Diese Aktie sollte schon beim ersten Kauf zu meinem Basisinvestment werden. Seit 10 Jahren habe ich sie nun im Depot und noch mehrfach nachgekauft. Schon damals blickte ich auf die Dividendenhistorie und mich überzeugte, dass die Dividende nicht gesenkt werden sollte.
Ich konnte mir allerdings nicht ausmalen, wohin die Macht des Zinseszinses einmal führen würde. Und es war auch für den Markt überraschend, dass die Dividende in diesem Jahr derart stark angehoben werden würde.
Das Krasse daran: die Dividendenpolitik ist immer noch intakt. Und ich rechne fest damit, dass es zu keiner Senkung kommen wird. Ich kann nun also allein mit dieser Aktie in meinem Depot mit heruntergebrochenen monatlichen Nettoerträgen von mehr als 100 € kalkulieren.
Und das – zwar nicht garantiert, aber doch wahrscheinlich – lebenslang. Wenn ich dafür eine Rentenversicherung mit Sofortverrentung abschließen wollte, müsste ich ein Vielfaches bezahlen.
Da es sich um eine Versicherungsaktie handelt, ist das für mich durchaus einen Vergleich wert. Das Berechnungsergebnis erfährst Du in diesem Beitrag.
Und natürlich – wie immer – meine Einschätzung zu den Perspektiven des Unternehmens. Und ich beschäftige mich mit der Frage nach der Obergrenze bei der Depotgewichtung. Schließlich hat die Aktie gegenüber dem Vorjahr noch weiter zugelegt.
Mein größter Depotwert ist seit dem Bestehen des Divantis-Blogs die Münchener Rück, auch Munich Re genannt. Hier habe ich sie ausführlich vorgestellt.
Aktuell liegt ihr Depotgewicht im Dividendendepot bei 10,6%.
Die Aktie ist für mich das absolute Basisinvestment im Hinblick auf Dividendenkontinuität, gepaart mit einer attraktiven Dividendenrendite. Und wie in jedem Jahr schüttet sie auch die höchste absolute Dividende in meinem Depot aus. Die Chartentwicklung ist beeindruckend, allerdings ging es in den letzten Wochen gute 10% vom Allzeithoch abwärts. Und in dieser Woche dann mit Vorlage der Quartalszahlen wieder 5% aufwärts:

Und weil ich mich selbst manchmal kneifen muss, habe ich mir extra noch mal die steuerlichen Anschaffungsdaten im Depot bei der comdirect anzeigen lassen. In der ersten Spalte ist jeweils die Stückzahl angegeben, es folgt das Kaufdatum und in der dritten Spalte der Gesamtkaufpreis und der jeweilige Preis pro Aktie:

Dividendenzahlung
Die Munich Re zahlt in diesem Jahr eine Dividende von 15,00 € pro Aktie. Das ist gegenüber dem Vorjahr (11,60 €) eine Erhöhung um 29,3%. Für die 125 Aktien in meinem Depot ergibt das eine Bruttodividende von beachtlichen 1.875 €. Davon wurden mir die normalen Steuern abgezogen und ich erhalte eine Netto-Dividende von 1.380,37 €. Sie wurde von der comdirect (Warum ich mehrere Depots bei verschiedenen Banken habe) mit Wertstellung 30.04.2024 überwiesen.


Die Dividendenrendite der Munich Re ist trotz der Dividendenerhöhung aktuell gar nicht so hoch. Denn der Aktienkurs ist ja auch deutlich gestiegen. Bei einem Kurs von 433,40 € entsprechen 15 € Dividende einer Dividendenrendite von 3,5%.
Meine persönliche Rendite auf meinen Einstand (Yield on Cost) liegt deutlich höher. Ich habe für die 125 Aktien 22.231,25 € bezahlt und erhalte nun 1.875 € Bruttodividende darauf. Das entspricht einem YoC von 8,4%. Hier kommt meine lange Haltedauer zum Tragen.
Perspektiven
Viele Versicherer bieten eine Sofortrente gegen Einmalzahlung an. Gerne hätte ich den Tarif der Ergo-Versicherung zum Vergleich herangezogen, er ist aber nicht öffentlich. Und ich habe keine Lust, mir ein Beratungsgespräch anzuhören, da ich nicht ernsthaft am Abschluss interessiert bin. Also habe ich auf einem Vergleichsportal geschaut, was der Markt hergibt. Und um eine garantierte jährliche Sofortrente in Höhe meiner Netto-Dividende zu erhalten, müsste ich 63.900 € bezahlen.

