Sie ist eine der Positionen, die ich am längsten im Depot habe. Seit 2008 hielt ich 5 Aktien von ihr. 2019 und 2020 habe ich dann jedoch nachgekauft und eine ordentliche Position mit 100 Aktien daraus gemacht.
Und lange Zeit sah das auch nach der richtigen Entscheidung aus. Doch mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine veränderte sich alles. Ich analysierte, dass der von Russland abhängige Umsatz lediglich 1% beträgt und glaubte, dass ich damit als Langfristanleger gut umgehen könnte.
Doch das war zu kurz gedacht! Das Unternehmen ist auf eine ganz andere Art von der aktuellen Situation betroffen und könnte vor vehementen Verwerfungen stehen.
Damit ist die Aktie derzeit eine Wette auf die Zukunft und gehört damit eigentlich nicht in mein Dividendendepot. Dort sollen die Marktführer mit solidem Business und ohne größere Risiken ihren Platz haben.
Warum mir ein Verkauf trotzdem sehr schwer fällt und wie die aktuelle Dividendenzahlung ausgefallen ist, erfährst Du in diesem Beitrag.
Vor einem Jahr war die Welt noch eine andere. Die Aktie von BASF (hier ausführlich vorgestellt) notierte über der 70 €-Marke und alle warteten nur auf den konjunkturellen Aufschwung der Nach-Corona-Ära. Und selbst im Februar, wenige Tage vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine lag die Aktie noch bei 68 €. Jetzt sind es 20 € weniger – das sind rund 30% Verlust innerhalb von nicht mal 3 Monaten.
Im Langfristchart zeigt sich, dass die Aktie damit nur noch knapp über dem Corona-Crash-Tief notiert und sich seit dem Hoch Anfang 2018 halbiert hat.

Dividendenzahlung
BASF zahlt erstmals eine Dividende von 3,40 € je Aktie. Gegenüber dem Vorjahr (3,30 €) bedeutet das eine Erhöhung um 3%. Für die 100 Aktien in meinem Depot ergibt das eine Brutto-Dividende von 340,00 €. Nach Abzug der Steuern erhalte ich von der comdirect eine Netto-Dividende von 250,33 €. Sie wurde mit Wertstellung 04.05.2022 überwiesen.


