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Nach Großschäden wieder auf Kurs – genug für die Zukunft gelernt?

3D-extrudierte Illustration zur Symbolisierung der Rückversicherung Conduit Re: Im Vordergrund steht der Schriftzug „CONDUIT RE“ in weißen und blauen Buchstaben, flankiert von einem silbernen Schutzschild mit Regenschirm, goldenen Münzstapeln und Gebäuden, die Stabilität und Finanzkraft darstellen. Im Hintergrund steigt ein grüner Pfeil entlang eines 3D-Aktiencharts mit blauen Balken und leuchtenden Linien – Symbol für wachsende Kurse und positive Marktentwicklung. Farbpalette aus Blau, Grün, Weiß und Gold vermittelt Vertrauen, Wachstum und Dynamik.
4.6
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Versicherungen sind in der Regel so aufgestellt, dass sie in Jahren ohne oder nur mit geringen Großschäden prächtig verdienen und sich damit ein Polster für turbulentere Jahre zulegen. Dann können in solchen Jahren stille Reserven gehoben werden und unterm Strich werden die Großschäden weggeatmet. Mit einer Tradition von über 100 Jahren Versicherungsgeschäft ist das für Unternehmen wie Munich Re oder Swiss Re kein wirkliches Thema mehr.

Anders sieht es aber bei einem Start-up der Rückversicherungsbranche aus. Mit erst 5 Jahren Unternehmensgeschichte können noch keine vergleichbaren Reserven entstanden sein. Umso heftiger war dann auch der Einschlag vor einem guten Jahr als die Waldbrände in Kalifornien ein tiefes Loch in die Bücher rissen.

Umso erstaunlicher, dass sich nun kaum noch etwas davon erkennen lässt und sich das Unternehmen wieder gut aufgestellt sieht. Es scheint, als würde dieses Ereignis nur als Fußnote in die noch kurze Unternehmenshistorie eingehen. Schließlich hat sie den CEO sein Amt gekostet.

Sein Nachfolger hat das Steuerrad offenbar herumgerissen und die Risikopolitik massiv verändert. Ob das ausreicht, um die Versicherung in eine weniger turbulente Zukunft zu führen, wird sich aber erst noch zeigen.

Wie ich die Situation nun einschätze, erfährst Du in diesem Beitrag.

Erst vor zwei Jahren bin ich bei Conduit Holdings Limited eingestiegen, der Muttergesellschaft der Conduit Re Versicherung. Das Start-up habe ich hier vorgestellt.

Es ist eine klare Beimischung in meinem Depot, in dem die Versicherungsbranche das größte Gewicht hat. Aber es macht mir Spaß, das Unternehmen zu begleiten. Denn durch die kurze Unternehmensgeschichte lässt sich auch erkennen, wie schwierig es ist, eine Versicherung zu managen.

Die Conduit-Aktie notiert an der Heimatbörse London in britischen Pence (GBX). Gestartet bei 500 Pence (= 5 Pfund) ging es bis 300 Pence im September 2022 abwärts. Ich habe meine ersten Stücke im März 2024 bei 538 Pence gekauft, weitere Käufe folgten in 2025 bei 360 und 311 Pence. Aktuell notiert die Aktie bei 436 Pence.

Conduit Holdings 5-Jahres-Chart in Heimatwährung
Conduit Holdings 5-Jahres-Chart in Heimatwährung

Dividende

Conduct Holdings zahlt zweimal im Jahr eine Dividende (April und September). Das exDividende-Datum liegt dabei jeweils rund einen Monat davor (März und August).

Die Dividende wird zunächst in US-Dollar deklariert und beträgt – wie schon im letzten Jahr – erneut 0,18 US$. Für die 500 dividendenberechtigten Aktien erhalte ich also 90,00 US$ Brutto-Dividende. Conduit rechnet die Dollar-Dividende aber selbst in britische Pfund um. Diese umgerechnete Dividende wurde wiederum vom Smartbroker+ zum Kurs von 0,8743 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern erhalte ich eine Nettodividende von 56,59 €. Sie wurde mit Wertstellung 16.04.2026 überwiesen.

Conduit Holdings Dividendenzahlung im April 2026

Die Berechnung der aktuellen Dividendenrendite ist ein wenig komplexer, da der Aktienkurs in britischen Pfund (bzw. Pence) gemacht, die Dividende aber in US-Dollar deklariert wird. Ich rechne deshalb beide Werte in Euro um und ermittle dann die Dividendenrendite. Der Aktienkurs schloss am Dividendenzahltag (16.04.2026) mit 436,00 GBX, das sind umgerechnet 5,0119 € (EZB-Wechselkurs vom 16.04.2026: 0.86993). Die Dividende von 0,18 US$ sollte zweimal in diesem Jahr bezahlt werden. Die 0,36 US$ ergeben umgerechnet 0,3056 €. Die Dividendenrendite liegt also bei 6,1%.

Meine persönliche Rendite auf meinen Einstand (Yield on Cost) bezieht sich auf meinen Kaufpreis von 2.427,70 €. Rechne ich die 180,00 US$ Brutto-Dividende für 500 Aktien mit dem aktuellen EZB-Referenzkurs vom Zahltag (1,1782) um, dann erhalte ich 152,78 € brutto. Das ergibt dann einen YoC von 6,3%.

Perspektiven

Die Conduit Re ist immer noch in den Kinderjahren. Inzwischen ist sie zwar seit 5 Jahren auf dem Markt, aber damit steht sie nun bildlich erst kurz vor der Schulreife. Und muss dementsprechend noch viel lernen. Und das hat sie in 2025 reichlich getan. Direkt zu Jahresbeginn führten heftige Waldbrände im Süden Kaliforniens zu Schäden im dreistelligen Millionenbereich (vor Rückversicherung).

Das führte im Gesamtjahr dazu, dass die Combined Ratio einen Wert von 101,5% auswies. Auf 1 Dollar eingenommene Versicherungsprämie kam ein Schaden von 1,015 Dollar. Das ist für sich genommen natürlich schon eine Katastrophe. Der Wert muss unter 100% sein, sonst kann das Versicherungsgeschäft nicht profitabel sein.

Gleichzeitig bedeutet das aber noch nicht, dass das Jahresergebnis auch negativ ausfällt. Denn es gibt ja noch den Bereich des Investmentgeschäfts, in der jede Versicherung das eingesammelte Kapital anlegt. Und hier erzielte Conduit Re im letzten Jahr einen deutlichen Zuwachs im Ergebnis (+81%).

So konnte unterm Strich ein Gewinn je Aktie von 0,74 US$ erzielt werden. 2024 waren es noch 0,79 US$. Der Gewinnrückgang von 6,3% ist angesichts der Großschäden erstaunlich niedrig.

Und das gehört dann eben auch zum Lernen dazu. Nämlich für den Kapitalmarkt. Er hat lernen dürfen, dass die Conduit Re aus ihren Fehlern schnell gelernt hat und das Management in der Lage war, das Ruder herumzureißen.

