Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Verkauf einer Aktie?

Symbolbild entnervter Aktionär
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Über das Kaufen von Aktien wird viel geschrieben. Da gibt es eine Unmenge von Kaufsignalen und Anlässen, endlich zuzugreifen. Und der einfachste Weg ist die Anlage eines Sparplans mit regelmäßiger Kaufausführung.

Viel komplexer – und deshalb kaum ein Thema – ist aber die Frage, wann denn eigentlich der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um eine Aktie zu verkaufen. Das zeigt sich allein schon daran, dass keine Bank einen automatisierten Entsparplan anbietet. Wahrscheinlich schon deshalb, weil die Nachfrage sehr gering wäre.

Auch meine eigenen Verkäufe erfolgen meist spontan. So kommt es mir jedenfalls vor. Bei genauerer Betrachtung gibt es aber Gründe dafür, die regelmäßig wiederkehren. In diesem Beitrag versuche ich, sie zu systematisieren und die „Bauchentscheidung“ greifbarer zu machen.

Generell gesprochen entscheide ich mich als Investor eines Unternehmens dann zum Verkauf, wenn ich die Überzeugung habe, dass die besten Tage bereits hinter uns liegen. Und es ist natürlich nicht immer einfach, einen Fehler einzusehen. Schließlich kann eine Veränderung der Einschätzung auch schon ziemlich bald nach einem Investment auftreten. Wer dann die Courage hat, auch mal den Verkaufen-Knopf zu drücken, der hat gute Voraussetzungen, ein erfolgreicher Investor zu werden.

Und natürlich ist das keine Abkehr von Buy-and-Hold. Auch der bekannteste Investor Warren Buffett trennt sich regelmäßig von Unternehmen. Übrig bleiben dann einige wenige, in die er schon seit Jahrzehnten investiert ist. Und das sieht dann so aus, als wäre er nur deshalb so erfolgreich, weil er so lange investiert. Tatsächlich ist es aus meiner Sicht aber wichtig, sich auch regelmäßig von Unternehmen im Portfolio zu trennen, wenn die Überzeugung nicht mehr für sie da ist. Umso leichter fällt es dann, die anderen Unternehmen „ewig“ zu halten.

Abgrenzung zum Trading

Als Trader hat man kein Interesse an der langfristigen Entwicklung eines Unternehmens, sondern setzt mehr auf die kurzfristige Performance der Aktie. Dazu gehören feste Regeln, z.B. Aktien nie über Quartalsergebnisse zu halten oder schon bei x% Minus aus der Position rauszugehen, um Verluste zu begrenzen. Das ist für mich durchaus nachvollziehbar, aber nicht mein Investmentansatz. Solche Regeln sind deshalb nicht Bestandteil meiner Überlegungen.

Die ersten Verluste sind die geringsten

Eine vom Trading abgeleitete Regel, die auch für Langfristinvestoren eine Relevanz hat, ist das Setzen einer Stop-Loss-Marke. Nicht zu eng, aber es gibt durchaus eine nachvollziehbare Begründung dafür, bei 20% Verlust die Position zu verkaufen. Denn da kommt die Regel „Greife nie in ein fallendes Messer“ im Umkehrschluss zum Einsatz: ist die Aktie bereits 20% gefallen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch noch weiter fällt.

Eine solche Regel habe ich für mich nicht gesetzt. Im Gegenteil habe ich so eine Marke schon oft zum Nachkauf genutzt. Aber das ist nicht immer gut gegangen. Und bei all den Aktien, die ich dann irgendwann bei 40, 50 oder 60% Verlust standen, habe ich mich natürlich geärgert, dass ich nicht bei -20% die Reißleine gezogen habe.

Versuch einer Annäherung

Wie lassen sich nun konkrete Verkaufskriterien finden? Und woran lässt sich das verbindlich festmachen?

Ich stelle mir in Situationen, die zu einer Verkaufsüberlegung führen, eine Auswahl der folgenden Fragen:

Hat sich meine Überzeugung vom Unternehmen verändert?

Wenn ich in ein Unternehmen investiere, dann bin ich überzeugt vom Geschäftsmodell. Ich treffe für mich Annahmen und zeichne mir im Kopf ein Szenario. In der Regel besteht es aus Wachstum. Ich halte das Unternehmen für fähig, seinen Marktanteil auszubauen und damit langfristig positive Erträge zu erzielen.