Perspektiven
Als Langfristanleger weiß ich, dass die BASF-Aktie ein zyklisches Investment ist. Geht die Wirtschaftsleistung hoch, profitiert die Chemiebranche und die Aktie steigt im Kurs. Ziehen dunkle Wolken auf, dann sinkt der Kurs.
Als Fels in der Brandung hat sich immer die Dividende gezeigt. Und so war es für mich auch nie ein Problem, investiert zu bleiben. Ich bin langfristig eingestiegen und die Kursentwicklung habe ich so hingenommen.
Jetzt ist es aber plötzlich so, dass BASF in erhebliche Schwierigkeiten geraten würde, wenn es keine Gaslieferungen mehr aus Russland bekommen würde. Entweder, weil sich Deutschland zu einem Embargo entschließen würde oder weil Putin die Lieferungen stoppen würde. So oder so, BASF könnte den Standort Ludwigshafen ohne Gaslieferung nicht betreiben.
Diese Dramatik hat BASF in den letzten Wochen deutlich kommuniziert. Und je realer diese Gefahr wurde, umso stärker ist der Aktienkurs zurückgegangen.
Für mich ist das eine ganz andere Qualität als die Frage, ob die Automobilindustrie gerade stagniert und BASF als wichtiger Zulieferer darunter leidet. Hier geht es nicht um die Entwicklung der nächsten Monate, sondern um eine existenzielle Frage für das Unternehmen.
Nicht existenziell sind die Abschreibungen, die BASF auf die Öl- und Gastochter Wintershall DEA und deren Teilfinanzierung von NordStream 2 vorgenommen hat. Sie belasten einmalig das Ergebnis, sind aber zu verkraften.
Denn BASF blickt auf ein sehr gutes Jahr 2021 zurück. Der Umsatz stieg um 33% auf 78,6 Mrd. €. In ähnlicher Größenordnung stieg der Cash-Flow aus betrieblicher Tätigkeit (+34%). EBIT (+118%) und Free-Cash-Flow (+63%) legten noch deutlicher zu. Das alles war natürlich im Wesentlichen dem Corona-Jahr 2020 mit seiner niedrigen Ausgangsbasis geschuldet.
In seiner Prognose für 2022 hat BASF vor dem russischen Angriff einen Umsatz zwischen 74 und 77 Mrd. € und einen leichten Rückgang beim EBIT auf 6,6-7,2 Mrd. € erwartet.
In seiner Mitteilung zum 1. Quartal 2022 (veröffentlicht am 29. April) hat BASF diese Prognose zwar bestätigt, aber auf die immensen Risiken hingewiesen und die Abhängigkeit von der Gasbelieferung erläutert:
In Europa verwendet BASF danach etwa 60% des Erdgases für die Erzeugung von Energie (Dampf und Strom), die in der Produktion benötigt wird. Etwa 40% des Erdgases werden als Rohstoff genutzt, um wichtige Grundchemikalien und in den darauf aufbauenden Wertschöpfungsketten eine Vielzahl von Produkten für nahezu alle Industriebranchen herzustellen. Eine Unterbrechung oder signifikante Einschränkung der Gasversorgung hätte erhebliche Auswir- kungen auf die europäischen Aktivitäten von BASF.
Eine Risikoquantifizierung mit ausreichender Genauigkeit ist BASF aber nicht möglich. Je nach Dauer und Ausmaß der Liefereinschränkungen, dem Vorhandensein alternativer Bezugsquellen und Substitutionsmöglichkeiten sowie einer wirtschaftlichen Optimierung der Produktion bei eingeschränkter Gasversorgung können die Folgen unterschiedlich sein.
Für mich ist BASF deshalb aktuell eine Black-Box. Ich würde unter diesen Umständen kein Neuengagement in die Aktie eingehen. Und ich trage mich auch die ganze Zeit mit dem Gedanken, aus der Aktie auszusteigen.
Denn das Risiko-Rendite-Profil passt für mich derzeit nicht. Kommt es zu einem Stop bei der Gaslieferung, dann dürfte die Aktie in den Keller rauschen. Kurse um 20 € halte ich dann für wahrscheinlich. Bei einem solchen Kursniveau bin ich übrigens 2008 erstmals in die BASF-Aktie eingestiegen.
Geht für BASF alles gut und die Gasversorgung bleibt stabil, dann sind die Kurschancen aber trotzdem gering. Denn das Damoklesschwert Russland wird noch einige Jahre über BASF schweben. Hinzu kommen die anderen Themen, wie steigende Rohstoffpreise, von denen BASF ja auch betroffen ist.
Die BASF-Aktie ist deshalb für mich aktuell ein klarer Verkauf. Warum ich es noch nicht getan habe? Ich wollte die Dividende noch mitnehmen und hoffe nun auf eine kleine Erholung. Ich bin aber nicht mehr vom Unternehmen überzeugt und kann mir deshalb gut vorstellen, dass diese Langfristanlage in den nächsten Wochen oder Monaten mein Dividendendepot verlässt.
Glücklicherweise beträgt der Depotanteil von BASF „nur“ 1,1%. Die aktuelle Unsicherheit raubt mir deshalb nicht den Schlaf. Aber bei nüchterner Betrachtung sind die Risiken zu hoch und die Chancen zu niedrig.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | BASF |
| ISIN: | DE000BASF111 |
| Im Divantis-Depot seit: | 12.12.2008 |
| Letzter Nachkauf am: | 23.01.2020 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 50 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 63,33 € |
| Gesamtkaufpreis: | 3.166,25 € |
| durch Teilverkauf am 1.6.2022 realisierter Gewinn (Kurs & Dividenden) | -253,11 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 824,35 € |
| Aktuelle Strategie: | Bei passender Gelegenheit verkaufen |


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