Was Dich hier erwartet:
Diese Woche hat vermutlich manchem Anleger graue Haare verursacht. Der Montag Morgen startete mit Crash-Nachrichten aus Japan und die Nervosität an den europäischen Märkten war förmlich zu spüren.
Neo-Broker wie Trade Republic wickelten Rekordumsätze ab, andere Broker mit der Baader Bank im Hintergrund waren zeitweise nicht erreichbar.
Und am Dienstag war dann auf einmal wieder Sonnenschein in Japan. Nach zweistelligen Verlusten am Vortag ging es zweistellig aufwärts. Und man fragte sich: war es das jetzt schon oder ist eine klassische Bullenfalle?
Meine Gedanken zu dieser nun eher unspektakulär beendeten Handelswoche teile ich in diesem Beitrag. Nicht als neues Format, sondern weil sich aus dieser Woche wieder etwas lernen lässt.
Die Ausgangssituation
Die Woche startete zwar am Montag, aber bereits am Freitag zuvor war es zu deutlichen Kursrückgängen in Japan gekommen. Ausgangspunkt war zunächst die Erwartung und dann die Ankündigung der japanischen Notenbank, die Zinsen zu erhöhen. Da gleichzeitig in den USA die ersten Zinssenkungen vor der Tür stehen, führt das zu einer deutlichen Einengung des Zinsunterschieds zwischen Japan und den USA. Und damit auch zu einem stärkeren Yen. Viele US-Anleger haben japanische Aktien auf Kredit gekauft und so in den letzten Jahren vom schwächeren Yen und steigenden Aktienkursen profitiert. Denn der Kreditbetrag bleibt ja nominal unverändert, die Rückzahlung wird bei schwächerem Wechselkurs jedoch deutlich günstiger. Diese Methodik kennt jedoch auch die Gegenrichtung. Steigen die Zinsen, wird der Kredit in Yen teurer. Wird dann der Yen auch noch stärker, wird die Rückzahlung ebenfalls teurer. Und wenn dann noch die Aktienkurse sinken (wie am Freitag), ziehen viele Anleger die Reissleine und stellen ihre japanischen Engagements glatt.
Das ist erst mal nichts Dramatisches. Durch eine Meldung vom Wochenende rückte aber ein Anleger in den Fokus, der zuletzt in großem Stil in Japan auf Kredit investiert hatte: Warren Buffett und Berkshire Hathaway. Die Meldung über den Verkauf rund der Hälfte der Position an Apple-Aktien hatte zwar nichts mit Japan zu tun. Aber vielen Anlegern wurde damit erneut verdeutlicht, dass Warren Buffett eben auch Verkäufer von Aktien sein kann. Und man es erst im Nachhinein erfährt. Und warum sollte er nicht auch in Japan seine Positionen schließen oder zumindest deutlich verkleinern?
So nahm der Montag seinen Weg und der Nikkei erlebte seinen größten Kursabsturz seit Jahrzehnten. Wohlgemerkt: wir reden hier nicht von einer kleinen Börsen an einem unbedeutenden Handelsplatz, sondern von der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.
Grund genug also, sich ernsthafte Gedanken über ein Ausstrahlen auf die anderen großen Börsenmärkte zu machen.
Was ich in der Situation gemacht habe
Natürlich habe ich am Montag Morgen auch überrascht auf mein Handy geschaut und die Eilmeldungen über den Crash in Japan gelesen. Mein Gedanke ging dann sofort dahin, dass ich keine Ahnung habe, ob das nur der Anfang eines Kursrutsches auch an den anderen Märkten ist oder ob es ein einmaliges Ereignis bleibt. Beim Blick auf den Volatilitätsindex VIX habe ich dann gedacht: Mist, wieder keine Absicherung gehabt.
Denn Korrekturen oder Crashes kommen ja immer dann, wenn man nicht damit rechnet. Und stetige Absicherung durch Optionen kostet langfristig Performance. Deshalb betreibe ich das nicht. In solchen Situationen hätte ich sie natürlich trotzdem gerne.
Aber diesmal war ich ohnehin auch so ziemlich gelassen. Vielleicht lag es am Sommer und daran, dass meine Tochter den ersten Schließtag ihres Kindergartens hatte. Ich hatte einfach genug anderes auf dem Programm und konnte und wollte mich gar nicht intensiv mit Börse beschäftigen. Zumal Montage für mich als Handelstage ohnehin ausfallen. Zu oft ist es schon vorgekommen, dass die Kurse nach dem Wochenende verzerrt sind. Da warte ich lieber bis Dienstag, wenn dann auch die Reaktionen der Wall Street bekannt sind.
Kurzum: Ich habe einfach gar nichts gemacht und einen entspannten Montag gehabt. Von meinen japanischen Titeln war ich fundamental überzeugt, empfand die Kurse aber ohnehin teilweise schon als sehr gut gelaufen. An Nachkäufe habe ich nicht gedacht, dafür war die Informationslage zu schlecht.
