Vor zweieinhalb Jahren explodierte der Weizenpreis förmlich. Der russische Angriff auf die Ukraine machte aus dem Korn plötzlich ein knappes Gut. Neue Lieferanten schlossen die Versorgungslücke, konnten aber höhere Preise verlangen.
Ich habe mich damals gefragt, wer denn eigentlich davon profitiert und ob es Sinn macht, in eine solche Aktie zu investieren. Ich entschied mich schließlich für ein erstes, kleineres Investment in einen australischen Getreidekonzern.
Mein Gedanke war dabei, dass ich dann zwar weiterhin mehr für mein Brot bezahlen muss, aber wenigstens einen Teil davon über steigende Dividenden zurückerhalte.
Die Überlegung ging zunächst auch auf. Mittlerweile ist zwar immer noch kein Kriegsende in Sicht, aber der Weizenpreis hat sich wieder normalisiert. Mit entsprechenden Auswirkungen auf meine australische Aktie.
Perspektivisch stellt sich deshalb die Frage für mich, ob das Investment überhaupt noch einen Sinn macht. Denn nun wurde auch noch die Dividende reduziert. Wie ich die Situation nun bewerte, erfährst Du in diesem Beitrag.
GrainCorp ist das breit aufgestellte australische Agrarunternehmen, das mich vor steigenden Brotpreise schützen sollte. Ich habe die Aktie hier ausführlich vorgestellt.
Mein Einstieg war im Nachhinein zu teuer, aber es war für mich glücklicherweise nur eine erste kleinere Position. Mein Nachkauf Ende letzten Jahres war ungefähr auf dem jetzigen Kursniveau. Deutlich erkennbar ist der Kursrückgang der letzten Wochen:

Im März 2020 hat GrainCorp einen Spin-Off von United Malt durchgeführt. Den damaligen Kursabschlag hat die Aktie mittlerweile wieder aufgeholt.
Das übliche Niveau der Aktie scheint der Bereich 7,50 bis 8,50 AUD zu sein. Aktuell notiert die Aktie am unteren Ende dieser Spanne.
Dividendenzahlung
GrainCorp zahlt in der Regel zweimal jährlich eine Dividende. Im Juli gibt es eine Zwischendividende und im Dezember dann die Schlussdividende. Nun ist also die Schlussdividende dran. Sie beträgt in diesem Jahr – genau wie die Zwischendividende – 0,24 AUD. Im letzten Jahr wurden allerdings noch 0,30 AUD als Schlussdividende bezahlt. Das ist eine Senkung der Dividende um 20%. Für meine 223 Aktien erhalte ich eine Brutto-Dividende von 53,52 AUD. Trade Republic hat davon diesmal 30% Quellensteuer abgezogen und nicht auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Ich halte das nicht für korrekt, da die Dividende „fully franked“ ist und auch ansonsten identisch mit der Zwischendividende deklariert wurde. Und bei der Zwischendividende wurde keine Quellensteuer abgezogen.
Nach Umrechnung zum Kurs von 1,6525 durch Trade Republic und Abzug der Steuern ergibt sich (zunächst, da ich eine Neuabrechnung reklamiert habe) eine Netto-Dividende von 14,13 €. Sie wurde mit Wertstellung 12.12.2024 überwiesen.

Zum Vergleich noch mal die Abrechnung der Zwischendividende. Bei gleicher Dividende und gleicher Stückzahl kamen netto mehr als 10 € mehr raus, da keine Quellensteuer abgezogen wurde:

Der Umrechnungskurs war übrigens der offizielle EZB-Referenzkurs vom 11.12.2024, also dem Tag vor dem Dividendenzahltag. Das ist absolut fair.
Ganz großer Müll (anders kann ich es nicht nennen!) ist die Möglichkeit, direkt über die App von Trade Republic die Abrechnung zu reklamieren. Direkt unter der Dividendenabrechnung findet sich ein Hilfe-Punkt mit dem schönen Titel „Problem melden“. Es meldet sich dann ein Chatbot, der aber keine Eingaben erlaubt, sondern nur einen unvollständigen Satz von sich gibt:

