Sie war jahrelang eine meiner größten Positionen im Depot. Gekauft 2015 und 2016 sorgte sie für ordentliche Dividenden, entwickelte sich ansonsten aber eher unauffällig. 2022 reduzierte ich meine Position um 70% – mit ordentlichen Gewinnen, aber ohne Euphorie.
Es kam, wie es kommen musste: Kurz darauf entschied sich das Management zu einem Strategiewechsel und kündigte plötzlich höhere Ausschüttungen und eine Stärkung der Aktionärsinteressen an.
Die Aktie kennt seitdem nur noch eine Richtung und hat sich seit meinem letzten Teilverkauf verdoppelt. Die Dividende wurde letztes Jahr um 25% erhöht und auch in diesem Jahr wieder zweistellig.
Statt mich zu ärgern, freue ich mich jedoch über die Entwicklung und bin froh, dass ich immerhin 30% der Ursprungsposition behalten habe. Und durch die Kursentwicklung ist auch deren Depotanteil natürlich entsprechend gestiegen.
Wie ich die weiteren Perspektiven nun einschätze und ob sich aus meiner Sicht jetzt noch ein Einstieg lohnt, erfährst Du in diesem Beitrag.
Richtig durchgestartet ist in letzter Zeit der deutsche Versicherungskonzern Talanx, den ich hier ausführlich vorgestellt habe. Mit +52% erzielte die Aktie im letzten Jahr z.B. einen höheren Total Return als Novo-Nordisk und war gleichauf mit Microsoft.
Auf Talanx setze ich schon seit vielen Jahren und hatte von 2016 bis 2022 mit 520 Aktien eine richtig große Depotposition in dem Titel. Dann reduzierte ich auf 150 Aktien und der Rest der Geschichte ist im 10-Jahres-Chart deutlich erkennbar:

Dividendenzahlung
Talanx zahlt erstmals eine Dividende von 2,35 € je Aktie. Gegenüber dem Vorjahr (2,00 €) ist das eine Erhöhung um 17,5%. Für die 150 Aktien in meinem Dividendendepot bedeutet das eine Brutto-Dividende von 352,50 €. Nach Abzug der Steuern erhalte ich eine Netto-Dividende von 259,53 €. Sie wurde mit Wertstellung 13.05.2024 ausbezahlt.

Die Dividendenrendite von Talanx liegt – ausgehend von dieser Dividendenzahlung – bei einem Aktienkurs von 71,55 € aktuell bei 3,3%.
Meine persönliche Rendite auf meinen Einstand (Yield on Cost) sieht deutlich besser aus. Für die 150 Aktien in meinem Depot habe ich 4.060,17 € bezahlt. Darauf habe ich eine Brutto-Dividende von 352,50 € erhalten. Das ergibt einen YoC von 8,7%. Das ist schon ein sehr guter Wert. Wenn ich aber noch berücksichtige, dass ich für diese 150 Aktien nun bereits 1.655,19 € als Netto-Dividenden zurückerhalten habe, dann ist meine Nettokapitalbindung nur noch bei 2.404,98 €. Und darauf entspricht die Dividende dann sogar einer Rendite von 14,7%.
Perspektiven
Talanx hat sich in den letzten 2 Jahren stark verändert. Die Dynamik konnte ich nicht vorhersehen und insofern kann ich mir selbst auch keine Vorwürfe machen, dass ich die Position seinerzeit reduziert hatte. Denn jahrelang war der Versicherungskonzern zwar gut aufgestellt. Aber die ihn tragende HDI-Versicherung war träge und bei Weitem nicht als kapitalmarktorientiert aufgefallen.
Aber sind viele einzelne Maßnahmen, die zur Kehrtwende geführt haben. Zuletzt war es eine Kapitalerhöhung im September 2023. Eigentlich sind sie wirklich unbeliebt, da sie zu einer Verwässerung der bisherigen Aktionäre führen. Platziert wurde sie jedoch zu 61,50 € und der Aktienkurs litt eigentlich gar nicht darunter. Talanx flossen dadurch 300 Mio. € frische Mittel zu. Das Bemerkenswerte daran aber war, dass auch der Mehrheitsaktionär HDI zum gleichen Preis Aktien aus eigenen Beständen platzierte. Er erlöste damit rund 100 Mio. € und verringerte seinen Anteil am Grundkapital der Talanx AG auf 76,7%.
Damit wuchs der Streubesitz von von 21,1% auf 23,3%. Das ist immer noch gering, aber ein wichtiger Schritt hin zu deutlich höheren Sichtbarkeit am Kapitalmarkt. Bisher ist die Tochter Hannover Rück deutlich präsenter als die Mutter Talanx.
Als breit aufgestellter Versicherungskonzern mit einem klassischen Erstversicherungsgeschäft und eben der Rückversicherungstochter Hannover Rück erreichte Talanx im letzten Jahr erneut ein Rekordergebnis. Das ursprüngliche Jahresziel war mit 1,4 Mrd. € Konzernergebnis nach 1,17 Mrd. € in 2022 schon eine Ansage. Tatsächlich erreicht wurden dann aber sogar 1,58 Mrd. €.
Neu ist nun in der Kommunikation, dass direkt auch Ziele für 2024 und 2025 konkret benannt werden. Und das gibt dem Aktienkurs weiteren Auftrieb. Für 2024 rechnet Talanx mit einem Konzernergebnis von mehr als 1,7 Mrd. € und einer Dividende pro Aktie von 2,50 €. Das wäre eine weitere Dividendenerhöhung um 6,4%. Für 2025 wird dann ein Gewinn von 1,9 Mrd. € erwartet.
Neue Ziele für 2025 bis 2027 sollen dann auf dem Kapitalmarkttag im Dezember vorgestellt werden. Man darf bereits jetzt gespannt sein!
All dies zeigt den deutlichen Wandel und gibt mir als Aktionär eine große Zufriedenheit. Die Geschäfte laufen und der Vorstand stapelt nicht mehr tief, sondern setzt und verkündet Ziele, mit denen der Kapitalmarkt kalkulieren kann.
Ich selbst habe den Talanx-CFO auf dem Deutschen Eigenkapitalforum im November 2023 in Frankfurt erlebt. Er hielt dort einen Vortrag und veranschaulichte, wie sich Talanx neu positioniert hat.

