Was Dich hier erwartet:
Wenn ich mich mit einer Aktie wirklich intensiv beschäftige, dann schaue ich mir die gesamte Börsenhistorie an: Welche Story wurde beim Börsengang vermittelt? Wie wurde in der Folge kommuniziert? Gab es ad-hoc-Meldungen? Wie verliefen die Hauptversammlungen? Es gibt viele Punkte, die es sich wie ein Puzzle zu einem umfassenden Bild zusammensetzen lassen. Und am Ende traue ich mir dann eine Einschätzung zu, die es mir ermöglicht, neue Unternehmensnachrichten in den Kontext einzuordnen und zu bewerten.
Herausfordernder wird es allerdings dann, wenn eine Aktie ein Delisting erfahren musste und die Kommunikation komplett zurückgefahren wird. Und Analysten ihr Research einstellen und die Hauptinformationsquelle die Einberufung der Hauptversammlung ist. Denn dann muss der Geschäftsbericht veröffentlicht werden und er bietet in der Regel die Informationen, die man bei einem börsennotierten Unternehmen unterjährig erhalten würde.
Nun ist genau diese Veröffentlichung bei einem meiner höher gewichteten Depotwerte erfolgt und ich nutze die Gelegenheit, mich bereits jetzt damit auseinanderzusetzen.
In diesem Beitrag erfährst Du, ob der Geschäftsbericht meine Erwartungen getroffen hat und ob ich weiterhin auf der Käuferseite der Aktie stehe.
Die DFV Deutsche Familienversicherung AG habe ich erst im letzten Jahr nach dem Besuch der Hauptversammlung ins Depot genommen und die Story hier ausführlich vorgestellt. Aus verschiedenen Gründen habe ich ein Potenzial der Aktie nach ihrem Delisting erkannt und seitdem regelmäßig zugekauft.
Bei der Vorstellung im August 2025 lag der Aktienkurs bei 6,20 €. Er hat sich seitdem stetig nach Oben entwickelt, allerdings immer getrieben von einer leicht steigenden Geldseite. Der Spread (Differenz zwischen Geld- und Briefkurs) liegt kontinuierlich bei 0,20 bis 0,40 €. Bei Veröffentlichung der Einladung zur Hauptversammlung am 22. April 2026 lag der Aktienkurs bei 6,80 € (Geld) – 7,20 € (Brief).
Daraus wird schon deutlich, dass es sich um einen marktengen Wert handelt. Um die gewünschte Stückzahl zu kaufen, ist man auf den Briefkurs angewiesen. Zu ihm erhält man dann auch eine Ausführung, aber meist nur für 100 bis 300 Aktien. Man kann sich mit einer Order aber auch auf die Geldseite an der Börse Hamburg legen. Dann erhält man bei einem entsprechenden Umsatz jedoch in der Regel nur eine Teilausführung, weil dort alle Geldorders mit identischem Limit anteilig ausgeführt werden.
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Ich halte Aktien der DFV Deutsche Familienversicherung AG, weshalb dieser Beitrag nicht als objektiv zu werten ist. Er ist durch die Anlegerbrille gefärbt. Ich habe ein Eigeninteresse daran, einen möglichst hohen Erlös aus meinem Investment zu erzielen. Insbesondere ist dieser Beitrag keine Anlageempfehlung oder Anlageberatung. Er dient ausschließlich der Unterhaltung und hat den Zweck, Wissen über Vorgänge an der Börse zu vermitteln.
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Geschäftsergebnisse 2025
Der Vorstand der DFV Deutsche Familienversicherung hatte für 2025 mit einem Ergebnis vor Steuern von 5 bis 8 Mio. € geplant. Herausgekommen sind nun 10,1 Mio. €. Damit ist nach einem Verlust von 11,8 Mio. € im Vorjahr der Turn-around eindrucksvoll gelungen. Wobei der Vorjahresverlust ja vor allem aus einer Umstellung in der Bilanzierung (von IFRS zu HGB) stammt und schon als Einmaleffekt im Zusammenhang mit dem Delisting deklariert war.
Gespeist wurde das Ergebnis von einem stärker als erwarteten Neugeschäft. Vorgesehen war ein Volumen von 11 Mio. bis 12 Mio. €, erreicht wurden 12,4 Mio. €. Direkt ergebniswirksam waren dann aber auch Beitragserhöhungen im Bestand. Sie führten zu einem Anstieg des Neu- und Mehrgeschäftsvolumens in der Erstversicherung auf 25,7 Mio. €, womit das Vorjahr (19,7 Mio. €) deutlich übertroffen wurde.
Die Beitragseinnahmen wuchsen um 3,0% (von 198,4 Mio. € auf 204,3 Mio. €).
Dividendenvorschlag
Vom Jahresergebnis sollen 4,3 Mio. € den Gewinnrücklagen zugeführt werden und 5,0 Mio. € als Dividende ausgeschüttet werden. Das entspricht einer Dividende von 0,34 € je Aktie!
