Was Dich hier erwartet:
Im Juni gab es nach der Europawahl große Unruhe am französischen Aktienmarkt: Die plötzliche Ansetzung von Neuwahlen zur Nationalversammlungen sorgte für Unsicherheit.
Nach dem Ausgang dieser Wahlen hatte ich eigentlich mit einer deutlichen Erholung gerechnet. Denn die weltweite Stimmung an den Aktienmärkten ist ja positiv.
Doch bisher ist das positive Szenario nicht eingetreten und – zumindest in meinem Depot – es sieht aktuell nicht rosig für französische Aktien aus.
Nachdem ich im Juni den Kursrückgang zu einem Nachkauf genutzt hatte, profitiere ich bei meinem größten französischen Titel aber nun wenigstens mit einer höheren Dividendenzahlung. Aber auch hier wachsen die Bäume nicht in den Himmel.
Wie ich die Perspektiven nun einschätze und warum ich auf absehbare Zeit weiter an den französischen Markt glaube, erfährst Du in diesem Beitrag.
Es war das französische Infrastrukturunternehmens VINCI, das sich für einen Nachkauf in mein Depot qualifiziert hatte. Die Aktie selbst habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Der Kurschart zeigt allerdings, dass der Aktienkurs nach meinem Kauf im Juni sogar noch weiter gesunken ist. Die dann einsetzende Erholung ist auch schon wieder Geschichte und aktuell notiert die Aktie etwas über 100 €. Wenn man positiv gestimmt ist, kann man weiterhin einen langjährigen Aufwärtstrend erkennen – allerdings immer wieder verbunden mit Rückschlägen:

Mein Erstkauf lag im Jahr 2016 zu einem Kurs von 66,60 €.
Dividende
VINCI zahlt nun eine Dividende von 1,05 € je Aktie. Das ist der identische Betrag wie letztes Jahr im November. Diese Dividende ist dabei „nur“ ein Abschlag auf das erwartete Jahresergebnis. Der größte Teil der Dividende kommt dann im April (3,45 € zuletzt). Der diesjährige „Vorteil“ ist also nur die um einen Monat frühere Zahlung. Bei mir selbst sind nach meinem Nachkauf im Juni erstmals 150 Aktien dividendenberechtigt. Das ergibt damit eine Brutto-Dividende von 157,50 €. Wie üblich zieht der DKB-Broker (genauso wie die 1822direkt und anders als die anderen Banken!) nur 12,8% Quellensteuer ab und rechnet sie voll auf die deutsche Kapitalertragsteuer an. So erhalte ich eine Netto-Dividende von 117,07 €. Sie wurde mit Wertstellung 17.10.2024 überwiesen.

