Was Dich hier erwartet:
3M ist derzeit im Umbruch. Erst kürzlich wurde der Spin-Off der Gesundheitssparte angekündigt. Er soll bis Ende 2023 erfolgen.
Schon im Dezember letzten Jahres wurde ein Merger der Food Security-Sparte mit Neogen angekündigt.
Nun liegen die Details vor und jeder Aktionär von 3M muss sich entscheiden, ob er sich an dem Split-Off beteiligen will.
Ich habe mir die Unternehmensinformationen angeschaut und für mich bereits eine Entscheidung getroffen. In Kürze erwarte ich die Nachricht meiner Depotbank und werde dann entsprechend handeln.
Welche Optionen bestehen und wie der Zeitplan aussieht, beschreibe ich ausführlich.
Und selbst wenn Du keine 3M-Aktien im Depot hast, erfährst Du etwas über ein neu entstehendes Unternehmen am Börsenhimmel.
Am 4. August veröffentlichte 3M die Details des Split-Offs der Lebensmittelsicherheit-Sparte. Er soll noch im August über die Bühne gehen und vermutlich erhalten 3M-Aktionäre deshalb recht kurzfristig eine Info ihrer Depotbank, auf die sie dann reagieren können.
3M selbst habe ich hier ausführlich vorgestellt.
„Reverse Morris Trust“ Struktur
Bereits in der ursprünglichen Meldung wurde angekündigt, dass der Merger nach der „Reverse Morris Trust“ Struktur ablaufen würde.
Bei Wikipedia heißt es dazu schwerfällig, dass ein Reverse Morris Trust nach US-amerikanischem Recht eine Transaktion sei, die eine spaltende Reorganisation mit einer akquisitorischen Reorganisation kombiniert, um eine steuerfreie Übertragung einer Tochtergesellschaft zu ermöglichen.
Auf 3M übertragen bedeutet dass, dass zunächst ein Teil des Konzerns abgespalten wird (nämlich die Lebensmittelsicherheit-Sparte). Diese Abspaltung wird dann wiederum mit Neogen fusioniert.
Damit es aber nicht zu einfach wird, erhält nicht etwa jeder 3M-Aktionär einfach zusätzliche Aktien eingebucht. So war das ja bei der Fusion der Mediensparte WarnerBrothers von AT&T mit Discovery zu WarnerBrothersDiscovery.
Stattdessen wählt jeder 3M-Aktionär aus, wie viele seiner 3M-Aktien abgespalten werden sollen. Und aus diesen Aktien werden dann neue Aktien von Neogen.
Transaktion anhand meines Aktienbestandes
Ich habe 85 Aktien von 3M in meinem Dividendendepot. Ich könnte jetzt z.B. sagen, dass ich mit 15 Aktien davon teilnehmen möchte. Dann werden diese 15 3M-Aktien zunächst in eine Zwischengesellschaft umgebucht und dann mit einem Discount von ca. 7% in Aktien von Neogen gewandelt.
Nach Abschluss der Transaktion hätte ich dann nur noch 70 3M-Aktien und eine noch nicht bekannte Anzahl von Neogen-Aktien im Depot.
Prämissen
Bei Ankündigung der Fusion wurde vereinbart, dass 3M-Aktionäre 50,1% des neuen Unternehmens und die bisherigen Neogen-Aktionäre 49,9% halten sollten. Seitdem sind die Aktienkurse von 3M und Neogen zwar deutlich gesunken, aber das Verhältnis bleibt wie vereinbart. Insgesamt dürfen deshalb nach heutiger Bewertung 15,7 Millionen Aktien von 3M an der Transaktion teilnehmen. Es kann also auch zu einer Repartierung kommen. In meinem Beispiel könnten deshalb statt der angemeldeten 15 Aktien nur 10 Stück akzeptiert werden.
Für die genaue Bewertung werden die Aktienkurse vom 25. bis 29. August 2022 herangezogen.
Was macht Neogen?
Mit der Fusion der Lebensmittelsicherheitssparte von 3M mit Neogen entsteht ein Schwergewicht in dieser Branche. Das fusionierte Unternehmen soll einen jährlichen Umsatz von rund 1 Mrd. US$ erwirtschaften und dabei im ersten Jahr ein EBITDA von etwa 300 Mio. US$ erzielen.