Aber so ein Szenario kann sich auch verändern und dann muss ich darauf reagieren. Wenn auf einmal Marktanteile sinken oder der Umsatz schrumpft, dann ist das ein Alarmzeichen. Ich muss dann hinterfragen, ob meine ursprünglichen Annahmen noch zutreffend sind. Und wenn meine Überzeugung nicht mehr da ist, dann gibt es für mich auch keinen Grund, in das Unternehmen investiert zu bleiben. Wichtig ist dabei aber immer, auch vorübergehende Schwächen von langfristigen Trendwenden zu unterscheiden. Und das ist dann auch meine größte Fehlerquelle: Wenn ich schwache Quartalsergebnisse als „Ausrutscher“ einstufe und nicht merke, dass sich das Umfeld nicht nur eingetrübt, sondern komplett verändert hat.

Ist die Aktie inzwischen überbewertet?

Ein legitimes Verkaufssignal kann auch sein, dass die Aktie nach meinem Einstieg so schnell gestiegen ist, dass sie inzwischen überbewertet ist. Und zwar nicht nur leicht, sondern massiv. In einem solchen Fall kann es dann sinnvoll sein, sich vom Unternehmen zu verabschieden. Einfach weil es deutlich attraktivere Aktien gibt und die Überbewertung vermutlich in der Zukunft durch einen sinkenden Aktienkurs abgebaut werden wird.

Die Schwierigkeit ist aber auch hier, das richtige Maß zu finden. Denn woran macht sich die Überbewertung fest? Sind es die aktuellen Gewinne oder erwartet nur der Markt ein deutlich stärkeres Gewinnwachstum als ich selbst? Und worauf begründen sich die unterschiedlichen Annahmen?

Sollte ich jetzt auch mal Gewinne mitnehmen?

Unabhängig davon, ob eine Aktie inzwischen überbewertet ist, stellt sich die Frage nach einer Gewinnmitnahme. Nicht im Sinne eines Totalausstiegs, sondern zur Reduktion des eigenen Risikos. Das kann – entsprechenden Kursanstieg vorausgesetzt – dann sogar dazu führen, dass das gesamte ursprünglich eingesetzte Kapital wieder vom Tisch genommen und nur noch der Gewinn stehen gelassen wird. Im Rückblick habe ich das meist dann gemacht, wenn ich nicht mehr komplett überzeugt war. Aber gleichzeitig auch nicht so sicher, ob meine Annahmen zutreffen. Dann habe ich verkauft, aber z.B. 20% der ursprünglichen Aktien behalten. Und der Verkaufserlös nach Steuern war dann so hoch wie mein ursprünglicher Kaufpreis für 100% der Aktien. Man muss aber mit dieser Strategie aufpassen, sich nicht zu verzetteln. Denn die Anzahl der Depotpositionen kann dann schon ziemlich groß werden. Und die einzelnen Positionen unter Umständen ziemlich klein. Und sie zu beobachten ist ja genauso aufwändig, egal wie viele Aktien von einem Unternehmen im Depot sind. Aber manchmal hilft die Strategie gut, entspannt auf ein Unternehmen zu blicken und „ohne Einsatz“ investiert zu bleiben.

Ist es das fallende Messer?

Auch wenn ich nicht mit Stop Loss-Limiten arbeite, kann es sinnvoll sein, eine Verkaufsorder aufzugeben, wenn die Aktie sich in einem lupenreinen Abwärtstrend befindet. Denn wenn klar ist, dass die Aktienkurs weiter sinkt, dann ist es ja eine gute Gelegenheit, die Aktie ein gutes Stück tiefer erneut zu kaufen. Aber auch hier gilt, nicht zum Trader zu werden! Denn den Tiefstpunkt erreicht man sowieso nicht geplant.

Aber genauso kann es auch eine Kombination von Verkaufsgründen sein: ist die Aktie z.B. über lange Jahre ordentlich gestiegen und nun überbewertet und fällt nun wie ein Messer. Dann können auch Gewinne gesichert werden. Es spricht nichts dagegen!

Nehmen wir das Beispiel eines Tenbaggers: ursprünglich gekauft zu 10 € ist die Aktie auf 100 € gestiegen. Dann fällt sie wie ein Stein auf 90, auf 80, auf 70, auf 60. Warum dann nicht beim Kurs von 50 € einfach mal die Hälfte der Position verkaufen? Dann sind die Gewinne gesichert und die Depotposition hat faktisch nichts gekostet. Und selbst wenn die Aktie weiter auf 10 € zurückfällt, ist das zwar ärgerlich, aber kein Beinbruch.

Verlassen die wichtigsten Manager das Unternehmen?

