Bei diesem Unternehmen ist einiges im Umbruch: Letztes Jahr wurde die Finanzchefin geschasst und nun hat der Vorstandsvorsitzende nach xx Jahren im Amt seinen Rückzug angekündigt.
Und bei der Dividende – der Vorstand hatte sich eigentlich zur Dividendenkontinuität bekannt – gab es eine Halbierung. Damit ist die Schwankung in den letzten Jahren immens und eigentlich müsste ich die Aktie aus meinem Depot werfen.
Ich habe sie nun zumindest auf den Prüfstand gestellt, schätze aber die Aussichten für das laufende Jahr als gar nicht so schlecht ein. Trotzdem mache ich mir Gedanken über die langfristige Perspektive meines Investments.
Alle Details zur Dividendenzahlung, meine Einschätzung zur üppigen Vorstandsvergütung und zur Abfindung für die Finanzchefin und den Perspektiven des Unternehmens erfährst Du in diesem Beitrag.
Das Unternehmen im Umbruch ist die Deutschen Beteiligungs AG. Die Private-Equity-Gesellschaft mit Fokus auf den deutschen Mittelstand habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Die Aktie hatte 2018 ihr Hoch bei 52 € und seitdem eine ziemlich holprige Kursentwicklung erlebt:

Im November 2022 hatte ich meinen Bestand von 187 auf 200 Aktien erhöht (hier nachzulesen).
Dividendenzahlung
Erstmals habe ich nun 200 dividendenberechtigte Aktien der Deutschen Beteiligungs AG im Depot. Nachdem es im letzten Jahr noch 1,60 € Dividende gab, beträgt sie dieses Mal nur 0,80 €. Das ist eine Kürzung um 50%. Für mich ergibt sich eine Brutto-Dividende von 160,00 €. Nach Abzug der Steuern (ich hatte für einen Großteil der Dividende noch einen Freistellungsauftrag) ergibt das eine Netto-Dividende von 148,42 €. Sie wurde mit Wertstellung 03.03.2023 überwiesen.

