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Olivgrün statt Dunkelgrün? Warum die Zeitenwende meine Ausschlussliste erschüttert

„3D-Illustration zum Thema nachhaltiges Investieren in Zeiten der Zeitenwende: Links ein Panzer, Rakete und Satellit als Symbole für Verteidigung; rechts Windrad, Solarpanel, Recycling-Symbol und Globus für Nachhaltigkeit. In der Mitte ein Stapel Goldmünzen mit wachsender Pflanze. Im Hintergrund ein steigender Aktienkurs mit grünem Pfeil.
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In meinen Anlagekriterien habe ich Investments in kritische Branchen ausgeschlossen. Dazu zähle ich explizit Rüstung, Atomkraft, Glücksspiel, Öl, Kohle und Tabak. Seit jeher finden Unternehmen aus diesen Sektoren keinen Platz in meinem Depot und ich vermisse sie auch nicht.

Mir geht es gleichzeitig nicht darum, zu missionieren. Wer in Öl oder Tabak investiert, ist für mich ein genauso geschätzter Investor wie jemand, der sein Heil in erneuerbaren Energien sucht. Und unter den Divantis-Lesern und Kommentatoren finden sich ja auch viele Aktionäre, die „meine“ kritischen Branchen nicht als Ausschlusskriterium für sich sehen.

Nun haben aber die letzten Jahren doch einige Veränderungen mit sich gebracht. Die alte heile Welt (wenn es sie denn jemals so gab) wurde durch eine Bedrohungslage abgelöst. Seit 2022 leben wir mit einem Angriffskrieg in Europa und offiziell wurde eine „Zeitenwende“ ausgerufen.

Mich beschäftigt das Thema seitdem und ich möchte heute meine Gedanken dazu teilen und zur Diskussion stellen. Nicht, weil ich Kursanstiege wie bei Rheinmetall verpasst habe und mich darüber ärgere. Ich habe ja auch Nvidia verpasst – das ist also nicht mein Thema. Aber kann man Rüstung wirklich pauschal als kritisch abtun, oder muss man nicht stärker differenzieren?

Das alte Weltbild wackelt

Ich gebe es zu: ich habe in meiner Jugend den Wehrdienst verweigert und war für die Abschaffung der Bundeswehr. Meine Einstellung hat sich mit den Jahren aber immer stärker verändert und spätestens nach dem russischen Angriff auf die Ukraine bin auch ich überzeugt davon, dass wir uns verteidigen können müssen. Und – sei es zur Abschreckung oder auch für tatsächliche Einsätze – ein starkes militärisches Bündnis mit unseren verlässlichen Partnern brauchen.

Die neue Logik – Sicherheit als soziale Nachhaltigkeit

Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit, keine Demokratie und keine soziale Entwicklung. Unsere Werte können wir nur aufrechterhalten, wenn wir in Sicherheit leben. Sicherheit ist damit das „Fundament“, auf dem Nachhaltigkeit erst gedeihen kann.

Verteidigung dient dem Schutz von Rechtsstaatlichkeit gegen Autokratien.

Daran anknüpfend unterscheiden viele Investoren nun zwischen „geächteten“ Waffen (Streubomben, Landminen, ABC-Waffen), die weiterhin tabu bleiben, und „konventioneller“ Verteidigungstechnik (Panzer, Luftabwehr), die als legitim gelten.

Die bleibenden Zweifel – Waffen bleiben Waffen

Trotz einer solchen Differenzierung bleibt die Natur des Produkts unverändert. Waffen – ob defensiv oder offensiv – sind darauf ausgelegt, menschliches Leben zu beenden und Infrastruktur sowie Umwelt zu zerstören. Dies steht im direkten Widerspruch zu meinem Prinzip, mit meinen Investments keine Unternehmen zu unterstützen, die einen erheblichen Schaden anrichten können.

Und es fühlt sich auch wie eine Fehlallokation von Ressourcen an. Jeder Euro, der in Panzer fließt, fehlt bei der Finanzierung der Klimawende, der Modernisierung unserer Infrastruktur oder im Bildungssystem. Zudem gilt das Militär als umweltfeindlich und steht global für etwa 5% aller CO₂-Emissionen.

Schließlich gilt die Rüstungsbranche historisch als äußerst anfällig für Bestechung und Korruption. Und von Transparenz bei Exporten fehlt auch jede Spur.

Am Ende konzentriert es sich für mich auf eine Frage: Wo hört Verteidigung auf und wo beginnt Profit am Leid?

Die ethische Abwägung

Bisher war die Gleichung für nachhaltige Investoren wie mich simpel: Waffen töten, also sind sie unethisch. Doch diese binäre Sichtweise ist zu hinterfragen.

Der Ausschluss von Rüstungsgütern war bisher für mich die moralisch „saubere“ Position. Doch wenn wir oder andere nicht verteidigungsfähig sind und das bedeutet, dass souveräne Demokratien untergehen und Menschenrechte massiv verletzt werden, stellt sich die Frage: Ist Passivität noch ethisch vertretbar?

Wer Nachhaltigkeit als Schutz von Freiheit und gesellschaftlicher Stabilität begreift (das „S“ in ESG), muss wohl oder übel anerkennen, dass diese Werte ohne physischen Schutz oft nicht überleben können. In diesem Licht wandelt sich die Rüstungsaktie vom „Sündentitel“ zum notwendigen Übel für den Erhalt des Friedens.

Und ich sehe ein, dass es einen moralischen Unterschied gibt zwischen einem Abwehrsystem, das Städte vor Raketenangriffen schützt, und Offensivwaffen, die in den Händen autoritärer Regimes landen.

Eine ethische Neubewertung bedeutet nicht, einen Blankoscheck auszustellen. Als Investor muss ich genauer hinschauen. Und dann auch entscheiden, ob z.B. ein Hersteller von Drohnenabwehrsystemen für mich investierbar ist.

Es gibt bereits Stimmen, die von der Weiterentwicklung von ESG zu ESSG sprechen. Und tatsächlich erleben wir aktuell die Anfänge dieser Entwicklung. ESSG steht dann für Umwelt, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Unternehmensführung. Sicherheit wird damit als Säule verantwortungsvollen Wirtschaftens positioniert.

Und tatsächlich ist „Verteidigung“ heute vielschichtig: Cybersicherheit, Widerstandsfähigkeit gegen Desinformation und der Schutz kritischer Infrastrukturen gehören für mich dazu. Bedrohungen der nationalen Sicherheit sind nicht mehr auf physische Grenzen beschränkt; sie beinhalten auch digitale und gesellschaftliche Schwachstellen, die demokratische Werte und den sozialen Zusammenhalt untergraben können.

