Was Dich hier erwartet:
In den letzten Tagen konsolidierte die Aktie deutlich. Mehr als 10% Minus hat man länger nicht gesehen. Denn eigentlich befindet sich der norwegische Versicherer seit Jahren auf einem atemberaubenden Wachstumskurs.
Seit dem Corona-Tief hat sich die Aktie mehr als verzwanzigfacht. Die Investoren von damals lächeln natürlich nur müde über den Kursrückgang. Aber für Neuinvestoren stellt sich nun die Frage, ob es eine seltene Einstiegsgelegenheit ist und der Aufwärtszug wieder losfährt.
Oder ist die Aktie angesichts der jüngsten Geschäftsergebnisse deutlich zu hoch bewertet? Eine eindeutige Antwort gibt es – wie so oft – nicht. Meine Gedanken dazu erfährst Du in diesem Beitrag.
Der norwegische Versicherer Protector Forsikring gehört zu den Überfliegern in meinem Depot. Ich bin zwar nicht so für eingestiegen, um von 20x sprechen zu können. Aber auch eine Vervierfachung meiner ersten Käufe kann sich sehen lassen.
Das Unternehmen selbst habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Die Entwicklung des Aktienkurses war in den letzten Jahren beeindruckend: Im Tief notierte die Aktie im Corona-Crash 2020 bei 2 €. Ich selbst habe im Jahr 2022 zu Kursen zwischen 9,88 € und 12,38 € meine Depotposition aufgebaut. 2024 legte ich dann noch einmal zu 18,94 € nach. Und zuletzt war ich im Oktober 2025 bereit, zum Kurs von 40,95 € nachzukaufen. Ihr bisheriges Allzeithoch erreichte die Aktie im Januar mit 47,70 € kurz vor Bekanntgabe der Jahresergebnisse. Aktuell notiert sie bei 43,30 €:

Meinen letzten Nachkauf (hier der Bericht dazu) habe ich ein separates Depot (ING) gekauft. Denn sollte ich – aus welchen Gründen auch immer – wieder Aktien von Protector Forsikring verkaufen, dann wäre es steuerlich sinnvoller, die zuletzt gekauften Stücke wieder zu verkaufen. Denn der durchschnittliche Einstand der anderen 450 Aktien bei der 1822direkt liegt bei 11,75 € je Aktie.
Dividendenzahlung
Protector Forsikring zahlt nun eine Dividende von 6 NOK je Aktie. Es ist die Schlussdividende für das abgelaufene Geschäftsjahr und voraussichtlich nur die erste Dividende in diesem Kalenderjahr. Im letzten Jahr wurden zum gleichen Zeitpunkt 4 NOK Dividende gezahlt. Somit ist das eine Erhöhung um 50%.
Zur Einordnung: 2025 wurden im Februar 4 NOK Dividende gezahlt, im Mai 3 NOK, im Juli 2 NOK und im November 3 NOK. In Summe waren das also 12 NOK je Aktie Dividende in 2025. Mit der ersten Zahlung 2026 haben wir nun also bereits die Hälfte des Vorjahreswerts als Dividende.
Für die 500 Aktien in meinem Depot ergibt die Februar-Dividende nun eine Brutto-Dividende von 3.000 NOK. Die Bruttodividende wurde von der 1822direkt für 450 Stück zum Kurs von 11,3009 in Euro umgerechnet. Die ING rechnete die dort lagernden 50 Stück zum Kurs von 11,295268 in Euro um. Nach Abzug der Steuern verbleibt in der Addition eine Nettodividende von 129,10 €. Sie wurde mit Wertstellung 11.02.2026 (ING) bzw. 13.02.2026 (1822direkt) verbucht.



