Bei Aktien, die eine lange Dividendenhistorie haben und dann in Schwierigkeiten geraten, habe ich in der Vergangenheit gerne bei Überschreiten bestimmter Dividendenrenditenmarken zugegriffen. Die 10%-Marke ist dabei zwar eher selten überschritten worden. Im Nachhinein hat sich aber gerade das dann als günstige Kaufgelegenheit dargestellt.
Nun stehe ich allerdings vor der Situation, dass eine Aktie aus meinem Portfolio sogar über 12% Dividendenrendite auf die Waagschale bringt. Und – man höre und staune – schon angekündigt hat, die Dividende in 2025 konstant zu lassen.
Ist das nun also die ultimative Kaufgelegenheit? Immerhin erwirbt man damit einen Marktführer in Nordamerika in seinem Sektor. Und das Management hat sich einen Plan zurechtgelegt, wie die Dividende trotz nicht ausreichender Gewinne und geringerem Cash-Flow aufrecht erhalten bleiben kann.
Warum ich trotzdem skeptisch bin und mich zumindest aktuell nicht zu einem Nachkauf durchringen kann, erfährst Du in diesem Beitrag.
Das kanadische Telekommunikationsunternehmen BCE (hier habe ich es ausführlich vorgestellt) fällt aktuell vor allem mit seiner zweistelligen Dividendenrendite auf.
Im Kurschart in der Heimatwährung des kanadischen Dollars wird auch klar, woran das liegt: der Aktienkurs fällt wie ein Stein. Gegenüber dem Allzeithoch im April 2022 hat er sich mehr als halbiert:

Dividendenzahlung
BCE zahlt erneut eine Quartalsdividende von 0,9975 CAD je Aktie. Für die 40 dividendenberechtigten Aktien in meinem Depot beträgt die Brutto-Dividende damit 39,90 CAD. Die Umrechnung in Euro erfolgte durch maxblue zum Kurs von 1,4852. Nach dem Steuerabzug (die kanadische Quellensteuer wird bei maxblue automatisch reduziert!) verbleibt eine Netto-Dividende von 20,01 €. Die Dividende wurde von maxblue mit Wertstellung 17.01.2025 überwiesen.