Was mich positiv gestimmt hat
Bereits kurz nach Börsenschluss in Japan lief eine Meldung über die Ticker, wonach Itochu ein Aktienrückkaufprogramm startet. Itochu ist meine größte japanische Position und deckt quasi die japanische Volkswirtschaft mit seinen Unternehmenszweigen ab. Diese Meldung zeigte mir, dass hier Manager am Ruder sind, die ihr Handwerk verstehen. Denn an den beiden Handelstagen Freitag und Montag hatte die Aktie rund ein Viertel an Kurswert eingebüßt. Da macht es dann Sinn, Aktienrückkäufe zu tätigen. Und eben nicht bei Höchstständen.
Rebound am Dienstag und die Börsenpsychologie
Nach den zweistelligen Verlusten von Montag erholte sich der japanische Aktienmarkt am Dienstag ebenfalls zweistellig. Wer in den Crash hinein gekauft hatte – oder z.B. direkt Montag früh japanische Titel in Deutschland -, der konnte sich über erhebliche Kursgewinne freuen.
Natürlich hätte ich die auch gerne mitgenommen, das ist keine Frage. Aber geärgert habe ich mich nicht. Ich habe mich viel mehr darüber gefreut, dass ich am Vortrag entspannt geblieben bin und keine Kurzschlussreaktionen hatte. Ich hätte ja auch auf die Idee kommen können, schnell meine japanischen Aktien zu verkaufen. Nach dem Motto: „An mitgenommenen Gewinnen ist noch nie jemand arm geworden.“
So lautete mein Motto aber: „Wer Aktien nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen.“ Es gehört einfach dazu, dass es Kursrückgänge gibt. Natürlich sind die Ausschläge an diesen beiden Handelstagen extrem gewesen. Aber auch da kommt es auf den richtigen Mix an. Meine deutschen Nebenwerte habe z.B. keinerlei Verkaufsdruck am Montag verspürt. Und mein Dividendendepot war insgesamt 2,9% im Minus. In absoluten Zahlen: 14.296 €. Das ist natürlich eine Stange Geld, aber angesichts des bisher so erfolgreichen Jahres 2024 dann auch wieder verkraftbar.
Auf Twitter habe ich dann eine Umfrage laufen lassen, die zwar keinen repräsentativen Charakter hat, aber doch einen guten Einblick in die Börsenpsychologie gibt. Bei 29% der Teilnehmenden überwiegt der Ärger, die Chance zum Kauf verpasst zu haben. 71% freuen sich einfach über die Erholung und dass sie nicht nervös geworden sind.

Mit meinem Blog und meinen Gedanken, die ich seit nun mehr als sieben Jahren dokumentiere, möchte ich weiter für diese Gelassenheit werben. Es nützt nichts, sich zu ärgern. Diese Chance ist vorbei, aber es werden auch wieder neue kommen. Viel besser und auf die Dauer erfolgreicher ist, sein Depot breit zu diversifizieren und dann entspannt zu bleiben. Langfristig steigen die Indizes und die daran enthaltenen Aktien. Es geht an der Börse nicht darum, an einem Tag 10% zu machen. Wer das versucht, wird das immer mal wieder schaffen. Aber um welchen Preis? Das Risiko ist viel höher und es werden auch Tage dabei sein, an denen es 15% runtergeht.
Viel sinnvoller ist es doch, in Unternehmen zu investieren, von denen man langfristig überzeugt ist. Und wenn diese Überzeugung da ist, dann ist doch der Aktienkurs an einem einzelnen Tag auch völlig unerheblich. Verändert er irgendwas am Geschäftsmodell? An den Erträgen oder der Dividende?
Am Ende der Woche
Schaue ich mir meine Wochenperformance an, dann könnte man denken, es war eine ganz normale Handelswoche. 0,25% Verlust in einer Woche ist eine Schwankung, die nicht der Rede wert ist.
Für mich hatte die Woche dann aber sogar noch ein anderes Highlight parat: Auf der Hauptversammlung der USU Software, einem deutschen Nebenwert, wurde am Donnerstag der Dividendenvorschlag von 0,55 € seitens des Großaktionärs per Gegenantrag auf 1,70 € erhöht. Ende Juli hatte ich noch für 17,90 € nachgekauft, da ich die langfristige Perspektive für positiv halte. Und die Aktie notierte dann am Freitag nach dem Dividendenabschlag bei 17,60 €. Das war unerwartet und deshalb umso erfreulicher.
Und so gehe ich positiv in die nächste August-Woche: ein Crash wie am Montag in Japan kann sich jederzeit an anderer Stelle wiederholen. Und es ist kein Naturgesetz, dass es schon am Folgetag eine Erholung gibt. Aber trotzdem bleibe ich entspannt, lasse mein Depot langfristig für mich wachsen und freue mich über die stetigen Dividendenerträge. So habe ich mein persönliches Wohlfühl-Börsenprogramm gefunden.


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