Natürlich ist das in gewisser Weise ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Denn die „mögliche“ Rente ist deutlich höher, aber sie ist abhängig von den Überschüssen, die die Versicherungsgesellschaft erzielt. Auf der anderen Seite müsste ich die Sofortrente noch versteuern, während ich bei der Munich Re schon die Nettodividende auf dem Konto habe.
Unterm Strich kommt es deshalb für mich ganz gut hin: 22.231 € ursprüngliches Invest in Munich Re stehen 63.900 € heutigem Invest für den gleichen Ertrag gegenüber. Und selbst wenn man erst heute die Aktien kaufen würde, müsste man „nur“ etwas über 54.000 € investieren. Und hätte auch die volle Flexibilität, jederzeit wieder an sein Kapital zu kommen – abgesehen von den üblichen Kursschwankungen einer Aktie.
Im Rückblick weiterhin beeindruckend ist, dass ich durch die 10 Dividendenzahlungen der letzten Jahre bereits 9.635,09 € meines Investments zurückerhalten habe. Das sind 43,3% und in einer Nettobetrachtung habe ich „nur noch“ 12.596,16 €.
Und damit ist es jetzt schon absehbar, dass ich innerhalb der nächsten 9 Jahre meinen gesamten Einsatz zurück haben werde. Da die Munich Re vermutlich noch einige Dividendenerhöhungen einstreuen wird, wird der Zeitraum aber wohl noch kürzer sein.
Im letzten Jahr hatte ich breit darüber geschrieben, dass der Depotanteil der Munich Re an meiner eigenen Obergrenze von 10% kratzt. Zwischenzeitlich steuerte er in diesem Jahr sogar auf die 12% zu. Und auch unter Einbezug meiner anderen Depots war die 10%-Marke erreicht.
Wir haben letztes Jahr darüber diskutiert, ob es sinnvoller ist, eine gute Aktie laufen zu lassen oder seine Risiken zu begrenzen (hier sind die wertvollen Kommentare nachzulesen).
Ich habe mich dann entschieden, nichts zu machen und einfach der Aktie ihren freien Lauf zu lassen. Das vergangene Jahr hat mir dabei die Gewissheit gegeben, dass ich daran nichts ändern werde. Ich akzeptiere, dass die Aktie ein so hohes Depotgewicht hat.
Denn die Qualität ist vorhanden, das Geschäftsmodell ist seit Jahrzehnten bewährt und die Erträge und Ausschüttungen steigen. Und da schließt sich auch wieder der Kreis: Hätte ich mein Geld in eine Sofortrente gesteckt, dann könnte ich die ja auch nicht verkaufen. Ich wäre dann einfach zufrieden mit den Rentenzahlungen und würde mir keine Gedanken zu Obergrenzen oder Depotgewichten machen.
Und genauso fühle ich es inzwischen bei der Munich Re. Klar täte es meinem Depotwert nicht gut, wenn der Aktienkurs sich halbieren würde. Aber für die Dividenden würde sich ja dann nichts ändern. Und wäre die Aktie dann auf einmal wieder besser, weil sie nach dem Kursrückgang nicht mehr so ein hohes Depotgewicht hätte? Natürlich nicht. Und an meinem eingesetzten Kapital würde sich ja auch nicht verändern.
Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, dauerhaft mit den 125 Aktien investiert zu bleiben. Ich werde die Entwicklung des Unternehmens weiterhin begleiten und beobachten. Aber so lang sich nichts Wesentliches ändert/verschlechtert, bleibt der Bestand unangetastet.
Insgesamt war 2023 ein herausragendes Jahr für die Rückversicherungsbranche. Die Preise für Rückversicherungen sind im vergangenen Jahr um 37% auf ein Rekordniveau gesprungen. Und auch für 2024 werden weitere Preiserhöhungen erwartet, allerdings sollen sie nicht mehr so stark sein. Das gestiegene Zinsniveau dürfte aber die Kapitalerträge weiter begünstigen, da fällige Anleihen zu höheren Zinsen reinvestiert werden können.