Ich habe noch kein endgültiges Ergebnis für mich gefunden. Aber meine Tendenz geht zu einer Öffnung meines Depot hin zu Unternehmen, die eine Vorreiterrolle in der Einbindung von Sicherheit in Nachhaltigkeit einnehmen. Unternehmen, die Demokratien gedeihen lassen und Menschenrechte durch glaubwürdige Verteidigungsfähigkeiten schützen. Schaffen Unternehmen es, ihre Produkte zur Verteidigung unserer Werte im überzeugenden Einklang mit den ESG-Prinzipien zu gestalten, dann werde ich sie mir wohl auch mal genauer anschauen.

Diskussion hilfreich

Vor allem möchte ich meine Gedanken aber hier zur Diskussion stellen: Mich interessiert zunächst, ob ich mit meinem Empfinden, dass ein starres Festhalten an alten Prinzipien der neuen Weltlage nicht mehr gerecht wird, in die falsche Richtung denke. Teilst Du diese Einschätzung und welche Schlussfolgerungen ziehst Du für Anlageverhalten daraus? Und dann wäre es natürlich spannend zu hören, ob es konkrete Vorschläge von Unternehmen gibt, die für überzeugende ESG stehen und dem defensiven Sicherheitsbereich zuzuordnen sind. Spontan würde ich z.B. an OHB denken, die mit ihren Satellitensystemen zu den wichtigsten Akteuren für den europäischen Klimaschutz zählen und nun aber auch die digitale Schlagkraft der Bundeswehr erhöhen sollen – ähnlich wie Starlink.

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Kommentare

35 Kommentare zu „Olivgrün statt Dunkelgrün? Warum die Zeitenwende meine Ausschlussliste erschüttert“

  1. Avatar von Andreas P.
    Andreas P.

    Hallo Ben,

    mit diesem Beitrag stößt Du möglicherweise eine streitbefangene Diskussion über „Gut und Böse“ am Aktienmarkt an. Aber auch über Moral im Allgemeinen.

    Um es kurz zu machen: Meiner Ansicht nach kann jeder Investor, geleitet von seinem ganz persönlichen Weltbild und Wertekompass, selbst darüber entscheiden, welche Aktien er kauft oder nicht kauft. Niemand muss sich darüber gegenüber anderen rechtfertigen.

    Mir persönlich gehen jegliche moralisch-ideologischen Überhöhungen von Leuten sowieso gehörig gegen den Strich: Der Besitzer einer Wärmepumpe, der herablassend auf seinen Nachbarn schaut, weil der noch mit Öl heizt.
    Oder ein Wirtschaftsminister, der angesichts der aktuellen Benzinpreissteigerungen nur lakonisch zum Elektroauto rät.

    Jeder muss für sich selbst einen gangbaren Weg im Leben finden, den er persönlich mit seinem Gewissen gut vereinbaren kann. Selbsternannte Moralapostel helfen da nicht weiter.

    Fazit: Ben, kaufe die Aktien, die Du für richtig hältst.

    Viele Grüße

    Andreas P., der in Öl und Tabak investiert hat.

  2. Avatar von Thomas
    Thomas

    Hi Ben, sehr persönliche Zeilen, Chapeau, hätte ich so jetzt nicht erwartet, spricht für Qualität des Blogs.
    Es ist Ausdruck eines notwendigen Lernprozesses und ich sage Dir auch voraus, das Du in 10 Jahren wieder anders denkst als heute und in 20 Jahren nochmals anders.
    Zwingende Voraussetzung für erfolgreiches Investieren ist auch das regelmäßige Hinterfragen der eigenen Position (Mind).

    Nun kommt jetzt zum Ukraine Konflikt, der ohnehin schon viel zu lange dauert und ohne Aussicht auf Besserung ist, der Irankonflikt on top.
    Nach Murphys Gesetz wird sich der auch in die Länge ziehen mit Folgen für Öl und Wirtschaft. Montag spätestens Dienstag werden wir beim Brent Oil wohl die 100 sehen.

    Murphys Gesetz heißt „Anything that can go wrong will go wrong“
    und wir müssen fast mit 50% Wahrscheinlichkeit rechnen, das China jetzt auch noch anfängt.
    ob wir uns wohl damit fühlen oder sehr unwohl, spielt dabei überhaupt keine Rolle, denn wir können es nicht beeinflussen und wir werden auch nicht gefragt.

    Investtechnisch ist es wohl am saubersten, jegliche Emotionen draußen zu lassen, sondern nur zu schauen, was geht und was passiert.
    Sofern unser Ziel ist, nach oben zu kommen. Sofern das nicht unser Ziel ist, werden wir an den Rand verdrängt.

    „Homo homini lupus est“ Wir werden an der Raubtiermentalität unserer Spezies nichts ändern.

    Die Waffen selbst sind nur Werkzeuge. Entscheidend sind die Menschen, die sie benutzen. Wenn einer einen Hammer in der Hand hat, sieht vieles wie ein Nagel aus.
    Wer Waffen hat, benutzt sie in seinem Übermut auch irgendwann mal.

    Um es nicht in einen Roman ausarten zu lassen,

    Ich hoffe Ben fängt jetzt auf dem Höhepunkt der Konflikte nicht an, im Defence-Bereich zu investieren, denn da käme er reichlich spät.
    Meine (nun zwangsläufig gut laufenden) Positionen sind hier BAE Systems, der Easy Bloomberg Europe Defense ETF in EUR (Dist) ISIN: LU3047998979 und jetzt erst neu die Singaporer ST Engineering wkn 910981.

    Überlege eher den RüstungsETF antizyklisch zu verkaufen.
    Mache mir langsam Gedanken zu den Rückversicherern, da es in Nahost vor allem bei den VAR, Katar, Dubai usw und allem drumrum wirtschaftlich schwer zur Sache geht und etliche Klumpenrisiken dranhängen.
    (Energiemarkt & Property Catastrophe, Kumulrisiken,Credit & Surety Sanktionen) was auf den ersten Blick immer gar nicht ersichtlich ist.

    Öl werde ich weiter durch dick und dünn halten, da es regelmäßigen guten Divicashflow bedeutet. Natürlich kaufe ich hier jetzt nicht nach.
    btw empfehle ich mal den Ölpreis-chart der Jahre 2007 und 2008 anzusehen und daraus Rückschlüsse zu ziehen.

    An der Börse kann aber auch immer das Gegenteil passieren und Taco-Trump war sich nie zu schade, realtime umzukehren, wenn er merkt das er in eine Sackgasse gerät.
    Für die nächste Zeit bin ich jedenfalls eher negativ für Börse gestimmt, was aber auf Sicht von Jahren keine Rolle spielt.
    Morgen am Montag ist wieder Sparplanausführung und ich habe nichts geändert.
    Grüße schönen Sonntag.

  3. Avatar von UrsprungsFrank
    UrsprungsFrank

    Mit jeglichem Handeln sind Ziele verbunden, so diese nicht aus dem Affekt sich ergeben.

    Der Vertrieb von Rüstung hat zum Ziel anzugreifen und zu verteidigen und damit den Tod vieler Mensch zu planen.

