Klimaschäden? Zuletzt sorgten schließlich die Waldbrände in Kalifornien für Sorgen. Das Zauberwort dafür ist Risikomanagement! Risiken werden unter den Versicherungen aufgeteilt und rückversichert. Und damit für alle beteiligten Unternehmen leichter zu verkraften.
Aber offenbar ist es gar nicht so einfach, in diesen Markt hineinzukommen. Denn ein junges Rückversicherungsunternehmen, das erst wenige Jahre existiert, hat einen ziemlich großen Schaden durch die Brände in Los Angeles und Umgebung zu verkraften.
Welche Auswirkungen das auf den Aktienkurs hat und ob sich darauf womöglich eine langfristige Kaufgelegenheit ergibt, erfährst Du in diesem Beitrag.
Erst im letzten Jahr bin ich bei Conduit Holdings Limited eingestiegen, der Muttergesellschaft der Conduit Re Versicherung. Das Start-up habe ich hier vorgestellt.
Es ist eine klare Beimischung in meinem Depot, in dem die Versicherungsbranche das größte Gewicht hat. Und es ist nicht entscheidend für meine Performance. Da schaue ich schon viel eher auf die Munich Re oder auch Talanx.
Die Conduit-Aktie notiert an der Heimatbörse London in britischen Pence (GBX). Gestartet bei 500 Pence (= 5 Pfund) ging es bis 300 Pence im September 2022 abwärts. Ich habe meine ersten Stücke im März 2024 bei 538 Pence gekauft. Aktuell notiert die Aktie bei 360 Pence.

Aktienkauf
Am 15. April 2025 kaufte ich weitere 100 Aktien von Conduit Holdings über den Handelsplatz gettex zum Kurs von 4,24 €. Dafür belastete mir flatex eine Provision von 7,90 €. Ich zahlte also für diesen Nachkauf 431,90 €.

Dividende
Conduct Holdings zahlt zweimal im Jahr eine Dividende (April und September). Das exDividende-Datum liegt dabei jeweils rund einen Monat davor (März und August).
Die Dividende wird in US-Dollar deklariert und beträgt – wie schon im letzten Jahr – erneut 0,18 US$. Für die 200 dividendenberechtigten Aktien erhalte ich also 36,00 US$ Brutto-Dividende. Sie wurde von flatex zum Kurs von 1,108411 umgerechnet. Nach Abzug der Steuern erhalte ich eine Nettodividende von 23,92 €. Sie wurde mit Wertstellung 17.04.2025 überwiesen.

