Ehemals 22.000 investierte Euros bringen jetzt mehr als 100 Euro im Monat netto

Munich Re Symboldbild
4.8
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Diese Aktie sollte schon beim ersten Kauf zu meinem Basisinvestment werden. Seit 10 Jahren habe ich sie nun im Depot und noch mehrfach nachgekauft. Schon damals blickte ich auf die Dividendenhistorie und mich überzeugte, dass die Dividende nicht gesenkt werden sollte.

Ich konnte mir allerdings nicht ausmalen, wohin die Macht des Zinseszinses einmal führen würde. Und es war auch für den Markt überraschend, dass die Dividende in diesem Jahr derart stark angehoben werden würde.

Das Krasse daran: die Dividendenpolitik ist immer noch intakt. Und ich rechne fest damit, dass es zu keiner Senkung kommen wird. Ich kann nun also allein mit dieser Aktie in meinem Depot mit heruntergebrochenen monatlichen Nettoerträgen von mehr als 100 € kalkulieren.

Und das – zwar nicht garantiert, aber doch wahrscheinlich – lebenslang. Wenn ich dafür eine Rentenversicherung mit Sofortverrentung abschließen wollte, müsste ich ein Vielfaches bezahlen.

Da es sich um eine Versicherungsaktie handelt, ist das für mich durchaus einen Vergleich wert. Das Berechnungsergebnis erfährst Du in diesem Beitrag.

Und natürlich – wie immer – meine Einschätzung zu den Perspektiven des Unternehmens. Und ich beschäftige mich mit der Frage nach der Obergrenze bei der Depotgewichtung. Schließlich hat die Aktie gegenüber dem Vorjahr noch weiter zugelegt.

Mein größter Depotwert ist seit dem Bestehen des Divantis-Blogs die Münchener Rück, auch Munich Re genannt. Hier habe ich sie ausführlich vorgestellt.

Aktuell liegt ihr Depotgewicht im Dividendendepot bei 10,6%.

Die Aktie ist für mich das absolute Basisinvestment im Hinblick auf Dividendenkontinuität, gepaart mit einer attraktiven Dividendenrendite. Und wie in jedem Jahr schüttet sie auch die höchste absolute Dividende in meinem Depot aus. Die Chartentwicklung ist beeindruckend, allerdings ging es in den letzten Wochen gute 10% vom Allzeithoch abwärts. Und in dieser Woche dann mit Vorlage der Quartalszahlen wieder 5% aufwärts:

10-Jahres-Chart der Munich Re
10-Jahres-Chart der Munich Re

Und weil ich mich selbst manchmal kneifen muss, habe ich mir extra noch mal die steuerlichen Anschaffungsdaten im Depot bei der comdirect anzeigen lassen. In der ersten Spalte ist jeweils die Stückzahl angegeben, es folgt das Kaufdatum und in der dritten Spalte der Gesamtkaufpreis und der jeweilige Preis pro Aktie:

Münchener Rück im Dividendendepot, die steuerlichen Anschaffungsdaten
steuerliche Anschaffungsdaten der Gesamtposition Münchener Rück

Dividendenzahlung

Die Munich Re zahlt in diesem Jahr eine Dividende von 15,00 € pro Aktie. Das ist gegenüber dem Vorjahr (11,60 €) eine Erhöhung um 29,3%. Für die 125 Aktien in meinem Depot ergibt das eine Bruttodividende von beachtlichen 1.875 €. Davon wurden mir die normalen Steuern abgezogen und ich erhalte eine Netto-Dividende von 1.380,37 €. Sie wurde von der comdirect (Warum ich mehrere Depots bei verschiedenen Banken habe) mit Wertstellung 30.04.2024 überwiesen.

Dividendengutschrift Munich Re im April 2024
Dividendengutschrift Munich Re im April 2024 Steuer

Die Dividendenrendite der Munich Re ist trotz der Dividendenerhöhung aktuell gar nicht so hoch. Denn der Aktienkurs ist ja auch deutlich gestiegen. Bei einem Kurs von 433,40 € entsprechen 15 € Dividende einer Dividendenrendite von 3,5%.

Meine persönliche Rendite auf meinen Einstand (Yield on Cost) liegt deutlich höher. Ich habe für die 125 Aktien 22.231,25 € bezahlt und erhalte nun 1.875 € Bruttodividende darauf. Das entspricht einem YoC von 8,4%. Hier kommt meine lange Haltedauer zum Tragen.