    Investment hat das Ziel, sich Wohlstand zu verschaffen. Das muss man nicht unbedingt mit Rüstung in seinem eigenen Depot befördern.

    Kurzum, beide Ziele sind mich betreffend nicht funktional folgerichtig miteinander verbunden.

    Mit dieser Logik der Abgrenzung ist einem aber nicht geholfen, wenn ein Maschinenbauer ein über Rüstung hinaus andere Produkte gewinnmaximierend veräußert oder Dual-Use-Ware verkauft. Als Vegetarier ist man nicht Veganer. Ich würde behaupten, insbesondere jede Digitalbude, Bank, Ölkonzern und jeder Maschinenbauer ist proaktiv oder passiv Teil der Kriegsmaschinerie und ich müsste diese als Pazifist alle aus meinem Depot verbannen. Besser wird es wohl sein, sich die eigene Einstellung zum Pragmatismus zu erklären. Pragmatisch sein ohne sich selbst über Bord zu werfen. Vielmehr noch, ich würde behaupten, wir sind in der Epoche des Pragmatismus gänzlich mal wieder angekommen, wo Ziele erschwerend abgewogen werden müssen.

    Ich selbst bin schon lange in Airbus investiert. Ich werde sie auch nicht verkaufen. Defense-ETFs sind für mich allerdings ein NoGo.

    Gruß Frank

  4. Avatar von Medicus
    Medicus

    Hallo Ben,
    Wie immer sehr differenziert und gut formulierte Gedanken, eine Wohltat, die zu Lesen!
    Mein Haupt ETF ist auch ein ESG Produkt- habe ich vor langer Zeit mal so entschieden und nicht geändert. Kostet mich wahrscheinlich ein oder Zwei Prozent Rendite- aber bei einem IZF über 10 fürs Gesamtdepot ist das auch wurscht.
    Ob ich, du oder mein Fondsmanager oder die KI in Rheinmetall investiert oder nicht, ändert leider nichts daran, dass deren Produkte Menschen töten können. Will ich mir vorwerfen, davon zu profitieren? Das ist die Frage, auf die es ankommt…
    Es gibt da so einen Spruch: wer als Junger Mensch kein Sozialist/ Pazifist/ Idealist ist, hat kein Herz, wer als Älterer das noch ist hat kein Hirn…
    Leider haben unsere Entscheidungen als Kleininvestoren wenig Einfluss auf politische Entscheidungen- da können wir uns nur selbst engagieren und wählen gehen…

  5. Avatar von leo Harrisch
    leo Harrisch

    Ohne Öl würde unsere Weltwirtschaft zusammenbrechen. Und bei Rüstung merken jetzt auch viel, dass die nötig ist.
    Wer rauchen, saufen und Lotto spielen will, sei ihm gegönnt, warum sollte man sich moralisch dagegen stellen. Ist ja auch keiner moralisch gegen Torten und Pommes.

  6. Avatar von busico
    busico

    Respekt für das Aufgreifen dieses schwierigen Themas. Ich denke, das meiste Grundsätzliche hierzu ist im Beitrag und den ersten Kommentaren schon gesagt.

    Meine persönliche Meinung:
    Rüstung: Die meisten Produkte, die man hierzu zählen müsste, sind Multi-Use. Wo will man da die Grenze ziehen? Ausschließliche Angriffswaffen gibt es nicht/kaum, das ist immer eine Sache der Definition. Rüstung habe ich trotzdem bisher nicht angefasst und habe es auch nicht vor.

    Öl: Ich schließe mich hier leo Harrisch an. Wenn wir Öl und Gas spontan „abschalten“, sind wir als Menschheit in kürzester Zeit ausgerottet. Aber man darf gerne diskutieren, ob man Öl und Gas durch den Schornstein und Auspuff schicken muss. Ich habe mich bewusst für TotalEnergies in meinem Depot entschieden, da man dort m. E. am weitesten von den Unternehmen mit dem bisherigen Geschäftsmodell in Richtung regenerative Energien ist. Ob das so bleibt angesichts unserer wankelmütigen Politiker in D und EU, beobachte und bewerte ich jedes Jahr von neuem. Gleiches gilt für Enbridge.

    Rauchen: Ich bin allergisch gegen Zigarettenrauch und leide unter dem Passivrauchen, emotional, physisch und finanziell. Irgendwann war mir klar, dass den restlichen Rauchern ihre Sucht wichtiger ist, als ihre eigene und meine Gesundheit und das sich das nicht zu meinen Lebzeiten ändern wird. Warum soll ich mir nicht einen kleinen finanziellen Ausgleich in Form von Dividenden von BAT holen? Das ist nicht „christlich“ gedacht, aber ich gehöre nicht zu denen, die ihre andere Wange auch noch hinhalten. Sorry!

    Saufen: Ja, da bin ich im Fettnäpfchen. Mein eigener Alkoholkonsum geht alters- und gesundheitsbedingt stark zurück. Trotzdem findet sich Pernot in meinem Depot. Na ja, mal sehen, wie lange noch.

    Lotto: Ja, Betsson. Und ich bin nicht glücklich damit, aber nicht wegen ESG-Gedöns. So lange das nicht in Sucht ausartet und das gilt für viele Bereiche und Produkte, ist das akzeptabel.

    Fazit: Ich halte ESG-Standards für überflüssig und nicht durchdacht. Entscheidend sind die eigenen Moralvorstellungen, der moralische Kompass, von jedem Einzelnen.

    Einen Schönen Sonntag an Euch!

  7. Avatar von Jo
    Jo

    Moin Ben,

    auch von mir Danke für deine Zeilen und Überlegungen. Und großes Lob an Blog und „Mitforisten“ für den qualitativen Austausch hier.

    Ich finde mich in Deinem Beitrag wieder – bin auch nicht zum Bund gegangen, war für die Abschaffung und wollte nie direkt in Rüstung oder Atomkraft investieren. Gegen den Irakkrieg sind wir mit der Schule auf die Straße gegangen und Kosovo als erstes bewaffnetes Eingreifen der Bundeswehr in fremden Ländern empfand ich damals als negative Zäsur.

    Tatsächlich stimme Andreas P. Beitrag in der Allgemeingültigkeit der Formulierung nicht zu. Ich halte es sowohl mit dem alten Fritz als auch mit Kant: Jeder soll nach seiner Farcon glücklich werden, aber auch meine Freiheit hört auf, wo die Grenzen der anderen beginnen.
    Anders formuliert: wir tragen alle gesellschaftliche Verantwortung und die Bundesrepublik und Europa haben sich zu Systemen gemausert, die ich bei aller Kritik im Detail nicht missen möchte und die ich bedroht sehe – ideologisch, innen- und außenpolitisch.