Managementwechsel sind ein „softes“ Thema, das sich in keinen Kennzahlen und mit keiner Chartanalyse analysieren lässt. Aber sie haben oftmals einen großen Einfluss auf die weitere Unternehmensentwicklung. Die wichtigsten Positionen sind dabei der CEO und der CFO. Wenn sie beide lange bei einem erfolgreichen Unternehmen waren und dann innerhalb kürzester Zeit ausscheiden, dann ist erhöhte Wachsamkeit angesagt. Und dann gilt es einen Blick auf die Nachfolger zu werfen: Wo kommen sie her, was haben sie in ihrer Karriere vorzuweisen? Und wie agieren sie? Ich mache mir da tatsächlich auch ein persönliches Bild. Entweder gibt es vom neuen Unternehmen bereits den Mitschnitt eines Conference Calls, den ich mir anhören kann. Oder eine Unternehmenspräsentation auf einem Investors Day. Oder aber ich suche auf YouTube nach alten Interviews o.ä. dieser Personen. Und wenn ich das Gefühl habe, dass ich diesen Menschen mein Geld nicht anvertrauen möchte, ist das ein Verkaufsgrund.

Ich bin ja nirgends Großaktionär und kann im Hintergrund Einfluss auf die Besetzung wichtiger Positionen nehmen. Das unterscheidet mich dann stark von Warren Buffett. Mir bleibt nur, meine eigenen Konsequenzen zu ziehen. Denn wenn ich mich mit den neuen Managern nicht mehr wohl fühle, dann hat sich eine Grundannahme zu meinem Investment verändert. Und dann ist es Zeit zu verkaufen.

Verschlechtern sich die finanziellen Kennzahlen?

Ein Verkaufsanlass kann auch in den Kennzahlen des Unternehmens liegen. Und zwar des Unternehmens und nicht der Aktie. Dieser Punkt ist also unabhängig vom Aktienkurs und den entsprechenden Relationen. Es geht vielmehr um höhere Kosten für das Geschäftsmodell. Seien es Rohstoffe, Personal oder Zinsen – sie können sich deutlich erhöhen und dann für erheblich schlechtere Margen sorgen. Und schlechtere Margen senken den Gewinn bzw. den Free Cash Flow oder bremsen ein entsprechendes Wachstum. Wenn ich so etwas erkenne und als nicht vorübergehend einschätze, dann verändert sich womöglich mein Investmentcase. Dann habe ich es sukzessive nicht mehr mit einem margenstarken, wachsenden Unternehmen zu tun, sondern mit einem Unternehmen im Rückwärtsgang. Ich habe dafür keine Allgemeinformel, aber schaue mir die Kennzahlen regelmäßig an. Vor allem im Vergleich zu den Vorjahren, um Veränderungen zu erkennen.

Findet eine risikoerhöhende Übernahme statt?

Wenn das Unternehmen, an dem ich beteiligt bin, ein anderes Unternehmen kauft oder dafür ein Übernahmeangebot abgibt, wird „mein“ Management immer euphorisch darüber kommunizieren. Denn wenn es nicht selbst davon überzeugt wäre, würde es ja die Übernahme lassen. Diese Darstellung nehme ich zur Kenntnis, mache mir aber ein eigenes Bild.

Gerade bei großen Übernahmen ist es mir dann wichtig, möglichst viel über das andere Unternehmen zu lernen. Wenn ich das zu übernehmende Unternehmen noch nicht kenne, starte ich dann ungefähr so, als würde ich in eine neue Aktie investieren wollen. Mein Fokus liegt dann aber auch stark auf der Unternehmenskultur und der Frage, ob die beiden Unternehmen auch tatsächlich zusammenpassen. Denn nichts ist schlimmer als wenn 1 und 1 nicht 2, sondern nur 1,5 ergeben. Dann ist das für mich ein Verkaufsgrund.

Dazu mache ich mir immer klar, dass die Mehrheit aller Übernahmen nicht erfolgreich ist. Profiteure sind immer die Berater, die provisionsgetrieben nur verdienen, wenn es zu Übernahmen kommt. Und die Manager sind ja oftmals auch nicht mehr im Amt, wenn die Folgen einer gescheiterten Übernahme dann erst in einigen Jahren klar werden. Aber ich als Aktionär habe es auszubaden, wenn ich nicht vorher verkaufe. Deshalb habe ich keine Euphorie beim Lesen von Übernahmeankündigungen, sondern bin eher besorgt.

Anders ist das dann, wenn ich in ein großes Unternehmen investiert bin und es einen kleinen aufstrebenden Wettbewerber übernimmt. Dann ist der Kaufpreis zwar oftmals für sich betrachtet vergleichsweise hoch. Aber für die Zukunft des Unternehmens ist auch ein Scheitern gut verkraftbar. Und die Chancen auf einen Wachstumsimpuls sind durch solche kleineren Übernahmen durchaus gegeben.

Gibt es bessere Chancen bei anderen Unternehmen?