Perspektiven

Viele Versicherer bieten eine Sofortrente gegen Einmalzahlung an. Gerne hätte ich den Tarif der Ergo-Versicherung zum Vergleich herangezogen, er ist aber nicht öffentlich. Und ich habe keine Lust, mir ein Beratungsgespräch anzuhören, da ich nicht ernsthaft am Abschluss interessiert bin. Also habe ich auf einem Vergleichsportal geschaut, was der Markt hergibt. Und um eine garantierte jährliche Sofortrente in Höhe meiner Netto-Dividende zu erhalten, müsste ich 63.900 € bezahlen.

Natürlich ist das in gewisser Weise ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Denn die „mögliche“ Rente ist deutlich höher, aber sie ist abhängig von den Überschüssen, die die Versicherungsgesellschaft erzielt. Auf der anderen Seite müsste ich die Sofortrente noch versteuern, während ich bei der Munich Re schon die Nettodividende auf dem Konto habe.

Unterm Strich kommt es deshalb für mich ganz gut hin: 22.231 € ursprüngliches Invest in Munich Re stehen 63.900 € heutigem Invest für den gleichen Ertrag gegenüber. Und selbst wenn man erst heute die Aktien kaufen würde, müsste man „nur“ etwas über 54.000 € investieren. Und hätte auch die volle Flexibilität, jederzeit wieder an sein Kapital zu kommen – abgesehen von den üblichen Kursschwankungen einer Aktie.

Im Rückblick weiterhin beeindruckend ist, dass ich durch die 10 Dividendenzahlungen der letzten Jahre bereits 9.635,09 € meines Investments zurückerhalten habe. Das sind 43,3% und in einer Nettobetrachtung habe ich „nur noch“ 12.596,16 €.

Und damit ist es jetzt schon absehbar, dass ich innerhalb der nächsten 9 Jahre meinen gesamten Einsatz zurück haben werde. Da die Munich Re vermutlich noch einige Dividendenerhöhungen einstreuen wird, wird der Zeitraum aber wohl noch kürzer sein.

Im letzten Jahr hatte ich breit darüber geschrieben, dass der Depotanteil der Munich Re an meiner eigenen Obergrenze von 10% kratzt. Zwischenzeitlich steuerte er in diesem Jahr sogar auf die 12% zu. Und auch unter Einbezug meiner anderen Depots war die 10%-Marke erreicht.

Wir haben letztes Jahr darüber diskutiert, ob es sinnvoller ist, eine gute Aktie laufen zu lassen oder seine Risiken zu begrenzen (hier sind die wertvollen Kommentare nachzulesen).

Ich habe mich dann entschieden, nichts zu machen und einfach der Aktie ihren freien Lauf zu lassen. Das vergangene Jahr hat mir dabei die Gewissheit gegeben, dass ich daran nichts ändern werde. Ich akzeptiere, dass die Aktie ein so hohes Depotgewicht hat.

Denn die Qualität ist vorhanden, das Geschäftsmodell ist seit Jahrzehnten bewährt und die Erträge und Ausschüttungen steigen. Und da schließt sich auch wieder der Kreis: Hätte ich mein Geld in eine Sofortrente gesteckt, dann könnte ich die ja auch nicht verkaufen. Ich wäre dann einfach zufrieden mit den Rentenzahlungen und würde mir keine Gedanken zu Obergrenzen oder Depotgewichten machen.

Und genauso fühle ich es inzwischen bei der Munich Re. Klar täte es meinem Depotwert nicht gut, wenn der Aktienkurs sich halbieren würde. Aber für die Dividenden würde sich ja dann nichts ändern. Und wäre die Aktie dann auf einmal wieder besser, weil sie nach dem Kursrückgang nicht mehr so ein hohes Depotgewicht hätte? Natürlich nicht. Und an meinem eingesetzten Kapital würde sich ja auch nicht verändern.

Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, dauerhaft mit den 125 Aktien investiert zu bleiben. Ich werde die Entwicklung des Unternehmens weiterhin begleiten und beobachten. Aber so lang sich nichts Wesentliches ändert/verschlechtert, bleibt der Bestand unangetastet.

Insgesamt war 2023 ein herausragendes Jahr für die Rückversicherungsbranche. Die Preise für Rückversicherungen sind im vergangenen Jahr um 37% auf ein Rekordniveau gesprungen. Und auch für 2024 werden weitere Preiserhöhungen erwartet, allerdings sollen sie nicht mehr so stark sein. Das gestiegene Zinsniveau dürfte aber die Kapitalerträge weiter begünstigen, da fällige Anleihen zu höheren Zinsen reinvestiert werden können.