Dividendenrendite und YoC
Die Errechnung der Dividendenrendite ist bei Protector Forsikring nicht so einfach, da sich die Dividendenzahlungen schlecht vorhersagen lassen. Ein Start in das Jahr mit 6 NOK ist allerdings wirklich viel versprechend. Denn im letzten Jahr wurden insgesamt 12 NOK ausgeschüttet, 2024 waren es 9 NOK und 2023 hingegen 10 NOK.
Vorsichtshalber rechne ich mit den 12 NOK, die im letzten Jahr als Dividende gezahlt wurden. Bei einem aktuellen Aktienkurs von 491,50 NOK (Schlusskurs vom 13.02.2026) errechnet sich dann eine Dividendenrendite von 2,4%. Bei einem heutigen Kauf gibt es aber keine Garantie, innerhalb der nächsten 12 Monate tatsächlich diese Dividendenrendite zu erzielen. Sie kann höher oder niedriger sein.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) ist aufgrund meiner – trotz des Nachkaufs im Oktober 2025 – günstigen Kaufkurse höher. Mein Einstand für die 500 Aktien liegt bei insgesamt 7.344,66 €. Nur die jetzige Dividendenzahlung (ohne die erwartbaren weiteren Zahlungen in diesem Jahr) von 3.000 NOK brutto ergibt einen Betrag von 265,48 €. Das ergibt einen YoC von 3,6% nur für diese Dividendenzahlung. Mit der Bruttodividende des letzten Jahres von 6.000 NOK würde mein YoC auf 6,9% steigen. Aufgrund der sehr guten Starts mit der Februar-Zahlung habe ich aber insgeheim die Hoffnung, in diesem Jahr sogar auf einen YoC von 8,4% zu kommen. Das wäre bei einer Dividendensumme von 14 NOK der Fall. Lassen wir uns überraschen, ob dieser Betrag erreicht wird…
Perspektiven
Man hat es deutlich am Aktienkurs gesehen: die Erwartungen waren bei Protector Forsikring so hoch, dass die Zahlen für das Jahr 2025 als Enttäuschung gewertet wurden. Gute 10% verlor die Aktie innerhalb der letzten 2 Wochen.
Das führt nun dazu, dass der Total Return in diesem Jahr bisher sogar im leicht negativen Bereich liegt. Aber nach 6 Wochen, die das Jahr erst alt ist, kann und wird sich das natürlich noch ändern. Ob es aber wieder ein zweitstelliges Plus wie in den Vorjahren wird, wird spannend werden.
| Jahr | Total Return |
|---|---|
| 2022 | +10,5% |
| 2023 | +40,2% |
| 2024 | +59,4% |
| 2025 | +89,8% |
| 2026 YTD | -0,5% |
Natürlich freue ich mich über die positive Entwicklung des Aktienkurses. Langfristig wichtiger ist mir aber, dass dies auch von einer positiven Geschäftsentwicklung unterfüttert ist.
Und Protector Forsikring wächst kontinuierlich. Nicht so stark wie der Aktienkurs gestiegen ist, aber deutlich ist im Rückblick, dass das Bewertungsmultiple sich auch deutlich erhöht hat. Die Börse vertraut inzwischen dem Herausforderer in der europäischen Versicherungsbranche, der sich gezielt Märkte erschließt.
2025 kam Frankreich als fünfter Markt nach UK, Schweden, Norwegen und Dänemark hinzu.
Und Frankreich stützt auch das Wachstum. Die Bruttoprämieneinnahmen zum 1. Januar 2026 stiegen um 25%, wovon 47% des Wachstums auf das Konto von Frankreich gingen.
Im letzten Jahr lag dieses Wachstum bei 14%. Die Bruttoprämieneinnahmen („gross written premium“ kann man sich vereinfacht als den „Umsatz“ des Versicherers vorstellen, bevor irgendwelche Abzüge stattfinden. Vor allem ist der Betrag, bevor ein Versicherer einen Teil der Prämien an Rückversicherer abgibt, um sich selbst gegen Großschäden abzusichern.
