Oft wird Kanada wirtschaftlich als Anhängsel der USA betrachtet. Das mag mit der Währungsbezeichnung Dollar, der gemeinsamen Sprache und der gemeinsamen Landesgrenze zusammenhängen.
Bezogen auf die Zinsen sieht es aber eher umgekehrt aus. Es war die kanadische Notenbank, die zuerst – und durchaus überraschend – die Zinswende einleitete. Und sie ist es auch, die nun schon den zweiten Zinsschritt gegangen ist.
Und auch das war so noch nicht erwartet worden, schließlich ist die Inflation durchaus noch auf einem zu hohen Niveau.
Umso spannender ist die Entwicklung für einen Depotwert, dessen Kursentwicklung stark mit der Zinsentwicklung korreliert. Denn er speist seine Attraktivität vor allem aus der Dividende. Und je niedriger die Zinsen, umso größer ist die Differenz gegenüber der risikolosen Anlage in Staatsanleihen.
Zur Situation des Unternehmens gibt es aber natürlich noch einiges mehr zu sagen. Alle Details erfährst Du in diesem Beitrag.
Das kanadische Telekommunikationsunternehmen BCE (hier habe ich es ausführlich vorgestellt) fällt aktuell vor allem mit seiner hohen Dividendenrendite auf.
Nachdem sie zur Jahresmitte sogar bei 9,3% lag, ist sie nun ein wenig zurückgekommen. Im Kurschart in der Heimatwährung des kanadischen Dollars zeigt sich das durch eine jüngere Kurserholung, die aber insgesamt immer noch innerhalb eines Abwärtstrends seit dem Allzeithoch im April 2022 verläuft:

Dividendenzahlung
BCE zahlt erneut eine Quartalsdividende von 0,9975 CAD je Aktie. Für die 40 dividendenberechtigten Aktien in meinem Depot beträgt die Brutto-Dividende damit 39,90 CAD. Die Umrechnung in Euro erfolgte durch maxblue zum Kurs von 1,4964. Zum Ex-Termin waren 5 der Aktien noch im Depot bei Trade Republic – inzwischen sind sie per Depotübertrag auch bei maxblue. Deshalb gibt es letztmals eine Abrechnung von Trade Republic, der Umrechnungskurs lag bei 1,5047. Nach den Steuerabzügen (mit einem deutlichen Nachteil bei Trade Republic, die die kanadische Quellensteuer nicht reduzieren) verbleibt eine Netto-Dividende von 19,56 €. Die Dividende wurde von maxblue mit Wertstellung 17.10.2024 überwiesen, bei Trade Republic kam sie bereits am 15.10.2024.


