Was Dich hier erwartet:
Nach Jahren des Wartens hatte ich mich im Januar endlich zu einem Nachkauf bei diesem Klassiker am deutschen Börsenkurszettel entschieden. Und es war tatsächlich etwas FOMO dabei. Der Aktienkurs ist zuletzt sehr gut gelaufen und meine ursprünglichen Kauflimite waren viel zu niedrig.
Im Hinblick auf die Dividendenzahlung im Februar kaufte ich dann einfach. Genau das hatte ich in den letzten Jahren vermieden. Aber nun war es mir egal. Genauso wie die Tatsache, dass der Kurs in den Folgetagen etwas nachgab.
Denn das beobachte ich immer wieder: kaum habe ich gekauft, geht der Aktienkurs erst mal runter. Natürlich ist das nur Psychologie und meine Order hat keinen Einfluss auf die Kursentwicklung. Aber im Gedächtnis bleiben immer diese Kursentwicklungen nach meinem Kauf.
Nun, einen Monat später, stellt sich der Nachkauf allerdings als gut getimet dar. Die Dividende habe ich bekommen und der Aktienkurs ist trotzdem deutlich höher.
Damit setzt sich die positive Entwicklung der Aktie fort. Inwiefern sie auch von den Unternehmenszahlen getragen wird und wie ich die weiteren Perspektiven einschätze, erfährst Du in diesem Beitrag.
Im Langfristchart des DAX-Schwergewichts Siemens ist deutlich erkennbar, dass die Position in den ersten Jahren viel Geduld erforderte. Dem ersten Kauf im Januar 2014 folgte eine Seitwärtsbewegung mit leicht fallender Tendenz. Die nächsten fünf Käufe fanden allesamt auf niedrigerem Kursniveau statt. Ein kleines Hoch im Jahr 2015 animierte mich damals, ein paar Gewinne mitzunehmen (Teilverkauf). 2016 und 2017 kaufte ich die Aktien wieder zurück und ab dann stand meine Position bei 120 Stück. 2020 ging es mit dem Corona-Crash abwärts und 2022 war der russische Angriff auf die Ukraine Auslöser für den Kursrückgang. Seit Ende 2023 geht es nun aufwärts, wobei im August 2024 noch einmal ein Zwischentief bei 155 € lag. Den Konzern habe ich hier vorgestellt.

Der Aktienkauf
Seit Jahren hat es mich gestört, dass ich bei meinen großen Depotpositionen jeweils Stückzahlen halte, die durch 25 teilbar sind, nur Siemens mit 120 Aktien aus dem Rahmen fällt. Natürlich ist das nur ein optisches Thema und hat mit der Gewichtung im Depot auch nichts zu tun. Aber dieses Störgefühl kam insbesondere zur Dividendenzahlung immer wieder auf. Gleichzeitig war es dann jedoch nicht so groß, dass ich mich zu einem Nachkauf durchringen konnte.
Dieses Jahr war das dann anders. Genau wie in den Vorjahren wartete ich auf einen Kursrückgang nach der Ankündigung der Dividendenzahlung. Und genau wie in den Vorjahren kam er nicht. Nur diesmal griff ich tatsächlich zu, obwohl ich den Kurs eigentlich für gefühlt zu hoch empfinde. Nicht wegen der Bewertung selbst, sondern deshalb, weil ich die Aktie immer wieder günstiger hätte kaufen können. Du merkst, es ist viel Psychologie dabei…
Am 22. Januar 2025 kaufte ich 5 Aktien zum Kurs von 207,15 € in mein Depot bei flatex. Als Handelsplatz wählte ich gettex, da dort zu meinem Kaufzeitpunkt der Briefkurs 5 Cent niedriger als an den anderen Handelsplätzen war. Als Provision zahlte ich 7,90 € und damit insgesamt 1.043,65 € für diesen Nachkauf.

