Was Dich hier erwartet:
Eigentlich wollte ich ganz in Ruhe etwas Neues im Jahr 2021 ausprobieren. Wie in der Anlagestrategie 2021 angekündigt, wollte ich damit die Konsequenzen aus meiner unterdurchschnittlichen Performance des Dividendendepots im letzten Jahr ziehen.
Und ich hatte mir auch schon seit mehreren Wochen überlegt, welche Titel ich in das neue Depot kaufen will. Die Titel wollte ich Dir über die nächsten Wochen einzeln vorstellen und damit mein neues Anti-Depot gebührend einführen.
Aber Mr. Market hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht! Innerhalb nur einer einzigen Handelswoche ist das Anti-Depot bereits um satte 17% im Wert gestiegen. Und deshalb gibt es jetzt erst mal kompakt verpackt alle Infos.
Warum Anti-Depot?
Mit dem neuen Depot will ich bewusst etwas ausprobieren: In meinen Anlagekriterien habe ich ja eindeutige Regeln für meine Investitionen in Aktien festgelegt. Ein elementarer Punkt ist neben der Nachhaltigkeit die Ausschüttungen von Dividenden.
Im Anti-Depot verzichte ich bewusst auf das Dividendenkriterium bei Aktien. Und weil das noch nicht genug ist, ergänze ich das Depot auch mit Rohstoffen und Kryptowährungen. Auch sie schütten nicht aus und waren für mich bisher nicht investabel.
Ist das nun eine Abkehr von meiner bisherigen Anlagestrategie?
Das Dividendendepot bleibt für mich das Maß aller Dinge. Hier steckt der größte Teil meines Vermögens und mit rund 10.000 € Netto-Dividendenerträgen im Jahr habe ich mir einen ordentlichen Einkommensstrom aufgebaut.
Das Anti-Depot habe ich bewusst auf maximal 10.000 € Kapitaleinsatz limitiert und es ist damit im Ziel etwa 2,5% meines Dividendendepots groß.
Wo verwalte ich das Anti-Depot?
Um eine klare Trennung von meinem eigentlichen Investitionsschwerpunkt zu haben, habe ich für das Anti-Depot ein eigenes Depotkonto eröffnet. Ausgewählt dafür habe ich justTRADE. Denn dort kann ich kostenfrei ab einem Mindestbetrag von 500 € handeln. Und – das hat mich besonders überzeugt – auch Kryptowährungen mit in das Depot legen. Ich brauche kein gesondertes Wallet und muss mir keine Sorgen um die Plattform machen. Denn alles liegt bei deutschen Banken und unterliegt damit der deutschen Bankenaufsicht. Ebenso werden die deutschen Steuern automatisch abgeführt. Da ich keine Dividenden erhalte, halte ich auch kein Guthaben auf dem Konto vor. Damit vermeide ich die Negativzinsen, die justTRADE im Gegenzug für die Gebührenfreiheit berechnet.
Welche Titel befinden sich im Anti-Depot?
Das Depot habe ich am 03.01.2021 innerhalb von wenigen Minuten eröffnet (wirklich der schnellste Depoteröffnungsprozess, den ich kenne!), dann habe ich Geld zu justTRADE überwiesen. Am 04.01.2021 (erster Handelstag des Jahres!) konnte ich dann loslegen und habe die ersten Titel gekauft. Am 05.01.2021 kaufte ich den 5. Titel.
Einen Gesamtüberblick über das Anti-Depot findest Du auf dieser neuen Seite, die ich regelmäßig aktualisieren werde.
Hier nun aber die Kurzvorstellungen und Kaufabrechnungen der 5 Starter-Titel:
Adobe
Adobe ist der Allgemeinheit bekannt durch den Acrobat Reader, mit dem sich PDF-Dateien lesen lassen. Grafiker kennen seit jeher auch Photoshop und für Fotografen ist Lightroom eine beliebte Software. Adobe hat seine Produkte vor einigen Jahren in die Cloud gebracht und vermarktet seitdem sehr erfolgreich das Abomodell der „Creative Cloud“. Kunden haben dort Zugriff auf alle Kreativprogramme der Softwareschmiede. Adobe ist darüber hinaus mit „Digital Experience“ bei der Optimierung von digitaler Werbung und Marketing tätig und bietet im „Publishing“-Segment Lösungen für E-Learning. Adobe wurde 1982 gegründet, ist hochprofitabel und genauso hoch bewertet. Statt Dividenden auszuschütten werden regelmäßig Aktien zurückgekauft.

Fiverr International
Fiverr war mit einer Verachtfachung einer der Highflyer des Jahres 2020. Wer schon etwas länger investiert ist, hat sogar einen Tenbagger im Depot. Das Unternehmen betreibt eine Plattform, auf der Freelancer ihre Dienste anbieten. Ich nutze die Plattform selbst, um z.B. Unterstützung bei technischen Problemen mit meinem Blog zu erhalten. Für mich ist die Plattform ein Paradebeispiel für die globale Digitalisierung, da so unproblematisch ein Programmierer aus Bangladesh von einem deutschen Unternehmen gebucht werden kann. Fiverr berechnet für jede Buchung eine Provision, ist bisher aber nicht profitabel. Sitz ist Tel Aviv, Israel.