Perspektiven
1,00 € – 1,20 € – 1,40 € – 1,45 € – 1,50 € – 0,80 € – 1,60 € – 0,80 €. Das sind die Dividenden, die seit meinem Einstieg 2016 von der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) bezahlt wurden. Die schöne Steigerung konnte in den letzten drei Jahren zweimal nicht beibehalten werden und es fand jeweils eine deutliche Dividendenkürzung statt.
Das ist für sich genommen schon mal keine Entwicklung, wie ich sie mir für meine Depotwerte vorstelle. Auch wenn ich für die Begründung der Kürzungen jeweils auch Verständnis habe. Denn die DBAG erzielt nur zu einem kleineren Teil Einkünfte aus der Fondsverwaltung. Der wichtigere Part sind Verkaufserlöse beim Exit von Beteiligungen. Und dieses Geschäft ist eben schwer berechenbar und kommt in konjunkturell schwierigen Situationen stark unter Druck. Das letzte Jahr mit seinem überraschend starken Zinsanstieg, den einbrechenden Aktien- und Anleihenmärkten und der starken Inflation war deshalb für die Private Equity-Branche weltweit sehr schwierig.
Die DBAG erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Konzernverlust von 97,6 Mio. €. Dazu trug die Fondsberatung positiv mit einem Ergebnis vor Steuern von 15,4 Mio. € bei, während die Private-Equity-Investments einen Verlust von 111,3 Mio. € auswiesen.
Aufgrund der rückläufigen weltweiten Aktienkurse sanken auch die Multiples, mit denen die Beteiligungen bewertet werden. Das führte zu einem Rückgang des Nettovermögenswerts der Private-Equity-Investments von 678,5 Mio. € auf 573,7 Mio. €. Und das ist der wesentliche Punkt für den ausgewiesenen Verlust.
Stichtag für den Jahresabschluss und diese Bewertung ist bei der DBAG der 30. September. Und das macht mich zugleich zuversichtlich. Denn wenn wir uns die weltweiten Aktienmärkte anschauen, dann haben sie sich im 4. Quartal 2022 und seit Beginn 2023 positiv entwickelt. Und das führt dann zwangsläufig auch zu einem positiven Ergebnis bei der DBAG.
Entsprechend konnte im 1. Quartal des laufenden Geschäftsjahres das Ergebnis bereits gedreht werden. Statt eines Verlusts von 10,9 Mio. € wie im Vorjahresquartal liegt das Bewertungsergebnis bei positiven 30-40 Mio. €.
Aber das Geschäftsjahr ist noch lang und deshalb kann auch noch viel passieren. Erholen sich die Aktienmärkte aber weiter, dann dürfte es auch ein positives Jahresergebnis bei der DBAG geben.
Spannend finde ich aber etwas anderes: Im letzten Jahr hatte ich ausführlich beschrieben, wie katastrophal die Kapitalerhöhung der DBAG gepreist war. Und dass ich als Aufsichtsrat mich nicht nur von der CFO, sondern auch vom Vorstandsvorsitzenden getrennt hätte.
Offenbar lag ich damit nicht so falsch. Denn mit der Einladung zur Hauptversammlung wurde auch der Vergütungsbericht veröffentlicht. Und da steht für die Abfindung der CFO (ihr Vertrag lief noch bis Oktober 2025!) eine Zahl von mehr als 2 Mio. €! Man wollte sie also um jeden Preis aus dem Amt haben. Und der Vorstandssprecher Torsten Grede ist nun Ende Februar nach 34-jähriger Tätigkeit für die DBAG aus dem Amt geschieden. Offiziell „auf eigenen Wunsch und einvernehmlich“, aber das hat wohl eher etwas mit Gesichtswahrung zu tun.
Aus dem Vergütungsbericht wird deutlich, dass die Vorstandsmitglieder für das letzte Geschäftsjahr nicht nur jeweils etwas mehr 1 Mio. € verdient haben. Sondern auch, dass Herrn Grede zusätzlich noch aus alten Vergütungsmodellen eine nachlaufende variable Vergütung von mehr als 8 Mio. € zusteht.
Insgesamt scheint mir das alles nicht wirklich angemessen zu sein. Es ist immer noch eine vergleichsweise kleine Beteiligungsgesellschaft. Und in einem Jahr, in dem solch ein Konzernverlust erzielt und die Dividende für die Aktionäre halbiert wurde, wird den Vorstandsmitgliedern trotzdem seitens des Aufsichtsrats eine variable Vergütung für dieses einzelne Jahr von 81,25% des Zielwertes bewilligt.
Für mich steht die DBAG deshalb in meinem Depot unter Beobachtung. Das aktuelle Jahr dürfte ja eher positiv werden und sich vermutlich auch der Aktienkurs weiter erholen. Sollte es hier zu signifikanten Kurssteigerungen kommen, dann werde ich mein Engagement reduzieren oder sogar ganz aussteigen.
Denn mir ist klar geworden, dass sowohl das Jahresergebnis als auch die Dividendenhöhe stark von den Aktienmärkten abhängig sind. In der Vergütung der Vorstände kommt das aber so gut wie nicht zum Tragen. Und wenn die Manager nicht bereit sind, solche Volatilitäten zu akzeptieren, dann bin ich es auch nicht mehr.
Das Umfeld für Private Equity-Investments hat sich durch die Zinserhöhungen deutlich verschlechtert. Es wird aus meiner Sicht in den kommenden Jahren auch nicht mehr so rosig wie noch in der Nullzinsphase sein. Insofern ist ein Ausstieg zu attraktiven Kursen vermutlich nicht verkehrt. Ich lasse die weitere Entwicklung jetzt erst mal auf mich zukommen und würde bei Kursen ab 40 € an eine Gewinnrealisierung denken. Denn wenigstens habe ich ja meine Aktien im Durchschnitt relativ günstig eingekauft.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Deutsche Beteiligungs AG |
| ISIN: | DE000A1TNUT7 |
| Im Divantis-Depot seit: | 02.02.2016 |
| Letzter Nachkauf am: | 10.11.2022 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 100 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 26,92 € |
| Gesamtkaufpreis: | 2.691,71 € |
| Durch Teilverkauf am 22.05.2023 realisierter Gewinn (Kurs & Dividenden): | 953,37 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 717,62 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |

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