Was Dich hier erwartet:
Der Divantis-Blog ist mein Investment-Tagebuch. Natürlich schreibe ich ihn in erster Linie für meine Leser. Aber gleichzeitig dient er mir auch selbst als Dokumentation. Und ich merke immer wieder, wie hilfreich das für meine eigenen Investmententscheidungen ist.
Denn immer mal wieder schreibe ich auch konkrete Kursziele in meine Beiträge. Allerdings nicht als Kursziele, um die Aktie anzupreisen. Sondern ausschließlich als Kursmarken, bei denen ich die Aktie gerne nachkaufen würde. Und deshalb sind meine Kursziele auch immer unterhalb des aktuellen Aktienkurses.
Das hat dann den Nebeneffekt, dass ich selbst bei einem Kursrückgang einer Aktie in meinen letzten Beitrag reinschauen und nachlesen kann, zu welchem Kurs ich die Aktie als kaufenswert empfand. Oftmals ist das immer noch unter dem Niveau des Kursrückgangs und damit enden dann meine Überlegungen auch schon wieder. Ich muss dann nicht mehr rechnen, sondern weiß: Okay, die Aktie ist mir immer noch zu teuer.
Aber es gibt auch die anderen Fälle: Hier hatte ein Leser in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass er die Aktie gerade nachgekauft hatte. Und der Kurs, den er angegeben hatte, kam mir niedrig vor. Ich verfolge „meine“ Aktienkurse ja nicht rund um die Uhr, so dass ich diesen Kursrückgang noch gar nicht gesehen hatte.
Und da der Kommentar auch noch unter meinem letzten Beitrag zu der Aktie stand, musste ich nur hochscrollen und wusste sofort, dass mein Kursziel sogar unterschritten war.
Und dann ging es schnell: Ich stellte mir noch 2 Fragen, die ich eindeutig beantworten konnte. Und stellte dann eine Kauforder ein. Und kurz darauf hatte ich einen meiner größten europäischen Depottitel nachgekauft.
Welche Fragen das waren und wie ich die Situation nun insgesamt einschätze, erfährst Du in diesem Beitrag.
Erst vor einem guten Monat hatte ich über die letzte Dividendenzahlung des französischen Infrastrukturunternehmens VINCI berichtet. Die Aktie selbst habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Direkt nach dem Dividendenabschlag und bei Veröffentlichung des Beitrags lag der Aktienkurs noch bei 111,30 €. Der Kurschart zeigt die jüngste negative Entwicklung:

In meinem Beitrag findet sich zu meiner weiteren Strategie eine klare Aussage:
Ein bißchen spekuliere ich trotzdem auf das berühmte Sommerloch und würde gerne einen Kurs unterhalb von 110 € sehen. Spätestens bei 105 € würde ich dann eine Kauforder aufgeben. Nicht, dass ich die Aktie dort erwarte. Es gibt aktuell keine Gründe für einen solchen weiteren Rückgang. Aber oft ist das ja auch gar nicht nötig. Dann will der Markt einfach noch mal etwas runter. Und dann stehe ich bereit.
Beitrag vom 07.05.2024
Ich musste also nicht lange überlegen als der Kurs der VINCI-Aktie die 105 €-Marke von Oben nach Unten durchbrach. Ich habe für mich kurz gecheckt:
Gibt es Gründe für den Kursrückgang, die bei VINCI selbst liegen?
Klare Antwort: Nein.
Halte ich eine Neubewertung des französischen Aktienmarktes für gerechtfertigt oder notwendig?
Antwort mit etwas Unsicherheit: Nein.
Aktienkauf
Ich kaufte deshalb am 11.06.2024 weitere 10 Aktien von VINCI in mein Dividendendepot. Die Order platzierte ich über die DKB außerbörslich bei Tradegate und zahlte je Aktie 102,95 €. Addiert mit den Kaufgebühren und der französischen Finanztransaktionssteuer zahlte ich so insgesamt 1.042,59 €.