    Ähnlich wie die Zäsur Kosovo/Irak war der Ukraine Krieg für mich eine weitere. Ich habe einen vollwertigen Krieg auf europäischem Boden nicht mehr für möglich gehalten. Bombardierungen aus der Luft und asymetrische Übernahmen und Konflikte ja, aber keinen vollen Krieg. Das hat meine Einstellung zu Nato und Bundeswehr und Verteidigungsfähigkeit geändert. Ich gebe mich da keiner Illusion hin – Nato und Bundeswehr werden niemals nur zur direkten Landesverteidung aufgebaut sondern immer auch völkerrechtswiedrige Kriege oder „bewaffnete Konflikte“ aus wirtschaftlichen Gründen führen.
    Finde ich mies, ist aber wohl ein notwendiger Beifang um die Verteidigungsfähigkeit zu haben.

    Was bedeutet das für meine Investments?
    Ich invesitere weiterhin nicht in Rüstungsfirmen – einfach weil es nicht nötig ist, es gibt mehr als genug spannende Firmen und nicht unbegrenzte Liquidität. Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn sie in ETFs enthalten sind und fokussiere hier nicht auf ESG. Bin aber zu 80% in Einzeltiteln und nur 20% in ETFs.

    Beste Grüße
    Jo

  8. Avatar von Tobs
    Tobs

    Heute bin ich harsch (sorry, hatte noch kein Mittagessen), wobei ich vorweg stelle, dass ich niemanden direkt damit angehen möchte.

    Die Diskussion um ESG ist eine intellektuelle Überdehnung ohne jeglichen Gehalt. Sie passt gut in unseren neurotischen Zeitgeist völliger Sättigung und Leistungslosigkeit verbunden mit dem Wunsch, alles um sich herum solange einzuordnen, bis die eigene Existenz an Erträglichkeit gewinnt.

    Aber eines möchte ich deutlich sagen: Wenn man sich ESG verschreibt, was das gute Recht eines jeden ist, dann halte ich jeden Ansatz, ESG auf die eigenen Vorstellungen maßzuschneidern, für den vergeblichen Versuch, um die Absolution für das eigene Versagen zu ringen. ESG ist eine Ideologie oder gar schon Religion, und wie jede Ideologie oder Religion ist sie in Wahrheit den Menschen gegenüber schonungslos und wenig erbarmungsvoll. Selbst die klerikalsten Anhänger können ihr nicht gerecht werden, und beginnen dann damit, Erlaubnistatbestände zu definieren. Das findet man in anderen Religionen auch, in denen wiederum erlaubte Ausnahmen für sonst strikte Verbote aufgemacht werden. Die Frage einer Religion, und daher auch bei ESG, ist doch wer sie beherrscht und dann zu Gunsten seiner eigenen Absichten definieren kann. Ich möchte das nicht weiter vertiefen, denn ich vermute, schon aus diesen wenigen Zeilen wird meine eigene Einstellung gegenüber ESG deutlich genug.

    Konkret zu den Waffen: Ja, dann kauft doch Hersteller, die nur Abwehrraketen herstellen. Damit ist natürlich ein 100 Prozent positiver Impact geleistet (sicherlich wird es hierfür dann auch noch Zertifizierungs-Anbieter geben :-)). Das durch bessere Abwehrraketen wiederum noch bessere und tödlichere Angriffsraketen erschaffen werden, soll solange nicht stören, wie die eigene Definitions-Schablone zur Anwendung kommt.

    Versöhnlich: Diese Zeilen hat die Robbe Tobs geschrieben, die nicht gejagt und getötet wurde, weil ihr Fett dank der Ölförderer nicht mehr zur Herstellung von Lampen benötigt wurde. Sie hat Shell deswegen zufrieden im Depot, und weiß auch um die anderen wichtigen Industrieanwendungen von Öl außerhalb der reinen Verfeuerung. :-)

  9. Avatar von BörsenHai
    BörsenHai

    Hallo Ben,

    ESG
    ich halte den „Stempel“ ESG für = Ein Starkes Greenwashing.
    Ja ich polarisiere hier ein wenig.
    Mit dem (geplanten?) Stempel ESSG geht das dahin, dass in Zukunft mindestens Rüstungsfirmen ebenfalls einem Greenwashing unterzogen werden. Kopf schüttel

    Von ESG-ETFs habe ich mich ferngehalten. Die ESG-Bewertungen kann ich nicht nachvollziehen.
    Warum erhalten Bauern mit Wald und Wiesen keine Co2-Gutschrift? Sie speichern Co2.
    Warum ist Kohlensäure in Getränken noch erlaubt?
    Es sind einfach zu viele Fragen offen.

    Waffen
    Eine Trennung zwischen Angriffswaffen und Defensivwaffen ist quasi nicht möglich bei den Herstellern. Softwarelieferanten, Chiphersteller, Kugellager, Pneumatik, etc. sind alle in den Waffen enthalten und werden in den Stäben und unterstützenden Einheiten (auch private in der Bundeswehr) verwendet. Wo endet die Grenze?

    Muß man also Waffenhersteller im Portfolio halten? Ich tue es nicht.
    Dort wird viel zu viel Geld verbrannt (Filz!).
    Ich kenne etliche Firmen, die plötzlich vom Napf der Milliarden im sogenannten „Defence“ eine Portion abhaben wollen. Davor haben Sie abgelehnt zu beliefern oder Dienstleistungen zu erbringen. „Das Geld ruft“!
    Damit verurteile ich die Firmen nicht, aber meine Ethik bleibt: keine Waffenhersteller.
    Aus meiner Sicht hat sich die Lage nicht verändert. Der Ukrainekrieg wird lediglich „mißbraucht“, um Geld für Infrastruktur und Bildung (so das Versprechen) in Defense umzuleiten. Wo sind die 100 Milliarden von vor 3 Jahren? z.B. in digitalen Funkgeräten; pro Stück 30000€ oder mehr, die es als MIL-Standard ab 2000€ auf dem Markt gibt.

    Innere Sicherheit erziele ich mit Bildung und Rechtsprechung. Tja keine Aktien drin, wie auch. Die Innere Sicherheit wäre mir viel wichtiger. ;)

    Andere Gebiete
    Tabak und Ölaktien hab ich aber im Portfolio. Cashback und Öl ist überall in unserem täglichen Leben enthalten, es muss nicht unbedingt „verbrannt“ werden.

    1. Avatar von NochnThomas
      NochnThomas

      Warum sollte man Kohlensäure in Getränken verbieten und nicht beispielsweise Alkohol? Oder Zucker?

    2. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Woraus besteht Kohlensäure?
      Aus Wasser und CO2 ;)

    3. Avatar von Tobs
      Tobs

      @NochnThomas:

      An Deine Fragen anschließend bewusst ein paar weitere dieser Art, auch um vielleicht praktischer auszuführen, auf welches Dilemma ich mit meinem Negativ-Kommentar hinaus wollte.