Die Bruttoprämien legten um 7% zu. Dabei war mit +23% der Bereich Haftpflicht (Casualty) sehr stark, während die Sachversicherung (Property) nur mit +2% performte. Der dritte Bereich Specialty war mit -4% sogar rückläufig. Gleichzeitig zeigt sich hier die vorsichtigere Linie des Managements, die nicht um jeden Preis Wachstum anstrebt. Der Fokus liegt klar auf Profitabilität.

Die gesamte Branche hatte zu Beginn des Jahres 2026 mit rückläufigen Versicherungsprämien zu kämpfen. Conduit Re berichtet bei den Vertragserneuerungen von einem Prämienrückgang um 5%.

In der Branche selbst gab es weniger Großschäden, so dass die Prämien unter Druck gerieten. Conduit Re ist damit zweimalig „benachteiligt“: die eigenen überdurchschnittlichen Schäden können nicht nur nicht weitergegeben werden. Sondern die Prämien sinken sogar noch.

Aber das sollte ein Einzelfall bleiben. Das Management hat nun den Risikoappetit gezügelt und neue Kriterien aufgestellt. Sie hätten in der historischen Simulation zu einer Halbierung der Schäden durch die kalifornischen Waldbrände geführt.

Conduit ist nun drei Jahre in Folge profitabel gewesen. Der Risikoschwenk sollte sich schon in diesem Jahr auszahlen und den Gewinn je Aktie wieder etwas steigen lassen.

Ein bißchen wird das Unternehmen nun aber auch zum Langweiler. Denn größere Ausreißer wird es voraussichtlich nicht mehr geben. Aber das passt dann eben auch zur Entwicklung. Schließlich ist das Versicherungsgeschäft ja generell auf geringe Schwankungen und Kontinuität ausgerichtet.

In meinem Depot ist Conduit Re weiterhin der kleinste Versicherungstitel. Das Depotgewicht liegt mit 0,45% in dem Bereich, der mich bei Kursrückgängen wenig schmerzt. Perspektivisch kann ich mir jedoch immer noch einen Ausbau der Position vorstellen. Allerdings ist es mir wichtig, erst mal ein „normales“ Geschäftsjahr wie 2026 eines werden soll mitzuerleben. Wenn es dem Management gelingt, nun profitables Wachstum zu generieren und gleichzeitig die Combined Ratio wieder deutlich unter 100 zu senken, dann wäre das für mich in 2027 ein Kaufsignal.

Zwar ist dann auch davon auszugehen, dass der Aktienkurs nicht mehr so niedrig sein wird. Aber das ist mir lieber als nun schon verfrüht aufzustocken und dann erst zu festzustellen, dass die Maßnahmen nicht ausreichend waren.

Und es wäre auch nicht schlimm, wenn Conduit Re eine Beimischung in meinem Depot bliebe. Denn interessante Versicherungstitel mit einer besonderen Story gibt es sicherlich auch noch andere. So bin ich z.B. erst kürzlich auf Palomar Holdings gestoßen, die auf Versicherungen gegen Erdbeben spezialisiert sind. Oder Definity Financial, die den kanadischen Versicherungsmarkt angreifen. Um mal zwei Namen zu nennen, die ich mir noch detaillierter anschauen will.

Nur leider ist die Versicherungsbranche mit 37% Depotanteil schon meine größte Branche im Depot. Aber das Geschäftsmodell übt eine gewisse Faszination auf mich aus. Die 37% erstaunen mich aber schon selbst. Denn eigentlich betrachte ich die Einzelunternehmen und versuche, sie in einem gewissen Rahmen zu halten. Im Vergleich mit dem MSCI World habe ich die Versicherungsbranche damit um das 10-fache übergewichtet. Auch das war mir so nicht bewusst.

Wie sieht es bei Dir aus? Welchen Anteil haben Versicherer in Deinem Depot? Und hast Du auch eine Branche, die so heraussticht? Schaust Du überhaupt auf die Branchenzugehörigkeit oder nicht das einzelne Unternehmen viel wichtiger? Schreib gerne einen Kommentar und lass uns darüber austauschen!

Auf einen Blick:

Unternehmen:Conduit Holdings
ISIN:BMG243851091
Im Divantis-Depot seit:13.03.2024
Letzter Nachkauf am:30.07.2025
Stückzahl im Divantis-Depot:500
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:4,86 €
Gesamtkaufpreis:2.427,70 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:194,62 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende kassieren

für diesen Beitrag verwendete Quellen:
Full year 2025 results

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Kommentare

39 Kommentare zu „Nach Großschäden wieder auf Kurs – genug für die Zukunft gelernt?“

  1. Avatar von busico
    busico

    Guten Morgen, ist denn schon Sonntag? Ein Beitrag von Ben mitten in der Woche, ich bin begeistert :)

    Ich habe nach Corona meine Depotverwaltung auf PP umgestellt und dabei erstmals realisiert, wie verklumpt ich aufgestellt bin. Der Sektor Finanzen war mit über 30 % Depotanteil aufgestellt. Im Zusammenhang mit der Reduktion amerikanischer Werte im letzten Jahr konnte ich diesen Anteil auf 20 % zurückfahren; es ist aber immer noch mein größter Sektor. Die Dividenden locken hier und bremsen meinen Drang nach Ausgeglichenheit.

    Ich kategorisiere nach GICS, lege dabei aber die Anteile nicht sklavisch fest. Trotzdem ist der Kauf weiterer Aktien in diesem Sektor erstmal tabu. Vielleicht gibt es Platz, wenn die DWS wieder eingemeindet werden sollte …

    Ich habe im Sektor Finanzen 9 Aktien, darunter Allianz und NN. Allianz ist mit ca. 4 % mein zweitgrößter Depoteinzelwert. Haben sich seit Erstkauf mehr als verdoppelt. Auch NN ist gut gelaufen. Die hatte ich als Erstkauf in 2024 reingeholt wg. ihrer Dividende. Die Verdoppelung des Wertes ist nicht mehr weit entfernt.

    Conduit hätte ich auch schon längst, aber wie oben geschrieben, das wäre alles zuviel des Guten. Ich schätze an Versicherungen, dass die genau wissen, wahrscheinlich besser als Banken, wie man Geld verdient.

  2. Avatar von Tobs
    Tobs

    Hallo Ben,

    woher stammt denn der Zuwachs von 81% für das Anlagevermögen?

    Das klingt eher bedrohlich als positiv. Vermutlich werden sie ja ganz überwiegend Rentenpapiere mit verschiedenen Durationen im Bestand haben. Jetzt waren die Zinsen im letzten Jahr ja nicht so gefallen, dass deswegen der Wert besonders der Langläufer dermaßen nach oben geschossen wäre, oder?

