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Na klar, Nvidia ist die heißeste Aktie im Halbleiterbereich. Wer sie nicht hat, verpasst eine sensationelle Performance. Aber was ist mit TSMC oder AMD? Oder den Klassikern Intel und Texas Instruments? Und wo liegen eigentlich die Unterschiede?
Wer sich mit Halbleitern und den beteiligten Unternehmen beschäftigt, wird schnell von technischen Details erschlagen. Es ist als Laie gar nicht so einfach, mit einem groben Bild ein Verständnis für die Marktposition und die Perspektiven zu erhalten. Das ist aber nötig, um eine nachhaltige Investitionsentscheidung zu treffen.
Dieser Beitrag versucht deshalb, die Grundlagen kurz und knapp zu skizzieren. Genau in der Ausführlichkeit, damit die generellen Unterschiede der Unternehmen klar werden. Technisches Verständnis ist dafür nicht erforderlich, wer möchte, kann sich dann natürlich an anderer Stelle noch viel tiefer einarbeiten.
Was ist die „Halbleiterindustrie“?
Als Halbleiterindustrie wird die gesamte Branche rund um Microchips genannt. Sie umfasst die Unternehmen, die die Chips designen, herstellen und sie verkaufen. Microchips (oder verkürzt: Chips) sind eine Ansammlung von Schaltern, die mit elektrischen Impulsen gesteuert werden. Diese Schalter werden mit Halbleitermaterial wie Silizium oder in geringerem Maße auch Germanium auf eine Platine gedruckt. Die leitfähige Beschaffenheit der Platine ermöglicht es, die Komponenten schichtweise in das Material zu ätzen, ebenso wie die Anschlüsse, um den Fluss der elektrischen Signale zu erleichtern.
Je dünner und leitfähiger das Halbleitermaterial nun ist, um so mehr Komponenten können eingebaut werden und um so leistungsfähiger sind dann die Chips. Mittlerweile ermöglicht es die neueste Technologie, 50 Milliarden Komponenten auf einem Chip von der Größe eines Fingernagels unterzubringen.
Die beiden Haupttypen von Microchips
Es gibt zwei Haupttypen von Chips: Logikchips, die die Berechnungen durchführen, und Speicherchips, die Daten zur Verwendung in den Berechnungen speichern. Zentralprozessoren „central processing units (CPUs)“ und Grafikprozessoren „graphic processing units (GPUs)“ bilden das Rückgrat des Marktes für Logikchips. GPUs sind den CPUs überlegen, da sie mehrere Berechnungen gleichzeitig durchführen können. Diese Einheiten brechen komplexe Berechnungen herunter und bearbeiten dann die Einzelteile, was sie für hochkomplexe, sich wiederholende Aufgaben, wie sie von der KI ausgeführt werden, unverzichtbar macht.
Logikchips als Gehirn
CPUs und GPUs sind das Herzstück von Computersystemen und erfüllen die zentralen Funktionen. Sie bilden das Gehirn des Geräts. Um die Hauptprozessoren herum sitzen die Chips, die das Funktionieren anderer Eingänge ermöglichen, die an das Gehirn rückkoppeln, wie der Bluetooth-Sender oder der 5G-Netzempfänger.
Die meisten Gehirne können nur eine bestimmte Anzahl von Berechnungen durchführen, so dass sie Daten speichern müssen, während sie Teile der Berechnung oder andere Teile der Arbeit verarbeiten. Das ist dann die Stelle, an der Speicherchips ins Spiel kommen. Alle diese verschiedenen Chips sind Erweiterungen des Gehirns. Ohne sie funktioniert das Gerät nicht, und ohne das Gehirn funktionieren auch die anderen Chips nicht.
Dieser kurze Überblick über die Funktionsweise elektronischer Geräte ist schon ausreichend, um als Investor zu verstehen, wo die Hauptmärkte liegen. Prozessoren sind komplexe und einzigartige Geräte, deren Entwicklung Milliarden kostet, und da die Leistung des Geräts von einem effizienten Prozessor abhängt, liegt hier der wahre Wert.