      McDonald im Depot: Ist das ok, ein Unternehmen im Portfolio zu haben, das für so viel Abfall verantwortlich ist (ESG=E)? Oder waren solche Unternehmen (McDonald mal als Proxy) nicht erst überhaupt ein positiver Reiz, die Kreislaufwirtschaft, deren Vorteile unbestritten sind, weiter zu entwickeln? Und was ist damit, dass Läden wie McDonald vielen Mitbürgern einen sicheren Arbeitsplatz bieten (ESG=G), die anderweitig vielleicht nicht unter besseren Bedingungen hätten arbeiten können? Ist das kein positiver Wert mehr? Und haben durch McDonald nicht viele Manager/Store-Inhaber signifikanten Wohlstand für sich und ihre Familien schaffen können, die sonst vielleicht im eher humanistisch-bürgerlichen Bildungssystem in Deutschland von Aufstiegsjobs ferngehalten wurden, zum Beispiel im Beamtentum immer ein Thema gewesen?

      Johnson+Johnson: Freuen wir uns über den medizinischen Fortschritt, oder stören wir uns (zu Recht!) über die Tierversuche?

      L’Oreal; Auch hier: Erfreuen wir uns an dem schönen Glammer-MakeUp unserer hübschen Abendbegleitung, oder verdammen wir die dafür gequälten Tiere (fände hier die Abwägung, wenn ich überhaupt eine tätigen würde, eindeutiger als bei Johnson+Johnson).

      Vinci: Ist das verantwortungsvoll, wie viel CO2 durch den ganzen Beton auf den Baustellen freigesetzt wird?

      Generall Mills / Pepsico: Fette Kinder?

      Canadian National Railway: Vertriebene Indianer beim Eisenbahnausbau?

      Fortescue Metal: Oh Gott, hier sage ich zum CO2 Ausstoß mal lieber gar nichts… :-)

      Blackrock: „Wetten“ auf Optionen und Rohstoffe, so auch Commodities wie Lebensmittel, verknappen den eigentlichen Bedarf von Milliarden hungriger Armer Menschen, für eine Wall Street Elite, die sich in den Hamptons große Häuser mit Seeblick kauft. Aber hey, ETF-Sparen ist doch eine prima Sache. :-)

      Ich könnte das hier ewig fortsetzen. Das tue ich aber nicht. Weil das Dilemma niemand auflösen kann und manchmal selbst schon die Lösung ist. Für mich kann eine Kohle-Aktie in China tausend mal stärker als ESG qualifizieren also irgendein hier gelaberter Quatsch. Klingt kontrafaktisch? Zunächst hat es günstig Energie geliefert, damit hunderte Millionen aus der Armut in die Mittelschicht kommen konnten. Vermutlich musste hier von uns im Blog niemand seinen Nachwuchs auf den Armen verrecken sehen, weil keine Mittel für Essen oder medizinische Versorgung vorhanden gewesen wären. Und dann finanziert die dreckige Energie den massiven Ausbau von Green Plants gegen, weil China selbst auch nicht gerne im schwarten Smog versinken mag. China baut am meisten Green Plants auf der Welt, aber auch Kohle als Übergangstechnologie. Kann man das eine oder das andere überhaupt vollständig betrachten?

      Daher würde ich mich persönlich nie rechtfertigen, in was ich investiere. Jedes Dilemma und Leid ist wieder Grundlage für die Innovation und Besserung. Meines Erachtens sollte das, in was wir investieren, einem gesellschaftlichen Bild entsprechen. Das gesellschaftliche Bild wird aber nicht durch ESG-Jünger vorgezeichnet, sondern ist das Ergebnis tausender Einzelentscheidungen, die in der Gesamtheit abgebildet werden. Und jeder wird innerhalb seiner Entscheidung auch „significant harm“ für andere bedeuten, und kann sich nicht mit dem Label ESG die Hände waschen.

      Mist, jetzt war ich doch wieder negativ…

  10. Avatar von MatthiasSechsSechs
    MatthiasSechsSechs

    Hallo,
    bin auch Kriegsdienstverweigerer und habe stattdessen Mitte der 80er Jahre 20 Monate als Zivi im Altenpflegeheim gearbeitet. Heute würde ich evtl. auch eher Wehrdienst leisten, aber egal, für die Bewohner im Altenpflegeheim da zu sein, war auch richtig und wichtig.
    Grundsätzlich verfolge ich mit meinen Investments finanziellen Zwecke (Kapitalvermehrung bzw. -erhalt). Dabei betrachte ich alles, was nach Recht und Gesetz investierbar ist, als mein Universum für Investments. Rüstung, Tabak und Öl gehören dazu. Erneuerbare, Umwelttechnik etc. natürlich auch.
    Um Gutes zu tun, bieten sich einem auch viele Möglichkeiten – Spenden, Ehrenamt etc etc. So habe ich nicht nur einen monatlichen Aktiensparplan, sondern auch einen monatlichen Spendenplan.
    Beides zu vermischen bzw. Investieren auf einer moralischen Ebene zu bewerten/hinterfragen, halte ich eher für ein Geschäftsmodell der Anbieter („ESG“). Ein hoher CDP-Score (Carbon Disclosure Project) allein ist für mich kein Investitionsgrund. Fühle ich mich besser, wenn eines der Unternehmen, in die ich investiere, einen hohen CDP-Score hat ? Eventuell ja. Aber wichtiger wäre mir immer der Dividendenfluss.
    Gruß,
    Matthias66

    1. Avatar von Matthias von Mitzlaff

      Hallo Matthias SechsSechs,
      hier Matthias SiebenNull ;-).
      Ähnlich wie du, habe ich damals den KD verweigert. War 15 Monate Rettungssanitäter beim MHD als Zivi. Eine spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe.
      Ich bin dafür, dass junge Leute einen Dienst für die Gesellschaft zu leisten haben, ein Jahr lang.
      Lange hatte ich keine Rüstung im Depot, seit 2 Jahren jedoch Lockheed Martin, die gut laufen. Ich bin sehr zufrieden.

  11. Avatar von Claudio
    Claudio

    Guten Abend
    Also ich habe und hatte vor jedem Zivi damals (1984) großen Respekt, habe mich damals aber für den Wehrdienst entschieden! Das war sehr prägend für mich und auch ich habe beim Bund jede Menge fürs Leben gelernt! Ich habe die Zeit als sehr positiv in Erinnerung.
    Zur Moral, ich frage mich immer wo fängt das an und wo hört das auf? Eine Definition ist nicht möglich, oder ist es moralisch verwerflich in die Zulieferer der Militärfirmen zu investieren, wie z.B. in eine Parker Hannifin etc. ?
    Diese Diskussion hatte ich des Öfteren in den letzten Jahren, aber es bringt nicht wirklich was, denke mal jeder soll in das investieren womit er sich am Ende auch wohl fühlt.
    Bei Ben finde ich es jedenfalls klasse, dass er seine getroffene Entscheidungen gegen diverse Branchen hier öffentlich hinterfragt !

