Was Dich hier erwartet:
Wir erleben es bei zahlreichen Versicherungstiteln, dass sie in der letzten Zeit erhebliche Kursgewinne zu verzeichnen haben. Ehemals waren sie für ihre Dividendenrendite geschätzt, nun ist sie jedoch nur noch unterdurchschnittlich. Aber die großen und bekannten Titel haben ihre Dividendenerhöhungen noch nicht verkündet und können mit entsprechenden Aufschlägen durchaus noch etwas daran verbessern.
Ein eher unbekannter Versicherungstitel aus Norwegen, den ich jetzt seit 3 Jahren im Depot habe, hat sich allerdings komplett transformiert. Gekauft habe ich die Aktie damals (so lang ist das aber ja noch gar nicht her!) mit einer Dividendenrendite von 8%. Und mittlerweile steht nicht einmal mehr eine 2 vor dem Komma!
Dafür hat sich der Aktienkurs in diesen 3 Jahren rasant entwickelt: +150% können sich wahrlich sehen lassen.
Und so bin ich natürlich sehr zufrieden mit der Entwicklung – auch wenn mein ursprünglicher Investmentansatz ein anderer war.
Wie ich die weitere Entwicklung nun einschätze und ob ich noch mal nachkaufen will, erfährst Du in diesem Beitrag.
Die bisher einzige norwegische Aktie in meinem Depot ist der Versicherer Protector Forsikring. Ihn habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Die Entwicklung des Aktienkurses ist in den letzten Jahren überzeugend: Im Tief war die Aktie im Corona-Crash 2020 für 2 € zu haben. Wer damals eingestiegen ist, hat heute einen Multibagger: die Aktie kostet inzwischen mehr als 27 €. Aber auch mein Einstieg Anfang 2022 im Bereich zwischen 10 und 12 € hat sich mehr als gelohnt:

Meinen letzten Nachkauf tätigte ich am 29. April 2024 und erhöhte meinen Bestand um 50 Aktien zum Kurs von 18,95 € je Aktie (hier der Bericht dazu). Nach gerade einmal 10 Monaten steht schon ein Kursplus von 43,5%.
Dividendenzahlung
Protector Forsikring zahlt nun eine Dividende von 4 NOK je Aktie. Im letzten Jahr hatte es im Februar noch 5 NOK Dividende je Aktie gegeben. Insofern ist das eine Senkung um 20%. Allerdings ist noch nicht sicher, wie sich die Dividende insgesamt in 2025 entwickelt. Das Management entscheidet von Quartal zu Quartal, ob es eine Dividende auszahlt. 2024 gab es neben den 5 NOK im Februar noch je 2 NOK im Mai und im Juli, insgesamt also 9 NOK. (Anmerkung: in der ersten Version dieses Beitrags hatte ich die Juli-Zahlung „unterschlagen“). Da wir erst am Anfang des Jahres stehen, sind also noch einige Quartalsdividenden möglich, um den Vorjahreswert zu erreichen oder auch zu übertreffen.
Für die 450 Aktien in meinem Depot ergibt sich nun jedenfalls eine Brutto-Dividende von 1.800 NOK. Im letzten Jahr stand ich im Februar noch bei 400 Aktien und erhielt für diese 2.000 NOK. Tatsächlich fehlen mir also jetzt „nur“ 10% Dividende im Vorjahresvergleich.
Die Bruttodividende wurde von der 1822direkt zum Kurs von 11,7603 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Nettodividende von 74,42 €. Sie wurde mit Wertstellung 17.02.2025 verbucht.

Dividendenrendite und YoC
Die Errechnung der Dividendenrendite ist bei Protector Forsikring nicht so einfach, da sich die Dividendenzahlungen schlecht vorhersagen lassen. 2024 wurden in 3 Zahlungen 9 NOK ausgeschüttet. 2023 gab es ebenfalls 3 Zahltermine (Februar, Mai und Juli) und insgesamt 10 NOK Dividende.
Ich nehme zur Berechnung der Dividendenrendite einfach einmal an, dass es wenigstens eine weitere Zahlung zu 2 NOK in diesem Jahr geben wird. Dann wären immerhin 6 NOK ausgeschüttet worden.