Die fortschrittlichste Form eines Logikchips, die derzeit auf dem Markt ist, ist der Blackwell B200 GPU von Nvidia. Dieser Chip hat 208 Milliarden Transistoren, und Nvidia hat eine Plattform entwickelt, die zwei seiner fortschrittlichsten GPUs, den GB200, einen so genannten „Superchip“, nutzen kann. Der Blackwell kostet etwa 30-40.000 US$ und ist damit aktuell der heilige Gral im Logikchip-Markt. Seine Entwicklungskosten liegen bei etwas 10 Mrd. US$. Der Hauptkonkurrent von Nvidia ist AMD, das sich in den letzten fünf Jahren eine starke Nische bei CPUs und GPUs für Rechenzentren geschaffen hat.
Nvidia hat sich zum Aushängeschild der weltweiten Halbleiterindustrie entwickelt. Interessanterweise produziert Nvidia aber gar keine eigenen Chips. Nvidia ist ein fabrikloses Unternehmen. Das wiederum ist in der Chipindustrie nicht ungewöhnlich, da Fabriken oft sehr teuer und unprofitabel sind.
Marktführer bei der Produktion und Eigentümer solcher Fabriken ist wiederum TSMC (Taiwan Semiconductor Manufactoring Company). Rund Zweidrittel des Produktionsmarktes in der Chipindustrie wird von TSMC beherrscht. Nvidia designt die Chips und lässt sie dann von TSMC herstellen. Für TSMC bedeutet das ein ständiges Investment in die eigenen Kapazitäten, um die Fabriken auszubauen und auf dem neuesten technischen Stand zu halten. Dafür investiert TSMC aktuell jährlich rund 30 Mrd. US$. Allein diese Summe zeigt schon, wie groß der Markt, aber auch die Kosten sind.
Intel wiederum ist eines von wenigen Unternehmen, das beides macht: es designt Chips und produziert sie selbst. Bekannt sind vor allem die Hauptprozessoren (CPUs), die in PCs (Desktop und Laptop), zum Einsatz kommen. Dieser Markt ist in den letzten Jahren durch das Aufkommen der schnelleren GPUs aber unter Druck gekommen. Intel versucht sich nun mit einer Aufholjagd und will in den nächsten Jahren rund 100 Mrd. US$ in neue Fabriken investieren.
Ohne Speicherchips geht es nicht
Neben dem Bereich der Logikchips, in dem eindeutig die Musik spielt, gibt es noch den langweiligeren Sektor der Speicherchips. Dort geht es vor allem um Größe und niedrige Herstellungskosten. Die drei größten Hersteller von Speicherchips sind die koreanischen Samsung und SK Hynix und Micron Technology aus den USA. Dieser Markt gilt jedoch als sehr zyklisch und hat seine eigene Dynamik.
Spezialisten
Neben den großen Spieler im Halbleitermarkt gibt es noch eine Reihe von kleineren Designern und Produzenten. Sie haben sich in der Regel auf Chips mit speziellen Funktionen spezialisiert. Ein solches Beispiel ist Qualcomm. Sie sind der Marktführer bei 4G- und 5G-Telekommunikationschips. Vor allem die Technik und die Patente machen dieses Unternehmen wertvoll – denn auch Qualcomm lässt seine Chips in fremden Fabriken produzieren. Genauso macht es Broadcom mit seinen Netzwerkkarten.
Der Markt für fabriklose Produkte ist immens, und hier werden wohl auch die meisten Fortschritte erzielt. Neben Nvidia ist einer der bekanntesten Player Arm Holdings. Arm vergibt Lizenzen für seine Chipdesigns an Dritte, die sie dann in ihre eigenen Produkte einbauen. Zu den Kunden von Arm gehört das Who is Who der AI-Schwergewichte: Nvidia, Alphabet, Qualcomm oder Microsoft.
Arm, Nvidia, AMD und Intel wiederum sind Kunden von Softwarefirmen wie Synopsys, die spezielle Programme zum Design von Halbleitern entwickelt haben.
Ausrüster
Und schließlich gibt es auch noch Halbleiterausrüstungsunternehmen, die die Fabriken und deren Ausrüstung entwickeln und produzieren. Sie profitieren von neu entstehenden Fabriken oder der Modernisierung bestehender Fabriken. Hier ist vor allem die niederländische ASML zu nennen. Sie ist Marktführer bei der Lithographie, dem Verfahren zum Ätzen von Bauteilen auf Siliziumchips. ASML hat hier einen Marktanteil von 80%. Die Konkurrenten Nikon und Canon fehlen jedoch im speziellen Segment der extrem ultravioletten Lithographie-Systeme, so dass ASML hier ein Alleinstellungsmerkmal hat.
