Was Dich hier erwartet:
So scheint es momentan an den Börsen. Die Panik ist verflogen, die Kurse – mal abgesehen vom Ölpreis – steigen wieder und für viele Aktien sind die alten Hochs in greifbare Nähe gerückt.
Um es gleich vorweg zu sagen: Ich traue dem Braten nicht! Die Situation ist labil und die Pandemie noch lange nicht unter Kontrolle. Und die Auswirkungen auf die Realwirtschaft auch noch nicht klar.
Derzeit ist es doch bei einem Großteil der Aktien gar nicht möglich, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis zu berechnen. Weil die Gewinnschätzungen nicht aktualisiert sind oder auf Annahmen beruhen, die sich täglich als falsch erweisen.
Was also jetzt tun? Trotzdem investieren oder die Erholung zum Verkauf nutzen? Meine Meinung dazu erfährst Du in diesem Beitrag.
Wie ich den Crash erlebt habe
Ob wir den Crash schon hinter uns haben, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es für mich nicht der erste Crash war und auch nicht der letzte sein wird.
Und bei jedem Crash gibt es neue Dinge zu lernen. Das ist das Spannende an der Börse!
Ich bin bisher sehr zufrieden, wie ich mit dem Crash umgegangen bin. Ich habe Ruhe bewahrt und mich der allgemeinen Hektik nicht angeschlossen. Ich investiere weiter und zwar in Unternehmen, von denen ich viel halte. Und ich stelle jetzt nicht allgemein alle Unternehmen aus meinem Depot in Frage.
Ich habe sie alle aus einem speziellen Grund gekauft. Und schön diversifiziert. Dass jetzt einige Unternehmen sehr leiden, ist natürlich bitter. Aber in gewisser Weise auch beabsichtigt. Denn die Alternative wäre gewesen, dass entweder alle Unternehmen leiden (wenn ich nicht diversifiziert hätte) oder ich überhaupt keine Kursverluste hätte (wenn ich gar nicht investiert hätte).
Warum ich nicht verkauft habe und auch jetzt nicht verkaufe
Wenn ich mich im Crash oder jetzt aus Angst von meinen Aktien trenne, dann verpasse ich in jedem Fall die folgende Aufwärtsbewegung. Und meine Dividendeneinnahmen fallen komplett weg. So habe ich das Risiko, dass einige Unternehmen ihre Dividenden kürzen oder streichen werden. Damit kann ich aber besser leben als wenn ich mein Geld nur auf dem Girokonto oder unter dem Kopfkissen hätte.
Denn eins ist sicher: Wäre ich Mitte Februar beim Höchststand meines Depots ausgestiegen und hätte alles verkauft, dann wäre ich bis heute nicht wieder eingestiegen! Mir wäre die Situation weiterhin viel zu wacklig und ich hätte Angst, dass es noch weiter oder wieder runter geht. Und Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber!
Mein Depot hat zwischenzeitlich von seinen Höchstständen rund 100.000 € verloren. Inzwischen sind es „noch“ 40.000 €. Das sind aber Zahlen, die für mich wenig aussagen. Habe ich jetzt durch Nichtstun 60.000 € verdient? Natürlich nicht. Aber die 100.000 € waren ja auch nicht cashwirksam. Es sind Schwankungen bei den Buchgewinnen meines Depots. Von denen kann ich mir sowieso nichts kaufen – außer ich verkaufe.
Ich bleibe meinen Aktien treu
Ich habe aus guten Gründen manche Branchen nicht im Depot. Beispielsweise Fluggesellschaften. Dafür habe ich Flughäfen (Sydney Airport, Atlantia und VINCI) und Flugraumüberwachung (ENAV) im Depot. Klar, dass die im Moment leiden. Es gibt aber weiter Flugverkehr (Güter) und wird ihn auch in Zukunft wieder stärker geben. Ich bleibe langfristig in diese Unternehmen investiert, kaufe aber bis zur Beruhigung der Lage nicht nach.
Nachgekauft habe ich hingegen bei anderen Titeln. Oft war es zu früh, aber ich bereue keinen einzigen Kauf. Die meisten Aktien notieren inzwischen schon wieder höher. Selektive Käufe werde ich auch in den nächsten Wochen tätigen.
Was passiert mit den Dividenden?
Soeben hat Sydney Airport seine Halbjahresdividende gestrichen. Damit war leider zu rechnen.
Laut Berechnungen der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) werden nur 73% der Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX für 2019 eine Dividende zahlen. Das sind so wenige wie seit 2010 nicht mehr. Die Summe der Ausschüttungen dürfte gegenüber dem Vorjahr um 14% sinken.
Mein Dividendenziel von 11.000 € netto in 2020 kann ich wohl vergessen. Es gab bereits einige Streichungen und Senkungen. Und es werden auch noch weitere kommen. Und 2021 wird mit Sicherheit auch nicht rosig, da dann die schwachen Ergebnisse von 2020 zum Zuge kommen. Mit einer Erholung der Dividendensaison rechne ich ab 2022.
Immerhin bin ich froh, so diversifiziert zu haben. Ich werde weiterhin Dividenden bekommen und zumindest meine Dividendenaristokraten werden ihre Dividenden auch weiter erhöhen. So wird sich die Dividendendelle im Rahmen halten.
Positiver Nebeneffekt
Die meisten europäischen Unternehmen zahlen üblicherweise ihre Dividenden im April und Mai aus. Nämlich nach ihren Hauptversammlungen. Aufgrund der Pandemie sind diese Versammlungen und mit ihnen die Dividendenzahlungen zum Großteil verschoben worden.
Für mich hat das den positiven Nebeneffekt, dass ich in diesem Jahr auch im zweiten Halbjahr ordentliche Dividenden kassieren werde. Und diese Erträge dann auch wieder in Aktienkäufe reinvestieren kann. Und da ich erwarte, dass dann die Auswirkungen des Lockdowns in den Quartalszahlen und den Aktienkursen angekommen sein werden, sollte es dann auch einige gute Kaufgelegenheiten geben.
Ausblick
Die Corona-Pandemie wird uns noch viel länger beschäftigen als die momentane Erholung an der Börse Glauben macht. Es werden noch viele negative Meldungen kommen und es wird genug Kaufgelegenheiten geben. Ich habe im Crash nicht verkauft und verkaufe auch jetzt nicht. Ich stehe die Sondersituation gelassen durch und suche weiterhin nach entspannten Erträgen in der Zukunft.

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