Ein weiterer Verkaufsgrund kann schließlich die Einschätzung sein, dass das Kapital womöglich bei einem anderen Unternehmen besser investiert ist.

Das ist der schwierigste Punkt hinsichtlich seiner Greifbarkeit. Denn dazu ist ja erst mal bei der Aktie selbst nichts festzustellen. Erst im Vergleich mit anderen Aktien und deren Bewertung bzw. Aussichten kommt er zum Tragen. Deshalb will ich ihn hier auch nicht zu weit ausführen. Aber zur Vollständigkeit gehört er natürlich. Bessere Chancen kann es bei Unternehmen der gleichen Branche geben, dann ist eine Vergleichbarkeit sogar leichter gegeben. Aber natürlich kann es auch sein, dass sich einfach Trends verschieben und deshalb in anderen Sektoren bessere Chancen bestehen. Nehmen wir rückblickend das Beispiel der Corona-Pandemie: Da war es lange Zeit nicht absehbar, wann sie enden würde. Und ein Investor in einen Reiseveranstalter hätte sicherlich gute Gründe gehabt, sein Investment zugunsten eines Impfstoffproduzenten zu überdenken.

Bei einer Dividendenkürzung werde ich kurzatmig

Das letzte Verkaufskriterium, das für mich relevant ist, ist eine Dividendenkürzung. Lange Zeit hatte ich das als „hartes“ Kriterium für mich definiert. Getreu dem Motto: Kürzt das Unternehmen die Dividende, kürze ich mein Engagement. Aber auch da hatte ich eine Lernkurve: es gibt Situationen, in denen einem Unternehmen einfach nichts anderes übrig bleibt. Das habe ich in der Corona-Zeit gelernt. Wo soll z.B. ein Flughafen Erträge erzielen, die er ausschütten kann, wenn der Flugverkehr lahm gelegt ist? Da muss ich dann tatsächlich fragen, was die Ursachen der Dividendenkürzung sind und ob das womöglich nur vorübergehend ist. Und meistens ist die Dividendenkürzung dann auch der letzte Schritt, weil der Aktienkurs bereits vorher schon deutlich gesunken ist. Wenn ich dann noch bewusst investiert bin, dann ändert daran auch eine Dividendenkürzung nichts mehr.

Von diesem relevanten Punkt abgesehen, ist eine überraschende Dividendenkürzung dann für mich aber weiterhin ein Anlass, einen Verkauf zu prüfen. Ist es z.B. eine Maßnahme eines neuen Managements, die hohe Ausschüttungsquote zu senken oder die komplette Abkehr von der bisherigen Dividendenpolitik, dann ist mein Investment-Case in Frage gestellt. Und dann kann das ein Verkaufsgrund sein. Nicht mehr zwingend, aber durchaus als wichtiger Baustein in einer Gesamtbetrachtung.

Fazit

Und das ist auch das Gemeinsame an allen Verkaufsgründen. In der Regel ist kein Grund für sich alleine stark genug, um isoliert für sich den Verkauf zu veranlassen. Es ist eigentlich immer ein Zusammenspiel. Ich habe dann schon länger Zweifel an der Richtigkeit meines Investments. Und dann kommt ein Ereignis hinzu, dass dann das Fass zum Überlaufen bringt. Dann verkaufe ich zwar wegen dieses Ereignisses. Das ist dann aber nur die Erklärung für den Zeitpunkt. Die Gründe selbst sind umfassender.

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17 Gedanken zu „Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Verkauf einer Aktie?“

  1. Lieber Ben,

    danke für die Inspiration über dieses Thema nachzudenken. Ich sehe das auch als wichtig an. Vor allem muss man lernen solche Dinge möglichst rational anzugehen. Keine Impulsverkäufe. Sondern auf Basis reiflicher Überlegung. Und man muss lernen danach nicht emotional zu werden, wenn dass Unternehmen auf einmal doch wieder nach oben dreht. Dennoch macht es Sinn, wieder möglichst rational, „Fehlentscheidungen“ zu analysieren und sich zu hinterfragen, um an der übergeordneten Strategie evtl. leicht nachzujustieren.

    Danke und beste Grüße,
    Chrischaan

  2. Hallo Ben,

    eine gute Zusammenfassung.
    Ich hatte einen SmallCap aus D, der stieg von 20 auf 60 € (fast 2% des Invests als „Spielposition“ gestartet). Keine Meldungen, keine Zahlen gaben es her. Also habe ich meinen Einsatz reduziert um den Kaufpreis und später weiter verringert, als der Wert stetig berab ging und bei 40€ war. (Überbewertet). Bei den derzeitigen IT-Kursen tat ich es nicht. Es spielte der deutsche Markt und die Größe des Unternehmens eine Rolle. Was nicht heißt, dass es Großen nicht genauso gehen kann. Dort bin ich aber geduldiger. Die 20%-Regelung hätte bei ASML oder LAM zum Verkauf verleiten müssen! Ich habe aber gekauft.
    Das kleine Unternehmen schüttete übrigens dieses Jahr über 10% Div netto auf den Einsatz aus. Fehler? Aus meiner Sicht nein. Obwohl ich an das Geschäftsmodell an sich glaube.