Die Munich Re erzielte 2023 ein um 0,6 Mrd. € über den Erwartungen liegendes Konzernergebnis von 4,6 Mrd. €. Damit konnte zum dritten Mal in Folge das eigene Gewinnziel übertroffen werden. In diesem Jahr soll es nun auf 5,0 Mrd. € steigen. Wird es schon leicht übertroffen, dann wäre das ein erneuter Gewinnanstieg um 10%, der dann auch zu einer entsprechenden weiteren Dividendenanhebung führen dürfte. Nach dem ersten Quartal 2024 sieht es zumindest schon sehr danach aus. Dort heißt es in der Berichterstattung: „Mit dem starken Ergebnis des ersten Quartals ist die Wahrscheinlichkeit, dieses Ergebnis zu übertreffen, gestiegen.“

Begünstigt wird die Entwicklung auch durch die zusätzlichen Aktienrückkäufe. So sollen in diesem Jahr weitere 1,5 Mrd. € in eigene Aktien investiert werden. Die Anzahl der existierenden Aktien hat sich innerhalb des letzten Jahres (jeweils zum Bilanzstichtag) bereits von 137.643.183 auf 136.468.150 reduziert. 1.175.033 Aktien (=0,85%) wurden zur letztjährigen Hauptversammlung eingezogen. Zusätzlich befinden sich zum Jahresende 2023 1.868.343 eigene Aktien (=1,37%) im Bestand, die zum Einzug in 2024 vorgesehen sind.

Ich mache mir bei Unternehmen, die regelmäßig ihre Aktienanzahl verringern, den Spaß und berechne meinen eigenen Unternehmensanteil. Er lag bei der Munich Re zum 31.12.2022 bei 0,0000908%. Zum 31.12.2023 stieg er nun auf 0,0000916%. Und nach dem angekündigten Einzug der weiteren Aktien wird er auf 0,0000929% steigen. Das sind zwar nur Erhöhungen der siebten Nachkommastelle. Aber es ist schön zu sehen, wie mein Unternehmensanteil steigt, ohne dass ich dafür etwas machen muss.

Und wenn ich in spätestens 9 Jahren mein Invest durch die Dividenden komplett zurück haben werde, dann könnte mein Anteil auch schon die vierte Nachkommastelle erreicht haben.

Die für die Dividende relevanteste Zahl ist die Solvenzquote. Sie stellt die Fähigkeit einer Versicherung dar, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Europaweit lagen die Rückversicherer per Ende 2023 mit 263% gut 40%-Punkte über dem Versicherungssektordurchschnitt. Die Munich Re selbst konnte ihre Solvenzquote sogar von 260% auf 267% steigern. Sie wurde schon unter Abzug der Dividende berechnet.

Und diese komfortable Solvenzquote zeigt, dass auch für 2024 noch genug Luft für weitere Erhöhungen ist. Als Ziel für 2025 hatte der Vorstand übrigens „nur“ 175-220% ausgegeben. Den Zinsanstieg konnte aber auch das Management nicht in dieser Höhe vorhersehen und er stellt nun einen deutlichen Rückenwind dar.

Insgesamt ist die Munich Re auch operativ sehr gut aufgestellt. Der Erstversicherer Ergo entwickelt sich immer besser und das Rückversicherungsgeschäft boomt ohnehin.

Ich sehe die Munich Re deshalb weiterhin als ideales Basisinvestment für ein dividendenorientiertes Depot. Seit Start der Dividendenzahlungen 1994 gab es bei der Munich Re noch nie eine Kürzung und die nächste Erhöhung ist auch wahrscheinlich. Das Kursniveau der Aktie ist dabei jedoch nicht mehr so günstig wie noch vor zwei Jahren. Aber auf lange Sicht dürfte das Wachstum auch zu einer ordentlichen Rendite führen. Und an meinem Yield on Cost von 8,4% sieht man anschaulich, wohin Geduld mit einem Investment führen kann. Ich halte es für quasi unvermeidbar, dass dieser Wert in den nächsten Jahren zweistellig werden wird.

