Was Dich hier erwartet:
Einer der positiven Aspekte von Einzelaktien gegenüber der rein passiven Anlage in ETFs ist für mich, dass ich immer wieder hinzulerne. Nur indem ich mich einem einzelnen Unternehmen beschäftige, blicke ich tiefer in die Geschäftsmodelle und deren Treiber und Hindernisse.
Klar, als passiver Investor hätte ich viel mehr Zeit für andere Dinge. Könnte z.B. stattdessen einen Roman lesen. Aber mir würde dann etwas fehlen. Denn das Eine ist zwar Unterhaltung, aber ich will ja meinen Horizont erweitern. Ich will etwas dazulernen, mehr Wissen haben als vorher. Und das passiert eigentlich regelmäßig, wenn ich mich mit einer meiner Aktien beschäftige. Oder auf Alternativen blicke.
Immer wieder gibt es Aspekte, die ich vorher gar nicht kannte. Oder von denen ich zwar schon gehört hatte, die mir aber nicht so klar waren.
Für diesen Beitrag ist mir das mit einer Besonderheit des chinesischen Marktes passiert. Es gibt dort ein besonderes Einkaufsverhalten, das sogar einen speziellen Namen hat. Und es hat sich in der letzten Zeit massiv verändert.
Ich erinnere mich gut an die Zeit als in Drogeriemärkten der Verkauf von Babymilchpulver begrenzt wurde. Damals gab es einen Skandal in China und das Vertrauen in die dort erhältlichen Produkte schwand immens. Also wurden von Urlaubern unsere Regale leergekauft. Das war aber nur eine Phase und betraf auch nicht die heute besprochene Aktie.
Sie gehört nämlich zur Luxusgüterbranche und hat in der Vergangenheit von ähnlichen Effekten profitiert. Nachdem sich der Markt aber komplett umgestellt hat, fehlen nun massive Umsätze in den Büchern.
Warum die Börse die Aktie trotzdem immer noch sehr bewertet und ich deshalb mit einem Nachkauf zögere, erfährst Du in diesem Beitrag.
Qualität hat ihren Preis, der Beweis ist die Aktie von L’Oréal, die ich hier vorgestellt habe. Ich habe sehr lange mit einer Depotaufnahme gezögert und dann irgendwann 2020 – trotz des hohen Kurses – einfach gekauft. 2 Jahre später habe ich dann noch mal nachgekauft. Nun sind weitere 2 Jahre vergangen und es stellt sich die Frage, ob ich einen 2-Jahres-Kauf-Rhythmus etabliere. Der Kurschart gibt zu der Frage jedoch keine eindeutige Antwort, zu durchwachsen ist das jüngere Kursbild:

Dividendenzahlung
L’Oréal zahlt in diesem Jahr eine Dividende von 6,60 € je Aktie. Gegenüber dem Vorjahr (6,00 €) ist das eine Erhöhung um 10%. Für die 10 Aktien in meinem Depot ergibt das einen Brutto-Betrag von 66,00 €. Der DKB-Broker hat – in bewährter Art und Weise bei französischen Aktien – die Quellensteuer voll auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Übrig bleibt so eine Netto-Dividende von 49,06 €. Sie wurde mit Wertstellung 30.04.2024 überwiesen.

Bei einem aktuellen Aktienkurs von 441,20 € liegt die Dividendenrendite von L’Oréal damit bei 1,5%. Aufgrund der regelmäßigen Dividendenerhöhungen ist die Chance aber groß, dass es bei einem heutigen Kauf im nächsten Jahr erneut eine höhere Dividende gibt und damit die tatsächliche Dividendenrendite etwas höher liegt.
Meine persönliche Rendite auf meinen Einstand (Yield on Cost) ist etwas höher als die aktuelle Dividendenrendite. Ich habe für die 10 Aktien insgesamt 3.205,05 € bezahlt. Die 66 € Dividende ergeben darauf einen YoC von 2,1%. Den Turbo wird mein YoC aber im nächsten Jahr einlegen: dann sind meine Aktien nämlich für das Treueprogramm berechtigt und ich erhalte eine um 10% höhere Dividende als die übliche Dividende. In diesem Jahr wären das dann schon 7,26 € je Aktie gewesen und damit ein YoC von 2,3%.