    Bei den Kennzahlen (Umsatz, Gewinn, CashFlow) würde ich nur ergänzen: Schaut Euch bitte die Historie an. Wenn das Unternehmen geteilt wurde, gilt: neu bewerten. Auf zu vielen Seiten sind diese Ereignisse nämlich nicht eingebucht. Auch Splits mit Div-Senkungen gehen oftmals unter (gilt auch für nasdaq.com). Hier hilft oft nur der Blick in die Investor-Seite des Unternehmens.

    Mit dem „gibt es bessere Unternehmen im selben Sektor“ hadere ich. Früher tat ich es und habe nichts gewonnen. Auch hier ist eine Neubewertung angebracht.

    Meine Strategie des Verkaufs könnte ich nicht erklären. Sie hängt aber immer von meiner Investmententscheidung ab, warum ich das Invest gekauft habe: Sicherheit, Sichere Dividende, Wachstum.
    Meine Situation erlaubt mir stetig Zukauf. Die Verkaufsentscheidung beim Aufbau eines Depots halte ich für deutlich wichtiger als in meiner Situation. Ich warne nur rein auf den Kurs zu schauen, denkt an „mit Sitzen“ verdient man Geld.

    Mein Börsenleben sagt mir: Große (!) Übernahmen tragen immer ein Risiko. Bei Managementwechsel, schaut Euch den Lebenslauf der neuen Kandidaten an. 20 Jahre Management ohne große Änderungen muss mit stabilem Wachstum einhergehen. Große (mehrfache) Ausschläge beim FCF (z.B. in 10 Jahren) deuten auf Probleme hin.

    Wie kommt Ihr zu einer Verkaufsentscheidung? Ich finde das Thema spannend.

  3. Hallo Ben,
    was ist eigentlich aus Taylor Wimpey geworden? War mal im DIV-Depot, ist es jetzt aber nicht mehr, aber bei Verkäufen taucht die Aktie auch nicht auf?
    BG, Matthias66

    1. Ja die Aktie hat er im April (oder war es Mai verkauft), leider wurde es nur als Randnotiz mitgeteilt. Ich hab auch schon nach den Beweggründen gefragt, da ich nicht weiß was ich übersehen habe. Für mich sah es eigentlich interessant aus, leicht sinkende Zinsen und anhaltender Boom nach Immobilien. Vllt kann Ben uns dazu nochmal seine Gedanken mitteilen.

  4. Ich vermute viele Meinungsüberschneidungen mit dem Börsen-Sharkey.

    Bei mir gab es in HJ1 zwei größere Verkäufe aus verschiedenen Gründen:
    a) Ich habe einen kleinen Teil Broadcom verkauft (bei +150%). Vor allem aus psychologischen Gründen: Es ist ein tolles Gefühl, mal einen satten Gewinn vom Markt mitzunehmen, da bleibt netto doch viel über.
    Der Rest liegt übrigens mittlerweile bei +200%, Wahnsinn…
    b) Pfizer: Hier habe ich sogar die ganze Position verkauft. Die Gründe waren vielfältig (auslaufende Patente, Kurs kommt nicht recht hoch, mein Anlagehorizont ist doch noch so lang, dass ich andere Mediziner anlegend favorisiere, aktuell: Intuitive Surgical und Moderna). Da ich andere große im Depot halte (Merck & Co., Amgen, Danaher, United Health, J&J) tut der Verkauf nur wenig weh.

    Ein Artikelimpuls von Ben kann immer nur eine Inspiration sein. Die Gründe für Verkäufe sind so vielfältig, dass jede/r seine/ihre eigene Entscheidung zu treffen hat.

  5. Hey,

    das Thema „Entsparpläne“ finde ich sehr spannen und Frage mich dann immer, wie die Freunde der ETF, das in der Auszahlphase ohne Aufregung hinbekommen wollen, vielleicht findet sich ja noch einer der das mal umsetzen.

    Ben du hast wieder sehr schön einige Aspekte in diesem Bereich zusammen gebracht und verständlich beschrieben, Danke schön.