Auf einen Blick:

Unternehmen:Münchener Rück
ISIN:DE0008430026
Im Divantis-Depot seit:07.08.2014
Letzter Nachkauf am:27.04.2016
Stückzahl im Divantis-Depot:125
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:177,85 €
Gesamtkaufpreis:22.231,25 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:9.635,09 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende kassieren
für diesen Beitrag verwendete Quellen:
Finanzergebnisse 2023 Präsentation
Finanzergebnisse 2023 Mitteilung
Geschäftsbericht (Konzern) 2023
Geschäftsbericht (AG) 2023
Quartalsmitteilung Q1 2024

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18 Gedanken zu „Ehemals 22.000 investierte Euros bringen jetzt mehr als 100 Euro im Monat netto“

  1. Hallo in die Runde.

    Bin meiner Position der Munich Re auch sehr zufrieden!!!! Weltmarktführer mit Sitz in Deutschland, wichtiges Geschäftsfeld und ein klares Bekenntnis zu einer aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik…

    Ich habe aufgrund der super Kursentwicklung im letzten Jahr (auch) einen Teilverkauf überlegt. Zum Glück habe ich diesen aber nicht realisiert… Anhand deines Beitrages sieht man die mögliche Entwicklung, wenn man sie einfach hält – Es ist für mich eine Aktie fürs Leben, die ich gerne auch zu einem günstigeren Kurs mal nachkaufen möchte.

    G.

  2. Vielen Dank Ben,

    das gleiche mache ich mit Hannover Rück,
    da habe ich auch schon gute Kursgewinne und morgen gibt es wieder die Dividende.
    ich habe mich für die Hannover Rück wegen der höheren Eigenkapitalquote
    von derzeit 18,6% entschieden.

    Die MüncherRück sieht auch gut aus und hat mehr Jahresüberschuss,
    derzeit 4,6 Milliarden.
    Ich finde hier wird es Zeit für einen Split bei aktuell 436 € pro Anteil.

    Diversifikation ist besser als auf ein Pferd zu setzen.

    Ghost_69

  3. Hammer Ben,
    denn das war auch MEINE erste gekaufte Aktie, allerdings vor 5 Jahren (die zweite war übrigens Amgen…).
    Bayern und Fussball, das klappt vielleicht nicht immer, aber Bayern und Versicherung, das scheint gut zu funzen!
    Allianz halte ich auch, bin jedoch – da geben mir immer mal wieder die Zahlenvergleiche recht – doch mit ersterer etwas zufriedener.

    Das sind die Werte, die man als älterer Anleger im Depot sehen möchte, Leuchttürme der Dividenden- und der Geschäftszuverlässigkeit.

    Im Finanz-GICS runde ich ab mit Blackrock, T. Rowe und S&P Global ab.
    Mastercard/Visa wären auch eine gute Wahl, die niedrige Dividende hielt mich jedoch ab, einzusteigen.
    Bei Banken war ich mal investiert (Kanada), auch JP Morgan gefällt mir. Ich sehe hier jedoch starke Disruption voraus und halte mich da zurück.

    MunichRe (oder andere ähnliche) sind auch deshalb so sinnhaft, weil hier zwei Dinge zusammenkommen:
    Der Wunsch nach Abgesichertheit (bis hin zu „Vollkaskomentalität“) sowie
    die Eingespieltheit und Zuverlässigkeit eines jahrzehntelangen Unternehmens.
    Diese Kombi passt einfach.

    Das größte Risiko für MunichRe sehe ich – wie bei allen Unternehmen – in einem Sich-in-der-Komfortzone-gefallen, einem Rost-ansetzen (auch beim FC Bayern feststellbar? Bei meinem Heimatverein auf jeden Fall, ich sage nur „Raute“…;-(
    Als Veränderungsmanager finde ich das soziohistorisch sowieso total faszinierend: Unternehmen, denen es gelingt, sich weiterzuentwickeln, anzupassen, neu zu erfinden. Die gibt es immer wieder. Ein Schlüsselfaktor für Überleben und einen guten Aktienkurs.

    1. @Matthias

      starker letzter Abschnitt. Das ist ganz wichtig sich diese positive Flexibilität zu erhalten. Starre Systeme brechen früher oder später fast immer.

      @All

      Bei Matthias‘ Kommentar drängt sich bei mir eine Parallele zwischen der zuletzt in diesem Forum besprochenen Starbucks und dem benannten großen Fußballverein aus München auf. Irgendwie haben beide ehemalige starke Leitfiguren, die nicht loslassen können und vor allem den neuen Verantwortlichen keine Rückendeckung geben. Scheint bei beiden nicht der Optimalfall für die Leistungen zu sein.

