Ein bißchen verrückt erscheint es mir selbst: Da halbiert ein Unternehmen in meinem Depot die Dividende und ich bin total entspannt und denke über einen Nachkauf nach. Und ein anderes Unternehmen erhöht seine Dividende um 2% und ich bin enttäuscht und plane den Ausstieg.
Aber genau das zeigt, dass es für mich keinen Sinn hat, strikt nach festen Regeln zu handeln und nur schwarz oder weiß zu akzeptieren. Natürlich ist eine Dividendenkürzung erst mal ein Alarmsignal. Aber es lohnt ein tieferer Blick hinter die Kulissen.
War die vorherige Dividende womöglich außergewöhnlich hoch oder gibt es temporäre Gründe für die Kürzung?
Warum meine Analyse hier positiv ausgefallen ist und welche Perspektiven ich für die nähere Zukunft sehe, erfährst Du in diesem Beitrag.
2022 bin ich erstmals in die Fortescue Metals Group eingestiegen. Mich hat das Geschäftsmodell als australischer Eisenerzförderer mit Transformation zum grünen Wasserstoff überzeugt. Hier habe ich die Aktie ausführlich vorgestellt.
Nach dem Einstieg habe ich mehrfach nachgekauft und zudem wiederholt die Dividendenzahlungen reinvestiert. Nachdem ich in den letzten drei Jahren in jedem Jahr zugekauft habe, stehe ich in diesem Jahr (noch?) an der Seitenlinie.
Der Aktienchart selbst ist stark vom Eisenerzpreis abhängig, der wiederum von der Nachfrage aus China bestimmt wird:

Dividendenzahlung
Die Fortescue Metals Group (FMG) zahlt nun ihre Zwischendividende. Prinzipiell zahlt sie zweimal im Jahr aus, im März gibt es eine Zwischendividende und im September/Oktober dann die Schlussdividende.
Die FMG zahlt in diesem Jahr eine Zwischendividende von 0,50 AUD je Aktie. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr (1,08 AUD) und entspricht einer Senkung um 53,7%.
Für die nun 224 Aktien in meinen Depots (216 bei maxblue, 8 bei flatex) ergibt die Zwischendividende eine Brutto-Dividende von 112,00 AUD. Sie wurde von maxblue zum Kurs von 1,7165 in Euro umgerechnet, bei flatex erhielt ich einen Wechselkurs von 1,7077. Nach Abzug der Steuern verbleibt in der Addition eine Netto-Dividende von 48,05 €. Die Dividende wurde von flatex mit Wertstellung 27.03.2025 überwiesen, bei maxblue erfolgt die Wertstellung am 31.03.2025.