    Ich versuche den Verkauf auf Grund eines hohen Markwertes zu vermeiden, da ich weniger auf Kurzgewinn setze sonder mehr auf Dividenden. wenn sich die Entwicklungen von Aktienkursen an sieht, habe ich das Gefühl eher einer Massenpanik beizuwohnen als einer Börse. Apple läuft so la la und dann sagen Sie KI kommt und nun müssen alle das neue iPhone kaufen und schon steigt der Kurs um 15%, meine Div steigt aber nur um 1 Cent, ich habe diese Position gekauft in der Hoffnung um eine gute Dividendenrendite in der Zukunft zuhaben, schauen wir mal ob die Rechnung aufgeht, zur Not habe ich ja hier einen starken Kursgewinn. Nach dem Kursgewinn schon heute ein Verkaufskandidat.
    Mir sind dann Inventionen wie Coke lieber, hier steigt seit Jahren meine Dividende und die Kursentwicklung ist auf „normalen“ Niveau. Buffett hortet nicht umsonst seine Geld, er findet keinen Kaufkandidaten nach seinen erfolgreichen Regeln und viele andere kaufen trotzdem, da wird es wohl später auch einige Verlierer geben.

    1. Hallo Andre,

      das „Entsparen“ von ETFs geht wie bei den Aktien. Man verkauft eine Position (Achtung: FIFO-Prinzip). Das kann monatlich, vierteljährlich oder sonstwie erfolgen. Hängt von den Größen und den Kosten ab.
      Was man dabei beachten muss: Der Gewinn wird versteuert. Habe ich 100€ Kursgewinn, werden erstmal 100€ angesetzt. Bei Aktien ETFs, reduziert sich diese Summe nochmal. Jedenfalls ist der Bruttowert nicht, was man ausgezahlt bekommt. Das übersehen viele.

      Nein, ich bin noch nicht so weit. ;)

      1. Hey BörsenHai,

        mir ist das schon bewusst, aber sagen wir mal du verkauft immer am 1. eines Quartals für 6000€, wenn nun aber immer diese Kurse danach hoch gehen, fängt das Individuum doch sich an Gedanken zu machen, besser doch am 30. verkaufen, was ist wenn du am Verkaufstag plötzlich der ETF 5% runtergeht, warten oder mehr verkaufen? Da es hier keinen Automatismus zur Zeit gibt, kann ich mir vorstellen, das man jeden Verkauf aufreibend empfinden kann oder sollte man umschichten in Anleihen. Nicht das die Entnahmen nachher mehr Nerven kostet als der Kauf :-)

        1. Hi Andre

          grundsätzlich gilt auch hier, dass man über die Zeit lernen sollte die Emotionen bestmöglich außen vor zu lassen. Wer das nicht schafft, für den dürfte es evtl. schwer werden mit ETFs viel zu erreichen, aber wahrscheinlich noch schwerer mit Einzelaktien.

          Und man muss sich auch manchmal der Größenordnungen bewusst werden. Wenn du von beispielhaft 6.000 EUR im Quartal sprichst, bedeutet dies ja 24.000 EUR im Jahr. Ich gehe mal von Nettowerten aus. Wenn man das mit Dividenden realisieren will, bedeuten das ca. 32.000 EUR Brutto. Selbst wenn du 3% aktuelle Dividendenrendite hast (nicht YoC), was schon ganz schön ordentlich wäre, dann benötigt man ein Depot > 1.000.000 EUR. Ich vermute mal, wer so viel angespart hat, der hat auch irgendwie gelernt mit seinen Emotionen umzugehen. Das schöne bei Entnahme durch Verkauf ist, dass ich für die 24.000 EUR Netto etwas weniger als 32.000 EUR Brutto benötige. Weil ja nur der Gewinn versteuert wird. :-)

          Ich glaube solche Fakten muss man sich immer wieder vor Augen führen um da resilienter gegen seine eigenen Emotionen zu werden.

          Aber da ich auch noch nicht dort bin (weder Alter noch Betrag), ist das nur eine Meinung und keine Erfahrung.

          Beste Grüße,
          Chrischaan

        2. Hallo Andre,

          wenn Dein Konstrukt so ausgelegt ist, dass Du auf die Auszahlungen angewiesen bist, ist es egal.
          Wie beim Einkauf ist auch der Monatstag des Verkaufstages möglicherweise wichtig. Wenn Du also Spielraum hast, schau Dir an, wann ETFs typischerweise fallen. Man (Hören-Sagen“) sagt ja um den 15 oder 20. des Monats sind ETFs günstiger einzukaufen um den Monatswechsel höher.