Bei einem aktuellen Aktienkurs von 314 NOK (Kurs am Tag vor dem offiziellen Dividendenzahltag) errechnet sich dann eine Dividendenrendite von 1,9%. Bei einem heutigen Kauf gibt es aber keine Garantie, innerhalb der nächsten 12 Monate tatsächlich diese Dividendenrendite zu erzielen. Sie kann höher oder niedriger sein.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) ist zwar noch höher, aber auch nicht mehr so prickelnd wie einst. Seit meinem Nachkauf im April 2024 liegt mein Einstand für alle 450 Aktien bei 5.287,14 €. Rechne ich mit den 6 NOK Dividende, dann erhalte ich auf das ganze Jahr hochgerechnet – bei unterstelltem identischen Umrechnungskurs – eine Jahresbruttodividende von 2.700 NOK bzw. 229,59 €. Das entspricht einem YoC von 4,3%.
Quellensteuer
Die Quellensteuersituation bei Norwegen ist zunächst nachteilig. Auf der Abrechnung ist das gut zu sehen: Es werden einerseits 25% Quellensteuer abgezogen. Und auf der anderen Seite die deutsche Kapitalertragsteuer nebst Solidaritätszuschlag berechnet.
Manche Banken bieten allerdings an, den Quellensteuerabzug vorab auf 15% zu reduzieren, wenn man ein entsprechendes Formular seines Finanzamts einreicht. Das richtig ausgefüllte Formular ist dann für das laufende Jahr plus zwei weitere Kalenderjahre gültig.
Die DKB nimmt dafür eine Gebühr von 30 €, die bei jeder Erneuerung des Formulars erneut anfällt. Die 1822direkt hat diesen Service hingegen bisher gebührenfrei angeboten, überarbeitet aber wohl gerade ihr Angebot.
Ich habe den Antrag nun gestellt und bin gespannt, ob er zur möglichen Mai-Dividende dann wirksam sein wird. Dann sollten meine Dividenden auch 2026 und 2027 netto höher ausfallen.
Perspektiven
Mit +59,5% Total Return war Protector Forsikring (durch den unterjährigen Nachkauf ist der Wert sogar etwas niedriger als wenn ich nichts gemacht hätte) der Topperformer des Jahres 2024 in meinem Dividendendepot. Und mit +13,1% steht die Aktie auch in diesem Jahr schon wieder sehr weit Oben im Ranking.
Und seit meinem Erstkauf von Protector Forsikring gibt es keine Aktie in meinem Depot, die in diesem Zeitraum besser abgeschnitten hat (Total Return von 180%). „Verfolger“ mit deutlichem Abstand sind interessanterweise Munich Re (118%) und Talanx (117%). Die Allianz kommt „lediglich“ auf 66%.
Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme und sie bezieht sich auch nur auf mein Depot. Würde man den Vergleichszeitraum verschieben oder andere Titel mit hinzunehmen, dann könnte das Ranking ganz anders aussehen.
Und trotzdem ist es für mich persönlich sehr aufschlussreich. Denn einerseits zeigt es mir, dass die Versicherungstitel in diesen 3 Jahren wirklich eine Rallye hingelegt haben. Und dass Protector Forsikring innerhalb dieser Branche zumindest zu meinem Kaufzeitpunkt offenbar günstig bewertet war. Und diese Erkenntnis freut mich dann natürlich. Bestätigt sie doch in gewisser Weise, dass ich beim damaligen Research etwas richtig gesehen habe, was die Märkte so in dieser Ausprägung noch nicht antizipiert hatten.
Aber das ist der Blick in den Rückspiegel und die Fahrt geht bekanntlich vorwärts. Und als Investor frage ich mich regelmäßig, ob mit meinen Unternehmen weiterhin alles in Ordnung ist oder ich etwas nachjustieren muss. Und natürlich stellt sich auch die Frage nach der aktuellen Bewertung und ob da womöglich eine Nachkaufgelegenheit besteht.
Am 29. Januar, also nur 2 Wochen vor der Dividendenzahlung, hat Protector Forsikring seine Geschäftsergebnisse für 2024 veröffentlicht. Der Jahresgewinn betrug dabei 1.539 Mio. NOK, was einem leichten Anstieg von 2,0% entspricht (2023: 1.509 Mio. NOK). Das versicherungstechnische Ergebnis belief sich auf 1.404 Mio. NOK (2023: 1.080 Mio. NOK), bei einer kombinierten Schaden-Kosten-Quote von 88,1% (2023: 88,5%). Die Bruttoprämien stiegen um 18% auf 12.333 Mio. NOK (15% in lokalen Währungen), mit wesentlichem Wachstum in Großbritannien (+26%) und Norwegen (+21%). Aber auch in Schweden/Finnland und Dänemark: wurden Wachstumsraten von 5% bzw. 16% erzielt.
