Das Unternehmen ist noch nicht ganz 2 Jahre börsennotiert. Und das merkt man vor allem am Aktienkurs, der immer noch auf der Suche nach der richtigen Bewertung scheint.
Die Volatilität ist entsprechend hoch und das obwohl das Geschäftsmodell eigentlich dagegen spricht. Denn das starke Markenportfolio und viele Stammkunden sorgen für relativ gut planbare Umsätze.
Aber noch immer schwingt eine gewisse Skepsis mit. Denn bei dem Unternehmen aus der Gesundheitsbranche handelt es sich um eine frühere Sparte eines Großkonzerns. Und wenn dieser sich von dem Zweig entledigt, wird er ja wohl seine Gründe dafür haben…
Warum ich genau darin eine große Investmentchance sehe, habe ich bereits mehrfach beschrieben. Und interessanterweise gibt es immer wieder neue Einstiegsgelegenheiten.
Nun könnte es aber bald damit vorbei sein, denn ein aktivistischer Aktionär hat eine Beteiligung erworben und sorgt nun für Druck auf dem Kessel.
Wie ich die Perspektiven nun einschätze, erfährst Du in diesem Beitrag.
Kenvue (KVUE) ist die ehemalige Verbraucherproduktesparte von Johnson & Johnson. Das neue Unternehmen habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Kenvue kam zunächst mit relativ wenig Free Float an die Börse und entwickelte sich mit Kursen von über 27 US$ sehr gut. Nach dem Split-off waren dann hohe Stückzahlen verfügbar und der Kurs legte den Rückwärtsgang ein. Ich habe stetig zugekauft, in der Regel kleine Stückzahlen. Im Juni 2024 erreichte ich dann die runde Stückzahl von 200 Aktien und zahlte für den letzten Nachkauf 18,73 US$. Von August bis November 2024 stieg der Aktienkurs dann fulminant bis 24 US$ an. Jedoch nur, um dann innerhalb weniger Wochen wieder unter 20 US$ zu fallen. Davon hat er sich zuletzt wieder erholt. Das stetige Auf und Ab ist auf dem Chart gut erkennbar:

In der immer noch kurzen Börsenhistorie liegt das Allzeithoch bei 27,80 US$ im Mai 2023 und das Allzeittief bei 17,70 US$ im Juli 2024.
Dividende
Kenvue zahlt erneut eine Quartalsdividende von 0,205 US$ je Aktie. Dividendenberechtigt in meinem Depot sind 200 Aktien. Ich erhalte damit eine Brutto-Dividende von 41,00 US$. Die Kenvue-Aktien lagern in meinem US-Depot bei tastytrade. Dort werden mir als deutschem Anleger 15% Quellensteuer abgezogen, um die Versteuerung der Dividende in Deutschland muss ich mich dann selber kümmern. Tastytrade zahlt mir also eine Netto-Dividende von 34,85 US$ aus.
Die Abrechnung stellt Tastytrade erst im Monatskontoauszug zur Verfügung, der wiederum erst in der 2. Woche des Monats ins Postfach eingestellt wird. Deshalb ersatzweise zur Symbolisierung die letzte Dividendenabrechnung, die inhaltlich identisch zur diesmaligen Abrechnung ist:

Die Berechnung für die deutsche Steuer sieht so aus: Der Referenzkurs der EZB lag am 26.02.2025 bei 1,0487. Die Bruttodividende von 41,00 US$ beträgt also 39,10 €. Die Kapitalertragsteuer darauf beträgt 25%, das sind 9,77 €. Darauf angerechnet wird die Quellensteuer (5,86 €), so dass die Bemessungsgrundlage für den Solidaritätszuschlag bei 3,91 € liegt. Davon werden 5,5% berechnet, das sind 0,21 €. Im Ergebnis lautet die Rechnung damit:
39,10 € Brutto-Dividende
-9,77 € Kapitalertragsteuer
-0,21 € Solidaritätszuschlag
= 29,12 € Netto-Dividende
Meine steuerliche Netto-Dividende beträgt damit 29,12 €.
Annualisiere ich die Quartalsdividende, dann zahlt Kenvue eine Jahresdividende von 0,82 US$. Bei einem Aktienkurs von 23,22 US$ (Schlusskurs am Dividendenzahltag) ergibt das eine Dividendenrendite von 3,5%. Mangels belastbarer Historie ist aber nicht sicher, ob die Quartalsdividende auch im nächsten Jahr wieder erhöht wird und die tatsächliche Dividendenrendite bei einem heutigen Kauf damit sogar noch höher liegt.
Durch den zwischenzeitlichen Kursanstieg ist meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) inzwischen etwas höher als die aktuelle Dividendenrendite. Ich habe 4.299,44 € für die 200 Aktien bezahlt. Würde die Brutto-Dividende von 39,10 € im Quartal viermal bezahlt, erhielte ich 156,40 € für ein volles Jahr. Das entspricht einem YoC von 3,6%. Da ich die Aktien ja in einem US-Depot liegen habe und die Dividenden in US-Dollar erhalte, kann ich auch einen YoC rein auf US-Dollar-Basis berechnen. Mein Original-Einstand liegt bei 4.790,40 US$. Darauf erhalte ich innerhalb eines Jahres eine Brutto-Dividende von 164 US$. Das entspricht einem YoC von 3,42%. Mein Vorteil kommt somit derzeit ausschließlich durch den starken US-Dollar zu Stande.
Perspektive
Starboard Value ist ein US-amerikanischer Hedgefonds, der nach eigenen Angaben in stark unterbewertete Unternehmen investiert. Er verfolgt das Ziel, nach seinem Investment durch aktives Besetzen von Mandaten seinen Einfluss zu erhöhen und den Unternehmenswert zu steigern.
Dieser Investor hat nun Kenvue analysiert und eine durchaus lesenswerte Präsentation dazu veröffentlicht. In ihr werden die Marken von Kenvue mit denen von Colgate-Palmolive, Haleon, Procter & Gamble, Church & Dwight, Clorox und Kimberly Clark verglichen. Und jeweils – kaum verwunderlich, denn sonst hätten sie nicht investiert – für stärker und besser gewertet.
Zur Begründung wird vor allem angeführt, dass Kenvue in den Sektoren seiner Marken weniger Wettbewerb durch Handelsmarken erfährt. Während z.B. bei Kimberly-Clark 18% Marktanteil durch solche Handelsmarken besetzt sind, sind es bei Kenvue nur 6%.
Und schließlich sei das Wachstum der Märkte, in denen sich Kenvue befinde, deutlich höher als bei den anderen Unternehmen.
Aus Sicht von Starboard nicht akzeptabel sei deshalb, dass Kenvue die niedrigste Bewertung in der Vergleichsgruppe habe.