Ein weiterer Ausrüster mit jahrzehntelanger Erfahrung, jedoch keiner Monopolstellung wie ASML, ist Applied Materials.
Schließlich gibt es noch Unternehmen, die an diversen Design- und Produktionspunkten einen wichtigen Beitrag leisten. Dazu gehören z.B. Lam Research, Tokyo Electron oder KLA. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte und die großen Chip-„Hersteller“ als Kunden.
Der Sonderfall
Zusammen mit Intel gehört Texas Instruments zu den ältesten und etabliertesten Unternehmen des Halbleitermarktes. Dabei hat Texas Instruments sich eine Nische erschlossen und sich auf analoge Chips konzentriert. Sie sind relativ einfach, aber trotzdem lebenswichtig. Meist sind für eine bestimmte Aufgabe entwickelt und programmiert worden. Beispielsweise für den Betrieb eines Bauteils in einem Roboterarm oder einem MRT-Gerät oder für die Klappen am Flügel eines Flugzeugs.
Branche stark vernetzt
Insgesamt besteht eine hohe Verknüpfung innerhalb der Halbleiterindustrie. Sie führt auf der einen Seite zu Abhängigkeiten, ermöglicht aber auch die gemeinsame Wertschöpfung. So bezieht Apple beispielsweise für ein iPhone Komponenten bei mehr als 200 Lieferanten. Und auch diese Lieferanten beziehen in ihrer Produktion noch weitere Lieferanten mit ein.
Sind AI-Chips mehr als nur ein Hype?
Aktuell befindet sich die Halbleiterindustrie an der Schwelle zu einer neuen Phase. Für AI sind extrem hohe Rechenkapazitäten erforderlich und die Ansprüche an die Chips steigen. Über kurz oder lang werden alte Systeme durch neue, stärkere Chips ersetzt, die die Anforderungen an AI besser erfüllen.
Der Halbleiterindustrie steht deshalb ein erhebliches Wachstum bevor. Und klar ist auch: Selbst wenn Nvidia die Schlagzeilen macht, es gibt viele Unternehmen, die von dem Entwicklungsschub profitieren werden. Wie immer bei Aktieninvestments zählt deshalb ein tieferer Blick in die Geschäftsentwicklung, Marktpositionierung und Bewertung. Womöglich ist es dann klüger, sich ein Unternehmen aus der 2. oder 3. Reihe herauszupicken. Wobei hier kein Hinterbänkler gemeint ist, sondern eher die Aufmerksamkeit. Ein Unternehmen, das nicht so im Fokus der Öffentlichkeit steht, aber bei allen Entwicklungsschritten mitverdient, kann am Ende des Tages ein deutlich profitableres Investment sein.
Wie bei allen Aktien gilt aber auch hier: nur weil ein Unternehmen einer attraktiven Branche angehört, ist es noch nicht aussichtsreich. Eine genauere Analyse ist immer erforderlich, bevor eine Aktie ins Depot gekauft wird. Und selbst ein herausragendes Unternehmen kann zu teuer und deshalb – zumindest vorübergehend – kein Kaufkandidat sein.
Die Branche im Divantis-Depot
Ich selbst bin bisher mit Lam Research und Texas Instruments in der Branche investiert. Damit fühle ich mich wohl und beabsichtige derzeit auch nicht, noch weitere Unternehmen hinzuzufügen. Bei beiden Titeln habe ich meine Zielposition noch nicht erreicht, so dass ich eher dort nachkaufen würde als einen neuen Titel in das Dividendendepot aufzunehmen. Denn lieber verstehe ich „meine“ Depotwerte durch die langjährige Begleitung immer besser als mich mit weiteren Titeln zu verzetteln.
Aber trotzdem lese ich natürlich viel über die anderen Unternehmen der Halbleiterbranche und bei entsprechenden Kurschancen nach außergewöhnlichen Marktreaktionen schaue ich sie mir auch genauer an.


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