Dividendenrendite
VINCI zahlt im April und November eine Dividende. Die Dividende im November ist dabei „nur“ ein Abschlag auf das erwartete Jahresergebnis. Der größte Teil der Dividende kommt dann im April. In diesem Jahr wurden im April schon 3,45 € bezahlt. Gemeinsam mit den 1,05 € aus dem letzten November ergibt das eine Dividende für das Geschäftsjahr 2023 von 4,50 €. Bei meinem Nachkaufkurs von 102,95 € entspricht das einer Dividendenrendite von 4,37%.
Yield on Cost
Meine persönliche Dividendenrendite hat sich durch den Nachkauf nun etwas verschlechtert. Einfach dadurch, dass mein Durchschnittseinstand dadurch etwas höher geworden ist. Denn es war – trotz des Kursrückgangs – mein bisher „teuerster“ Kauf von VINCI-Aktien. Ich hatte bisher immer nur zweistellig bezahlt, nun erstmals dreistellig. Trotzdem liegt mein durchschnittlicher Einstand (12.268,60 € für 150 Aktien) mit 81,79 € immer noch deutlich unter dem aktuellen Kursniveau. Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) liegt damit bei 5,5% (4,50 € auf 81,79 € Einstand je Aktie).
Perspektiven
Hinsichtlich der generellen Bewertung von VINCI und meiner Einschätzung, warum es sich um ein Unternehmen handelt, das in attraktiven Märkten mit wenig Wettbewerb unterwegs ist, hat sich in den letzten 6 Wochen nichts verändert. Deshalb hier noch mal der Verweis auf meinen vorigen Beitrag, einfach weil er noch so frisch ist.
Nun hat allerdings der französische Präsident unter dem Eindruck des Ergebnisses der Europawahlen die französische Nationalversammlung aufgelöst und Neuwahlen angekündigt, die schon in wenigen Wochen stattfinden werden.
Allgemein erwartet wird dabei, dass die Partei der Rechtsaußen Marie Le Pen eine Mehrheit in der Nationalversammlung erringen wird. Beobachter erwarten aber, dass es nicht zu einer absoluten Mehrheit reichen wird. Frankreich als Präsidialdemokratie ist etwas anders als Deutschland aufgestellt. Während bei uns die Mehrheit im Bundestag zur Regierungsbildung und Wahl des Bundeskanzlers erforderlich ist, wird in Frankreich der Präsident direkt gewählt.
Die Amtszeit von Emmanuel Macron endet ohnehin 2027 und er darf nach zwei Wahlperioden dann auch nicht mehr kandidieren. Die Nationalversammlung ist aber für die Verabschiedung des Haushalts notwendig und insofern haben die dortigen Mehrheitsverhältnisse dann auch einen Einfluss auf die Politik des Landes.
Es gibt nun schon Befürchtungen, dass sich das Haushaltsdefizit vergrößern könnte. Und Frankreich dann auch sein sehr gutes Rating verlieren könnte. Als erste Folge kamen direkt französische Staatsanleihen unter Druck.
Wenn ich das Ganze nüchtern betrachte, dann trenne ich zwischen den politischen Themen und meinen Aktien. Denn natürlich betrachte ich die Entwicklung in Europa mit Sorge. Die Wahlgewinne von rechtsextremen Parteien in Italien, Frankreich oder auch Deutschland machen mir Angst. Aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen.
Denn was bedeutet das für Unternehmen wie VINCI? Höhere Staatsschulden unterstreichen einerseits die Attraktivität von Sachwerten wie Aktien. Und andererseits werden sie ja auch für etwas genutzt. Und meistens sind das auch Investitionen in Infrastrukturprojekte. Und davon sollte dann VINCI direkt profitieren. Sei es durch sein Projektgeschäft bei großen Bauwerken oder durch die spätere Konzessionierung von Straßen oder Flughäfen. Mögliche spätere Belastungen durch Steuererhöhungen für Unternehmen dürften das dann tendenziell ausgleichen.
Unterm Strich glaube ich nicht, dass VINCI jetzt ein Verlierer der Verschiebung des politischen Spektrums nach rechts ist. Und ich gehe davon aus, dass die Wahlen zur Nationalversammlung keinen wirklichen Einfluss auf die Unternehmensentwicklung nehmen. Zumal VINCI sehr international aufgestellt ist und schon lange kein rein französisches Unternehmen mehr ist.
Und damit gilt für mich hier der klassische Spruch, dass politische Börsen kurze Beine haben. Ich sehe den Kursrückgang als Gelegenheit, eine attraktive Aktie zu einem günstigen Preis aufzustocken. Und mir damit langfristig eine hohe Dividendenrendite mit Wachstumspotenzial zu sichern.
Durch den Nachkauf habe ich nun 150 Aktien von VINCI im Dividendendepot und damit meine Zielposition erreicht. Ab jetzt möchte ich nur noch die Dividenden einkassieren und dadurch mein eingesetztes Kapital stetig reduzieren. Der Depotanteil beträgt nun 3,0% und das ist eine Größe, mit der ich mich sehr wohl fühle. Damit ist VINCI auf Platz 12 meiner größten Depotwerte. Aber schon eine Kurserholung um 10%, die die Aktie auf das Niveau nach der Dividendenzahlung zurückbringen würde, führt den Titel zurück in meine TOP 10.
Meinem Gefühl nach gehört die Aktie dort auch hin. Und irgendwie bin ich mir ziemlich sicher, dass sich der Nachkauf als gute Gelegenheit erweisen wird. Auch wenn der Kurs allein am Kauftag noch weitere 2% gesunken ist. Aber den niedrigsten Kurs erwische ich ja sowieso nie. Auch das hat mir die Dokumentation durch den Blog schon oft gezeigt.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | VINCI |
| ISIN: | FR0000125486 |
| Im Divantis-Depot seit: | 25.08.2016 |
| Letzter Nachkauf am: | 11.06.2024 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 150 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 81,79 € |
| Gesamtkaufpreis: | 12.268,60 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 2.469,75 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |


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