Als Grund für diese niedrige Bewertung, die sich auch im unterdurchschnittlichen Aktienkurs spiegelt, sieht Starboard das niedrige organische Wachstum von Kenvue. Es liege von 2023 bis 2026 durchschnittlich nur bei 3,3% p.a., während z.B. eine Colgate-Palmolive auf 5,5% komme.
Nachdem sich Kenvue in 3 Märkten aufgestellt hat, gelte der Bereich „Skin Health and Beauty“ mit 1,8% organischem Wachstum als der Problembereich. Der Hedgefonds sieht das schwache Marketing als Hauptursache für diese Underperformance und fordert das Kenvue-Management auf, hier aktiver zu werden. Dann sei eine deutlich höhere Bewertung möglich.
Um seinen Anspruch zu unterstreichen, hat Starboard 4 Kandidaten für Kenvues Board of Directors nominiert. Über den Antrag wird auf dem nächsten Annual General Meeting entschieden. Ein genauer Termin ist dafür noch nicht veröffentlicht.
Kenvue selbst hat die Forderung zurückgewiesen und will auf dem bisherigen Weg weitermachen. Zuletzt wurden die Ergebnisse des 4. Quartals und damit auch des gesamten Geschäftsjahres 2024 berichtet.
Im Gesamtjahr 2024 stieg der Umsatz demnach organisch um 1,5%, während er netto nur 0,1% zulegte. Die Bruttomarge legte um 2%-Punkte auf 58,0% zu, so dass ein Gewinn je Aktie von 0,54 US$ (2023: 0,90 US$) erzielt werden konnte. Nach Anpassungen lag er bei 1,14 US$ (2023: 1,29 US$).
Deutlich gestiegen ist der Zinsaufwand (von 250 Mio. US$ auf 378 US$) in 2024. Das gilt es zu beobachten, da ich für 2025 in den USA nicht mit einem sinkenden Zinsniveau rechne. Und auch die Steuerquote stieg an, da sich Umsätze in höher besteuerte Regionen verschoben.
Ich sehe in dem Gewinnrückgang allerdings keinen Grund zur Beunruhigung. Die Werte von 2023 waren ohnehin nur Pro-Forma und beinhalten eben noch Zeiten vor der Eigenständigkeit. Die Werte von 2024 sind nun die Basis für die folgenden Quartalszahlen und darin wird sich das Management messen lassen müssen.
Entsprechend vorsichtig plant das Management seine Prognose und geht für 2025 von einem organischen Wachstum von 2-4% aus. Angesichts von 3% Gegenwind aufgrund von Währungseinflüssen soll sich der Nettoumsatz entsprechend zwischen -1% und +1% bewegen.
Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 0 und 2% steigen, da mit einer mittleren einstelligen negativen Währungsentwicklung geplant wird.
Vermutlich ist das noch nicht das, was sich Starboard Value für Kenvue erwartet. Und deshalb gehe ich auch davon aus, dass wir noch mehr von dem Hedgefonds hören werden.
Als Aktionär von Kenvue freue ich mich ehrlich gesagt darüber. Denn wenn Starboard die Potenziale von Kenvue adressiert, dann steigert das auch meinen Depotwert. Und meine Analyse von Kenvue war sicherlich nicht so tiefgründig wie die von den Starboard-Analysten. Aber mir war immer klar, dass Kenvue im Branchenvergleich niedrig bewertet ist und über starke Marken verfügt.
Für mich selbst bleibt es zunächst bei den 200 Aktien im Depot. Allerdings würde ich bei einem erneuten Kursrückgang unter 20 US$ dann doch noch mal nachlegen. Denn dann ist ein Aufwärtspotenzial selbst ohne Verbesserung des Wachstums erkennbar.
Aktuell beträgt das Depotgewicht 0,84% und darf ruhig auch mit einer 1 vor dem Komma beginnen. Vor allem, weil ich aus der Peer Group ansonsten nur noch Procter & Gamble (3,07%) und L’Oréal (1,11%) im Depot habe. Das sind insgesamt gerade einmal 5,0% für einen Bereich, den ich zu den Basisinvestments eines Dividendendepots zähle.
Aber insgesamt bin ich sehr entspannt bei Kenvue. Ich habe keinen Nachkaufdruck und überbewertet ist die Aktie auch nicht. Es ist ein Titel, den ich einfach liegen lasse und weiß, dass ich bei niedrigeren Kursen ohne Zögern investieren kann. So gefällt mir das!
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Kenvue Inc. |
| ISIN: | US49177J1025 |
| Im Divantis-Depot seit: | 18.07.2023 |
| Letzter Nachkauf am: | 25.06.2024 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 200 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 21,50 € |
| Gesamtkaufpreis: | 4.299,44 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 273,31 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |


Kommentar verfassen