    Übrigens: Auch wenn es erst mal positiv klingt, dass sie weniger riskantes Geschäft nehmen, stellt sich natürlich die Frage, wie sie dann wachsen können. Einen Top Player macht ja eigentlich aus, dass er wegen seiner Modelle eine gute Risiko-Arbitrage hinbekommt, also Geschäft nimmt, dass vielleicht andere als riskanter ansehen, er die (nahezu) Marktmarge für solch riskantes Geschäft erzielt, aber eben tatsächlich in Wahrheit zumindest etwas weniger Risiko für die Markt-Marge des höheren Risikos eingekauft hat. Das wäre für mich der eigentlich Proof, ob Conduit nachhaltig was drauf hat. Und hier stelle ich mir schon die Frage, wie sie mit ihrer Datenbasis die riesigen Wettbewerber-Kraken challengen können. Das sie das eigentlich gerade überhaupt nicht können, haben sie ja in den letzten Jahren gezeigt, und mir fehlt immer noch jeder Ansatz von Evidenz, dass sie es jetzt besser können. Denn wenn sie nach Auskunft des Vorstands nun gar wniger riskanteres, aber dafür eben gut bepreistes Geschäft einkaufen (mit dem oben beschriebenen Arbitrage-Vorteil), dann ist das im Grunde fast genauso schlimm wie wenn sie zu riskantes Geschäft kaufen. Sie müssten den Sweet Spot, in dem die Arbitrage abgebildet ist, finden, so wie die echten Player auch. Wie soll man nur als Aktionär ohne echtes Wissen über das Unternehmen hierfür einen realistischen Bewertungsansatz finden, dass sie über diesen Edge verfügen…?

  3. Avatar von Thomas
    Thomas

    Selber im Finanzsektor liege ich bei 31,31% Depotanteil. Das ist vor HealthCare mit 18,31% klar der Topsektor und eigentlich stark überrepräsentiert. Aber nur eigentlich.
    Es sind Anteile von 10 verschiedenen Versicherungen und 14 verschiedenen Banken.
    Bissel crazy. Plus solche Sachen wie Visa, Singapore Exchange oder Deutsche Börse u.ä. die ja auch zum Finanzsektor gehören.
    Fühl mich aber so wie es ist, wohl.

    Conduit gehört nicht dazu und ich werde sie auch nicht kaufen. Ich werde wohl bei stetigem weiterem Depotausbau den Finanzsektor die nächste mittlere Zeit nicht weiter ausbauen.

    Conduit könnte mal ein Übernahmekandidat werden.
    Haben sich berappelt, nach den Waldbränden in Kalifornien sah es ja nicht so gut aus.

    Die Frage ist eben, wenn Conduit die selben learnings wie alle anderen Rückversicherer auch macht, wie können sie dann aggressiver ohne höheres Risiko schneller wachsen als die anderen.

    Im Anlagevermögen hat Conduit fast zu 100% Anleihen, managed cash u. andere Geldmarktpapiere.
    Zwar alles gute Qualität mit kurzer Duration ( Kreditqualität AA, Duration 2,5 Jahre, Buchwertrendite 4,2 % und Marktrendite 4,5 %.),
    aber damit auch anfällig für einen Bondcrash oder starken Verfall von Anleihen.
    Bei kurzer Duration läßt man sie aber einfach auslaufen und ist nicht auf Verkauf angewiesen.

    Also Conduit kann man machen. Gibt besseres, gibt schlechteres. Als Beimischung geeignet.

    ich glaube aber die nächste Zeit weder bei Zinsen noch bei Anleihen mit kurzer Dauer im allgemeinen nicht an extreme Ausschläge weder nach oben und nach unten. Der Markt wird auch nach der Amtszeit von Trump weiter existieren.
    Damit meine ich, das der Finanzsektor weiter gutes Geld verdienen wird. Nullzinsen sehe ich in meinem Leben nicht wieder.
    Könnte sein mit erhöhter Wahrscheinlichkeit, das Rezession kommt, who knows?

    Die wirklich erratische Situation im Iran lenkt zwar starke mediale Aufmerksamkeit dorthin, aber das Leben und damit der Markt geht trotzdem weiter. Solange der Kapital-Markt frei ist, ist er auch robust. Erstaunlich robust.

  4. Avatar von UrsprungsFrank
    UrsprungsFrank

    Nehmen wir einmal an, dass Conduit sich im Bereich KI-Robotik als Versicherer etabliert (auch Roboter können Schäden verursachen), dann hätte das für mich Charme. Ob ich allerdings einsteigen würde? Nun, immer wieder sind bei diesen kleinen Flitzern hauptsächlich die Fahrer ergo Manager die alles entscheidenen Akteure. Und da habe ich mein Lehrgeld bezahlt. Ob bspw. Tim Cook geht und ein anderer kommt spielt im Vergleich dazu keine große Rolle. Manager von Tankern können mittelfristig weniger Schaden anrichten.

    Dennoch gehe ich auch ins Risiko und vertraue dem einen oder anderen Manager bei kleinen oder mittelgroßen Booten. Nur habe ich dann auch eine Vision von deren Geschäftsmodell. Das Geschäftsmodell von Conduit überzeugt mich nicht (siehe oben).

    Gruß Frank

    1. Avatar von UrsprungsFrank
      UrsprungsFrank

      Moin,

      CATL hat derzeit so eine Markcap von 300. Was spricht dagegen, dass es bald in die Bewertung einer Apple reinwächst?

      https://www.spiegel.de/mobilitaet/auto/catl-neuer-akku-aus-china-verspricht-1500-kilometer-elektroauto-reichweite-a-4f804749-bd29-4bb2-962e-d1ea85774566

      Gruß Frank

  5. Avatar von BörsenHai
    BörsenHai

    Interessant!
    Und ich mache mir wegen 24% Finanzenanteil schon Gedanken. Ich habe erst seit neuestem eine (!) Bank aus Asien im Portfolio (0,1%). Auch wenn ich sagte, mir käme keine Bank ins Portfolio. Soviel zu „sturen“ Regeln.

    Finanzen, IT und Industrie machen ca, 60% des Depots aus. Konsum und Pharma noch einmal ca. 23%. (ETFs außen vor!)

    Natürlich ist die Auswahl eines einzelnen Papieres wichtiger als „strenge Regeln“ einer GICS-Verteilung zu folgen. Mindestens ebenso schaue ich nach der Kontinenten-/Länderverteilung.
    Beides dient aber lediglich dazu: Wo muss/sollte ich noch aufholen. Und dann beginnt die Suche!

    Bei Rückverssicherungen bin ich bei den 3 Marktführern investiert. Eine Conduit passt da schlicht nicht mehr dazu.

  6. Avatar von Hansi
    Hansi

    Mein Depotanteil im Finanzsektor liegt mit Yapi Kredi über Koc bei irgendwas unter 0,001%. Kann es nicht erwarten, wenn Koc paar Anteile verscherbelt, um die Vollkonsolidierung wieder loszuwerden.

  7. Avatar von Henry
    Henry

    Moin in die Runde, als ein unregelmäßiger aber wiederkehrender Leser dieses Blogs, schreibe ich heute hier meinen ersten Kommentar. Ben hat seine Fragen am Ende des Beitrages sogar fett markiert, das hat mich verleitet, etwas zu schreiben.