In meiner Vorstellung im letzten Jahr hatte ich „eine Dividende von 0,35 € als realistisch“ bezeichnet. Mit dem Dividendenvorschlag liegt die DFV nun 1 Cent darunter. Angesichts der Ankündigung, eine Vollausschüttung des Gewinns zu planen und des höher als geplanten Gewinns, könnte man nun enttäuscht sein.
Im Sinne einer nachhaltigen positiven Entwicklung ist die teilweise Gewinnthesaurierung aber die richtige Entscheidung. So bleibt ein Teil des Gewinns im Unternehmen und kann dort für uns Aktionäre weiterarbeiten.
Und da es sich um die erste Dividendenzahlung im 20. Jahr der Unternehmensgeschichte handelt, sind 0,34 € auch ein guter Start. Ich habe die klare Erwartung, dass es keine einmalige Dividendenzahlung bleibt, sondern auch in den nächsten Jahren Gewinne erzielt und Dividenden bezahlt werden.
Aktionärsstruktur und Streubesitz
Keine Veränderung gab es an der Aktionärsstruktur. Allerdings – und das ist durchaus eine Nachricht – hat der Großaktionär Luca Pesarini seine Beteiligung weiter ausgebaut.

Sein Anteil legte im Jahr 2025 von 39,50% auf 40,42% zu. Bei meiner Vorstellung im August war ich noch von einem Anteil von 39,85% ausgegangen.
Das ist aus zwei Aspekten spannend: der Streubesitz ist weiter zurückgegangen und liegt nun nur noch bei 6,61%. Aber vor allem ist nun auch klar, wer in den letzten Monate die große Geldseite an der Börse Hamburg war und wohl auch weiterhin ist. Die Anteilsaufstockung entspricht ca. 134.000 Aktien. Angesichts der geringen Börsenumsätze entspricht das ungefähr 50-60% des gesamten Börsenumsatzes in der DFV-Aktie im Jahr 2025.
Wir haben also einen Großaktionär, der weiter zukauft. Er erkennt offenbar den Wert des Unternehmens und das attraktive Preisniveau der Aktie.
Cash-Flow
Die DFV beweist mit dem Abschluss für das Jahr 2025, dass ihr profitables Wachstum aus eigener Kraft gelingt. Das zeigt sich an einer Fortführung der positiven Cashflow-Entwicklung. 2025 wurde ein positiver operativer Cashflow von 11,5 Mio. € erzielt. Das ist eine Verdoppelung gegenüber 2024.
Die liquiden Mittel sind entsprechend zum Jahresende von 5,9 Mio. € auf 15,9 Mio. € gestiegen.

Geplantes Ergebnis 2026
Für 2026 rechnet die DFV mit einer Fortsetzung des Beitragswachstums. In der Erstversicherung soll ein Neugeschäftsvolumen von 12 Mio. € realisiert werden. Und damit der „Pfad der Profitabilität beibehalten“ werden.
Das Konzernergebnis vor Steuern wird erneut mit 5 bis 8 Mio. € geplant. Das zeigt eine insgesamt vorsichtige Herangehensweise, die genug Luft lässt, auch 2026 ein besseres Ergebnis zu erzielen und die Planungen damit zu übertreffen.
Hauptversammlung 2026
Die Tagesordnung für die Hauptversammlung, die am 2. Juni 2026 in Präsenz stattfinden wird, ist für sich genommen eher unspektakulär. Die 2025 beschlossenen Satzungsänderungen stehen erneut auf der Tagesordnung, da es erst im Februar 2026 die notwendigen Zustimmungen der BaFin gegeben habe. Das ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar und auf der Hauptversammlung zu hinterfragen. Jedenfalls ist die Umstellung auf Namensaktien noch nicht umgesetzt.
Vermisst habe ich auf der Tagesordnung die angekündigten Pläne zur Schaffung einer Holdingstruktur. Auch im Ausblick des Geschäftsberichts findet sich dazu kein Hinweis. Die Holdingstruktur soll eigentlich ermöglichen, weitere Versicherungsgeschäfte zu betreiben.Aufgrund der sogenannten Spartentrennung (§ 8 Abs. 4 VAG) dürfen Versicherungsunternehmen, die im Lebens- oder Krankenversicherungsgeschäft tätig sind, keine anderen Versicherungssparten (wie etwa Schaden- und Unfallversicherung) betreiben. Durch eine Holding lässt sich das lösen.
Da eine Holding aber eine Strukturmaßnahme erfordert, kann es natürlich auch sein, dass erst mal weitere Aktien vom Großaktionär aufgekauft werden, um den Streubesitz weiter zu dezimieren. Dadurch würde man mögliche Abfindungszahlungen über dem aktuellen Kursniveau reduzieren. Aber das ist – um es klar zu sagen – nur eine Mutmaßung und nicht durch Aussagen belegt.
Ein Indiz für dieses Vorgehen ist aber auch, dass auf der Tagesordnung ein Vorratsbeschluss für eine Kapitalerhöhung fehlt. Die bisherige Ermächtigung ist nur bis zum 18.05.2026 befristet. Und eigentlich gehört es zum Standard, dass sich ein Unternehmen eine solche Möglichkeit vorsorglich einräumen lässt. Um dann erforderlichenfalls flexibel und schnell agieren zu können.