      1. Hi, zu Starbucks, ja nicht sehr schön, wie Howard Schultz als de facto-Gründer seinem Nachfolger Narasimhan öffentlich über Linkedin in den Rücken fällt und ihm Führungsratschläge erteilt. Selbst Bob Iger und Lloyd Blankfein haben sich zwar privat, aber nie öffentlich nachweisbar über ihre Nachfolger mokiert, wie das wsj schreibt.
        Das hat insofern Geschmäckle, weil es latent impliziert, unter Schultz wäre der Ergebniseinbruch nicht passiert, der Nachweis dazu aber nie geführt werden kann. Trotzdem korreliert der Kursverfall bei Starbucks leider auch zeitlich ziemlich genau mit dem operativen Antritt Narasimhans. Während sich der gesamte Markt aus dem Bärenmarkt erholt und regelrecht aufblüht, fällt Starbucks seitdem im Kurs.
        Jedenfalls ist der Zirkus nicht umsatzförderlich.
        Ein zweiter Punkt, auf den ich aufmerksam machen möchte, und wo Starbucks durchaus betroffen sein könnte und zur Zielscheibe von entsprechenden Organisationen (BDS) geworden ist, das durch den Israelkonflikt durch Boykottaufrufe im Nahen Osten und in muslimischen Teilen Asiens westliche Unternehmen als vermeintliche Unterstützer Israels zur Boykottzielscheibe werden. Auch Pizza Hut, McDonalds u.ä. Ketten könnten betroffen sein.
        Hier muß das Marketing permanent auf der Hut sein und regional möglicherweise schnell reagieren.
        es ist das ähnliche Dilemma wie beim Thema „Go Woke, go broke“
        Es kommt hier drauf an, möglichst stark neutral im Hintergrund zu bleiben und nicht negativ in den Vordergrund/Rampenlicht zu treten, selbst wenn es passiv passiert.

        Außerdem würde Starbucks, so denn die Amerikaner mal sparen müßten, eine der ersten Firmen sein, bei der sie sparen.
        Sei es wie es sei. Tobs spekuliert auf einen long Run und hat vielleicht hat er Glück.

        Sehe aber zu allen Punkten kein Risiko bei Munich Re.
        Außerdem haben sie nicht so ein starkes Eigentümerproblem wie Howard Schultz mit Starbucks, der ja hier auch persönlich viel Geld verliert.
        Munich Re hat wie die Allianz sehr lange Erfahrungen bei der Übergabe des Staffelstabes, treten politisch niemals in Erscheinung und meiden das Rampenlicht, wo es nur geht. Während Consumerketten ja permanent das Rampenlicht suchen müssen.
        Munich Re hat die Diskretion wahrscheinlich selber erfunden.
        Außerdem wird die Munich Re zu etwa 75% von institutionellen Investoren besessen, die sehr wohl ihre Interessen durchzusetzen wissen und ich hier wirklich keine Gefahr sehe, das hier irgendjemand selbstgefällig Rost ansetzt.
        Die größte Gefahr sind und bleiben Großschäden, aber Verträge werden immer wieder neu zu Gunsten der Rückversicherer angepaßt und der Schaden von heute sind die neuen Beiträge von morgen. So einfach und so gut.

        1. Hi Thomas, SBUX hat nun eine harte Zeit. Ich stimme aber nicht mit Deiner Bewertung der Ereignisse überein. Abgesehen davon, dass es auch andernorts in (sehr erfolgreichen) Unternehmen Bommerang CEOs gegeben hat, ist es immer und stets schwierig, dass der Nachfolger die Erwartungene erfüllt. Es ist Schultz gutes Recht als Aktionär auf Missstände hinzuweisen. Und ich stimme mit seiner Bewertung überein. Sein Nachfolger hat eben seine berufliche Genese bei McKinsey (ich halte nie viel von ihnen im Management im Sinne langfristiger Shareholder Value) als Daten Cruncher. Das konnte er bei Reckitt gut einsetzen. Aber: SBUX braucht einen Restaurant-Mann, gerade in den USA, wo Customer Services über allem steht, gerade bei einer Marke, wo jeder einzelne Kaffe sau teuer ist. So wie FC Bayern einen Wurstfabrikanten gebraucht hätte und nicht einen BWL-Oli-Kahn. Der Nachfolger von Schultz hat sich im optimieren verloren und hat zu wenig verstanden oder zu wenig mit jeder Pore gelebt, dass in diesem harten Geschäft jeden Tag der Kunde glücklich zu machen ist. Ist das nett, ist das hart? Wir müssen alle kein Mitleid haben, dass sind Top Executives und Multi Einkommensmilliomäre. Wer weiß, wie vielen anderen Managern der jetztige CEO in seiner McKinsey Zeit in den Allerwertesten getreten hat. Darum fände ich einen Wechsel an der Spitze gut für SBUX und hätte damit auch sonst kein Problem.