Ich habe dann per E-Mail den Quellensteuerabzug beanstandet. Mal schauen, wie lang es bis zur Neuabrechnung dauert!
GrainCorp zahlt damit nach zwei Jahren erstmals wieder eine niedrigere Schlussdividende aus. Im historischen Vergleich liegt sie zwar immer noch, aber die positive Historie ist nun beendet. Und wir kehren offenbar zu einer weniger berechenbaren Ausschüttungspolitik zurück. Das zeigt sich in der Übersicht der letzten Dividendenzahlungen:
| exDividende | Zahltag | Betrag |
|---|---|---|
| 27.11.24 | 12.12.24 | 0,24 |
| 03.07.24 | 18.07.24 | 0,24 |
| 29.11.23 | 14.12.23 | 0,30 |
| 05.07.23 | 20.07.23 | 0,24 |
| 30.11.22 | 13.12.22 | 0,30 |
| 06.07.22 | 21.07.22 | 0,24 |
| 24.11.21 | 09.12.21 | 0,10 |
| 07.07.21 | 22.07.21 | 0,08 |
| 25.11.20 | 10.12.20 | 0,07 |
| 28.11.18 | 13.12.18 | 0,08 |
| 29.06.18 | 16.07.18 | 0,08 |
| 29.11.17 | 14.12.17 | 0,15 |
| 30.06.17 | 17.07.17 | 0,15 |
| 29.11.16 | 14.12.16 | 0,035 |
| 30.06.16 | 15.07.16 | 0,075 |
Die Dividendenrendite berechnet sich auf die beiden Zahlungen in 2024 von jeweils 0,24 AUD – somit ergibt sich eine Jahresdividende von 0,48 AUD. Bei einem Aktienkurs von 7,54 AUD am Dividendenzahltag ergibt das eine Dividendenrendite von 6,4%.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on cost) ist aufgrund meines höheren Einstands niedriger als die aktuelle Dividendenrendite. Rechne ich die 0,48 AUD Jahresdividende zum jetzigen Umrechnungskurs um und setze sie ins Verhältnis zu den 1.349,12 €, die ich für die 223 Aktien bezahlt habe, dann erhalte ich einen YoC von 4,8%.
Perspektiven
Im Juli hatte ich schon so eine Vorahnung. Da habe ich die These aufgestellt, dass man Kurse über 8,50 AUD zum Verkauf nutzen sollte, wenn man sich von der Aktie trennen will. Das wäre im Nachhinein der richtige Schritt gewesen. Genauso habe ich aber auch geschrieben, dass sich Kurse unter 7,50 AUD lohnen, wenn man die Aktie kaufen will.
Genau an der Schwelle sind wir gerade und demnach müssten wir so langsam in Richtung Kaufkurs laufen. Allerdings ist nun die Dividendenkürzung hinzugekommen, die aus meiner Sicht einen Abschlag auf den Aktienkurs rechtfertigt.
Ich habe deshalb diesmal darauf verzichtet, vor der Dividendenzahlung noch einige Aktien zu kaufen. Ich hatte das ja eh nur geplant, um meine Aktienstückzahl zu begradigen und dann die Position unverändert laufen zu lassen. Nun bleibe ich erst mal bei den 223 Aktien stehen. So sehr stört mich diese Zahl auch nicht. Störender empfinde ich die Dividendenkürzung.
In vielen Situationen waren sie für mich Auslöser zum Verkauf einer Depotposition. Bei GrainCorp habe ich das nicht gemacht, da das Management auch schon in den Vorjahren darauf hingewiesen hat, dass die erhöhte Dividende keineswegs sicher ist. Sie haben das über den Weg einer Basis- und einer Zusatzdividende gelöst, die dann in der Addition die Dividendenzahlung ergibt. Und an der Basisdividende von 0,14 AUD haben sie nichts verändert. Und als Zusatzdividende wurde eben nur ein Betrag von 0,10 AUD statt wie im Vorjahr 0,16 AUD hinzugefügt.
Ich bin mir weiterhin unschlüssig, ob es sich dabei nur um einen optischen Trick handelt oder ob ich ernsthaft akzeptiere, dass es keine Dividendenkürzung ist.
Jedenfalls ist das der Grund, warum ich GrainCorp – entgegen meiner üblichen Vorgehensweise – nicht aus dem Depot schmeiße, aber auch nicht nachgekauft habe.
Dass es hinsichtlich der Geschäftsergebnisse nicht so rosig wie in den Vorjahren aussehen würde, war eigentlich schon länger klar. Der Weltmarkt für Weizen hat sich stabilisiert und dementsprechend sank auch der Erlös von GrainCorp deutlich.
GrainCorp selbst bezeichnet sein Ergebnis im Geschäftsjahr 2024 (bis 30. September) als solide. Dabei sank der ausgewiesene Nettogewinn (NPAT) auf 62 Mio. AUD (Vorjahr: 250 Mio. AUD). Das Ergebnis lag damit am unteren Ende der zum Halbjahr reduzierten Gewinnprognose von 60 bis 80 Mio. AUD (zuvor prognostiziert: 65 bis 95 Mio. AUD).