Interessanterweise ist er nicht nur Finanzvorstand von Talanx, sondern auch des Mehrheitsaktionärs HDI. Aber nicht nur er, sondern auch der CEO und ein weiterer Talanx-Vorstand haben eine solche Doppelfunktion. Damit stimmen sie die Maßnahmen quasi mit sich selbst ab und wissen den Ankeraktionär immer hinter sich.
Bei den Zahlen zum 1. Quartal 2024 teilte der Talanx-Vorstand denn auch mit, dass er zwar an der Gewinnprognose von 1,7 Mrd. € festhalte, aber gleichzeitig eine „steigende Zuversicht“ habe, die Marke „deutlich zu übertreffen“.
Als Aktionär besteht also durchaus die Chance, dass bei einem deutlichen Übertreffen der Gewinnprognose auch die Dividendenprognose übertroffen wird. Ich selbst „benötige“ eine Dividende von 2,70 € um auf einen YoC von 10% zu kommen. Das wäre eine absolute Erhöhung wie in diesem Jahr (0,35 €), aber doch einiges über der bisherigen Prognose (+0,15 € auf 2,50 €).
Aber wenn es noch nicht im nächsten Jahr klappt, dann bin ich zuversichtlich, dass 2026 die Dividende die Marke von 2,70 € erreichen oder übertreffen wird.
Denn das Geschäft läuft sehr gut. Talanx ist dabei zwar ein deutscher Versicherungskonzern, die Prämieneinnahmen stammen zum weit überwiegenden Teil allerdings aus dem Ausland. Zuletzt kaufte Talanx Geschäft mit Privatkunden sowie kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Chile, Kolumbien und Ecuador zu und trägt damit die Internationalisierung voran.
Zwangsläufig stellt sich nun die Frage, ob angesichts der imposanten Entwicklung der letzten 18 Monate jetzt noch ein Einstieg sinnvoll ist. Generell halte ich es für sinnvoll, die Versicherungsbranche im Depot vertreten zu haben. Ich selbst habe ja sogar einen Schwerpunkt dort. Dafür habe ich allerdings keine Banktitel, so dass die Versicherungsbranche (gemeinsam mit Private Equity) bei mir die komplette Finanzbranche darstellt.
Bei der Auswahl der geeigneten Versicherungstitel ist Talanx für mich immer noch so etwas wie ein Geheimtipp. Aber inzwischen muss man klar sagen, dass es auch viele andere attraktive Titel gibt. Ich selbst bleibe natürlich in Talanx engagiert. Durch meine Historie und die realisierten Gewinne bin ich quasi gratis in den 150 Aktien investiert.
Und aufgrund der außerordentlich guten Perspektiven werde ich daran auch nichts ändern. Jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Gespannt bin ich auf die neuen Ziele, die im Dezember bekannt gegeben werden sollen. Bleiben sie halbwegs ambitioniert, dann freue ich mich schon jetzt auf die weitere Entwicklung und eine zweistellige persönliche Dividendenrendite.
Hätte ich allerdings noch keine Talanx-Aktien, dann würde ich jetzt nicht zum Allzeithoch einsteigen. Sondern eine schwächere Phase abwarten. Und die kann durchaus bei einer größeren Naturkatastrophe auch eintreten. Nicht, dass Talanx dann ernsthaft gefährdet wäre. Aber die Gewinnziele könnten dadurch unter Umständen nicht deutlich übertroffen werden. Und genau das ist aktuell aber schon im Aktienkurs eingepreist. Nach einer solchen Korrektur wäre dann womöglich ein besserer Einstiegszeitpunkt.
Ich selbst würde aber auch dann nicht nachkaufen. Denn die Depotgewichtung ist mit 2,1% bereits ordentlich und die Versicherungsbranche sowieso schon hoch gewichtet. Und mein Nachkauffavorit in dem Sektor ist weiterhin Protector Forsikring aus Norwegen. Die Aktie ist inzwischen mit 1,8% in meinem Dividendendepot vertreten.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Talanx |
| ISIN: | DE000TLX1005 |
| Im Divantis-Depot seit: | 07.09.2015 |
| Letzter Nachkauf am: | 26.01.2016 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 150 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 27,07 € |
| Gesamtkaufpreis: | 4.060.17 € |
| durch Teilverkauf am 28.3.2022 realisierter Gesamtgewinn (Kurs & Dividenden): | 3.480,63 € |
| durch Teilverkauf am 22.8.2022 realisierter Gesamtgewinn (Kurs & Dividenden): | 2.091,80 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 1.953,38 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |


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