Versicherungen sind in der Regel so aufgestellt, dass sie in Jahren ohne oder nur mit geringen Großschäden prächtig verdienen und sich damit ein Polster für turbulentere Jahre zulegen. Dann können in solchen Jahren stille Reserven gehoben werden und unterm Strich werden die Großschäden weggeatmet. Mit einer Tradition von über 100 Jahren Versicherungsgeschäft ist das für Unternehmen wie Munich Re oder Swiss Re kein wirkliches Thema mehr.
Anders sieht es aber bei einem Start-up der Rückversicherungsbranche aus. Mit erst 5 Jahren Unternehmensgeschichte können noch keine vergleichbaren Reserven entstanden sein. Umso heftiger war dann auch der Einschlag vor einem guten Jahr als die Waldbrände in Kalifornien ein tiefes Loch in die Bücher rissen.
Umso erstaunlicher, dass sich nun kaum noch etwas davon erkennen lässt und sich das Unternehmen wieder gut aufgestellt sieht. Es scheint, als würde dieses Ereignis nur als Fußnote in die noch kurze Unternehmenshistorie eingehen. Schließlich hat sie den CEO sein Amt gekostet.
Sein Nachfolger hat das Steuerrad offenbar herumgerissen und die Risikopolitik massiv verändert. Ob das ausreicht, um die Versicherung in eine weniger turbulente Zukunft zu führen, wird sich aber erst noch zeigen.
Wie ich die Situation nun einschätze, erfährst Du in diesem Beitrag.
Erst vor zwei Jahren bin ich bei Conduit Holdings Limited eingestiegen, der Muttergesellschaft der Conduit Re Versicherung. Das Start-up habe ich hier vorgestellt.
Es ist eine klare Beimischung in meinem Depot, in dem die Versicherungsbranche das größte Gewicht hat. Aber es macht mir Spaß, das Unternehmen zu begleiten. Denn durch die kurze Unternehmensgeschichte lässt sich auch erkennen, wie schwierig es ist, eine Versicherung zu managen.
Die Conduit-Aktie notiert an der Heimatbörse London in britischen Pence (GBX). Gestartet bei 500 Pence (= 5 Pfund) ging es bis 300 Pence im September 2022 abwärts. Ich habe meine ersten Stücke im März 2024 bei 538 Pence gekauft, weitere Käufe folgten in 2025 bei 360 und 311 Pence. Aktuell notiert die Aktie bei 436 Pence.

Dividende
Conduct Holdings zahlt zweimal im Jahr eine Dividende (April und September). Das exDividende-Datum liegt dabei jeweils rund einen Monat davor (März und August).
Die Dividende wird zunächst in US-Dollar deklariert und beträgt – wie schon im letzten Jahr – erneut 0,18 US$. Für die 500 dividendenberechtigten Aktien erhalte ich also 90,00 US$ Brutto-Dividende. Conduit rechnet die Dollar-Dividende aber selbst in britische Pfund um. Diese umgerechnete Dividende wurde wiederum vom Smartbroker+ zum Kurs von 0,8743 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern erhalte ich eine Nettodividende von 56,59 €. Sie wurde mit Wertstellung 16.04.2026 überwiesen.