Im Agribusiness-Segment war dabei mit einem EBITDA von 162 Mio. AUD (Vorjahr: 351 Mio. AUD) der größte Rückgang zu verzeichnen. Hintergrund war eine geringere Getreideproduktion in Australien und niedrigere Margen aufgrund gestiegener globaler Produktion. Das Segment Nutrition and Energy war mit einem EBITDA von 134 Mio. AUD (Vorjahr: 202 Mio. AUD) ebenfalls rückläufig. Rekordmengen von 540.000 Tonnen Canola wurden verarbeitet, jedoch belasteten schwächere Pflanzenölpreise und eine kleinere Canola-Ernte die Margen.
Immerhin konnte GrainCorp das Jahr mit einer soliden Netto-Cash-Position von 337 Mio. AUD beenden und verringerte die Nettoverschuldung auf 99 Mio. AUD (Vorjahr: 373 Mio. AUD). Zudem wurden im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms rund 3,1 Millionen Aktien für etwa 27 Mio. AUD zurückgekauft.
Für das Geschäftsjahr 2025 wird zwar ein Anstieg der Getreideexporte erwartet, jedoch könnten globale Marktbedingungen die Margen weiterhin belasten.
Insgesamt könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Luft bei GrainCorp nun raus ist. Der große Hype ist vorbei, die Rekorde sind Vergangenheit und nun kehrt wieder Normalität ein.
Das Management hat die Rekorderlöse der Vorjahre genutzt, um einerseits den Aktionären etwas durch Dividenden und Aktienrückkäufe zurückzugeben. Aber auch die jüngste Übernahme von XF Australia im Bereich Tiernahrung (Nahrungsergänzungsmittel für Schafe, Rinder und Milchkühe; Ernährungsberatung und Futtermischungen) macht Sinn. Und es werden zusätzliche Kapazitäten für die Verarbeitung von Ölsaaten gesucht sowie die Machbarkeit einer inländischen Lieferkette für erneuerbare Kraftstoffe geprüft.
GrainCorp stellt sich damit breiter auf und verringert die Abhängigkeit vom Weizenpreis.
Würde ich heute noch mal neu in GrainCorp investieren? Wahrscheinlich nicht. Mein Investment erfolgte unter dem Eindruck dramatisch gestiegener Weizenpreise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Und sollte mich ein wenig vor weiter steigenden Lebensmittelpreisen absichern.
Inzwischen steigen die Preise nicht mehr so stark und ich habe mich an die Umstände gewöhnt. Meine GrainCorp-Position, die eine Zeitlang gut im Plus notierte, ist jetzt rund 15% im Minus. Und hat nur noch einen Marktwert von etwa 1.000 €.
Das ist für mich der Grund, warum ich mich durchaus auch wieder davon trennen könnten. Ein Nachkauf kommt für mich wegen der Dividendenkürzung nicht in Betracht. Und damit ist die Depotposition einfach sehr klein und es lohnt sich für mich kaum, sie weiter zu beobachten. Das Depotgewicht liegt nur bei 0,19% und ich konzentriere mich lieber auf aussichtsreichere oder höher gewichtete Positionen.
Aber zugleich ist es nicht so, dass ich mich nun sofort von GrainCorp trennen müsste. Denn immerhin zeigt mir der Zyklus des Aktienkurses, dass es auch wieder aufwärts gehen könnte. Und die immer noch verhältnismäßige üppige Dividende bringt mir auch eine gewisse Diversifizierung in einen anderen Währungsraum.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | GrainCorp |
| ISIN: | AU000000GNC9 |
| Im Divantis-Depot seit: | 22.06.2022 |
| Letzter Nachkauf am: | 18.12.2023 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 223 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 6,05 € |
| Gesamtkaufpreis: | 1.349,12 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 145,55 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende reinvestieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| GrainCorp delivers resilient FY24 result |
| FY24 Results Presentation |


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