    Versicherer haben bei mir einen Depotanteil von ca. 5%, doppelt soviel wäre auch ok, aber nicht bei den aktuellen Kursen. Meine Allianz habe ich bei 160-190€ gekauft, meine MuRü bei 240-350€. Versicherer kaufe ich wg. der Dividende und bisher nur in Deutschland oder UK. Das hat den Hintergrund, dass ich 20 Jahre bei Deutschen und Schweizer Versicherern gearbeitet habe und denke einiges zu kennen und es bewerten zu können.

    Eine Branche die bei mir raus sticht, ist Technologie in vielen Ausprägungen. Da ich überschneidend durch meine Versicherungstätigkeit auch 13 Jahre in der IT-Security gearbeitet habe, liegt bei mir ein größerer Fokus auf IT-Firmen. Mein Depotanteil bei der IT ist aktuell bei ca. 70%. Ich schaue einfach, wer macht mit wem Verträge, wer kauft welche Technologie wo ein und wer verdient dabei gut. Die Firmen lege ich in mein Depot.

    Die restlichen 25% sind Autohersteller, Telekommunikation, Logistik, Chemie, Pharma und Nebenschauplätze. Aktuell baue ich erste Positionen in Konsum, Handel und Systemgastronomie auf. Hier erscheinen mir einige Firmen und Kurse interessant.
    Pharma und Autos kaufe ich weiter zu, Chemie reduziere ich aktuell. IT wird immer gekauft wenn ein Kurs schwächelt und der Laden trotzdem brummt.

    Bei meiner Depotstruktur ist mir die Branchenzugehörigkeit total egal, ich kaufe Einzelunternehmen und keine Branchen. Wenn es sich anbietet, investiere ich immer wieder in Sondersituationen und in Firmen die gerade Probleme haben und die zu dem Zeitpunkt keine Fans haben. Damit ist der Einkaufskurs meist günstig und wenn ich geduldig bin, ist der Ertrag in 1,2,3,5 Jahren anständig.

    Meine drei Grundregeln:
    1. keine Fluggesellschaften (ich zitiere Gorden Gecko: „scheiss Gewerkschaften“)
    2. keine „heißen Zockeraktien“ egal welches Börsenblatt / Blog die empfiehlt
    3. bei jeder neuen Idee + Versuchung, zuerst recherchieren: warum gerade diese Aktie kaufen, wer ist Mitbewerber, wer ist besser, lohnt sich das Risiko, oder kaufe ich lieber doch den Mitbewerber?

    Ansonsten, freue ich mich auf den Mai, die beste Zeit für Dividenden in Deutschland.

    Viele Grüße Henry

  8. Avatar von Thomas
    Thomas

    manchmal ist es doch zum piepen. Heute Texas Instruments +17,78%
    stehen insgesamt bei 278,13 $ auf absolutem ATH.
    Bin zwar selber nicht betroffen, aber Texas war ja öfter hier mal ein Thema.

    Cisco auch nahe oder direkt am ATH.

    Softwarebuden schrumpeln zusammen, aber jede Hardwarefirma, die irgendeinen einen Chip zusammenschrauben kann, die läuft halbwegs.

    bei diesem verrückten Markt weiß man nie, was als nächstes kommt.
    Ich neige wirklich mehr und mehr dazu, das Verkaufen von Aktien komplett einzustellen. Nur noch kaufen .
    Wer weiß schon genau, was für was mal gut ist.

    1. Avatar von Tobs
      Tobs

      Hallo Thomas,

      ihm ist nichts hinzufügen…

      https://www.youtube.com/shorts/sDCnEMTLktE

      Du beobachtest ja auch gerne Zinsen, Geldmengen etc…Ehrlich: Ich würd es einfach sein lassen. :-)

      Einfach mal ein, zwei Zyklen mit dem(selben) Portfolio durchmachen, und spätestens dann jucken einen die Volatilitäten nicht mehr…

    2. Avatar von Andreas P.
      Andreas P.

      Lieber Thomas,

      ja, der große A. Kostolany hatte aus meiner Sicht mit seinem Ratschlag für Normalanleger schon ganz recht: Kaufen – lange Schlafen – Aufwachen und sich über die Gewinne freuen. Das Buch „Die Kunst, über Geld nachzudenken“ ist eines meiner persönlichen Lieblingsbücher.

      In den zurückliegenden 10 Jahren habe ich aus meinem Depot (50 – 100 Werte) folgende Aktien vollständig verkauft:
      – Lufthansa
      – Comcast
      – SL Green Realty
      – Johnson & Johnson.
      Daneben gab es wenige Teilverkäufe, wenn v.a. Positionen durch Kurssteigerungen zu groß geworden sind.
      Seit langer Zeit kaufe ich, von absoluten Ausnahmen einmal abgesehen, nur noch Werte nach, die sich bereits im Depot befinden.

      Heute habe ich erstmals (!) in meinem Anlegerleben in einen ETF auf den MSCI World investiert. Warum erst jetzt? Vor gut 20 Jahren habe ich einen solchen ETF für meine Tochter gekauft (Einmalkauf mit anschließendem Sparplan). Er war die ganze Zeit sozusagen die stille familieninterne Konkurrenz zu meinem Depot mit Einzelaktien. Während ich mir in den ganzen Jahren „einen Wolf gearbeitet“ habe, um das Depot aufzubauen, zu dokumentieren und zu pflegen, damit es eine ordentliche Rendite erzielt, hat sich das Depot meiner Tochter im Modus „Autopilot“ besser entwickelt. Und zudem geräuschlos.

      Meine Erfahrung wird hier sicherlich bei einigen Lesern bestenfalls nur ein müdes Lächeln verursachen. Ich selbst wollte es lange Zeit nicht wahrhaben und habe selbst nunmehr den persönlichen Realtest „ETF gegen Einzelaktien“ gestartet. Eine komplette Umschichtung der Aktien in einen ETF kam aufgrund zu erwartender hoher Kapitalertragssteuerzahlungen nicht in Betracht.

      Viele Grüße

      Andreas P.

    3. Avatar von Hansi
      Hansi

      Hallo Andreas,
      hab keinen Zweifel an deiner Festellung.
      Bei mir läuft auch schon ein fast ein Jahrzehnt ein MSCI-Sparplan im Hintergrund. Allerdings habe ich immer noch den Plan erst bei einem 40% Absturz vom Hoch einen großen Einmalbetrag reinzubuttern.
      Wenn man mal eine Aktie/ADR vorläufig vor den Sanktionswahnsinnn retten konnte, ist man einfach nur noch glücklich sein Investment nicht in einem Russland-ETF gehabt zu haben.
      Unterscheiden würde ich auch beim Anbieter. US-Anbieter würde ich aus politischer Sicht weglassen, sondern nur Europäer oder zumindest 50/50 laufen lassen. Fonds können ggf. 100% verleihen und allein damit könnte theoretisch einer ganzer US-ETF beim einem richtigen Knall beabsichtigt oder unbeabsichtigt blank darstehen. Der Begriff Sondervermögen ist nicht vertrauenserweckend. Ich lasse jede Aktie bei mir in ner Exceltabelle gegen MSCI laufen und verliere da überwiegend.
      Persönlich fühl ich mich wohler mit Einzelaktien.