Gemeinsam mit den schon im April gezahlten 3,45 € hat VINCI damit in diesem Jahr 4,50 € Dividende bezahlt. Bei einem Aktienkurs von 103,90 € entspricht das einer Dividendenrendite von 4,33%.
Meine persönliche Dividendenrendite ist etwas höher, aber noch nicht signifikant. Mein durchschnittlicher Einstand (12.268,60 € für 150 Aktien) liegt bei 81,79 €. Daraus ergibt sich eine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) von 5,5% (4,50 € auf 81,79 € Einstand je Aktie).
Quellensteuer
Um in den Genuss der bei dieser Dividendenabrechnung vorgenommen Anrechnung der Quellensteuer zu kommen, ist es erforderlich, einen Antrag zur Vorabbefreiung von der Quellensteuer zu stellen. Das wird aber nur vereinzelt von Banken angeboten! Bei der DKB (dort habe ich bisher meine französischen Aktien) wird dafür eine Gebühr von 30,00 € fällig, die Vorabbefreiung ist dann 3 Jahre gültig. Danach ist ein neuer Antrag notwendig und die Gebühr wird erneut fällig. Immerhin gilt die Befreiung aber für alle französischen Aktien im Depot.
Ein Tipp: Die 1822direkt bietet den gleichen Service wie der DKB-Broker an! Beide gehören zur Sparkassenorganisation und nutzen die DWP Bank zur Abwicklung. Und deshalb kann die 1822direkt ebenfalls die französische Quellensteuer vorabreduzieren. Die Formulare dafür sind identisch. Und jetzt kommt der Clou: Die 1822direkt nimmt keine Gebühren für ihren Service.
Das Wertpapierdepot der 1822direkt ist im Vergleich mit anderen Brokern vor allem wegen der gebührenfreien Quellensteuervorabreduzierung attraktiv. Sie wird auch noch für weitere Länder, wie z.B. Italien oder Norwegen angeboten. Die übrigen Konditionen sind in Ordnung, aber nicht herausragend. Das Depot kannst Du hier eröffnen.
Perspektiven
Nach leichten Erholungen gegenüber meinem Nachkauf im Juni hat sich der Aktienkurs von VINCI aktuell im Bereich zwischen 100 und 110 € eingependelt. Gegenüber dem Jahres- und Allzeithoch von 120 € ist das etwas niedriger, aber nicht wirklich weit entfernt.
Tatsächlich gibt es weiterhin innenpolitische Themen in Frankreich, die Druck auf den Aktienkurs ausüben. Präsident Macron war es zwar durch die vorgezogenen Neuwahlen der Nationalversammlung gelungen, den Front National vom Amt des Premierministers fernzuhalten. Der Preis dafür war aber ein Erstarken der Linken. Und das lässt weiterhin ausufernde Staatsschulden und Haushaltsdefizite befürchten. Das würde über kurz oder lang dazu führen, dass Frankreich sein bisheriges sehr gutes Rating verliert. Mit entsprechenden negativen Folgen für die Zinskosten und höhere Renditen für französische Staatsanleihen.
Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich VINCI entsprechend auf das drohende Unheil vorbereitet. Die Amtszeit von Emmanuel Macron läuft noch bis 2027 und er darf nach zwei Wahlperioden dann auch nicht mehr kandidieren. Wer seine Nachfolge antritt und welche Politik damit verbunden sein wird, ist offener denn je.
VINCI hat seit einigen Jahren auf eine Internationalisierung gesetzt und erzielt mittlerweile mehr als die Hälfte seines Umsatzes (56%) außerhalb Frankreichs. Leider ist das aber der Teil des Umsatzes, der schwächere Margen hat. Für den Gewinn ist das Konzessionengeschäft in Frankreich weiterhin der wichtigste Teil.
Hier gilt es deshalb anzusetzen und die Fühler in die Welt auszustrecken und Infrastrukturprojekte mit höheren Margen an Land zu ziehen.
In den Ergebnissen zum 1. Halbjahr 2024 ließen sich die Unsicherheiten in Frankreich naturgemäß nicht erkennen. Sie haben ja auch keine direkten Auswirkungen auf die Geschäfte, sondern wirken eher mit Zeitverzug.
So konnte VINCI über einen Umsatzanstieg um 4,4% berichten. Dabei legte der Umsatz außerhalb Frankreichs um 5,2% und der Umsatz in Frankreich um 3,3% zu. Dieses unterschiedliche Wachstumstempo unterstützt die Verschiebung der Umsatzanteile.
Das operative Ergebnis (EBITDA) legte um 6,9% zu, das EBIT sogar um 9,1%. Wie die Abkürzungen schon sagen, sind das die Ergebnisse vor Zinsen und Steuern. Die Zinsen stiegen bekanntlich in den letzten 2 Jahren deutlich an und das sorgt auch bei VINCI für Bremsspuren. Noch mehr belastete mit 120 Mio. € aber eine neue Steuer für Betreiber von Fernverkehrsinfrastrukturen in Frankreich, die fast ausschließlich Autobahnkonzessionsgesellschaften betrifft.
Der operative Zuwachs wurde damit unterm Strich in ein Minus gedreht: der Gewinn je Aktie ging um 5,4% auf 3,46 € zurück.
Das erklärt auch die nicht erhöhte Zwischendividende. Die Nettoverschuldung stieg zudem um 2,5 Mrd. € auf 23,4 Mrd. € an. Durchschnittlich muss VINCI aktuell 5,1% Zinsen bezahlen – im 1. Halbjahr 2023 waren es noch 4,2%.
Aber – und das ist mir wichtig – die Internationalisierung läuft weiter. Schaut man sich die Pressemitteilungen von VINCI an, dann werden dort vor allem Akquisitionen im Ausland genannt. Im 1. Halbjahr waren dabei besonders der Erwerb einer 50,01%igen Mehrheitsbeteiligung am Flughafen Edinburgh und eine 20%ige Beteiligung am Flughafen Budapest relevant. Beide Flughäfen sind allerdings erst seit Juni Bestandteil der Geschäftsergebnisse. Außerdem wurde ein Teilstück der Umgehungsstraße von Denver erworben, die erste große Akquisition im Mautstraßenbereich in den USA.
Die Übernahmen erklären auch den Anstieg der Nettoverschuldung. Sie werden schon beim Jahresergebnis zu einer Umsatzerhöhung beitragen. Die volle Kraft werden sie aber erst 2025 entfalten, wenn sie dann ganzjährig in das Zahlenwerk einfließen.
Die Zinssenkungen der EZB werden natürlich auch VINCI zu Gute kommen. Allerdings wird das nicht sofort passieren. Denn genauso wie der Zinsanstieg nur sukzessive in den Kreditverträgen angekommen ist, wird es auch bei Zinssenkungen sein. Erneuert werden ja immer nur die fälligen Kredite zu dem dann geltenden Zinsniveau. Deshalb erwarte ich für die nächste Zeit sogar noch weiter steigende Finanzierungskosten.
Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert das Management einen steigenden Umsatz, wenngleich das Wachstum nicht so stark wie in 2023 sein wird. Aufgrund der neuen Steuer, die im Gesamtjahr mit 280 Mio. € belasten wird, wird in etwa ein gleichbleibender Nettogewinn erwartet.
Mein Engagement in VINCI ist langfristig ausgerichtet. Das Management hat gezeigt, dass es mit Gegenwind umgehen kann. Aktuell wird in Frankreich über weitere Steuererhöhungen für Großkonzerne diskutiert. Das kann also noch mal für Belastungen sorgen. Aber auf lange Sicht bin ich zuversichtlich, dass sich VINCI weiter ordentlich entwickelt.
Trotzdem werde ich die Entwicklung beobachten. Sollte sich das Klima zu stark verschlechtern, dann muss ich meine französischen Titel unter Beobachtung stellen. Aber so weit ist es noch nicht.
Meine Zielposition habe ich mit den 150 Aktien aber ohnehin schon erreicht. Weitere Zukäufe sind nicht geplant. Neuinvestoren sollten auf diesem Kursniveau aus meiner Sicht ebenfalls abwarten. Unter 100 € ist die Aktie sicherlich spannender.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | VINCI |
| ISIN: | FR0000125486 |
| Im Divantis-Depot seit: | 25.08.2016 |
| Letzter Nachkauf am: | 11.06.2024 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 150 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 81,79 € |
| Gesamtkaufpreis: | 12.268,60 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 2.469,75 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| 2023 Fact Sheet |
| 2023 Annual Results |
| 2024 First half results |


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