          1. Das Howard Schultz als signifikanter Eigentümer seine Meinung zum Ausdruck bringen sollte, ist völlig richtig. Nur ist die Frage wie… Öffentlich einer Person die er selbst sicher zu großen Teilen mit zu verantworten hat in den Rücken zu fallen, ist wahrscheinlich keine gute Idee. Untergräbt es doch diese Führungsperson, wirft ein schlechtes Licht auf den der ihn ausgewählt hat und macht es schwieriger einen Nachfolger zu finden (Sieht man ja bei dem Fußballverein mit den ganz vielen Rauten im Emblem mittlerweile auch. ;-).) Außerdem schadet es noch dem Geschäft, dessen größter individueller Anteilseigner er ist.

            Hier können auch wir etwas lernen, denke ich. Auch berechtigte Unstimmigkeiten klärt man zuerst 1:1. Wenn das nicht erfolgreich ist, in kleinem erweitertem Kreis (bei börsengehandelten Unternehmen Aufsichtsrat) und erst in letzter Instanz in größerem Kreis (bei börsengehandelten Unternehmen evtl. bei einer Hautversammlung?!). Aber das in die sozialen Medien zu tragen ist denke ich der schlechteste Weg und offenbart wahrscheinlich eher die eigene Eitelkeit als das eigene Managementvermögen?!

            Ich habe noch nie aus dem Mund von Warren Buffett ein schlechtes Wort über die CEOs seiner Unternehmen gehört. Ganz im Gegenteil. Er wird nicht müde, die guten Leader seiner Firmen öffentlich zu loben. Und ganz im Ernst, glauben wir wirklich, dass da alles immer perfekt läuft? Eher nein, aber das bleibt unter Verschluss.

            Zu diesen Themen sind unabhängig des Investierens die Bücher von Dale Carnegie zu empfehlen. Allen voran „Wie man Freunde gewinnt.“

            1. Hi Chrischaan,

              ich habe mich tatsächlich nicht vertieft, mir ist aber nichts zu lesen in die Hände gekommen, dass Schultz das zurückliegende Jahr mit zig Nadelstichen seinen Amtsnachfolger zu delegitimieren versuchte, wie es etwa gerne ein Höneß zu machen scheint, um in dieser Analogie kurz zu bleiben.

              Natürlich kenne ich auch nicht die Absichten von Schultz, also ob er mit dem Linkedin Post seinen Nachfolger direkt kalt stellen wollte, ihn nur anzählen wollte, oder das absichtslos und daher maximal eine mögliche Abstrahlwirkung ist. Ich habe den Linkedin Post gelesen, und wenn man Schultz keine böse Absichten unterstellt, kann man das neudeutsch auch als Stewardship verstehen, da er letztlich als Stakeholder und ehemaliger Top Executive seinen Einfluss auf die Geschäftsführung im Sinne der Aktionäre wie aber auch Mitarbeiter geltend macht.

              Man darf nicht vergessen, dass der Umsatz im Kernland USA, wo auch die höchsten Margen verdient werden, um 11 Prozent runter ging, und der gegenwärtige CEO in der Inflationskrise scheinbar nicht ausreichend viel unternommen hat, gerade in dieser sehr schwierigen Zeit unmittelbar am Kunden zu arbeiten (er wollte mehr das System und AI verbessern und hat darüber in einer existentiell herausfordernden Zeit für den Durchschnitts-Ami die Kunden selbst etwas aus den Augen verloren). Also dafür fand ich die Kritik von Schultz maßvoll und letztlich auch recht versachlicht bzw. sah den klassischen Finger in der Wunde (vielleicht auch noch mit einer Prise Salz), so unangenehm das für den jetztigen CEO auch sein mag. Aber eigentlich muss man Schultz genau dafür schätzen, dass er nicht befangen ist, aus falscher Eitelkeit in Bezug auf seine Nachfolgerauswahl defensiv zu bleiben. Das Management muss sich schon Kritik at arms lenght Gefallen lassen, egal von wem.