Ursprünglich war der Deal 9,3 Mrd. US$ schwer. Dabei wurde die 3M-Sparte mit 5,3 Mrd. US$ bewertet, den Rest macht Neogen selbst aus.
Neogen ist bereits börsennotiert (Kürzel: NEOG) und bezeichnet sich als Marktführer im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Seit Bekanntgabe der Fusion hat sich Neogen aber im Aktienkurs halbiert. 3M ging in dieser Zeit um ein Viertel zurück. Fairerweise muss man aber sagen, dass der Kurs von Neogen in den fünf Jahren vorher um 80% gestiegen war.
Und so wird die Marktkapitalisierung von Neogen nach Umsetzung der Transaktion voraussichtlich bei rund 4,6 Mrd. US$ liegen.
Neogen prüft Lebensmittel und vergibt entsprechende Zertifikate. Will ein Hersteller beispielsweise seine Produkte als „Gluten-frei“ vermarkten, lässt er sich von Neogen (oder einem Wettbewerber) zertifizieren.
Neogen ist in den vergangenen beiden Jahrzehnten stark gewachsen und geht jetzt mit der Fusion den nächsten Schritt. Das Geschäftsmodell empfinde ich als zukunftsträchtig.
Implikation für 3M
Die korrespondierende Sparte von 3M war mit 5,3 Mrd. US$ und dem 32-fachen EBITDA bewertet worden. Das ist schon ein ambitionierter Wert gewesen.
Vor allem zeigt diese Bewertung, dass die Sparte unterdurchschnittlich zum Gewinn von 3M beträgt. Denn 3M als Ganzes wird etwa mit dem 15-fachen EBITDA bewertet.
Der Split-Off trägt also in gewissem Maße dazu bei, dass sich die Gewinnrelationen von 3M verbessern werden. Aber insgesamt ist die Sparte dann doch zu klein, um einen wesentlichen Einfluss auf den Konzern zu haben. 3M hat aktuell eine Marktkapitalisierung von rund 84 Mrd. US$!
Warum Neogen nicht in mein Depot passt
Der Sektor der Lebensmittelsicherheit ist zweifelsohne interessant und auch ein Wachstumsmarkt. Neogen ist nach der Fusion die Nr. 1 in dem Bereich und vom Papier her sicher einen Blick wert. Hinzu kommt der halbierte Aktienkurs, der die Bewertung aktuell attraktiver erscheinen lässt.
Neogen hat aber noch nie eine Dividende gezahlt und erfüllt damit nicht meine Anlagekriterien für das Dividendendepot. Und in den nächsten 2-3 Jahren wird das neue Unternehmen mit der Integration der 3M-Sparte viel zu tun haben. Unterschiedliche Unternehmenswerte, Führungsstrukturen und Mitarbeiter müssen aufeinander abgestimmt werden. Das wird viel Kraft kosten.
Und in der Zeit kann ich Neogen entspannt beobachten. Ich muss nicht überall dabei sein und habe mein Depot bereits ausreichend diversifiziert.
Was ich jetzt mit dem Umtauschangebot mache
Ich bin langfristiger 3M-Aktionär und hatte die Aktien sogar im Juni noch nachgekauft. Seitdem hat sich der Aktienkurs positiv entwickelt und ich bin froh, dass ich nun 85 Aktien im Depot habe. Im September erwarte ich die erste Quartalsdividende auf meine neue Stückzahl und sie soll perspektivisch wachsen und nicht sinken.
Ich werde deshalb das Umtauschangebot nicht annehmen. Wenn meine Depotbank (Smartbroker) mir schreibt, wird der Brief nicht beantwortet.
Spannender wird dann der Spin-Off der Gesundheitssparte im nächsten Jahr. Dort wird dann wieder mit der klassischen Methode gearbeitet und jeder 3M-Aktionär kriegt zusätzliche Aktien ins Depot gebucht. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter.
Das Umtauschangebot im Original
In den Kommentaren zu diesem Beitrag haben viele Leser über unterschiedliche Voraussetzungen ihrer Depotbanken berichtet, wie sie an dem Umtauschangebot teilnehmen können. Mittlerweile hat mir der Smartbroker geschrieben und ich kann bestätigen, dass auch hier eine Änderung der Lagerstätte von Girosammelverwahrung auf Wertpapierrechnung erforderlich wäre. Allerdings kann ich sehr wohl mit meinen 85 Aktien teilnehmen und natürlich auch weniger. Bei einer Teilnahme von unter 100 Aktien erhalte ich sogar eine volle Zuteilung.
Dies alles zur Info, ich werde das Umtauschangebot nicht annehmen. Hier das Schreiben vom Smartbroker an mich:


Auf einen Blick:
| Unternehmen: | 3M |
| ISIN: | US88579Y1010 |
| Im Divantis-Depot seit: | 12.01.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | 21.06.2022 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 85 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 159,43 € |
| Gesamtkaufpreis: | 13.551,77 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 1.918,69 € |
| Aktuelle Strategie: | verkaufen |

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