Das Errechnen der Dividendenrendite hat leider etwas von Kaffeesatzleserei. Denn eine Prognose für die Schlussdividende zu machen, halte ich für sehr schwierig. Deshalb versuche ich es mit 2 Rechnungen: Einmal mit der zuletzt gezahlten Schlussdividende von 0,89 AUD. Dann würde die Dividende in der Addition 1,39 AUD betragen. Das ergibt dann bei einem Aktienkurs von 16,21 AUD (Schlusskurs am 27.03. – dem Tag der Dividendenzahlung) eine optimistische Dividendenrendite von 8,6%. Unterstelle ich jedoch, dass die Schlussdividende in gleicher Weise wie die Zwischendividende gesenkt wird, dann beträgt sie nur 0,41 AUD und die in 2025 gezahlte Dividende eben nur 0,91 AUD. Diese vorsichtige Dividendenrendite beträgt dann 5,6%.
Zur Berechnung meiner persönlichen Dividendenrendite (Yield on Cost) nehme ich den Einstandspreis von 2.935,03 € und rechne die beiden potentiellen Jahresdividenden mit dem EZB-Umrechnungskurs vom 26.03.2025 (1,7077) um. Bei 1,39 AUD Jahresdividende entspricht das 182,33 € brutto und bei 0,91 AUD 119,37 €. Das ergibt dann entweder einen YoC von 6,2% oder einen YoC von 4,1%. Der wahre Wert steht erst mit der Schlussdividende im Herbst fest.
Perspektiven
Bisher hatte ich ja immer rund um die Dividendenzahlung von Fortescue nachgekauft. Bei den letzten drei Dividendenzahlungen war es jeweils die Dividende selbst, die ich reinvestierte. Bei dieser Dividende nun habe ich erstmals nicht gekauft.
Zunächst war es ein ganz praktischer Grund: Durch die Dividendenkürzung ist die Dividendensumme so niedrig, dass sich ein Kauf für mich nur bei Trade Republic lohnen würde. Dort habe ich zuletzt aber schlechte Erfahrungen mit australischen Dividenden gemacht, da mir dort eine Quellensteuer berechnet wurde, die gar nicht erhoben wurde. Und für einen Depotübertrag verlangt Trade Republic inzwischen die Erstattung etwaig anfallender Gebühren der Verwahrstelle. Deshalb ist das für mich keine Option mehr.
Jetzt einen größeren Betrag investieren wollte ich aber auch nicht. Denn die Situation ist doch etwas unübersichtlich. Das Ergebnis von Fortescue steht und fällt bekanntlich mit dem Eisenerzpreis. Und er ist wiederum von der Stahlproduktion in China maßgeblich beeinflusst.
Die größte Unsicherheit kommt derzeit aber von Seiten der neuen US-Regierung. Donald Trump hat einen Zoll von 10% auf chinesische Importe angekündigt. Das hat direkt zu einem Rückgang des Eisenerzpreises geführt.
Im vergangenen Jahr ist der Eisenerzpreis bereits um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Hintergrund dafür sind wirtschaftliche Schwierigkeiten in China und die Krise im Immobiliensektor. Die Zolldrohungen gefährden nun einen leichten Aufwärtstrend des Eisenerzpreises in diesem Jahr. Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung in China wurden hier im Keim erstickt.
Zudem besteht die Gefahr, dass die Zolldrohungen Trumps nicht nur die Metallmärkte, sondern auch die wirtschaftliche Erholung der USA beeinträchtigen. Und das hätte wiederum Auswirkungen auf die globale Nachfrage nach Eisenerz.
Insgesamt besteht deshalb eine große Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Und diese Unsicherheit kommt aus meiner Sicht dann auch in der zurückhaltenden Zwischendividende von Fortescue zum Ausdruck.
Mit dieser Dividende schüttet Fortescue rund 65% des Nachsteuer-Nettogewinns des 1. Halbjahres des Geschäftsjahres aus. Das bewegt sich in der Höhe der Vorjahre. Der Gewinn je Aktie lag im 1. Halbjahr bei 0,76 AUD, ein Minus von 54%.
Insgesamt erzielte Fortescue im 1. Halbjahr einen Umsatz von 7,6 Mrd. US$, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahreshalbjahr von 21% entspricht. Daran sieht man gut, wie stark der Gewinn bei einem höheren Eisenerzpreis steigt. Denn die Kosten bleiben ja überwiegend unverändert, so dass höhere Erlöse deutlich in die Gewinne laufen können.
Die Produktion selbst hatte Fortescue weiter steigern können. So wurde 13% mehr Erz abgebaut, aber am Ende nur 2% mehr verkauft. Hier setzt Fortescue offenbar auf steigende Preise und hat einen gewissen Lagerbestand aufgebaut.
Der durchschnittliche Preis, zu dem Fortescue verkaufen konnte, reduzierte sich um 21% von 108,19 US$ auf 85,24 US$ je Tonne. Trotz weiterer Kostensteigerungen von 8% konnte Fortescue mit 19,17 US$ je Tonne weiterhin vergleichsweise günstig produzieren.
Der deutlich niedrigere Gewinn zeigt sich auch in der Verschuldungssituation. Nachdem in den letzten Jahren kaum Nettoschulden vorhanden waren, ist die Position zum Ende des Halbjahres (31.12.2024) auf 2,0 Mrd. US$ angewachsen. Trotzdem ist die Verschuldungsquote immer noch sehr niedrig und komfortabel.
Mein Investment-Case ist prinzipiell noch intakt: Ich habe die Aktien seinerzeit gekauft, um zunächst hohe Dividenden zu kassieren und meinen Einsatz nach rund 10 Jahren wieder herauszubekommen. In dieser Zeit soll das Unternehmen die nicht ausgeschütteten Gewinne zur Transformation in grünes Unternehmen verwenden.
Auf diesem Weg befindet sich Fortescue weiterhin. Aber natürlich müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden. So ist die Prognose für das Gesamtjahr, dass 500 Mio. US$ in grüne Energie-Projekte investiert werden sollten, auf 400 Mio. US$ reduziert worden. Für mich ist die Prognosereduktion um 20% nachvollziehbar. Denn es war ja nicht das Ziel, hier neue Schulden aufzunehmen, sondern Gewinne zukunftsweisend zu investieren.
Das Fortescue-Management weist aber auch hier auf Unsicherheiten hin. Dazu zählt die Trump-Regierung, die Zuschüsse aussetzen will, die stockende Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie III in Europa und Unklarheiten vor Wahlen, die u.a. in diesem Jahr in Australien stattfinden. Deshalb werden die Zeitpläne für die grünen Projekt auf den Prüfstand gestellt.
Für mich ist das ein weiterer wichtiger Aspekt, warum ich derzeit keinen Nachkauf vornehme. Denn es fehlt mir die Klarheit und Sicherheit, dass hier entsprechend weitergearbeitet wird. Sollte sich Fortescue stattdessen zu einem reinen Minenunternehmen zurückentwickeln, dann kann ich das zwar nicht ändern. Aber es wäre dann nicht mehr das Richtige für mein Depot.
Denn an sich mag ich die Volatilität von Rohstoffpreisen nicht. Sie sind schon für produzierende Unternehmen in meinem Depot relevant, da sie die Einkaufspreise bestimmen. Zusätzliche Abhängigkeit von etwas, was ich nicht einschätzen kann, benötige ich nicht. Und anders als z.B. bei dem knappen Rohstoff Gold gibt es genug Eisenerz in der Erde.
Deshalb steht Fortescue bei mir aktuell „nur“ auf Halten. Das ist für mich entspannt, da ich auch erst rund 3.000 € investiert habe und knapp 500 € als Dividenden bereits zurückerhalten habe. So kann ich einfach schauen, wie sich die Rahmenbedingungen entwickeln. Und wenn Fortescue selbst wieder klarer in die grüne Zukunft blickt, dann kann ich immer noch die bis dahin erhaltenen Dividenden auf einen Schlag zum Kauf weiterer Anteile nutzen.
Mit einem Depotanteil von nur noch 0,4% ist Fortescue für mich eine Nebenposition. Sie läuft jetzt erst mal so mit und in einem halben Jahr werde ich anlässlich der Schlussdividende neu entscheiden, wie ich mich positioniere.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Fortescue Metals Group |
| ISIN: | AU000000FMG4 |
| Im Divantis-Depot seit: | 06.06.2022 |
| Letzter Nachkauf am: | 29.08.2024 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 224 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 13,10 € |
| Gesamtkaufpreis: | 2.935,03 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 523,73 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividenden reinvestieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| FY25 Half Year Results Announcement |


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