        2. @Thomas: Zitat „Ein zweiter Punkt, auf den ich aufmerksam machen möchte…“

          Hier sehe ich die starbucks-spezifische aber zusätzlich eine übergeordnete Entwicklung genauso wie du. Generell ist es wahrscheinlich, dass die besten Jahre der Globalisierung vorbei sind und sich eher wieder so was wie Blöcke ausbilden werden (Stichwort „Multipolare Welt“). Vielleicht nicht sofort in dem Maße wie im Kalten Krieg, aber an verschiedenen Stellen sieht man es ja schon. Der Chip-War ist im vollen Gange. Auch an vielen anderen Punkten kommt es immer wieder zu Konfrontationen. Deswegen habe ich mir in Portfolio-Performance eine Klassifizierung Regionen eingerichtet (Die Diskussion atten wir zuletzt schon mal). Bis vor kurzem waren global diversifizierte Unternehmen das Non-Plus-Ultra. Ich könnte mir vorstellen, dass dies nicht immer so bleibt. Ich bin immer ganz froh, wenn ich auch einen Teil Unternehmen habe, die nicht ganz so sensitiv hinschtlich globalen Entwicklungen sind. Auch wenn sich keiner einer signifikanten Verschlechterung völlig entziehen könnte, weil ja mindestens die Lieferketten sehr stark global verzahnt sind. Beispiel aus meinem Depot wären hier Lowe’s, Fastenal, Snap-On, Canadian National oder ADP. Wie man sieht, sind das ausschließlich Nordamerikanische Werte. Ich denke Europa hat eine viel geringere Autonomie als Nordamerika (Wirtschaft, Rohstoffe, Landesgrenzen), weshalb ich Nordamerika in diesem Bereich bevorzuge. Nichstdestotrotz hoffe ich, dass sich Europa seiner Stärken besinnt, weswegen ich den Investitionsstandort dennoch mag. SEA und China habe ich nicht bzw. nur über den Vanguard FTSE All World im Depot.

          1. @Tobs und Crischaan,
            Howard Schultz`s persönlicher Networth liegt bei etwa 2,9 Mrd USD und davon sind (jetzt noch etwa) 1,7 Mrd USD Wert Starbucksaktien. Vor dem Kursverlust war der Wert etwa 2,2 Mrd. Er hat durch den Kurssturz etwa 10 mal so viel Geld verloren, wie Narasimhan überhaupt besitzt.
            Er hat also maximal „skin in the Game“.
            Narasimhans persönlicher Besitz an Starbucksaktien liegt bei unter 1% im Verhältnis zu Schultz, er selbst ist „nur“ geschätzt 45 Mio USD schwer.
            Pikanterweise hat er (ist zwar Privatsache) immer noch mehr Vermögen in Pepsi als in Starbucks, von Reckitt ist nichts zu finden.(Quelle Benzinga) Bei Reckitt hat Narasimhan auch nicht gerade eine Leuchtspur hinterlassen.
            Howard Schultz ist also maximalst möglich angefressen und frustriert. Was er einmal gemacht hat, wird er auch ein zweites oder drittes oder viertes Mal machen, wenn ihm nicht der Aufsichtsrat in den Arm fällt.
            Irgendein amerikanischer Journalist oder Manager sagt sinngemäß im Wsj, da wächst jetzt Moos, wo kein Moos wachsen sollte. Es gibt auch einen aktuellen Podcast im wsj zum Thema Starbucks plus China und da werden die Probleme auch nicht kleiner.
            Eher wird Narasimhan gehen als das Schultz seinen Einfluß aufgibt, soviel scheint klar, aber wer traut sich nach dem Desaster dann auf den Stuhl? Es wird auf jeden Fall ein Husarenritt.
            Auch das mal interessant:
            https://www.visualcapitalist.com/american-companies-that-failed-in-china/

            und off topic, für Rohstoffinteressierte
            https://www.nzz.ch/meinung/mega-uebernahme-in-der-bergbaubranche-kupfer-elektrisiert-die-minenkonzerne-fuer-die-energiewende-reicht-es-aber-nicht-dass-die-vorkommen-nur-die-eigentuemer-wechseln-ld.1829936
            Stichwort Kupferknappheit
            deckt sich voll mit meinen Beobachtungen. BHP/Glencore bleiben fest im Depot und über FreeportMcMoran denke ich nach.