  12. Avatar von Hansi
    Hansi

    Hallo Ben,

    die Rüstungsaktien sind doch alle bereits too the moon gelaufen.
    Jetzt noch einzusteigen, wäre sehr sehr riskant und ein Risiko mit dauerhaften Verlusten. Warum mit OHB nach einer Versechsfachung in 2 Jahren noch ein Risiko eingehen. Ich hatte selber für mich zahlreiche Ausschlußbranchen als ich wieder mit Aktien anfing, darunter Banken, Versicherungen, Rüstung, Autos, Flugzeuge, Versorger, usw.
    Jeder der ein World-ETF oder breit getreuten ETF hält, ist automatisch in unethischen Branchen unterwegs. Selbst wenn man Banken und Versicherung hält, kann man davon ausgehen, dass vermutlich mit Gott und Teufel Geschäfte gemacht werden. Inzwischen investiere ich in jede Branche, denn jede Branche bietet Chancen und können sich in Phasen totaler Unterbewertung befinden.

    Rüstungaktien sind absoluter Polit-Zykliker und versuch mal vor Wahlen Milliardeninvestitionen in Rüstung zu rechtfertigen. Also wenn der Krieg in Russland vorbei ist, interessieren sich die Politiker keine Sekunde mehr für ihr Geschwätz von gestern und Rüstungsaufträge können wieder gekürzt werden.
    Der Krieg geht in sein 5.tes Jahr und die Russen stehen noch 40 Kilometer vor Kramatorsk und Slowjansk. Dafür werden die noch 1 Jahr brauchen um den Donbass komplett zu erobern. und wir machen uns sorgen vor einer russischen Invasion?

    Selbst halte ich keine Rüstungaktien, sonder nur Elektronik (Leonardo), Maschinenbau (General Dynamics) und Schiffsbaum (Huntigton Ingalls).
    Das ist natürlich Neusprech und vergleich albern wie der Begriff Widerstandsfähigkeit gegen Desinformation. Dieser Begriff bedeutet auch Meinungsvielfalt und Regierungskritik zu diskreditieren oder gar zu kriminalisieren.

    Russland ist keine Gefahr und der wirksamste Schutz sind ganz einfach ne Menge Atomraketen. Alle anderen Ausgaben kann man sich sparen, wenn man den roten Knopf drücken kann, es sei den man plant Angriffskriege.

    Die Iran-Geschichte kann auch nicht lange laufen. Iran hat kein Interesse sich in die Steinzeit zu bomben lassen und die USA hat bald Wahlen und ihnen geht die intelligente Muntion und Abwehraketen aus. Der Iran soll 1/3 der Thaad-Radare der Amerikaner in den verschiedenen Golfstaaten zerstört haben und die Vorwarnzeit der iranischen Rakten von über 10 Minuten auf unter 2 Minuten gesenkt habe. Der Westen kann vielleicht ein paar Thaad-Radare im Jahr produzieren und die Iraner werden die aber in paar Woche komplett pulverisiert haben. Wie will Amerika dann weiter machen ? Die US-Flotte ist bereits weiter rausgefahren, um sich vor iranischen Raketen zu schützen. Iran braucht aber auch die Straße von Hormuz , ansonsten brechen deren Finanzen zusammen. Der Westen macht sich Sorgen um seine Tankstellen und Chemiebranchen. Die USA könnte noch lange bomben, allerdings dann wie Russen, mit dummen Bomben. Vermutlich kopieren die USA dann die Russen, die ihre riesigen Lager mit dummen Bomben mit nachträglich anmontieren Flugsegeln wesentlich treffsicherer machen könnten. Es ist von beiden Seiten ein Gamble, wer länger durchhält.

    Taiwan ist chinesisch und aus. Entweder geben die freiwilig auf oder nicht. Der Westen wird außer bla, bla, bla nichts machen. Taiwan ist clever, wenn es einen Deal macht. Militarisch macht es keinen Sinn. Offiziell befinden sich beide immer noch im Kriegszustand.

    Der Westen wird seine Lager auffüllen müssen und wird so der Rüstung auf Jahre voll Auftragsbücher geben, aber dass ist in den Zahlen schon alles mehr als drin. Wenn die sog. „Gefahren“ wieder weg sind, können die Aufträge weiter gestreckt werden und die Gewinnaussichten wieder dämpfen.

    Für mich ist die Rüstungsgeschichte praktisch gelaufen.

    Viele Grüße

    Hansi

  13. Avatar von Matthias
    Matthias

    Lieber Ben.
    Solche Gedanken habe ich mir auch schon gemacht, allerdings investiere ich anders als du den größten Teil meines Geldes in ETFs und baue mir mit wenigen (maximal 8) Einzelaktien bewusst Satelliten um diesen Kern. Daher steht bei mir am Ende ein sowohl als auch: Mein ETF-Teil ist ohne ESG oder SRI aufgebaut, daher sind hier alle größeren und mittleren Rüstungsaktien irgendwo auf den Plätzen enthalten. Im Satellitenbereich meide ich Rüstungsaktien auch weiterhin mit folgendem Gedankengang: Ich finde es gut, dass es Rüstungsfirmen und Rüstungsgüter gibt, mit denen in der aktuellen Situation der Frieden, die Freiheit und das Leben verteidigt werden kann, im besten Fall, indem die Sachen einfach nur vorhanden sind.
    Aber muss ich als Direktbeteiligter und Mitbesitzer des Unternehmens damit Geld verdienen, bei all den Chancen die die Börse bietet? Weiterhin nein. Da darf aber auch jeder eine abweichende Meinung haben.
    Viele Grüße
    Matthias

  14. Avatar von Thomas
    Thomas

    @Hansi
    Zitat: „Die Iran-Geschichte kann auch nicht lange laufen. Iran hat kein Interesse sich in die Steinzeit zu bomben lassen“
    Ich denke, das ist eine Frage der Perspektive und möglicherweise ein Fehleinschätzung. Die Mullahs haben mit mittelalterlichen archaischen patriarchalischen Verhältnissen weniger Probleme als der Westen. Man braucht nur nach Afghanistan zu schauen. Dort an dieser Mentalität haben sich bisher alle die Zähne ausgebissen. Nur in Afghanistan gibt es außer Opium nichts zu holen.

    Normalerweise wären bei den Top-Meldungen des Wochenendes die Sitzungen des chinesischen Volkskongresses dran gewesen. China wollte den USA zeigen, wo bei den seltenen Erden der Hammer hängt. Trump will den Chinesen zeigen, wo beim Öl der Hammer hängt. Jetzt zeigt der Iran den USA, wo beim Öl der Hammer hängt. Keine Ahnung, wieviel Prozent der dortigen Infrastruktur an Raffinerien, Pipelines, Tanklager und sonstigen Förderstätten noch intakt sind, wenn dieser Alptraum vorbei ist. Die Mullahs haben wie gesagt mit mittelalterlichen Verhältnissen weniger Probs als der Westen.
    Selbst wenn die Straße von Hormus irgendwann wieder offen sein sollte, die Produktionskapazität wird möglicherweise stark eingeschränkt sein. Stand jetzt sind bereits etwa 15% bis 25 % der Ölinfrastruktur durch Kriegseinwirkungen und Drohnen beeinträchtigt, die Produktion von Iranischem Öl ist um etwa 70% gesunken. Qatar 100 % LNG Stop mit Force Majeure.