Treueprogramm
Die Wertpapierkennnummer und die ISIN bei der Dividendenabrechnung unterscheidet sich von den Nummern, unter denen die L’Oréal-Aktie an der Börse gehandelt wird. Hintergrund ist das Treueprogramm von L’Oréal, zu dem ich meine Aktien angemeldet habe. Was es mit dem Treueprogramm genau auf sich hat, habe ich hier beschrieben. Aber Achtung: Im Artikel ging ich noch davon aus, dass die Umbuchung zu Gebühren bei der DKB führen würde. Und deshalb hatte ich mich ursprünglich dagegen entschieden. Nach dem Hinweis, dass das eine Fehlannahme sei, habe ich mich dann doch angemeldet. Und tatsächlich wurde mir für die Umbuchung nichts berechnet.

Deshalb an dieser Stelle meine Empfehlung: Wenn Du L’Oréal-Aktien im Depot hältst (vor allem bei der DKB!) und sie langfristig behalten möchtest, dann lohnt sich das Treueprogramm. Denn ab dem dritten Jahr nach der Umbuchung gibt es dann jedes Jahr eine um 10% höhere Dividende als bei den „normalen“ Aktionären! Bei mir wird das also 2025 erstmals der Fall sein.
Der einzige Nachteil ist, dass die Aktien nicht handelbar sind. Ein Spontanverkauf ist deshalb nicht möglich. Zuvor müsste ich einen Auftrag auf Umbuchung erteilen und erst nach dessen Ausführung könnte ich verkaufen. Aber in gewisser Weise ist das ja auch ein Schutz gegen Kurzschlussreaktionen.
Perspektiven
Schade, ich hätte gerne mehr Aktien von L’Oréal bei der diesjährigen Dividendenzahlung gehabt. Aber mein Ziel für einen Nachkaufkurs von 350 € wurde in den letzten 12 Monaten einfach nicht erreicht. Und so habe ich dann tatsächlich immer noch „nur“ 10 Aktien im Depot. Anfang 2023 gab es zum letzten Mal ein solches Kursniveau.
Ich habe im März und April immer wieder gerechnet und überlegt, ob ich nun doch noch vor der Dividendenzahlung nachkaufen soll. Und war auch kurz davor, es einfach zu tun. Aber beim Blick auf den Chart habe ich mir dann gedacht, dass es doch eigentlich nicht ausgeschlossen ist, dass wir Tiefstände wie in 2022 noch einmal sehen.
Denn L’Oréal ist nun mal sehr stark im China-Geschäft. Und da kann geopolitisch durchaus auch mal etwas passieren. Taiwan ist zwar im Moment aus dem Fokus, aber nur für uns. Für die chinesische Regierung ist es weiterhin ein Thema, für das strategische Planspiele entworfen werden.
Insofern habe ich mich dann – auch angesichts der doch niedrigen Dividendenrendite – entschieden, weiterhin abzuwarten. Die 6,60 € Dividende sind auf diesem Kursniveau eine relative normale Kursschwankung an einem Handelstag und deshalb kein Grund, jetzt in Kaufpanik zu verfallen.
Die L’Oréal-Aktie selbst bleibt weiterhin eine hoch bewertete Aktie. Die Dynamik in der Kursentwicklung hat aber durch die gestiegenen Zinsen deutlich abgenommen. Und im Vergleich mit anderen Titeln in meinem Depot war die jüngere Vergangenheit auch eher unterdurchschnittlich.
Aber genau das ist für mich prinzipiell kein Hindernis, einen Nachkauf zu tätigen. Wenn ich von einem Depotwert langfristig überzeugt bin, dann bin ich auch sicher, dass solche Phasen kommen und gehen. Und sich mit entsprechender Geduld überdurchschnittliche Renditen erzielen lassen.
Nach dem schwachen 2022 (-19%) folgte 2023 ein Plus von 36% – durchaus bemerkenswert! In diesem Jahr steht allerdings gegen den Markttrend ein Minus von 1% in der Statistik.
Hintergrund können die leicht enttäuschend ausgefallenen Ergebnisse des abgelaufenen Jahres sein. Denn die Erwartungen waren hoch und wurden nicht übertroffen. So wuchs der Umsatz um 7,6%, organisch sogar um 11,0%. Das Wachstum war in allen Regionen aus eigener Kraft zweistellig, mit einer Ausnahme: China. In Nordasien (mit dem wichtigsten Markt China) sank der Umsatz um 0,9%.