            1. Hi Thomas,
              dazu fällt mir der Spruch: „Nicht große Männer machen die Zeiten, sondern die Zeiten machen große Männer“. Ich denke, es ist extremst undankbar für Narasimhan, in der „affordable life crisis“ das Steuer übernommen zu haben. Hätte er in einem anderen Zeitraum übernommen, hätte er vielleicht sogar SBUX auf seine Weise mit seinen Akzenten weiterbringen können. Aber hierzu zitiere ich Michael Corleone, der seinen Consigliere und alten Jugendfreund (schon nahezu Bruder) aus dem Spiel nimmt, als es ziemlich eng mit den anderen NY Familien wurde: „Du bist kein Kriegszeit-Consigliere“. SBUX ist nun im Krieg und braucht einen Kriegszeit-Restaurant-Fachmann! :-)

  4. Hallo Ben,

    ich besitze selbst nur 10 Stück der Münchner Rück. Wirkt Sie bei ihrem jetzigen Kurs zu teuer, so gibt ihr die Dividendenrendite doch recht. Im Vergleich zur Allianz, welche ich bei günstigen Gelegenheiten nachgekauft habe, konnte ich mich hier allerdings noch nicht durchringen.

    Spannend wird sicherlich sein, wie das Unternehmen auf Zinssenkungen reagiert und ob sich da nicht wieder Kaufgelegenheiten bieten. Für mich bleibt Sie aber ein Basisinvestment und die Chance stehen nicht schlecht, das man in ein 10 Jahren von hohen einstelligen Dividendenrenditen träumen kann.

    Viele Grüße

    Mike

  5. Einer Statistik (2022) nach kommen die drei größten Rückversicherer der Welt Munich Re. Swiss Re und Hannover Rück alle aus dem deutschsprachigen Raum und vereinen nach gebuchten Bruttobeiträgen mehr als 50% Volumen auf sich vs der ersten 10 Plätze der Liste. Gewachsene und bewährte Tradition und Kompetenz.
    Zur Zeit ist nicht ganz klar, wie sich der Einsturz der Baltimore Bridge auswirkt. Erste inoffizielle Schätzungen gehen von Schäden deutlich über der Norm aus. Auch Schäden/Abschriften aus Signa/Benko-Beteiligungen bleiben weiter diffus, da insgesamt wohl nicht mehr viel zu holen ist. Hoffentlich hat sich Munich Re erstrangige Hypotheken verschafft.
    Aber mal ein Jahr weitergedacht und eine Runde Beitragserhöhungen weiter ist und bleibt es Business as usual.

    Auch bezüglich erwarteter und möglicher Klimagroßschäden ziehen sich die Rückversicherer eher zurück bzw präzisieren und passen die Versicherungsbedingungen (das kleingedruckte) an, so das davon auszugehen ist, das z.Bsp. MüRück et al keinen wirtschaftlichen bösen und nicht stemmbaren Überraschungen ausgesetzt sein wird. Als Aktionär bleibt man auch hier weiter auf der sicheren Seite.
    Die Rückversicherung als Königsdisziplin der Versicherer. Je länger die Zinsen oben bleiben, um so besser für die Assekuranz.
    Mir gefällt die Versicherungsbranche insgesamt auch sehr gut, so das sie quasi im Depot überproportional vertreten ist.
    Neben MüRück und Allianz dieses Jahr neu Zurich Insurance Group dazugekommen.
    mein heimlicher Liebling (obwohl man das nicht haben sollte) bleibt mit mittlerweile 8% Depotanteil Old Republic Intl Corp. Einfach mal Chart plus Divi-historie ansehen und es ist klar, warum.

  6. Barron’s trompetet zum Kauf von 3M. :-) Tatsächlich finde ich, dass sich die Bilanzsituation gerade deutlich am Verbessern ist. Ich könnte mir vorstellen, dass vom jetztigen Niveau die Dividenden wieder steigen werden, wenn der Cash-Flow nun erneut wächst. Und man hat dann vergleichsweise gute Chancen auf steigende Kurse zusätzlich zu den Dividenden. Ein PE von x12 im Vergleich zum Sektordurchschnitt von x21 hat bereits einiges eingepreist.

    Meine vor ein paar Monaten eingesackten IFF steigen ebenfalls deutlich, nachdem sich das Management – erwartbarerweise – für eine Absenkung der Dividenden entschieden hatte. Auf lange Sicht glaube ich auch hier an wieder steigende Dividenden.

  7. Hallo Ben,
    was für ein spannender Beitrag! Der Vergleich zwischen der Sofortrente und dem Einkommen aus Dividenden durch die Aktie ist ein interessantes Gedankenspiel. Ich hatte vor einigen Jahren die Munich Re tatsächlich auf der Watchliste. (Schlussendlich habe ich mich jedoch für einen Konkurennten entschieden.)

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