Annualisiere ich die Quartalsdividende, werden in einem Jahr 3,99 CAD Dividende gezahlt. Bei einem Aktienkurs von 45,95 CAD entspricht das einer Dividendenrendite von 8,68%. Die nächste Dividendenerhöhung könnte erneut im April 2025 erfolgen, so dass die tatsächliche Jahresdividende bei einem heutigen Kauf etwas höher liegen könnte.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost – YoC) bezieht sich auf meinen Einstand. Für die 40 Aktien habe ich insgesamt 1.423,95 € bezahlt. Nehme ich die Brutto-Quartalsdividende von 39,90 CAD und vervierfache sie, dann erhalte ich innerhalb eines Jahres 159,60 CAD brutto. Umgerechnet mit dem obigen Wechselkurs ergibt das 106,66 €. Und damit ein YoC von 7,5%.
Perspektive
Der Aktienkurs von BCE steht heute ziemlich exakt dort, wo er vor drei Monaten bei meinem letzten Bericht notierte. Was sich zunächst enttäuschend anhört, bedeutet aber gleichzeitig, dass der Dividendenabschlag vollständig aufgeholt wurde. Nun ist es ja eine Quartalsdividende und der Abschlag muss dementsprechend auf viermal im Jahr wieder aufgeholt werden. Nehmen wir aber an, das gelingt jedes Mal, dann liegt die jährliche Rendite eines BCE-Investments auf Höhe der Dividendenrendite. Und damit bei etwa 8,7%.
Das ist ein Wert, mit dem ich erstmal leben kann. Denn meine langfristige Renditeerwartung liegt bei durchschnittlichen 8,5% p.a. Und damit hätte BCE diese Erwartung sogar übertroffen.
Schaue ich mir mein Engagement in der Rückbetrachtung an, dann bin ich davon allerdings weit entfernt. Kein Wunder, denn meine drei Käufe waren jeweils deutlich über dem aktuellen Kursniveau und die Aktie befindet sich seit Ende April 2022 im Abwärtstrend.
Und dafür gibt es einige Gründe, die ich in dieser Zeit regelmäßig herausgearbeitet habe. Leider sind sie immer noch aktuell – auch wenn das Kursniveau nun zumindest auf dem niedrigen Level gehalten werden konnte.
Der Höhenflug des Aktienkurses war vor allem zinsgetrieben. Die Dividende eines Telekommunikationsunternehmens war der Ersatz für Zinsen aus Anleihen, die es ja faktisch nicht mehr gab. Und die Zinslast von BCE war zudem sehr niedrig. Beides änderte sich rapide: Anleihen wurden auf einmal wieder attraktiver und die Verschuldung erforderte zudem höheren Zinsaufwand.
Nun besteht Hoffnung, dass auch in Kanada der Höchststand der Zinsen gefunden wurde. Entsprechend sieht es nach einer Bodenbildung bei BCE aus.
Für mich als Aktien-Investor sind aber nicht die Zinsen entscheidend, sondern das Unternehmen selbst. Und da befindet sich BCE aktuell in einem herausfordernden Geschäftsjahr.
Zuletzt wurden die Zahlen zum 2. Quartal und damit zum 1. Halbjahr 2024 berichtet: der angepasste operative Gewinn (adjusted EBITDA) stieg dabei um 2,0% und damit mehr als im 1. Quartal (+1,1%). Der Nettogewinn stieg sogar um 52,1%, während er im 1. Quartal noch um 42% zurück ging. Der adjustierte Gewinn je Aktie sank allerdings auf 0,78 CAD (-1,3%). Er war damit aber höher als im 1. Quartal (0,72 CAD).
Auch wenn die Dividende nicht aus dem Gewinn, sondern aus dem Free Cash Flow bezahlt wird, ist hier auffällig, dass in beiden Quartalen deutlich weniger Gewinn als die Quartalsdividende (0,9975 CAD) erwirtschaftet wurde.
Immerhin konnte der Free Cash Flow im 2. Quartal um 8,0% zulegen. Und mit 1,097 Mrd. CAD war er auch wieder in einem angemesseneren Bereich. Im 1. Quartal lag er gerade mal bei 85 Mio. CAD.
Nach diesem 1. Halbjahr konnte das Management immerhin an seiner Prognose festhalten und alle Ziele bestätigen. Nur leider sind diese nicht besonders ansprechend: Beim Gewinn je Aktie wird ein Rückgang zwischen 2 und 7% erwartet. Und der Free Cash Flow soll ebenfalls sinken und zwar zwischen 3 und 11%.
Mit Erreichen dieser Prognose wird BCE in absoluten Zahlen auf das Niveau des Jahres 2022 zurückfallen oder es sogar noch unterbieten. Von Wachstum ist in dieser Zeit also nichts geblieben. Außer bei der Dividende. Und damit kommen wir wieder zum oben diskutierten Punkt: Die Dividendenrendite von 8,8% sieht toll aus und bringt auch aktuell bei konstantem Aktienkurs eine entsprechende Rendite. Aber: die Dividende ist definitiv zu hoch!
Den BCE-Aktionären wird hier die Illusion eines wachsenden, gesunden Unternehmens vorgegaukelt. Tatsächlich muss BCE hohe Investitionen tätigen, um seinen Netzbetrieb modern zu halten. Und der Wettbewerbsdruck ist so hoch, dass es fraglich ist, wie die Erträge entsprechend gesteigert werden können.
So baut BCE sein Glasfasernetz weiter aus und berichtet über den höchsten Kundenzuwachs innerhalb eines Quartals seit 17 Jahren. Nur in den Zahlen ist das nicht zu sehen! Und der Wettbewerber von Glasfaser ist ja inzwischen der Mobilfunk oder ein Satellitennetz wie StarLink.
Aus meinen Worten wird meine pessimistische Einstellung sicherlich deutlich. Bei einem anderen Unternehmen aus der Branche, nämlich Verizon, hatte ich mich in einer vergleichbaren Situation von der Aktie verabschiedet (hier nachzulesen).
Bei BCE habe ich das jedoch weiterhin nicht vor. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Mein Engagement ist mit 0,2% Depotanteil sehr klein und ein weiterer Kursrückgang schmerzt kaum noch.
- Ich will die Anzahl meiner Depotpositionen nicht erhöhen, aber trotzdem im kanadischen Dollar investiert bleiben.
- Die Dividende wurde 16 Jahre in Folge erhöht und das Management wird versuchen, diese Historie auszubauen.
- Sinkende Zinsen können dem Aktienkurs wieder Auftrieb geben. Steigende Zinsen sehe ich in nächster Zeit nicht mehr.
- BCE reduziert das Personal und drosselt die Investitionen.
- Schließlich sieht man auch bei anderen ehemaligen Staatsunternehmen (ich denke da an unsere Deutsche Telekom), wie sie sich über viele Jahre schwer getan haben und nun ein Comeback erleben.
Trotzdem ist BCE nicht auf ewig vor einem Verkauf aus meinem Depot „sicher“. Vielleicht sage ich mir irgendwann auch, dass die Position zu klein ist, um sie weiter zu beobachten und dass es mir Freiräume für andere Titel verschafft, wenn ich mich davon trenne. Aktuell ist das nicht der Fall, aber ich kann es nicht wirklich vorhersehen.
Eine Dividendenkürzung würde allerdings einen Verkaufsimpuls auslösen. Auch wenn das inhaltlich gerechtfertigt wäre. Eine solche Kürzung würde mir weniger Einnahmen aus dem kanadischen Dollar bringen und damit wäre mein wichtigster Grund, in der Aktie investiert zu bleiben, obsolet.
Insgeheim hoffe ich einfach darauf, dass das auch 2025 nicht passiert und stattdessen weiter unvernünftig die Dividende erhöht wird. Und BCE sich über die nächsten Jahre gesundet und zu alter Stärke zurückfindet.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | BCE Inc. |
| ISIN: | CA05534B7604 |
| Im Divantis-Depot seit: | 27.07.2020 |
| Letzter Nachkauf am: | 19.10.2023 |
| verkauft am: | 08.05.2025 |
| ursprüngliche Stückzahl im Divantis-Depot: | 40 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 35,60 € |
| Gesamtkaufpreis: | 1.423,95 € |
| Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden: | 315,47 € |
| Gesamtverkaufserlös: | 749,70 € |
| Verlust inkl. erhaltener Dividenden: | 358,78 € |
| Verlust in Prozent: | 25,2% |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| BCE reports second quarter 2024 results |


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