Die Munich Re erzielte 2023 ein um 0,6 Mrd. € über den Erwartungen liegendes Konzernergebnis von 4,6 Mrd. €. Damit konnte zum dritten Mal in Folge das eigene Gewinnziel übertroffen werden. In diesem Jahr soll es nun auf 5,0 Mrd. € steigen. Wird es schon leicht übertroffen, dann wäre das ein erneuter Gewinnanstieg um 10%, der dann auch zu einer entsprechenden weiteren Dividendenanhebung führen dürfte. Nach dem ersten Quartal 2024 sieht es zumindest schon sehr danach aus. Dort heißt es in der Berichterstattung: „Mit dem starken Ergebnis des ersten Quartals ist die Wahrscheinlichkeit, dieses Ergebnis zu übertreffen, gestiegen.“
Begünstigt wird die Entwicklung auch durch die zusätzlichen Aktienrückkäufe. So sollen in diesem Jahr weitere 1,5 Mrd. € in eigene Aktien investiert werden. Die Anzahl der existierenden Aktien hat sich innerhalb des letzten Jahres (jeweils zum Bilanzstichtag) bereits von 137.643.183 auf 136.468.150 reduziert. 1.175.033 Aktien (=0,85%) wurden zur letztjährigen Hauptversammlung eingezogen. Zusätzlich befinden sich zum Jahresende 2023 1.868.343 eigene Aktien (=1,37%) im Bestand, die zum Einzug in 2024 vorgesehen sind.
Ich mache mir bei Unternehmen, die regelmäßig ihre Aktienanzahl verringern, den Spaß und berechne meinen eigenen Unternehmensanteil. Er lag bei der Munich Re zum 31.12.2022 bei 0,0000908%. Zum 31.12.2023 stieg er nun auf 0,0000916%. Und nach dem angekündigten Einzug der weiteren Aktien wird er auf 0,0000929% steigen. Das sind zwar nur Erhöhungen der siebten Nachkommastelle. Aber es ist schön zu sehen, wie mein Unternehmensanteil steigt, ohne dass ich dafür etwas machen muss.
Und wenn ich in spätestens 9 Jahren mein Invest durch die Dividenden komplett zurück haben werde, dann könnte mein Anteil auch schon die vierte Nachkommastelle erreicht haben.
Die für die Dividende relevanteste Zahl ist die Solvenzquote. Sie stellt die Fähigkeit einer Versicherung dar, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Europaweit lagen die Rückversicherer per Ende 2023 mit 263% gut 40%-Punkte über dem Versicherungssektordurchschnitt. Die Munich Re selbst konnte ihre Solvenzquote sogar von 260% auf 267% steigern. Sie wurde schon unter Abzug der Dividende berechnet.
Und diese komfortable Solvenzquote zeigt, dass auch für 2024 noch genug Luft für weitere Erhöhungen ist. Als Ziel für 2025 hatte der Vorstand übrigens „nur“ 175-220% ausgegeben. Den Zinsanstieg konnte aber auch das Management nicht in dieser Höhe vorhersehen und er stellt nun einen deutlichen Rückenwind dar.
Insgesamt ist die Munich Re auch operativ sehr gut aufgestellt. Der Erstversicherer Ergo entwickelt sich immer besser und das Rückversicherungsgeschäft boomt ohnehin.
Ich sehe die Munich Re deshalb weiterhin als ideales Basisinvestment für ein dividendenorientiertes Depot. Seit Start der Dividendenzahlungen 1994 gab es bei der Munich Re noch nie eine Kürzung und die nächste Erhöhung ist auch wahrscheinlich. Das Kursniveau der Aktie ist dabei jedoch nicht mehr so günstig wie noch vor zwei Jahren. Aber auf lange Sicht dürfte das Wachstum auch zu einer ordentlichen Rendite führen. Und an meinem Yield on Cost von 8,4% sieht man anschaulich, wohin Geduld mit einem Investment führen kann. Ich halte es für quasi unvermeidbar, dass dieser Wert in den nächsten Jahren zweistellig werden wird.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Münchener Rück |
| ISIN: | DE0008430026 |
| Im Divantis-Depot seit: | 07.08.2014 |
| Letzter Nachkauf am: | 27.04.2016 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 125 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 177,85 € |
| Gesamtkaufpreis: | 22.231,25 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 11.475,72 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Finanzergebnisse 2023 Präsentation |
| Finanzergebnisse 2023 Mitteilung |
| Geschäftsbericht (Konzern) 2023 |
| Geschäftsbericht (AG) 2023 |
| Quartalsmitteilung Q1 2024 |


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