Annualisiere ich die Quartalsdividende, werden in einem Jahr 3,99 CAD Dividende gezahlt. Bei einem Aktienkurs von 32,84 CAD (Schlusskurs vom 16.01.2025) entspricht das einer Dividendenrendite von 12,15%.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost – YoC) bezieht sich auf meinen Einstand. Für die 40 Aktien habe ich insgesamt 1.423,95 € bezahlt. Nehme ich die Brutto-Quartalsdividende von 39,90 CAD und vervierfache sie, dann erhalte ich innerhalb eines Jahres 159,60 CAD brutto. Umgerechnet mit dem obigen Wechselkurs ergibt das 106,66 €. Und damit ein YoC von 7,5%. In diesem deutlich niedrigeren YoC gegenüber der aktuellen Dividendenrendite zeigen sich die Kursverluste, auf denen ich sitze.
Perspektive
Ich bin nun seit 2020 in BCE investiert und mein Hauptaspekt war die Diversifizierung in den kanadischen Währungsraum bei attraktiver Dividendenrendite. In meinen Berichten auf dem Weg zum Allzeithoch habe ich dann herausgearbeitet, dass ich die Aktie für überbewertet hielt.
Lediglich mein insgesamt geringes Investitionsvolumen hielt mich davon ab, seinerzeit Gewinne mitzunehmen. Und ich wollte eben auch Kanada nicht den Rücken kehren.
Inzwischen ist – trotz eines Nachkaufs im Oktober 2023 – der Marktwert meiner Depotposition noch kleiner geworden und jetzt unter 1.000 € gerutscht. Umso mehr stellt sich für mich die Frage, wie es damit weitergehen soll.
Auf der einen Seite kann ich sagen, dass es egal ist, wie der aktuelle Marktwert ist. Solange die Dividenden fließen, bleibt die Diversifizierung in den kanadischen Dollar auch bestehen. Das ist tatsächlich ein Aspekt, den ich so für mich festhalte.
Auf der anderen Seite will ich mein Depot gerne etwas entschlacken und kleinere Positionen, die für mich perspektivisch weniger aussichtsreich erscheinen zu Gunsten anderer Positionen auflösen. Denn ich stelle immer stärker fest, dass mir für das kontinuierliche Beobachten meine Zeit bei kleinen Positionen zu schade ist. Denn die Arbeit ist ja die Gleiche: Wenn ich mich 5 Stunden in Kennzahlen und Berichte vertiefe, dann bringt mir das womöglich die Überzeugung, 10% Kursgewinn in den nächsten 12 Monaten zu erzielen. Bei einer kleinen Position wären das dann 100 €, während bei einer größeren Position eben auch 1.000 € oder mehr drin sind. Natürlich ist da auch viel Milchmädchenrechnung dabei, aber ich will meine Gedanken verdeutlichen.
Wichtigstes Ereignis bei BCE war im November die Bekanntgabe der Übernahme von Ziply Fiber für 7 Mrd. CAD, davon 5 Mrd. CAD (=3,65 Mrd. US$) in Cash (der Rest als Übernahme von Schulden). Damit erwirbt BCE 1,3 Millionen Glasfaserstandorte in den USA und wird selbst zum drittgrößten Glasfaserprovider in Nordamerika mit 9 Millionen Standorten. Das erklärte Ziel ist der Ausbau auf 12 Millionen Standorte bis 2028.
Mich hat diese Übernahme ziemlich überrascht, da ich BCE bisher als kanadisches Unternehmen wahrgenommen habe und der Schritt in die USA angesichts der ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage nicht gerade naheliegend ist.
Zur Gegenfinanzierung – und das ist die nächste Überraschung – veräußert BCE seinen Anteil von 37,5% an der MLSE (Maple Leaf Sports & Entertainment) und will damit 4,2 Mrd. CAD erlösen. MLSE ist Besitzer und Betreiber einer Reihe von Sport-Franchises in Kanada (z.B. Eishockey: Toronto Maple Leafs in der NHL; Basketball: Toronto Raptors in der NBA). Außerdem gehören mehrere Hallen und Stadien zum Portfolio und die MLSE betreibt Sportsender in Kanada.
Gemeinsam mit der Übernahmenachricht kündigte BCE zudem an, die Dividende bis auf Weiteres nicht mehr zu erhöhen. Ich hatte ja schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Dividende nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben zu hoch ist. Insofern war das dann keine Überraschung.
Die Dividende wird nun aber nicht etwa gekürzt, sondern für 2025 konstant gehalten. Somit kann man sich die aktuell sehr hohe Dividendenrendite zumindest für ein ganzes Jahr sichern. Was danach kommt, ist allerdings offen.
Denn verdient wird die Dividende weiterhin nicht. Und mit dem Verkauf des MLSE-Anteils fallen rund 100 Mio. CAD Gewinnanteil pro Jahr weg. Genaue Zahlen zu Ziply Fiber werden nicht veröffentlicht. Aber allein der Schuldendienst auf die übernommenen 2 Mrd. CAD entspricht bei einem Zinssatz von 5% schon 100 Mio. CAD. Und tatsächlich nimmt BCE ja noch weitere 0,8 Mrd. CAD für die Finanzierung in die Hand.
Als Ausweg, um die hohe Dividende weiter zu gewährleisten, sieht das Management ein Dividenden-Reinvestment-Programm mit einem Discount. Aktionäre, die auf die Cash-Dividende verzichten, erhalten stattdessen zukünftig den Gegenwert in BCE-Aktien abzüglich eines Discounts von 2%. Damit spart sich BCE die ansonsten für die Dividende notwendige Liquidität, erhöht aber sukzessive die Anzahl ausgegebener Aktien. Und das wiederum führt dazu, dass Quartal für Quartal mehr Aktien dividendenberechtigt sein werden. Das Problem wird also nicht gelöst, sondern steigt weiter.
Ich werde deshalb in so einer Situation nicht nachkaufen. Hohe Dividende schön und gut, aber was nützt es, wenn das Unternehmen sie entweder irgendwann kürzt oder ganz streicht? Einfach weil es wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist. Dafür ist das Geschäft zu träge, um hier schnell einen Turnaround zu erreichen. Und geplant sind ja weitere massive Investitionen in den Glasfaserausbau… Und ob das insgesamt der richtige Schritt ist, angesichts Wettbewerbern wie Mobilfunk oder StarLink, da bin ich auch nicht sicher.
Am 6.2. wird BCE nun die Ergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentieren. Die Prognose wird wohl erfüllt werden, dafür ist sie ja schwach genug: Beim Gewinn je Aktie wird ein Rückgang zwischen 2 und 7% erwartet. Und der Free Cash Flow soll ebenfalls sinken und zwar zwischen 3 und 11%.
Mit Erreichen dieser Prognose wird BCE in absoluten Zahlen auf das Niveau des Jahres 2022 zurückfallen oder es sogar noch unterbieten. Von Wachstum ist in dieser Zeit also nichts geblieben.
Tatsächlich spricht nicht mehr viel aus meiner Sicht für ein Verbleiben von BCE in meinem Depot. Trotzdem fällt es mir schwer, mich davon zu trennen. Jedenfalls heute, bei Verfassen dieses Beitrags, ist die Aktie noch in meinem Depot. Theoretisch kann sich das aber auch ändern. Ich bin tatsächlich eher ratlos und lasse die Position aktuell einfach etwas „treiben“.
Und entweder berichte ich demnächst dann doch über einen Verkauf oder aber im April erfolgt der nächste Beitrag mit der nächsten Quartalsdividende. Und dann auch mit der Analyse des Jahresergebnisses und Würdigung der neuen Prognose.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | BCE Inc. |
| ISIN: | CA05534B7604 |
| Im Divantis-Depot seit: | 27.07.2020 |
| Letzter Nachkauf am: | 19.10.2023 |
| verkauft am: | 08.05.2025 |
| ursprüngliche Stückzahl im Divantis-Depot: | 40 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 35,60 € |
| Gesamtkaufpreis: | 1.423,95 € |
| Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden: | 315,47 € |
| Gesamtverkaufserlös: | 749,70 € |
| Verlust inkl. erhaltener Dividenden: | 358,78 € |
| Verlust in Prozent: | 25,2% |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| BCE to acquire Ziply Fiber, accelerating its fibre growth strategy across North America |
| BCE reports third quarter 2024 results |


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