    Ich denke das uns dieses Problem noch eine ganze Weile begleiten wird.

    Warren Buffet bleibt doch immer ein Fuchs, denn er hat sich mit Occidental Petroleum und Chevron zuletzt stark eingedeckt. Als ob er das hätte kommen sehen…

    Helmut Jonen jedenfalls sieht nach den längeren Anstiegen der Börse der jüngsten Zeit eher eine Rückkehr zu normaleren Verhältnissen. Er hat wie immer Cash schon länger gebunkert und wird starke Rücksetzer für größere Nachkäufe nutzen.

    was noch ?
    btw? bahnen sich am Privat Credit Markt Probleme an? Siehe Blackrock + Limitierung HPS Corporate Lending Fund? Blue Owl?

    1. Avatar von Hansi
      Hansi

      Hallo Thomas,
      es wird einfach ein Gamble der Leidensfähigkeit beider Seiten sein.

      Trump ist Businessman und macht möglichst schnelle Geschäftsabschlüsse. Er hat kein Interesse an langen Kriegen.
      Die USA hat ein riesiges Waffenbudget und zeigen damit nur wie korrupt und ineffizient ihr Militär ist pro eingesetzten Dollar ist.

      Die USA produziert viel zu wenig trotz des hohen Budget.Die Abwehrraketen-Vorräte sind auch zu gering. Will man riskieren zusehen zu müssen, wie iranische Shaheds arabische und israelische Infrastruktur kampflos zerstören können. Wenn man 25.000 Euro -Drohnen ständig mit 1 Mio+ Raketen runterholen muß, dann verliert man Dauer.

      Quantität hat eine eigene Qualität, dass verdeutlicht der Drohnenkrieg in der Ukraine.
      Der Westen hat bid heute nicht viel aus 5 Jahren Ukraine gelernt. Es ist schon peinlich, wenn ein ukr. Infantrietrupp bei NATO-Übungen es mit mehreren NATO-Regimentern aufnehmen kann und diese locker besiegt. Deswegen behaupte ich mal kein westlicher Staat kann ein halbes Jahr einen voll Krieg führen.

      Iran ist nicht Afghanistan und die Menschen haben einen gewissen Wohlstand erreicht. Wenn irgendwann keine Gehälter mehr gezahlt werden und die Inflation rapide steigt, wird man den Hass nicht komplett Richtung USA/Israel lenken können. Die iran. Regierung muß sich wie Russland 22 erst mal Bestandsaufnahme machen und die Stimmung der Bevölkerung abwägen. Mit Allahu Akbar geht natürlich Krieg führen wesentlich einfacher als im Westen. Wenn Iran große unterirdische Produktionskapazitäten aufgebaut und halten kann, dann wird die arab. Welt es bereuen in dieses Hornissennest gestochen zu haben.

      Mit nicht lange meinte ich als Vergleich Ukraine. Wenn der Irankrieg ein Jahr läuft, würde es mich nicht überraschen. Dumme Bomben hat USA genug, aber nicht ausreichend Flugabwehrkörper. Das reicht aber nicht um jetzt einen großen Aufschwung in der Rüstungsbranche zu sehen.

      Trump kann jederzeit einfach sagen Mission erfüllt und die Sache einstellen.

  15. Avatar von Thomas
    Thomas

    Ergänzung. Buffet hat doch einen gigantischen Cashberg. Was er wohl bei starken Rücksetzern damit alles kaufen kann ;) Er könnte bereits jetzt damit Goldman Sachs, Boeing, Exxon Mobil, Caterpillar, McDonalds, UPS oder Nike teilweise bereits mehrfach komplett kaufen…

  16. Avatar von Thomas
    Thomas

    sehr gute Zusammenfassung von dem, wo in China die nächsten 5 Jahre die Reise hingeht.
    https://www.focus.de/finanzen/news/chinas-fuenf-jahres-plan-ist-eine-kampfansage-an-die-usa_99652466-f007-4f6d-b4ea-870a7daed2d3.html
    wenn sich mal im Irankonflikt temporär der Rauch und Nebel etwas gelichtet hat, sieht man unter der Haube, das der Semiconductor-play und Speicherchip-play unverändert weiterläuft.
    Bin mal gespannt auf meine guten diesbezüglichen Startpositionen in China, wie die mal in zwei bis drei Jahren aussehen.

    Auch wieder spekulativ, wenn China hardwareseitig weiter aufholen/überholen will,
    (KI macht softwareseitig den Job alleine)
    sind sie auf intakte globale Lieferketten angewiesen. Sie würden sich ans eigene Knie pieseln, wenn sie durch Eskalation in Taiwan den technologisch hochsensiblen Hochleistungs-Hardwaresektor durcheinanderbringen würden. Vorläufig zumindestens brauchen sie die globalen Lieferstrukturen noch…

    Sam Altman für die USA hat sich zumindestens schon mal Peter Steinberger eingekauft…

    1. Avatar von UrsprungsFrank
      UrsprungsFrank

      Was die Medien inzwischen so über KI schreiben lässt sich vielfach unter dem Aspekt der Dämonisierung subsumieren. Es stimmt, dass die KI in den kommenden Jahren wesentlich wird, übersehen wird aufgrund des Scheuklappen-Geschreibsel von Journalisten (oder KI?) aber die gesellschaftliche Sprengkraft, die sich durch die Zukunftsvorstellungen der KP China für das Chinesische Volk ergibt. 20% Jugendarbeitslosigkeit, 300 Millionen sog. Gigs, CATL produziert bereits seit längerem Batterien ohne Personal. China macht also noch viel schlimmer den selben Fehler wie bei der Immobilien-Krise. Sie verspricht ihrem Volk Wohlstand und lässt sie dann mit leeren Wohnungen sitzen bzw. das bisschen Arbeit was ihnen noch bleibt ersetzen sie durch KI und Roboter. Die KP sieht nur noch USA und vergisst dabei ihre Mitmenschen. Da ist die Demografie noch das geringste Problem. Ein brutales Land. Mal sehen, was passiert, wenn der Export zusammenbricht. Habe mir gerade aus China einen Verstärker ala Denon für 40 Euro gekauft…

      Gruß Frank

  17. Avatar von Andreas
    Andreas

    Lieber Ben, lange habe ich überlegt, hier auf deine ausführliche Beschreibung deiner Gedanken zu antworten.
    Nun, denn es ist letztlich eine Entscheidung auch und gerade moralischer Natur. Wohl wissend, dass die Welt nicht schwarz/weiß bzw binär ist, so kommt es doch letztlich auf deine eigene Entscheidung an, die entweder doch 1 oder 0 ist.