Dropbox
Im Rahmen von Corona hat die standortübergreifende Zusammenarbeit einen extremen Push erhalten. Das Home-Office ist seitdem endlich etabliert. Dropbox wiederum ist schon seit Jahren der Inbegriff einer Cloudlösung zum Austausch und zum gemeinsamen Bearbeiten von Dateien. „Ich stell Dir das in Dropbox“ ist ein geflügelter Satz. Über 600 Millionen Benutzer weltweit haben einen Dropbox-Account, mehr als 15 Millionen von ihnen bezahlen auch dafür (durchschnittlich 128 US$ pro Jahr). Damit erwirtschaftet das Unternehmen einen positiven Cash-Flow und kratzt seit einigen Quartalen an der Profitabilität. Die Börse spielt immer mal wieder Übernahmefantasien durch, würde die Cloudlösung doch gut ins Portfolio eines großen Players passen.

ETFS Copper
Kupfer ist der Rohstoff, der als „König der Industriemetalle“ von einer starken Nachfrage bei wachsender Konjunktur profitiert. Der chinesische Bausektor benötigt Kupfer, aber auch der Boom der Elektromobilität ist ohne Kupfer nicht fortzusetzen. Kupfer wird sowohl für die Stromkabel in den E-Autos als auch für die Starkstromkabel der Ladesäulen benötigt. Und auch die Infrastrukturprogramme der neuen US-Regierung sollten dem Kupferpreis weiteren Auftrieb verschaffen. Das Wertpapier (Exchange Traded Commodity) von Wisdomtree bildet den Kupferpreis ohne Hebel oder Rollverluste bei laufenden Kosten von 0,49% p.a. ab.

Bitcoin
Bitcoin ist die älteste der Kryptowährungen, zugleich die bekannteste und diejenige mit der höchsten Marktkapitalisierung. Technisch ist sie moderneren Blockchain-Währungen unterlegen, aber das spielt an den Märkten keine wirkliche Rolle. Lange Zeit als Spekulationsobjekt oder Mittel von Kriminellen eingruppiert, haben sich zuletzt verschiedene institutionelle Anleger als Bitcoin-Investoren geoutet. Aktuell trifft die Begrenztheit des Bitcoins auf eine hohe Nachfrage und der Kurs markiert neue Höchststände. Zum Jahresbeginn feuerte die US-Bank JP Morgan die Spekulationen mit einem „realistischen“ Kursziel von 146.000 US$ an. Dies sei in einem mehrjährigen Prozess erreichbar. Zu beobachten sei ein Umschichten von Gold in Bitcoin.

Wieso gerade diese Titel?
Bei den drei Aktien habe ich Technologietitel ausgewählt, mit denen ich selbst arbeite und die ich sehr schätze. Mit Kupfer setze ich auf eine weitere Erholung der Konjunktur und die steigende E-Mobilität. Beim Bitcoin schließlich sehe ich, dass mittlerweile institutionelle Investoren einen Teil ihrer Anlagen in dieser Kryptowährung halten. Natürlich ist der Kurs jenseits von Gut und Böse. Und eigentlich liegt es mir fern, bei einem solchen Hype mitzumachen.
Ich hatte mir aber schon im Herbst überlegt, dass ich in diesem Jahr mal etwas Neues probieren möchte. Dass der Bitcoin-Kurs seitdem so explodiert ist, ist natürlich ärgerlich. Ich habe trotzdem bewusst den Kauf am 04.01. getätigt. Immerhin war der Kurs an diesem Tag um 17% zurückgegangen. Und hat seitdem innerhalb der ersten Handelswoche wieder mehr als 25% zugelegt.
Der Bitcoin ist wirklich nichts für schwache Nerven. Ich „traue“ mir diese Investition jetzt auch nur zu, weil ich darüber auf dem Blog schreibe und so nicht in Versuchung komme, täglich auf den Kurs zu schauen und an Gewinnmitnahmen zu denken. Mein Plan ist, diese 0,1 BTC mindestens bis zum 04.01.2022 zu halten. Wenn dann tatsächlich noch Gewinne vorhanden sind, dann wären diese nämlich steuerfrei. Für Kryptowährungen gilt nämlich auch die Steuerfreiheit nach einem Jahr wie z.B. bei Gold. Zeichnet sich jedoch in einem Jahr ein Verlust ab (was ich unter meiner eigentlichen Risikosicht für wahrscheinlich halte), dann verkaufe ich die Position noch vor Ablauf des Jahres, um den Verlust steuerlich nutzen zu können.
Und wie geht es jetzt weiter mit dem Anti-Depot?
Ich will die Titel erstmal halten und regelmäßig im Rahmen meiner Monatszusammenfassung über die Entwicklung berichten. Zur Jahresmitte werde ich dann ein erstes Resümee ziehen und plane, dann die zweite Tranche der geplanten 10.000 € zu investieren. Vermutlich kommen dann weitere 5 Titel hinzu.
Insgesamt ist es für mich ein Live-Test mit Echtgeld. Ich werde nicht enttäuscht sein, wenn ich zu wenig Geld in das Anti-Depot investiert haben sollte (und damit zu wenig Gewinn hätte) und auch nicht, wenn Verluste auftreten. Aber mit Sicherheit werde ich weiter an Erfahrung sammeln. Denn es ist trotz alledem ein Unterschied, ob man eine Entwicklung nur sieht oder selbst investiert ist.
Zum Abschluss nun noch ein Screenshot meiner Depot- und Kontoübersicht nach der ersten Handelswoche – wahrlich ein Raketenstart mit einem Depotplus von 17% und fast 900 € Plus:



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