L’Oréal ist es erneut gelungen, die Gewinnmarge zu steigern. Sie liegt nun bei 19,8% (+0,30%-Punkte) und führte unterm Strich zu einem Anstieg des Gewinns je Aktie um 7,3% auf 12,08 €.
Das Umsatzminus in Nordasien ist allerdings eine Belastung, die dann auch der Grund für den Kursrückgang in diesem Jahr ist. Hintergrund ist laut L’Oréal, dass auf dem chinesischen Festland, wo der Schönheitsmarkt stagnierte, L’Oréal sogar um +5,4% wuchs und seine Führungsposition deutlich ausbauen konnte. Aber es gab eine Änderung der Politik in Bezug auf Daigou. Das ist eine Besonderheit des chinesischen Marktes, bei der im Ausland lebende Personen im Auftrag von Kunden in China Waren einkaufen und sie dann nach China schicken. Das ist besonders bei Luxusartikeln beliebt, zu denen auch die L’Oréal-Produkte gehören. Sie sind im Ausland oft günstiger und die Kunden haben eine größere Sicherheit, keine Fälschungen zu erwerben.
Vor der Pandemie verdienten offenbar zahlreiche Chinesen ihren Lebensunterhalt damit, ins Ausland zu reisen und dort billigere Artikel zu kaufen. Durch die Reisebeschränkungen (gepaart mit gestiegenen Flugkosten und langen Wartezeiten für Visa) ist dieser Markt allerdings komplett zum Erliegen gekommen.
Es ist kein Thema, das nur L’Oréal betrifft. Estee Lauder konnte z.B. Schätzungen zufolge vor der Pandemie bis zu 40% seiner gesamten Verkäufe an chinesische Verbraucher auf Daigou zurückführen.
Mit dem Wegfall dieser Marktpraxis muss sich L’Oréal umstellen und baut seinen Direktvertrieb in China aus. Denn auch er bietet den Verbrauchern die Gewissheit, ein Originalprodukt zu erwerben.
Es wird aus meiner Sicht aber noch etwas dauern, bis dieser Umsatzeinbruch aufgeholt ist. Denn es ist ja nicht nur der fehlende Umsatz, sondern auch der Abstand zu den anderen stark gewachsenen Märkten, der sich vergrößert hat.
Mit 12,08 € Gewinn je Aktie ist L’Oréal bei einem Aktienkurs von 441,20 € immer noch mit dem 36,5-fachen bewertet. Das liegt im Bereich dessen, was ich seit meinem Einstieg vor vier Jahren beobachte.
Ich bin auch grundsätzlich bereit, eine solche Bewertung zu akzeptieren. Denn schließlich verfügt L’Oréal über eine Preissetzungsmacht und kann höhere Einkaufskosten über den Preis an seine Kunden weitergeben. Zugleich wachsen die Marktanteile und damit das Volumen. Menschen auf der ganzen Welt „gönnen“ sich den Luxus hochwertiger Kosmetik. Oder sie greifen zu teuren gesundheitlichen Hautpflegeprodukten.
Und die Probleme in China wird das Unternehmen auch in den Griff kriegen. Denn klar ist auch, dass eine entsprechende Nachfrage besteht. Sie muss nun von Daigou auf die eigenen Kanäle umgelenkt werden.
Größere Kursrückschläge sind deshalb für mich Einstiegsgelegenheiten. Als Aktionär profitiere ich von diesem Wachstum – sowohl beim Aktienkurs als auch bei der Dividende. Aber trotzdem versuche ich, einen etwas günstigeren Einstieg zu bekommen. Dann macht das Engagement einfach noch mehr Sinn und auch mehr Spaß. L’Oréal ist grundsätzlich einer der Titel, mit denen ich sehr ruhig schlafen kann und um die ich mir keine Sorgen mache. Eine Aktie, die ich nie mehr verkaufen, sondern – wenn sich die Gelegenheit ergibt – weiter zukaufen werde.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | L’Oréal S.A. |
| ISIN: | FR0000120321 |
| Im Divantis-Depot seit: | 10.02.2020 |
| Letzter Nachkauf am: | 27.01.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 17 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 337,48 € |
| Gesamtkaufpreis: | 5.737,12 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 239,02 € |
| Aktuelle Strategie: | Bei Kursschwäche nachkaufen |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| 2023 Annual Results |
| ‚Daigou‘ goes corporate as retailers seek new ways to reach Chinese shoppers |


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