Die Aussage ist aber eindeutig: Steigen die Bruttoprämieneinnahmen, gewinnt die Versicherung Marktanteile oder erhöht die Preise.
Gleichzeitig kann kein direkter Rückschluss auf das Geschäftsjahr gezogen werden. Denn beim written premium zählt der Vertragsschluss. Für das earned premium (verdiente Prämie) zählt dann nur der Teil der Prämie, der zeitlich auf das aktuelle Geschäftsjahr entfällt. Schließt z.B. ein Kunde im Dezember eine Versicherung mit einer Jahrespolice von 1.200 € ab, beträgt das gross written premium sofort 1.200 €. Das earned premium für dieses Kalenderjahr wäre jedoch nur 100 € (für den Monat Dezember).
Um die operative Profitabilität eines Sachversicherers zu bewerten, ist die Combined Ratio (deutsch: Schaden-Kosten-Quote) hingegen die wichtigste Kennzahl. Sie gibt an, wie viel Cent von jedem Euro, den das Unternehmen an Prämien einnimmt, für Schäden und Verwaltung wieder ausgegeben werden. Sie lag bei Protector Forsikring 2025 bei 84,7%. Das ist ein sehr guter Wert. Protector ist bekannt für sein extrem diszipliniertes Kostenmanagement. Während viele traditionelle Versicherer oft mit Quoten nahe 95% oder sogar über 100% kämpfen (und ihre Erträge dann durch die Eigenkapitalanlagen erzielen), strebt Protector konsequent deutlich niedrigere Werte an.
Trotzdem ist der Investmentbereich auch in 2025 wieder ein Ertragsbringer gewesen. Mit einer Rendite von 7,3% war es ein starkes Jahr. Protector Forsikring hat einen im Branchenvergleich hohen Aktienanteil und setzt zusätzlich vor allem auf High Yield Anleihen. Und der Erfolg gibt der Strategie recht.
Der Gewinn je Aktie stieg von 18,7 auf 31,7 NOK (+69,5%). Bei einem aktuellen Aktienkurs von 491,50 NOK wird Protector Forsikring damit mit dem 15,5-fachen Jahresgewinn bewertet. In der Vergangenheit wurde Protector Forsikring eher im einstelligen Bereich bewertet. Nun hat sich das Multiple seit 2025 deutlich ausgeweitet.
Traditionell ist Protector Forsikring sehr stark im Investmentgeschäft, das auch deutlich volatiler als das klassische Versicherungsgeschäft ist. Das rechtfertigte aus meiner Sicht eine niedrigere Bewertung in der Vergangenheit. Aber durch den Ausbau, vor allem mit dem Eintritt in den französischen Markt, verschiebt sich die Gewichtung und dann eben auch die Einschätzung der Börse.
Das Management verfolgt weiterhin das Ziel, Frankreich mittelfristig in die Top 3 der betreuten Länder zu bringen. Die kritische Masse für eine angemessene Kosten-/Risikostruktur wird allerdings erst in 2-3 Jahren erreicht werden.
Die 500 Aktien von Protector Forsikring haben aktuell ein Depotgewicht von 3,8% in meinem Dividendendepot. Das halte ich für ausreichend. Vor allem auch deshalb, weil ich ohnehin die Versicherungsbranche übergewichtet habe.
Von einer weiteren positiven Entwicklung bin ich überzeugt. Auch wenn es mal ein Jahr zum Durchatmen geben sollte, ist die Tendenz eindeutig positiv wachsend. Deutlichere Kursrückgänge würden mich deshalb auch noch einmal über einen Nachkauf nachdenken lassen.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Protector Forsikring |
| ISIN: | NO0010209331 |
| Im Divantis-Depot seit: | 04.02.2022 |
| Letzter Nachkauf am: | 23.10.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 500 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 14,69 € |
| Gesamtkaufpreis: | 7.344,66 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 805,79 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Interim Report Q4 2025 (PROT) |
| Investor presentation FY & Q4 2025 (PROT) |


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