          Ich würde mir da keinen Kopf machen, da wir weder zum günstigsten Kurs einkaufen, noch zum Höchsten verkaufen. ;) Und ein Kurssturz zeichnet sich selten ab. Da muss man durch. Life is a game!
          Ich für mich habe entschieden, nicht in Anleihen zu investieren. Wobei „alle“ sagen am Arbeitsende ist „Sicherheit“ ist wichtig also umswitchen auf Anleihen.
          Sagen wir, jemand ist 65 Jahre alt und geht in Rente. Anleihen ca. 3%, Aktien ca. 8%. Nun ist schlicht die Frage, die jeder für sich entscheiden muss: Wie lange werde ich als Rentner leben? 5 Jahre, 10 Jahre, 20 Jahre?

          Wer auf Nummer sicher gehen will sollte Anleihen zeichnen. Das ist wie eine Versicherung. Jedes Jahr sichere x% Rückzahlung. Aber eben auch nicht mehr.
          Hier ist die individuelle Situation wichtig. Wer Grund und Boden hat, hat bereits sichere Zahlungen, der könnte risikohöher das Ganze angehen – wenn er der Typ ist.

          Ich würde wahrscheinlich einen bestimmten Betrag (des heutigen Kurses!) planen und wenn es 5% weniger ist, muss ich halt etwas sparen. Auf nen Kaffee verzichten, oder …
          Wenn die Auszahlung zur Deckung der Miete, Nebenkosten und dem täglichen Bedarf dient, würde ich wahrscheinlich mehr Auszahlen lassen und den Sparplan (wenn umsonst!) erhalten lassen. Klingt doof, aber am Anstieg partizipierst Du. Solche Schwankungen an einem Tag gibt es normalerweise nur bei Themen-ETFs. Und die sind für mich im (Renten-)Alter tabu.
          Das selbe Problem hättest Du übrigens mit Aktien auch. ;)

          So wie die Ansparphase muss auch die Entnahmephase geplant sein. Für die Entnahmephase brauchst Du halt Volumen. Mit 100000€ kommst Du nicht weit.

          1. An alle,

            auch wenn ich despektierlich „mit 100000 kommst Du nicht weit“, meinte ich, dass 100000 als einzige Renteneinnahme nicht genügt.
            Das soll niemanden davon abhalten, zumindest einen Grundstock über eine gesetzliche Rente hinaus zu haben. Es macht trotzdem ruhiger.

            1. @Börsenhai: Gute Punkte die du bringst.

              Beim Investment ist es wie bei allem, man muss anfangen. Und ob man am Ende 100.000 investiert hat oder 1.000.000 oder gar mehr, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Einkommen, selbstgenutzte Immobilie um vielleicht 2 der wichtigsten zu nennen oder auch spezielle Situationen die einem nicht erlauben viel zurückzulegen trotz gutem Einkommen (z.B. Krankheit in der Familie). Aber wichtig ist das Mindset sein überschüssiges Geld in Dinge zu verfrachten die für dich arbeiten und Erträge abwerfen und nicht Kosten erzeugen. Egal wieviel es ist.

              Und Umschichten in Anleihen zu Rentenbeginn im großen Stil würde ich ebenfalls nicht. Da sind ja gleich mal 25% des Gewinns weg. Und die Zinsen werden dann auch nochmal mit 25% besteuert (zumindest über 1.000/2.000 EUR pro Jahr). Da muss ja schon ordentlich rumpeln um das zu unterbieten. Und man möge sich mal das Renditedreieck des MSCI World ansehen. Da ist man eigentlich bis auf die Ausnahmejahre 2008 und 2009 immer nach 10 Jahren im Plus! Und die Lebenserwartung heute ist ja als Renter durchaus noch 20-25 Jahre. Es soll ja Börsenomas gegeben haben, die erst mit Renteneintritt so richtig losgelegt haben.

              1. ja lieber Chrischaan,
                die legendäre Beate Sander, möge sie in Frieden ruhen.
                Wer sie noch nicht kennt: Zieht Euch die youtube-Videos mit ihr rein, da gibt es viel zu lernen, viel Inspiration.
                Chrischaan, in deinem Post sprichst du Elementares an:
                Die meisten Menschen haben noch nicht richtig den Unterschied zwischen Sparen und Investieren verstanden. Rich Dad – Poor Dad – Autor hat es uns aufgezeigt, was es heißt, in Vermögen zu investieren: Dinge, die dir Geld in dein Portemonnaie bringen.
                Ein Jammer, dass viele entweder
                a) das nicht verstehen/wissen (Können) oder
                b) sich dagegen sperren (Wollen)
                Verhaltensweisen, die ich – unabhängig von akademischen Grad, Beruf, Branche oder Alter oder Geschlecht – überall antreffe, leider.
                Bei mir liegt mittlerweile ein kontinuierlicher Div-Strom vor, den ich überwiegend reinvestiere, zusätzlich zu Gespartem. Wo das – sofern ich eine Einzahlungsreihe von nicht unter 10 Jahren – noch vor mir habe, können wir alle absehen, in bescheidenes Vermögen. So möchte man gerne alt werden ;-)
                Erlebt eine gute Woche!