Die Berechnung der aktuellen Dividendenrendite ist ein wenig komplexer, da der Aktienkurs in britischen Pfund (bzw. Pence) gemacht, die Dividende aber in US-Dollar deklariert wird. Ich rechne deshalb beide Werte in Euro um und ermittle dann die Dividendenrendite. Der Aktienkurs schloss am Dividendenzahltag (16.04.2026) mit 436,00 GBX, das sind umgerechnet 5,0119 € (EZB-Wechselkurs vom 16.04.2026: 0.86993). Die Dividende von 0,18 US$ sollte zweimal in diesem Jahr bezahlt werden. Die 0,36 US$ ergeben umgerechnet 0,3056 €. Die Dividendenrendite liegt also bei 6,1%.
Meine persönliche Rendite auf meinen Einstand (Yield on Cost) bezieht sich auf meinen Kaufpreis von 2.427,70 €. Rechne ich die 180,00 US$ Brutto-Dividende für 500 Aktien mit dem aktuellen EZB-Referenzkurs vom Zahltag (1,1782) um, dann erhalte ich 152,78 € brutto. Das ergibt dann einen YoC von 6,3%.
Perspektiven
Die Conduit Re ist immer noch in den Kinderjahren. Inzwischen ist sie zwar seit 5 Jahren auf dem Markt, aber damit steht sie nun bildlich erst kurz vor der Schulreife. Und muss dementsprechend noch viel lernen. Und das hat sie in 2025 reichlich getan. Direkt zu Jahresbeginn führten heftige Waldbrände im Süden Kaliforniens zu Schäden im dreistelligen Millionenbereich (vor Rückversicherung).
Das führte im Gesamtjahr dazu, dass die Combined Ratio einen Wert von 101,5% auswies. Auf 1 Dollar eingenommene Versicherungsprämie kam ein Schaden von 1,015 Dollar. Das ist für sich genommen natürlich schon eine Katastrophe. Der Wert muss unter 100% sein, sonst kann das Versicherungsgeschäft nicht profitabel sein.
Gleichzeitig bedeutet das aber noch nicht, dass das Jahresergebnis auch negativ ausfällt. Denn es gibt ja noch den Bereich des Investmentgeschäfts, in der jede Versicherung das eingesammelte Kapital anlegt. Und hier erzielte Conduit Re im letzten Jahr einen deutlichen Zuwachs im Ergebnis (+81%).
So konnte unterm Strich ein Gewinn je Aktie von 0,74 US$ erzielt werden. 2024 waren es noch 0,79 US$. Der Gewinnrückgang von 6,3% ist angesichts der Großschäden erstaunlich niedrig.
Und das gehört dann eben auch zum Lernen dazu. Nämlich für den Kapitalmarkt. Er hat lernen dürfen, dass die Conduit Re aus ihren Fehlern schnell gelernt hat und das Management in der Lage war, das Ruder herumzureißen.
Die Bruttoprämien legten um 7% zu. Dabei war mit +23% der Bereich Haftpflicht (Casualty) sehr stark, während die Sachversicherung (Property) nur mit +2% performte. Der dritte Bereich Specialty war mit -4% sogar rückläufig. Gleichzeitig zeigt sich hier die vorsichtigere Linie des Managements, die nicht um jeden Preis Wachstum anstrebt. Der Fokus liegt klar auf Profitabilität.
Die gesamte Branche hatte zu Beginn des Jahres 2026 mit rückläufigen Versicherungsprämien zu kämpfen. Conduit Re berichtet bei den Vertragserneuerungen von einem Prämienrückgang um 5%.
In der Branche selbst gab es weniger Großschäden, so dass die Prämien unter Druck gerieten. Conduit Re ist damit zweimalig „benachteiligt“: die eigenen überdurchschnittlichen Schäden können nicht nur nicht weitergegeben werden. Sondern die Prämien sinken sogar noch.
Aber das sollte ein Einzelfall bleiben. Das Management hat nun den Risikoappetit gezügelt und neue Kriterien aufgestellt. Sie hätten in der historischen Simulation zu einer Halbierung der Schäden durch die kalifornischen Waldbrände geführt.
Conduit ist nun drei Jahre in Folge profitabel gewesen. Der Risikoschwenk sollte sich schon in diesem Jahr auszahlen und den Gewinn je Aktie wieder etwas steigen lassen.
Ein bißchen wird das Unternehmen nun aber auch zum Langweiler. Denn größere Ausreißer wird es voraussichtlich nicht mehr geben. Aber das passt dann eben auch zur Entwicklung. Schließlich ist das Versicherungsgeschäft ja generell auf geringe Schwankungen und Kontinuität ausgerichtet.
In meinem Depot ist Conduit Re weiterhin der kleinste Versicherungstitel. Das Depotgewicht liegt mit 0,45% in dem Bereich, der mich bei Kursrückgängen wenig schmerzt. Perspektivisch kann ich mir jedoch immer noch einen Ausbau der Position vorstellen. Allerdings ist es mir wichtig, erst mal ein „normales“ Geschäftsjahr wie 2026 eines werden soll mitzuerleben. Wenn es dem Management gelingt, nun profitables Wachstum zu generieren und gleichzeitig die Combined Ratio wieder deutlich unter 100 zu senken, dann wäre das für mich in 2027 ein Kaufsignal.
Zwar ist dann auch davon auszugehen, dass der Aktienkurs nicht mehr so niedrig sein wird. Aber das ist mir lieber als nun schon verfrüht aufzustocken und dann erst zu festzustellen, dass die Maßnahmen nicht ausreichend waren.
Und es wäre auch nicht schlimm, wenn Conduit Re eine Beimischung in meinem Depot bliebe. Denn interessante Versicherungstitel mit einer besonderen Story gibt es sicherlich auch noch andere. So bin ich z.B. erst kürzlich auf Palomar Holdings gestoßen, die auf Versicherungen gegen Erdbeben spezialisiert sind. Oder Definity Financial, die den kanadischen Versicherungsmarkt angreifen. Um mal zwei Namen zu nennen, die ich mir noch detaillierter anschauen will.
Nur leider ist die Versicherungsbranche mit 37% Depotanteil schon meine größte Branche im Depot. Aber das Geschäftsmodell übt eine gewisse Faszination auf mich aus. Die 37% erstaunen mich aber schon selbst. Denn eigentlich betrachte ich die Einzelunternehmen und versuche, sie in einem gewissen Rahmen zu halten. Im Vergleich mit dem MSCI World habe ich die Versicherungsbranche damit um das 10-fache übergewichtet. Auch das war mir so nicht bewusst.
Wie sieht es bei Dir aus? Welchen Anteil haben Versicherer in Deinem Depot? Und hast Du auch eine Branche, die so heraussticht? Schaust Du überhaupt auf die Branchenzugehörigkeit oder nicht das einzelne Unternehmen viel wichtiger? Schreib gerne einen Kommentar und lass uns darüber austauschen!
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Conduit Holdings |
| ISIN: | BMG243851091 |
| Im Divantis-Depot seit: | 13.03.2024 |
| Letzter Nachkauf am: | 30.07.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 500 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 4,86 € |
| Gesamtkaufpreis: | 2.427,70 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 194,62 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Full year 2025 results |


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