Prinzipiell ist es eher unsinnig, die Aktien vor der Dividendenzahlung zu kaufen. Denn durch den Steuerabzug und den Dividendenabschlag verliere ich faktisch Geld und könnte die Aktie nach der Hauptversammlung voraussichtlich günstiger kaufen. Aber auch hier ist für mich wieder Psychologie im Spiel: Ich liebe ja Dividenden und rechne deshalb anders: die Dividendenzahlung ist höher als meine Kaufprovision. Und damit erhalte ich die gezahlten Gebühren zeitnah zurück und wie sich der Aktienkurs entwickelt, darauf habe ich eh keinen Einfluss. Hinzu kommt, dass ich nach der Hauptversammlung vermutlich – wie in den Vorjahren – gedacht hätte, dass bestimmt noch eine Schwächephase kommt und ich dann im Sommer oder Herbst den Nachkauf tätigen könnte. Aber diesmal wollte ich es einfach nicht mehr auf die lange Bank schieben.
So ist es mir nun, auch angesichts des vergleichsweise geringen Nachkaufvolumens, tendenziell egal, wenn ich zu teuer nachgekauft habe. Es überwiegt die Zufriedenheit, nun 125 Siemens-Aktien im Depot zu halten.
Dividendenzahlung
Siemens zahlt in diesem Jahr eine Dividende in Höhe von 5,20 €. Gegenüber dem letzten Jahr (4,70 €) ist das eine Erhöhung um 10,6%. Auch im letzten Jahr lag die Erhöhung übrigens bei 10,6%. Für die nun 125 Siemens-Aktien in meinem Dividendendepot ergibt sich eine Brutto-Dividende von 650 €. Da ich die Aktien aufgrund des stark unterschiedlichen Einstands in zwei separaten Depots halte, habe ich auch zwei Dividendenabrechnungen. Beim S-Broker liegen die 120 „alten“ Aktien und ich habe einen Freistellungsauftrag erteilt. Dort wurden mir deshalb keine Steuern abgezogen. Die 5 „neuen“ Aktien liegen bei flatex und mir wurde die normale Kapitalertragsteuer und der Solidaritätsabschlag berechnet. In der Addition erhalte ich eine Netto-Dividende von 643,15 €. Sie wurde mit Wertstellung 18.02.2025 überwiesen.


Die aktuelle Dividendenrendite von Siemens liegt bei 5,20 € Dividende und einem Aktienkurs von 225 € (Kurs vom Dividendenzahltag) bei 2,3%. Es ist aus meiner Sicht wahrscheinlich, dass es auch im nächsten Jahr eine Dividendenerhöhung geben wird. Bei einem heutigen Kauf wäre die Dividendenrendite damit voraussichtlich noch etwas höher.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) ist kompliziert. Wenn ich einfach nur meinen Bestand von 125 Aktien nehme, dann habe ich dafür 12.521,55 € bezahlt. Das entspricht 100,17 € pro Aktie. Die 5,20 € entsprechen damit einem YoC von 5,2%. Dabei könnte ich es jetzt einfach belassen. Aber mir gefällt es, ein bißchen mehr zu differenzieren:
Bei den 120 „alten“ Aktien habe ich einen Einstand von ursprünglich 11.477,90 € (95,65 € je Aktie). Der YoC liegt hier deshalb bei 5,4%.
Allerdings wurde dieser Einstandspreis steuerlich durch die Abspaltung von Siemens Energy um 3.825,97 € reduziert. Seitdem beträgt mein steuerlicher Einstand je „alter“ Aktie nur noch 63,77 €. Und mein YoC damit 8,2%.
Und es geht noch weiter, mit den möglichen Werten: Die Siemens Energy Aktien habe ich seinerzeit für 1.488,83 € verkauft. Das ist der Betrag um den sich mein echter Einstandspreis von Siemens tatsächlich in Cash reduziert hat. 9.989,07 € oder 83,24 € je alter Siemens-Aktie habe ich also wirklich bezahlt. Insoweit beträgt mein YoC für die alten Aktien 6,2%.
Addiere ich dazu jetzt den Nachkauf, dann habe ich einen „echten“ Einstand von 11.032,72 € oder 88,26 € je Aktie. Der YoC liegt damit bei 5,9% und das ist auch der Wert, den ich am ehrlichsten finde.