Protector Forsikring legte damit deutlich in seinem Kerngeschäft zu, während in den Vorjahren oftmals das Kapitalmarktergebnis einen bedeutenden Wachstumsanteil hatte. 2024 sank die Gesamtrendite auf das verwaltete Vermögen jedoch auf 4,9% (2023: 7,9%). Der Aktienanteil im Portfolio blieb mit 16,2% weitgehend stabil. Die Rendite des Anleiheportfolios betrug vor Risikokosten 5,2%, während die Aktienrendite bei moderaten 3,6% lag.
Aus meiner Sicht tragen die nackten Ergebnisse die Entwicklung des Aktienkurses nicht. Gerechtfertigt ist diese Performance allerdings, wenn man sich das Wachstum der Versicherungsprämien anschaut. Protector Forsikring ist immer noch der Newcomer, der neue Märkte erobert und dadurch stark wächst. Und Wachstumspotenzial ist weiterhin auch vorhanden.
Jüngst wurde der Markteintritt in Frankreich geschafft. Im Januar wurden dort bereits Abschlüsse in Höhe von 25 Mio. € erzielt, was 8% aller Prämieneinnahmen entspricht. Das Management hat das Ziel, Frankreich mittelfristig in die Top 3 der betreuten Länder zu bringen. Die kritische Masse für eine angemessene Kosten-/Risikostruktur wird allerdings erst in 3-4 Jahren erreicht werden.


Für mich ist das einer der wichtigsten Aspekte in meiner Aufteilung meiner Versicherungsaktien. Ich habe auf der einen Seite Unternehmen, die seit mehr als 100 Jahren existieren und über eine weltweite Marktdurchdringung agieren. Sie agieren wie große Tanker: schwer, behäbig und mit einem großen Wendekreis. Dafür transportieren sie massenweise Güter und bringen sie sicher ans Ziel. Auf der anderen Seite habe ich dann Unternehmen (zu denen auch Protector Forsikring zählt), die wie Schnellboote agieren: sie sind wendig, agil und kommen schnell ans Ziel. Aber sie haben Schwierigkeiten bei hohem Seegang und manche sinken womöglich auch mal.
Das ist natürlich nur ein Bild und nicht 1:1 auf meine Depotpositionen der Versicherungsbranche zu übertragen. Aber es hilft mir, eine Einschätzung zu den Aktien zu entwickeln. Und während ich bei einem Tanker wie Munich Re oder Allianz eine Dividendenkürzung nicht erwarte, stören mich die schwankenden Zahlungen bei Protektor Forsikring nicht. Solange die Geschwindigkeit in der Expansion in neue Märkte beibehalten wird, ist das Schnellboot für mich auf Kurs.
Allerdings sehe ich weiterhin sehr viel Euphorie in der Aktie. Sie macht mich hinsichtlich eines Nachkaufs vorsichtig. Meine Depotposition hat aber auch inzwischen einen Marktwert von mehr als 12.000 € und damit ein Depotgewicht von 2,3%. Damit muss ich sie nicht zwingend vergrößern, sondern profitiere auch so schon von möglichen weiteren Kurssteigerungen in ausreichendem Maße.
Aber bekanntlich bin ich ja ein Freund von runden Aktienpositionen. Und die „450“ würde ich deshalb gerne perspektivisch zu einer „500“ machen. Aber nicht um jeden Preis… Deshalb beobachte ich die Kursentwicklung weiterhin aufmerksam, habe aber aktuell kein Kauflimit im Markt. Mein Wunsch wäre, die fehlenden 50 Aktien noch mal für etwa 20 € kaufen zu können. Dann hätte ich noch mal 1.000 € auf den Tisch gelegt und für meine Gesamtposition einen durchschnittlichen Einstandskurs von ca. 12,50 € (statt bisher 11,75 €). Damit könnte ich die Position dann für die Zukunft liegen lassen und hätte auch etwas Puffer bei immer möglichen Krisenszenarien.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Protector Forsikring |
| ISIN: | NO0010209331 |
| Im Divantis-Depot seit: | 04.02.2022 |
| Letzter Nachkauf am: | 23.10.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 500 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 14,69 € |
| Gesamtkaufpreis: | 7.344,66 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 805,79 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| 2024: CR 88.1%, earnings per share NOK 18.7 |
| Interim Report FY&Q4 2024 (PROT) |
| Investor presentation FY&Q4 2024 (PROT) |


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