Die Berechnung der aktuellen Dividendenrendite ist ein wenig komplexer, da der Aktienkurs in britischen Pfund (bzw. Pence) gemacht, die Dividende aber in US-Dollar bezahlt wird. Ich rechne deshalb beide Werte in Euro um und ermittle dann die Dividendenrendite. Der Aktienkurs schloss am Dividendenzahltag (17.04.2025) mit 360,50 GBX, das sind umgerechnet 4,1732 € (EZB-Wechselkurs vom 17.04.2025: 0,86383). Die Dividende von 0,18 US$ sollte zweimal in diesem Jahr bezahlt werden. Die 0,36 US$ ergeben umgerechnet 0,316 €. Die Dividendenrendite liegt also bei 7,6%.
Meine persönliche Rendite auf meinen Einstand (Yield on Cost) bezieht sich auf meinen Kaufpreis von 1.699,80 €. Rechne ich die 108,00 US$ Brutto-Dividende für 300 Aktien mit dem aktuellen EZB-Referenzkurs vom Zahltag (1,136) um, dann erhalte ich 95,07 € brutto. Das ergibt dann einen YoC von 5,6%. Der große Unterschied zwischen der Dividendenrendite und meiner Einstandsrendite erklärt sich durch den gefallenen Aktienkurs seit dem Kauf der ersten 200 Aktien. Der Nachkauf verkleinert die Lücke ein wenig.
Perspektiven
Die Conduit Re ist erst seit 4 Jahren auf dem Markt. Das ist gerade für Rückversicherungen eine sehr kurze Zeit. Die Munich Re als Branchenführer existiert zum Vergleich bereits seit 1880. Das sind 141 Jahre Vorsprung. Und dieser Vorsprung führt natürlich zu einer immensen Erfahrung, Datenbasis und auch Marktmacht. Die Conduit Re setzt hingegen auf ihre Manager, die „alte Haudegen“ aus der Branche sind und selbst Erfahrung mitbringen.
Und für diesen kurzen Zeitraum des Unternehmens ist das Erreichte sicher nicht schlecht. Aber es ist eben auch mit Vorsicht zu betrachten, da sich erst noch beweisen muss, wie krisenresistent das Unternehmen aufgestellt ist.
In den ersten beiden Geschäftsjahren schrieb Conduit Re mit kleinem Geschäftsvolumen und hohen Anlaufkosten erwartungsgemäß noch rote Zahlen. 2023 erwirtschaftete das Unternehmen dann erstmals einen messbaren Versicherungsüberschuss und ein Ergebnis je Aktie von 1,19 US$ je Aktie.
Im Jahr 2024 konnte Conduit Re das Prämienvolumen um weitere 24,8% auf 1,16 Mrd. US$ steigern. Allerdings belasteten einige Schäden, vor allem die Hurrikan-Saison drückte die Margen. Der Gewinn je Aktie sank um 33,6% auf 0,79 US$ je Aktie.
Richtig hart getroffen hat dann der Januar 2025. Die Waldbrände im Süden Kaliforniens führen zu Verlusten in einer Größenordnung zwischen 100 und 140 Mio. US$. Davon sind jedoch noch Rückversicherungserstattungen und der Wiedereindeckungsprämien abzuziehen.
Um sich vor weiteren Schäden im laufenden Jahr zu schützen, hat das Management bekannt gegeben, dass zusätzliche Rückversicherungen abgeschlossen werden sollen. Das ist natürlich nachvollziehbar und gehört auch zu einem Risikomanagement. Aber es wird die Kosten in diesem Jahr deutlich erhöhen und die frühere Prognose der potenziellen Eigenkapitalrendite für 2025 auf einen hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Wert reduzieren.
Vermutlich hätte das Management anders reagiert, wenn die Schäden später im Jahr aufgetreten wären. Aber im Januar das Schadensbudget schon so belastet zu haben, bedarf einer Reaktion.
Ob damit das Ausscheiden des CEO Trevor Carvey im direkten Zusammenhang steht, kann ich nicht beurteilen. Offiziell verlässt er Conduit Re, da es „persönliche Umstände“ notwendig machen, dass er von den Bermudas nach UK zurückkehrt. Der Zeitpunkt ist allerdings auffällig und das Ausscheiden ist jedenfalls ungeplant. Es gibt keinen Nachfolger und das Ausscheiden fand zum 11. April, einem ungewöhnlichen Datum, statt.
Für mich ist das alles aktuell nicht abschließend beurteilbar. Auf der einen Seite ist so ein Großschaden unangenehm. Vor allem, weil die großen Versicherer vergleichsweise glimpflich davon gekommen waren. In Verbindung mit dem CEO-Rücktritt könnte man meinen, dass intern die Köpfe rollen.
Positiv zu sehen ist aber auch, dass Conduit Re in den letzten beiden Geschäftsjahren das Eigenkapital kontinuierlich steigern konnte und dieser Großschaden nicht existenzbedrohend ist. Und er vermutlich für einen Lerneffekt im Risikomanagement sorgt.
Was mich zuversichtlich macht, ist ein Grundprinzip des Versicherungsgeschäfts: Schäden in einem Jahr führen in der Regel zu höheren Prämien in den Folgejahren. Und das dürfte auch hier der Fall sein.
Und Conduit Re erzielt mit seinem angelegten Vermögen schon ordentliche Renditen. Es ist konservativ mit einer durchschnittlichen Ratingqualität von AA und einem Durchschnittszins von 4,8% ausgestattet (Stand: 31.12.2024). Zwar haben die Renditen in Folge der Trumpschen Zölle deutlich zugelegt. Davon dürfte Conduit Re aber nicht stark betroffen sein, sondern eher profitieren. Denn die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen liegt mit 2,5 Jahren im kurzen Bereich. 2024 wurden so 65 Mio. US$ nur mit dem Investmentportfolio verdient.
Das entspricht ungefähr der Hälfte des Großschadens aus den Waldbränden in Kalifornien und erklärt auch die Prognose für eine weiterhin positive Eigenkapitalrendite in 2025.
Ich habe deshalb die Aktie nun doch nachgekauft. Zwar nur für einen absolut niedrigen Betrag, aber meine Depotposition wächst damit um ein Drittel. Sie ist damit ziemlich genau wieder so groß wie bei meinem Ursprungsinvestment. Das kann man durchaus als Rebalancing bezeichnen und es war auch meine Motivation für den Nachkauf.
Anders als bei BCE, die einen vergleichbaren Marktwert in meinem Depot (vor dem Nachkauf von Conduit Re) haben, bin ich hier zuversichtlich, dass sich das Geschäft stabilisiert und sehe auch keine Gefahr für eine Dividendenkürzung.
Für ein größeres Investment fehlt mir aber noch der längere Track-Record. Deshalb bleibt es bei einer Position, mit der ich die Aktie gut beobachten kann. Ein Kursrückgang schmerzt zwar immer, aber im Rahmen eines breit diversifizierten Depots ist das dann auch gut verkraftbar. Und dass damit bei solch jungen Unternehmen immer zu rechnen ist, zeigten die letzten Wochen eindrucksvoll. Genauso kann es aber auch wieder zu einer Erholung kommen.
Ich bin gespannt, wie sich Conduit Re dann im September zur nächsten Dividendenzahlung präsentiert und ob sich mein Nachkauf dann womöglich schon ausgezahlt hat.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Conduit Holdings |
| ISIN: | BMG243851091 |
| Im Divantis-Depot seit: | 13.03.2024 |
| Letzter Nachkauf am: | 30.07.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 500 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 4,86 € |
| Gesamtkaufpreis: | 2.427,70 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 81,54 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Annual Report and Accounts 2024 |
| CEO Retirement |


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