    4. Avatar von Andreas P.
      Andreas P.

      Lieber Hansi,

      ja richtig, persönlich fühle ich mich auch mit Einzelaktien wohler, die ich selbst ausgesucht habe. Man kann sich so auch schön mit wohlklingenden Unternehmensnamen schmücken, anstatt nur einen emotions- und seelenlosen World-ETF sein eigen zu nennen. Am Ende ist man aber mit seinem Spieltrieb doch nicht schlauer und besser als der Marktdurchschnitt. Ganz im Gegenteil.

      Es ist zum Haare raufen. Meine (volljährige) Tochter hat null Ahnung von Aktien und kein Interesse an der Börse. Ließt keine Unternehmensberichte oder Wirtschaftsnachrichten. Verlässt sich voll und ganz auf mich. Ihr World-ETF steht aktuell auf ATH. Das kann doch nicht wahr sein.
      Mich tröstet allein, dass ich mir keine finanziellen Sorgen machen muss, wenn sie in mehreren Jahrzehnten in Rente geht. Bis dahin sollte sich das Investment rein rechnerisch noch mehrfach verdoppeln und die Rentenlücke mehr als schließen.

      Viele Grüße

      Andreas P.

    5. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Hallo Andreas P.,

      Kostolanys Bemerkung trifft allerdings auch etwas ruhigere Zeiten an der Börse.
      Er selbst hat sich auch nicht daran gehalten. ;)

      Dennoch ist der Funke Wahrheit in der Aussage wertzuschätzen. Halten! Das erfordert allerdings eine gute Auswahl und eine objektive Beurteilung von Zahlen, Wachstum und Unternehmensführung(!).
      Ich halte Aktien, die nicht frei gehandelt werden. Die Dividendenhöhe ist sehr, sehr hoch. Aber das Management wird wechseln und die Nachfolger zeigen, dass Sie den Ansprüchen nicht gerecht werden. Sobald die alte Führung weggeht, werde ich mich von den Aktien trennen.

      Es geht immer ein Check einher. Wer Aktien wegen einer Dividende kauft, den braucht der Wert an der Börse nicht jucken. Der Kurs ist nicht alles! Und genau dieses „Wo steht der Kurs heute?“ Ist (meine Meinung) mit dieser Aussage gemeint aber nicht das Business und die Führung des Unternehmens. ;)

  9. Avatar von Michael
    Michael

    Wir erklärt sich der massive Anstieg dieser eigentlich Nuckelbuden wie Intel, Texas Instruments? Was machen die plötzlich so sehr anders? Es hieß doch TXN könne kaum vom KI-Boom profitieren?

    1. Avatar von Hansi
      Hansi

      Hab die Nuckelbude Intel für 27 € letztes Jahr abgestoßen. Hab Intel schon mehrmals gehabt und immer nur mit Minigewinnen abgestoßen. Intel hat sich bekanntlich heruntergewirtschaft und Free-Cash-Flow sind Vergangenheit, stattdessen werden ständig neue Kapitalgeber gesucht.
      Die Zahlen gestern waren doch nichts besonderes. Intel hat fast die Bewertung von Hynix , nur mit Unterschied Intel macht weniger Umsatz als Hynix Gewinn.

    2. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Hallo Michael,

      nicht jeder Preissprung basiert auf der KI. ;)
      ich gehe davon aus, dass es eine Anpassung geben wird.

    3. Avatar von Matthias von Mitzlaff

      Hansi, Intel erinnert mich an 3M (MMM): Irgendwie mal super in der Vergangenheit gewesen. Mittlerweile irgendwie obsolet.
      3M weist eine 10-Jahres-Performance im Kurs von 3% (!) auf,
      böse!

  10. Avatar von Tobs
    Tobs

    Hallo Matthias,

    ich weiß, dass ich hier immer etwas lästig bin – bitte also um Nachsicht.

    Aber selbst 10 Jahre können für Quality Investing völlig irreführend sein.

    Nachfolgend meine zwei Lieblings Cases (man zig andere aufführen, wenn man wollte):

    #Case 1: P&G.
    2000–2010: Nahezu Nullrendite (Kurs)!
    Nach der Dotcom Bubble war die Bewertung extrem hoch, anschließend 10 Jahre Seitwärtsbewegung. Das Geschäft war operativ stabil, aber: Wachstum mäßig, Portfolio war zu breit und Margendruck lastete (na, kommt uns da heute bei den Consumers nicht irgendwie bekannt vor?). Du konntest 10 Jahre lang kaum Kursrendite erzielen, obwohl es eines der besten Unternehmen der Welt ist. 2010–2010-2020: Plötzlich wieder „Quality Darling“!
    Portfolio-Bereinigung (Lafley-Ära), Fokus auf Kernmarken gelegt, Margen stiegen und im Ergebnis kam es zu einem deutlichen Re-Rating-Effekt mit starken Total Returns (inkl. Dividenden).

    #Case 2: MCD.
    1999–2009: Strukturelle Krise!Same-store stagnation!
    Markenproblem („unhealthy“), Managementprobleme und im Ergebnis
    10 Jahre schwach / teilweise negative Returns.
    2009–2019: Mega-Compounder!
    Franchising-Modell perfektioniert, kapitalleichter und infolgedessen massive Margenexpansion.

    Ich möchte gar nicht pro 3M argumentieren. Mir geht es nur um diesen pauschalen Einwand, dass die letzten 10 Jahre kursmäßig mies waren…Denn wenn man sich diese langen Zyklen anschaut, und sieht, dass die Qualitätsunternehmen immer mal „Schwierigkeiten“ (wir sprechen nicht von Nahtod-Stress!!) haben, ist das ja gerade Grundlage für Anpassungen, dass es wieder bergauf geht. Also, wenn man das Produktportfolio von 3M immer noch gut findet, gerade dann wäre doch jetzt der Zeitpunkt, in 3M zu investieren (aber auch nur dann, also das ist noch mal vom Kurs eine inhaltlich losgelöste Fragestellung). Jedenfalls wären die zurückliegenden 10 Jahre Kursschwäche nicht zwingend ein Gegenargument, weil es ja eher auf die Verbesserungen und abgearbeiteten Probleme und damit auf die nächsten 10 Jahre ankommt.