Vergessen wurde dieser Tagesordnung – genauso wie die Ermächtigung zur Ausgabe von Wandel-, Options- und/oder Gewinnschuldverschreibung und/oder Genussrechten – nicht. Bei den zu beschließenden Satzungsänderungen wird sogar darauf hingewiesen, dass diese bisherigen Ermächtigungen gegenstandslos werden.
Sinn macht das aus meiner Sicht vor allem dann, wenn zukünftig eine Holding existiert, die dann einzelne Versicherungssparte als Beteiligung hält. Und in dieser Holding würden dann auch etwaige Kapitalerhöhungen, z.B. bei Übernahmen anderer Unternehmen, durchgeführt.
Und damit schließt sich auch der Kreis, warum die Genehmigung der BaFin so lang hat auf sich warten lassen. Denn – so meine Vermutung – war in dem Antrag auf Genehmigung mehr enthalten als nur die Umstellung auf Namensaktien. Die BaFin mag zwar langsam sein, aber sie braucht für die reine Prüfung der Umstellung auf Namensaktien eher keine 8 Monate. Wenn im Antrag aber bereits die Genehmigung für eine Holdingstruktur enthalten war, dann wird ein Schuh daraus. Dann ändert sich die rechtliche Struktur des erlaubnispflichtigen Versicherungsgeschäfts und dann wird auch länger und umfassender geprüft.
Und dann beantwortet sich auch die Frage, warum die Umstellung auf Namensaktien nicht einfach im Februar nach der Genehmigung umgesetzt wurde. Es wäre dazu ein gewisser zeitlicher Vorlauf notwendig gewesen, der einen Hauptversammlungstermin im Juni ausgeschossen hätte. Damit hätte sich dann aber auch die Dividendenausschüttung verzögert. Und 93,4% der 5 Mio. € Ausschüttung gehen ja an die Mehrheitsaktionäre. Wenn man jetzt etwas weiterdenkt, dann können die Millionen aus der Dividendenzahlung gut dafür genutzt werden, den Streubesitz im Rahmen eines Squeeze-Outs abzufinden. Das wäre nämlich denkbar: Es wird eine Holding gegründet und in sie bringen die Mehrheitsaktionäre ihre Aktien an der DFV ein. Und dann kann die Holding den Ausschluss der Minderheitsaktionäre in der DFV verlangen. Voraussetzung dafür wären 95% Anteilsbesitz. Da sich die obige Aktionärsstruktur auf den 31.12.2025 bezieht, könnte diese Marke inzwischen schon erreicht sein.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Holding nach Einbringung der DFV-Aktien der Mehrheitsaktionäre den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages mit der DFV verlangt. Dazu wären schon 75% Zustimmung auf einer Hauptversammlung ausreichend. Dieses Quorum wäre also schon längst erreicht.
In beiden Fällen ist ein Gutachten zur Ermittlung eines Unternehmenswertes erforderlich. Die Dividendenausschüttung hilft dabei, den Ertragswerts zu reduzieren. Durch sie sinken auf der einen Seite die liquiden Mittel in der Bilanz und es kann ein pauschaler Steuerabzug gerechnet werden, der den Ertragswert in der ewigen Rente mindert.
Für mich erklärt das den Ablauf und ich erwarte, dass im 2. Halbjahr 2026 noch etwas in dieser Richtung passieren wird. Es sei denn natürlich, dass die BaFin nach der langen Prüfung die Holdingkonstruktion abgelehnt und tatsächlich nur die Umstellung auf Namensaktien genehmigt hat…
Meine weitere Strategie
Genau wie der Großaktionär, aber natürlich in völlig anderen Dimensionen, habe ich in den letzten Monaten kontinuierlich Aktien der DFV zugekauft. Und ich möchte das auf diesem Niveau auch fortführen. Da ich aber langsam ein hohes Depotgewicht (aktuell schon 5,5%) erreicht habe, wird es nicht so dynamisch bei mir weitergehen.
Gespannt bin ich auf die Hauptversammlung, auf der dann hoffentlich noch einige Fragen zur weiteren strategischen Ausrichtung beantwortet werden.
Für mich ist die Investition gelungen, da ich hier eine solide wachsende und profitable Versicherung erhalte, die immer noch nicht überbewertet erscheint. Und als Sahnehäubchen habe ich noch die Chance, dass es wirklich zu einer Strukturmaßnahme kommt und ich dann eine Prämie auf den aktuellen Aktienkurs erhalte.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | DFV Deutsche Familienversicherung |
| ISIN: | DE000A2NBVD5 |
| Im Divantis-Depot seit: | 03.06.2025 |
| Letzter Nachkauf am: | 20.04.2026 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 4.200 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 6,56 € |
| Gesamtkaufpreis: | 27.533,12 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 0,00 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Geschäftsbericht 2025 (inkl. Konzernlagebericht und Bericht des Aufsichtsrats) |
| Einladung und Tagesordnung zur Hauptversammlung 2026 |


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