Perspektiven
Am 16.03.2017 hatte ich zuletzt Siemens-Aktien gekauft. Da war der Divantis-Blog gerade im 3. Monat live. Nun, knapp 8 Jahre später, also ein weiterer Kauf. Die Zeitspanne zeigt schon, dass ich es mir mit der Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Im Nachhinein sicherlich ein Fehler, denn es gab genug günstige Gelegenheiten. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Und ich war ja auch schon gut investiert, so dass dieser Nachkauf jetzt auch nur eine Aufstockung meiner Position um 4,2% darstellt.
Gegenüber 2017 stellt sich Siemens heute als anderes Unternehmen dar. Die Töchter Siemens Healthineers und Siemens Energy wurden abgespalten und Jahr für Jahr hat sich Siemens weiter vom Maschinenbauer zum digitalen Vorreiter transformiert. Abgeschlossen ist dieser Prozess noch nicht, aber er trägt Früchte. Und diese Früchte spiegeln sich dann eben auch im Aktienkurs wider.
Diese Transformation führt zu höherem Wachstum als in der Vergangenheit. So ist der Umsatz von Siemens von 2020 bis 2024 um durchschnittlich 8% gestiegen. Die Prognose sieht für 2025 ein weiteres Wachstum zwischen 6 und 9% vor. Nach einem Gewinn je Aktie von 10,54 € sollen in diesem Geschäftsjahr zwischen 10,40 und 11,00 € erzielt werden.
Nehme ich die Prognosemitte, dann habe ich meinen Nachkauf zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,4 getätigt. Das ist zwar nicht günstig, aber zumindest günstiger in der Bewertung als viele Softwareunternehmen. Und es erklärt auch die derzeitige Dynamik des Aktienkurses.
Siemens war schon immer weltweit tätig. Der Umsatzanteil in Deutschland liegt inzwischen aber nur noch bei 15%. Und das ist auch gut so. Denn Wachstum findet in anderen Märkten statt. So tragen die USA 26% zum Umsatz bei, China liegt bei 11%.
Dazu tragen auch die Zukäufe der letzten Jahre bei. Erst 2024 wurde so z.B. Altair erworben. Altair bietet cloudbasierte AI-Lösungen im Industriebereich an und erzielte zuletzt 650 Mio. US$ Umsatz. Für den Kauf legt Siemens rund 10 Mrd. US$ auf den Tisch. Auch das ist nicht günstig. Aber das Siemens-Management erwartet, dass die Akquisition bereits nach 2 Jahren positiv zum Ergebnis je Aktie beitragen wird.
Insgesamt kann man sich als Aktionär einfach zurücklehnen und die Entwicklung beobachten. Klar, einzelne Käufe kann man diskutieren. Aber 10 Mrd. US$ Kaufpreis sind dann für einen Konzern wie Siemens eben auch nicht dramatisch, sollten die Ziele doch nicht erreicht werden.
Wichtig ist aus meiner Sicht die Transformationsrichtung. Und da zeigen die berichteten Ergebnisse stetige Zuwächse bei den wiederkehrenden Umsätzen mit SaaS-Produkten. Als Aktionär profitiere ich davon mit steigenden Dividenden und Aktienrückkäufen.
Insofern bin ich einfach zufrieden mit meiner Depotposition und will sie nun mit 125 Stücken weiter liegen lassen.
Eine erfreuliche Nachricht gab es noch auf der Hauptversammlung: Dort fand die beantragte Satzungsänderung zur Abhaltung von virtuellen Hauptversammlung nicht die erforderliche qualifizierte Mehrheit. Das Siemens-Management wird sich also auch zukünftig einmal im Jahr seinen Inhabern persönlich stellen müssen. Ein wichtiger Schritt für die Aktionärsdemokratie, der hoffentlich auch Vorbildwirkung für andere deutsche Aktiengesellschaften haben wird.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Siemens AG |
| ISIN: | DE0007236101 |
| Im Divantis-Depot seit: | 21.01.2014 |
| Letzter Nachkauf am: | 22.01.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 125 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 100,17 € |
| Gesamtkaufpreis: | 12.521,55 € |
| steuerlicher Anschaffungswert: | 8.586,53 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 4.877,83 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |


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