    1. Avatar von Matthias von Mitzlaff

      Richtig Tobs!
      10 Jahre sind vielleicht zu kurz betrachtet/gesprungen, da gebe ich dir gerne recht.
      15 bis 20 Jahre jedoch sind für eine Betrachtung angemessen.
      Aus Spaß habe ich mir mal die 20-J-Kurse angeschaut von: Deutsche Telekom, Deutsche Lufthansa, Bayer, Volkswagen. Puh, ehrlich gesagt, ziemlich gruselige Kursentwicklungen.
      Und nicht jede/r von uns hat 20 Jahre Zeit, solche Kurse auszusitzen.
      Insofern gilt es miteinander zu berücksichtigen:
      – Geschäftsmodell und seine Zukunftsfähigkeit
      – Kennzahlen
      – Bisherige Kursentwicklungen und Projektion in die Zukunft.

      Tatsächlich habe ich viele Industrieaktien im Depot (u.a. A. O. Smith, Siemens, Caterpillar, DHL, Fastenal), weil ich dort mal gearbeitet habe und die Branche mag.
      Ein weiterer Faktor für gute Aktienauswahl:
      Kenne ich die Produkte und vertraue ich ihnen?

      Sonnige Grüße an Euch!

  11. Avatar von Tobs
    Tobs

    Hallo Matthias,

    vorweg: Ich möchte dem Anschein vorsorglich entgegentreten, dass ich insistiere. Und gerne auch von 3M weg, also abstrakter, es geht mir – vielleicht in einer anlegerphilosophischen Dimension um den generellen, häufig gemachten Einwand, dass nicht jeder die Zeit habe, so und so viele Jahre Kursdellen auszusitzen. Das ist als erster Reflex verständlich. Die Sache ist aber nicht so einfach, denn es passieren bei langfristigem Investieren verschiedene Dinge, die ineinander greifen und als Gesamtkomposition die Rendite bedeuten können. Das gilt m.E. insbesondere bei sogenanntem Quality-Investments (weicher Begriff, daher auch angreifbar, ich weiß…).

    Der frustierte Blick auf den toten Chart (Kurslangeweile 10 Jahre+) ist unvollständig. Unternehmen können in dieser Zeit extrem ihre Cashflow-Struktur optimieren Zugegebenermaßen: Das ist das Anlegerdilemma, weil es keinen Free Lunch gibt, so dass die Garantie stets fehlt, dass das eigene Unternehmen das hinbekommt. Erst Recht wenn der Kurs seit einiger Zeit eine Schwäche hat, weil es dafür natürlich auch in der Regel handfeste Gründe gibt. Bekommt es das Unternehmen aber hin, profitieren die Anleger bereits in der meinetwegen 10+ Jahre anhaltenden Kursschwächezeit über steigende Dividenden und Buy Backs (das ergibt zusammen mit dem Kurs die Yield). Zurück zu meinen Beispielen: Bei MCD hatte sich die Ausschüttung an die Anleger in dem von mir genannten Zeitraum fast verneunfacht (Zugegebenen: Ausgangs-Basis war sehr gering) und bei P&G vervierfacht. MCD hatte das hinbekommen durch die Neuaufstellung der Kapitalstruktur und P&G durch die Markenportfoliobereinigung. In der Zwischenzeit waren sie zu keinem Zeitpunkt gefährdet, risikoadjustiert hat man hier also kein Harakiri begangen.

    Also: Kurs sah frustierend aus – Ja!! Verdammt lange – Ja!! Cash Flow wurden aber fantastisch!! Sehr lange Zeit war das aber gar nicht im Kurs abgebildet!! Denn jetzt kommt es: Durch die zwischenzeitlichen Buy Backs ist nun Deine Aktienbasis für den nächsten Kurssprung viel größer geworden, und urplötzlich fängt der Markt doch (!!!) die Fortschritte des Unternehmens an zu goutieren. Bei wie viel Aktien, wenn man den Chart anschaut, denkt man, wie soll denn hier bitte ein neues ATH ausgebildet werden? Das erscheint dann schon nahezu unwahrscheinlich. Aber dann kommt er, der Bügel nach oben! Denn das Multiples-Rerating auf Basis des verbesserten Cash Flows des Unternehmens erfolgt meistens abrupt. Warum auch immer, es manchmal bei einem Unternehmen 10 Jahre dauert, und bei einem anderen nicht. Und setzt die Magie des langfristigen Investierens ein: Auf Basis Deines nun durch die Buy Backs der letzten Jahre viel größeren Anteils am Unternehmen profitierst Du wesentlich stärker von diesem plötzlichem Rerating. Und die Yield on Cost, weil Du die Aktie durchgehalten hast (vielleicht sogar mal nachgekauft), liegt dort, wovon andere vielleicht nur träumen. Und einfach nur deshalb, weil Du mal 10 Jahre nix getan hast und Dich nicht hast kirre machen lassen, ob es nicht woanders bessere Chancen geben könnte…Das ist was ich meine, dass man eigentlich solche Investments mindestens über einen Zyklus oder besser zwei Zyklen durchhalten muss, um das Aktienpreisrisiko zu den eigenen Gunsten auszusteuern, auch wenn das zwischenzeitlich wegen eines häßlichen Charts kontrafaktisch erscheint…Und im Rückblick sagt man dann: Klar, für diese attraktive Aktienrendite, die ich über 10+ Jahre eingefahren habem musste ich eben die Aktienvolatilität aushalten.

    Aber, jeder wie er mag und jeder hat seine Strategie. Ich wollte nur mal einen Impuls geben, dass das Zeitargument, dass man ungerne warten möchte, verständlich, aber auch nicht unbedingt unkritisch sein kann….Und natürlich sind das mit MCD und P&G von mir nun rausgepickte Edge Cases und mit dem Blick in die Vergangenheit kann jeder schlaumeiern, was ich hier aber definitiv nicht tun wollte, sondern nur mal wie gesagt mit der „Gegenthese“ zur Meinungsbildung beitragen…

    1. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Tobs sehr gutes Beispiel: McD und P&G.

      Bekanntermaßen bin ich sehr spät bei McD eingestiegen.
      Anfang der 10er habe ich P&G gekauft. Der Kurs war flat oder leicht rückläufig. Nach 4 oder 5 Jahren habe ich P&G durch Kimberly-Clark ersetzt. Kaum ersetzt kam dasselbe Verhalten bei Kimberly-Clark. Ich war entnervt, aber lernte daraus.
      Nicht ein „scheinbar“ besseres Unternehmen für ein „Gutes“ kaufen.

      McD Dividende verneunfacht? Da müsste der Kauf 20 Jahre her sein. Damals war ich aber zu doof, genauer zu McDoof. Man muss das Essen nicht mögen, aber wenn Andere es mögen … :)

      P&G und McD zahlen gegenüber 2016 übrigens ca. die doppelte Dividende. Eine Ableitung in die Zukunft wäre das allerdings nicht. Es ist ein Rückblick!

      @Matthias von Mitzlaff: Zum Trost schau Dir die Dividendenentwicklung von Fastenal an. Von 5 Cent 2006 auf 30 Cent in 2016 auf 96 Cent 2026 (laut DivvyDiary).
      @Alle Anderen: Keine Anlagempfehlung!!!!