              2. Hallo Chrisaan,

                Danke für die Blumen. :) Und Du hast Recht: egal wieviel, Hauptsache man hat Plan B auf dem Konto.

                Man hat ein falsches Verständnis von Lebenserwartung. Diese statistische Zahl wird nach Geburtsjahr erhoben. Der Anstieg der Lebenserwartung hängt von Kindersterblichkeit und Gefahren im Leben (z.B. Beruf) ab.
                Beispiel: 1980 geboren männlich ist die Lebenserwartung:
                haltet Euch fest: 69,6 Jahre (Quelle: statista)
                Zugegeben, mit steigenden Alter steigt die persönliche (!) Lebenserwartung.

                Die Lebenserwartung ist eher etwas für die Versicherungsbranche. Was für die Kalkulation wichtiger ist: das durchschnittliche Sterbedatum. Da liegen wir heute bei ca. 78 Jahren. Also 11 Jahre nach der Rente. ;)

                Also 15 Jahre sollten es schon sein, die man kalkuliert. Wird man älter, erben die Erben halt nix.

                1. Hallo Börsenhai,

                  eine sehr interessante Statistik, die mich erschreckt hat. Leider kann man bei Statista keine weiteren Details hierzu entnehmen. Als Arbeitnehmer in der Versicherungsbranche liefert mir unser Tool auf Basis der aktuellen Sterbetafeln für einen heute 44 jährigen Mann (Geburtsjahrgang 1980) eine restliche Lebenserwartung von knapp 42 Jahren, wird also grob 86 Jahre alt. Dies deckt sich ganz grob mit einer weiteren Statistik von Statista:
                  https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?sequenz=tabelleErgebnis&selectionname=12621-0002&zeitscheiben=16&sachmerkmal=ALT577&sachschluessel=ALTVOLL000,ALTVOLL020,ALTVOLL040,ALTVOLL060,ALTVOLL065,ALTVOLL080#abreadcrumb

                  bzw. falls der Link nicht funktioniert: „Durchschnittliche Lebenserwartung nach Geschlecht und vollendetem Alter“: Hier werden 39 Jahre für einen heute 40-jährigen bzw. 18 Jahre für einen heute 65-jährigen, also auch eher in Richtung >80 als bei knapp 70Jahre.

                  Für meine persönliche Finanzplanung sind mir die Zahlen aber egal, denn ein Kapitalverzehr ist nicht vorgesehen.

                  1. Hallo Stefan,

                    je älter man wird, desto höher wird die Lebenserwartung. Deswegen ist diese Zahl „Lebenserwartung“ ein Trugschluß.
                    Je älter desto mehr Risiken sind außen vor (Fallschirm, Motorrad, etc.). Für eine Versicherung heist es immer, auf der sicheren Seite zu sein. ;) das ist ihr Geschäft und nicht verwerflich.

                    Ich gebe Dir Recht, dass die Statistik keine zusätzlichen Zahlen bietet. Welche Annahmen wurden getroffen, etc. Es war eigentlich nur gedacht, Chrischaan klar zu machen, dass die „heutigen“ Zahlen der Lebenserwartung nicht für Ältere gilt.

                    Übrigens: Älter werden, will jeder, aber alt werden, will niemand! ;)

  6. Wichtig ist immer auch der Blick auf die Branche oder die Peergroup. Wenn die Branche 20 % verliert und die Aktie, über die zum Verkauf nachgedacht wird, nur 10% verliert , könnte man eher über Nachkauf nachdenken, wenn die Branche als gesetzt gilt.

    Für mich hat sich die Marke von -30% bewährt. Die Leine ist wirklich lang genug
    und bei minus 30 % zu meinem mit Bedacht gewählten Einstand ist schon kritisch und wer dann doch noch nach Norden dreht braucht auch ewig , bis er mal beim Einstand ist. Zeit ist auch Geld.
    Den Verkauf von Walgreens vor etwa 1,5 Jahren hab ich nie bereut.
    Ansonsten auch gerne mal Teilgewinnmitnahmen. Cisco und JJ habe ich wegen zu geringer Dynamik bewusst reduziert und von vorn nach hinten im Depot verschoben.
    Und man muss sich sicher sein, ob die Aktien die man dann neu kauft, auch wirklich besser sind als die zu verkaufenden.
    Aber spannendes Thema und Glück braucht es auch

    Schöne Urlaubsgrüsse

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