    2. Avatar von Tobs
      Tobs

      Hallo Börsenhai, ja die eigentlich schon Divi-Verzehnfachung war innerhalb der 10 Jahre 2000-2010. Danach ging es natürlich munter weiter…

      Nimmt man noch das Jahr zuvor in 1999 mit in die Betrachtung, wird es noch krasser: 1999-2010 (von 0,195 USD auf 2,26 USD).

      Dieses Jahrzehnt in den 10ern war die große Turnaround Dekade von Mäcces. Und obwohl der Cashflow von Jahr zu Jahr heftiger sprudelte, hatte dies den Kurs erst mal lange Zeit nicht angeschoben. Es schien einfach nicht den Markt zu interessieren. Na klar, erst war die New Economy Bubble, dann dies, dann das… Erst nach Abschluss dieser Dekade, obwohl also die Erfolge schon vorher Jahr für Jahr evident wurden, hatte der Markt den Kursanstieg gebilligt.

      Die KI hat es schön zusammengefasst (USD).

      1999 ~21–25 Hochphase / Ende Wachstumseuphorie
      2002 ~13–15 Tiefpunkt Krise
      2005 ~30 Turnaround läuft
      2007 ~40 erste Re-Rating Phase
      2010 ~60 strukturell stabilisiert
      2013 ~95–100 „Quality Darling“
      2015 ~90–110 Übergangsphase
      2019 ~200 massive Outperformance
      2021 ~260 Post-Covid Rebound
      2023 ~290 neue ATHs
      2025 ~300+ reife Phase

      Und mit den Buy Backs ist es richtig spannend:
      1999: ~1,25–1,30 Mrd. Aktien
      2010: ~1,10–1,12 Mrd. Aktien
      Also –12% bis –15% Reduktion
      (Quelle KI, wer einen Terminal von Bloomberg hat, mag es gerne noch genauer runterbrechen…).

      Das muss man sich halt mal auf der Zunge zergehen lassen: Moderate Buy Backs, Dividende explodiert, Operative enorme Verbesserungen des Geschäfts und Du musstest trotzdem knapp 10 Jahre warten, damit sich der Kurs signifikant auf dem Weg nach oben machte. Wer die Aktie 2000 gekauft hatte, dürfte 2005 gute Gründe gehabt haben, sie aus dem Depot zu werden. Wie hätte er glauben sollen, dass diese Aktie ein neues ATH ausbilden würde? Zumal es ständig in der jeweiligen Zeit andere, vielversprechendere Investments gegeben zu haben schien…Es erscheint nach so langen Seitwärtsphasen also abwegig, aber es passiert – gerade bei Cash Flow starken Unternehmen – dann doch gerne wieder….

      Aber jetzt Schluss damit, möchte nicht nerven, ich glaube, was ich einfach mal in den Ring werfen wollte, ist klar geworden. :-)

  12. Avatar von Sonny
    Sonny

    Hallo liebe Freiheitskämpfer,

    kurzes Update von mir zu meiner aktuellen Vermögenssituation:

    Mein Gesamtvermögen beträgt derzeit 482.220 € (All-in). Es setzt sich wie folgt zusammen:

    2.990 € auf dem Tagesgeldkonto
    46.000 € Forderung aus einem zinslosen Darlehen an meinen Vater
    4.066 € in einem beitragsfreien Riestervertrag
    59.000 € geschätzter Wert meines Goldschmucks
    2.400 € Mietkaution
    367.760 € investiert in Aktien und ETFs
    Zur magischen halben Million fehlt also nicht mehr viel. Wenn ich dieses Ziel noch in diesem Jahr erreiche, wäre das mit 35 Jahren ein großartiger Meilenstein für mich.

    Seit Jahresbeginn habe ich meine Strategie noch stärker auf Dividenden ausgerichtet. Aktuell investiere ich monatlich:

    1.700 € in den VanEck Dividend Leaders
    1.000 € in die Münchener Rück
    300 € in die Hannover Rück
    2.000 € weiterhin in den FTSE All World (ausschüttend)
    Meine jährliche Bruttodividende liegt derzeit bei 7.239 €, und im Mai wird es ordentlich Dividenden regnen
    Ein wirklich tolles Gefühl – vor allem, wenn man weiß, dass sich der kommende Urlaub im Mai in Singapur und Malaysia komplett aus Dividenden finanzieren lässt.

  13. Avatar von Thomas
    Thomas

    @Tobs, Deine heutigen Ausführungen zum Beispiel MCD und langen Zeiträumen
    habe ich mit Mehrwert für mich und Interesse gelesen. Danke,
    Wenn es nur bei allen Firmen sicher so funktionieren würde…

    Aber richtig ist schon, liegenlassen ist in den allermeisten Fällen wahrscheinlich die beste Idee.

    schönen Restsonntag.

  14. Avatar von Tobs
    Tobs

    @Thomas: Das ist die Krux, tatsächlich.

    Letzte Woche eine große Position Domino’s Pizza gekauft, heute schon 10 Prozent tiefer. Und mir wurde vor kurzer Zeit meine X5 Retail Group wertlos ausgebucht. Es gibt manchmal Wochen-Abschnitte, da fühle ich mich kurzfristig doch häufiger wie der nackte Irre…Selbstliebe und Zeit heilen diese Wunden… :-)

    1. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Tobs,

      Du bist doch schon sooooo lange dabei.
      Damit Du ruhiger wirst mit Domino. Payout-Quote passt, Dividendensteigerung >10%.
      Kursrückgang also doch zweitrangig, oder? In 10 Jahren hast Du bei 10% Div-Wachstum dann eben 5% Div-Rendite. Schade drum, oder? ;) duck und wech

      Zur Not frage Deinen Nachwuchs! in den Wald pfeife

    2. Avatar von Hansi
      Hansi

      Hallo Tobs,
      X5 war ja leider eine niederl. Gesellschaft, die nur in Russland operiert. Im September 24 hat BNY Mellon anscheinend angekündigt das NL-ADR-Programm einzustellen. X5 hat auch gesagt nur Aktionäre mit russischen X5-Anteilen in Moskau wären berechtigt für den Fall, dass Moskau per Dekret der niederl. Firma das russ. Vermögen entzieht und auf die russ. X5-Hülle überträgt. Es soll aber für alle X5-GDR-Halter möglich sein eine Barabfindung für ihre GDR bei der neuen russ. X5 zu beantragen. Also alle Unterlagen gut aufbewahren und hoffen dass der Baranspruch noch nicht verjährt ist, bis Frieden eingekehrt ist.
      Sehe es positiv, jetzt kannst steuerlich den Verlust gelten machen.
      Und bei Magnit hattest ja den Lucky-Punch :-). Du wurdest die Woche enteignet, andere haben die Woche ein Wunder aus Russland erlebt. Es wurden unglaublicherweise aus dem Nichts bei einer deutschen Bank von EU sanktionierte russ Anleihen + Zinsansprüche entschädigt! Russland darf keine Anleihe tilgen, aber die dt. Bank darf Entschädigung für Anleihe zahlen.
      So hat Euroclear und eine dt. Bank die Clearstream-Blockade ausgehebelt. Belgischer Staat gibt Euroclear den Segen, solange keine US-Bürger entschädigt werden, kann Euroclear loslegen und Assetumtäusche mit Russland machen.
      Alle Forderungen in Form von Tilgungs/Zinsford., entstanden bis 15.08.24 können anscheinend entschädigt werden.
      Also irgendwie gibt es durch jedes Sanktionsspinnennetz doch irgendwie immer ein Loch. Nächsten Monat will die um ihr Auslandsvermögen enteignete Lukoil tatsächlich eine Dividende beschließen.

    3. Avatar von Tobs
      Tobs

      Hallo Börsenhai,

      das Gute wenn man länger investiert ist ja, dass man aus eigener Anschauung weiß, wie viel Quatsch man macht, und es langfristig gesehen doch meistens ganz gut ausgeht (insbesondere bei cash generativen Unternehmen). Das hat mir schon erstaunlich oft den Allerwertesten gerettet…:-). Wirklich Geld in den Sand gesetzt habe ich dort, wo Umsätze oder FCF Hoffnungen/Wetten waren. Das ist für mich ein extremes Learning (Ich glaube „Learning“ sagt man heute so, wenn man jung und schon erfahren sein möchte, gerne mit so einem Mini-Mikro vor dem Mund :-)).

      Ich ziehe mir sogar von Domino’s Pizza einige Stücke nach. Ich sehe bei ihnen die Voraussetzungen, dass sie auch international weiterhin einschließlich EM wie Indien gut skalieren, einfach weil Pizza sehr schön anschlussfähig ist, überall und in Familien (und die Shakes ehrlich gesagt sind natürlich auch der Knaller… :-)). Eine echte Set-it-forget-it-Aktie für das Long term game, meiner Meinung nach. Unseren Lieblingsitalienern würde ich das aber nicht so freimütig sagen…:-)

      Das ist dann der entscheidende Grund gewesen, weswegen ich doch ausschließlich Domino’s Pizza und keine Wingstop geholt habe. Finde Wingstop schon immer noch sehr interessant; ich kann da auch falsch liegen mit meiner Sicht auf die Welt (wie so oft), aber mir fehlt bei Hühnchen am Ende des Tags doch die Fantasie, wie man damit dauerhaft international verschiedene Schichten/Religionen usw. für sich vereinnahmt und bindet…

      Also Domino’s Pizza knabbere ich weiter dran, an Yum China auch (von denen ich allerdings schon eine riesige Position über das letzte Jahr aufgebaut habe…). MCD läuft jeden Monat ein kleiner Aus-Prinzip-Sparplan, um die langfristig vergleichsweise sichere Mikrorendite direkt mitzunehmen. Fühle mich dann auch einfach gut, wenn ich an der Autobahn neue Items ausprobiere…:-) Und dann habe ich so eine kleinere HK-Fast Food Geschichtchen, die aber abenteuerlicher sind und bei denen ich mein „Learning“ mit dem Cash Flow nicht vermochte zur Anwendung zu bringen…:-)

  15. Avatar von UrsprungsFrank
    UrsprungsFrank

    Also ehrlich, es geht bei der DFV um eine Sondersituation, die Ben hier scharf herausgearbeitet hat. Als konventionelle Anlage wäre sie in diesen Zeiten ein Irrwitz. Ich drücke Ben die Daumen, dass sein Durchblick der Realität entspricht. Bei Erfolg würde sich dann aber eine Strategie abzeichnen. Der Block bleibt weiterhin attraktiv.

    Gruß Frank

  16. Avatar von Thomas
    Thomas

    und gestern mal 200 Stck Citic (wkn 870564)gekauft. Knapp unter 5% Divrendite, Dividendentrack seit 2007 sauber.
    großer relativ staatsnaher chinesischer Konzern, der fast überall seine Finger drin hat.
    Finanzen, Securities, Energie, Rohstoffe, Telekom, engineering, Maschinenbau, Stahl, Immobilien, Konsum… das war wahrscheinlich noch nicht alles,
    passt in meinen bunten Strauß.

    1. Avatar von Manfred
      Manfred

      Thomas, staatsnahe chinesische firmen wuerde ich lieber meiden . Hab da so meine erfahrung mit sinopec gemacht, ( die den ganzen oel anstieg wegen hormus nicht mitgemacht hat ). Die chin. Regierung kann irgendwelche allokation massnahmen verhaengen, die dem staat diehnt, die aber zum nachteil der normalen aktionaere sind. Selbst bei nicht so sonderlich staatsnahen betrieben mischt sich der staat ein. Ping An zb wurden ein paar notleidende immobilien und staatliche bankrotbetriebe zwangs-einverleibt.

  17. Avatar von Manfred
    Manfred

    Ich lese gerade im conference call of OHI, dass man darueber nachdenkt, die dividende in naeherer zukunft anzuheben. (Nach was weiss ich wieviel jahren!) Schon allein wegen der 90% steuerregel bei reits. Das soll geschehen, wenn das verhaeltniss von FAD zu AFFO ( meine „chinesisch “ revanche :-) ) in den niedrigen 80ern liegt. Momentan ist dieser wert schon auf 88% gefallen

  18. Avatar von Thomas
    Thomas

    Hi Manfred, @China, Danke für Deinen Hinweis.
    Ja das Risiko ist da. Es ist immer da. Das stimmt. Es ist aber im Kurs eingepreist. China ist immer noch günstig bewertet, weil der ganze Markt so denkt. Solange Dividende kommt ist alles fein.
    Wenn s mich trifft mit starken Verlusten speziell in China, werde ich nicht jammern. No Risk no Fun.
    Dafür sehe ich mindestens genauso gute Chancen auf der anderen Seite.
    Hauptschlüssel für Erfolg bleibt mMn gute Länder und Branchendiversifizierung.

  19. Avatar von Hansi
    Hansi

    Wir shoppen ja alle wie die Irren :-)

    Wieviel Titel habt ihr so im Depot ?

    Je mehr, desto mehr deworsification.
    Den Status hab ich schon lange überschritten.

    Bei mir sind es aktuell 150 Titel.

    1. Avatar von Titus
      Titus

      knappe 120 Titel. Ich verkaufe ungern und so sammelt sich einiges an… :)

    2. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Hallo Hansi,

      „deworsification“ … you did my day!!!!

      Ja es kann auch schlechter sein, viele Papiere zu besitzen als einen oder mehrere ETF. ;)

      82 Titel aber im Juli werden es nur noch 77 Titel sein. Und nein, ich zahle keinen Schnaps. Das machen die Kinder dann mit den übertragenen Aktien. ;)

      @Ben: Wäre es nicht gut einmal die TER zu ETF auf mehrere Jahre zu berechnen? Sagen wir mal: 10.000, 100.000€?

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