    Stelle dir vor – du hältst deinen neuen Rasierer in der Hand und stehst vor dem Spiegel und siehst dich. Der Rasierer, egal ob edler Hobel oder schneller Elektrorasierer, stammt aus einer Dividende. Hat nach Steuern genau gepasst. Immer wenn du den Rasierer in der Hand hältst willst du eigentlich Schmunzeln über dein tolles Invest.

    Womit fühlst du die wohler?

    Was für ein schönes Gerät… (weiterer Gedankengang – siehe unten)
    -> toll das hat meine Rheinmetall bezahlt…?
    -> toll den Luxusrasierschaum kann ich mir auch kaufen, da kann ich das Geld rausballern so wie es bei Heckler & Koch läuft?
    -> hab ich doch länger drauf waren müssen, lief mit Kraft Foods echt lange nicht gut.

    Ist das polemisch – natürlich, etwas zumindest – aber du kannst ja jeden Euro den du investierst nur einmal investieren.
    Und wenn du sorgenfrei und nachhaltig in den Spiegel blicken kannst & dich wohl fühlst mit OHB (toll, da hat Deutschland eine Perle zur Nachrichtengewinnung und Aufklärung & glücklicherweise stellen die keine Wirkmittel (so nennen Militärs Waffen) her) oder mit Palantir (Peter Thiels Welt ist genau meine, mehr davon!), dann ist das legitim und deine freie Entscheidung.

    Wäre meine Entscheidung anders? Sicher! Ich finde für meinen Euro den ich investieren mag außerhalb von Defence auch genügend attraktive Dinge. Entgeht mir Rendite? Klar, die entgeht mir auch bei dem einen oder anderen Drogen- oder Glückspielproduzenten (und habe dennoch „Wein“ im Portfolio). So what – mein Markt ist immer noch groß genug. Bin ich dadurch irgendwie „besser“, „heilig“ oder „scheinheilig“. Nein, nein, vielleicht – denn sicherlich sind in den ETFs bei mir immer noch Dinge drin die ich nicht mag. Und auch bei Aktien sind „normale“ Firmen ja nicht nur „gut“ im eigenen Werteverständnis.

    Aber mit meinem Mix kann ich gut vor dem Spiegel stehen & freue mich auf die Rasur. ;-)

  18. Avatar von MrTrillion
    MrTrillion

    Lieber Ben,

    auch ich habe den Kursanstieg bei Rheinmetall verpasst – und zwar ganz bewußt. Allerdings ärgere ich mich darüber kein Stück, denn eher friert die Hölle zu, als dass ich keine 100 Jahre nach Operation Barbarossa und dem Stalingrad-Fiasko in die Rüstungsindustrie investiere. Sie ist die einzige, die ich gezielt ausschließe – Glückspiel, Tabak, Kohle habe ich aktuell zwar nicht im Depot, aber das hat keine ethischen Gründe.

    Ob der Ukrainekrieg ein Angriffskrieg war, wird in vielen Jahren die Geschichte endgültig beurteilen. Letztlich wird die immer von den Siegern geschrieben, denn frei nach Orwell hat derjenige Macht über die Zukunft, der auch die Vergangenheit kontrolliert.

    Ich wünsche mir seit 2022 nur noch eins: Das sofortige Beenden des gegenseitigen Abschlachtens an der Front und daß die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Denn nichts, wirklich absolut nichts, ist dieses Opfer wert. Jeder einzelne dieser zumeist zwangsrekrutierten Kriegstoten hatte Vater und Mutter, wurde viele Jahre lang mühsam hochgepäppelt und ist als Individuum unersetzlich – auch wenn die Welt sich jetzt ohne ihn weiter dreht.

    Mein Investment in die Deutsche Rohstoff AG zahlt sich angesichts der jüngsten Entwicklung im Iran gerade endgültig massiv aus, aber wüßte ich, daß ich diesen Krieg damit ein- für alle mal beenden könnte, würde ich es allen beteiligten Parteien sofort komplett schenken, denn darin läge für mich buchstäblich ein höherer Sinn und der wäre mir wichtiger.

    Leider funktioniert die Welt nicht so einfach, sonst wäre sie längst ein Paradies. Und natürlich ist mir klar, daß mein ganz persönlicher Rüstungsaktienboykott daran nichts ändern wird. So wie ich mich als Einzelperson überhaupt außerstande sehe, die Welt zu retten. Anders als die sowjetischen Offiziere Wassili Alexandrowitsch Archipow und Stanislaw Petrow, die Eier genug in der Hose hatten, eigenverantwortlich je einen ganzen Atomkrieg zu verhindern, sehe ich meinen Wirkungskreis da realistisch begrenzt. Das heißt aber nicht, daß ich jeden Blödsinn mitmachen muß.

    Börse bietet immer wieder Chancen und das zum Glück nicht nur in der Rüstungsindustrie. Würde ich dem jedes Mal nachtrauern, käme ich aus dem Heulen nicht mehr raus – schon beim Gedanken, was für Geld da nach 2008 auf der Straße lag nicht. Da hätte man ja auch ganz friedlich bei Amazon, Microsoft, Berkshire, Alphabet oder anderen Blue Caps hinlangen können, ohne sich die Hände mit Blut zu besudeln.

    Nein, ich habe meine Strategie, die ist langfristig, ertragsorientiert und noch einiges andere mehr und bisher bin ich damit unterm Strich gut gefahren – nämlich im Rahmen meiner Erwartungen. Wenn es so weitergeht, bleibe ich zufrieden und wer weiß, vielleicht entpuppen sich im Lauf der nächsten 10-15 Jahre ja andere Bestände als Renner, die meinen Kriterien genügen.

    Letzten Endes ist und bleibt es eine Gewissensentscheidung und nachdem dies eine freie Welt und das Investieren in Rüstungsaktien keine illegale Handlung ist, auch eine ganz persönliche. Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinen übrigen Beständen und daß Du einen Umgang mit dem Thema für Dich findest, mit dem Du nicht nur leben kannst, sondern auch Dein Wertesystem nicht auf eine Weise beschädigst, die Dir auf dem Sterbebett eines hoffentlich noch sehr fernen Tages mal bitter leid tun wird.

    Wie immer Du Dich entscheidest: Tu es sehr bewußt und stell Dir dabei vor, wie es sich anfühlen wird, wenn Du in vielen Jahren auf den heutigen Tag zurückblickst und Dich fragst, ob Du es noch einmal so machen würdest.

    Die Antwort darauf kannst nur Du selbst Dir geben.

    Freundliche Grüße
    Trillion

  19. Avatar von MrTrillion
    MrTrillion

    P.S.: Food for thought

    „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden.“
    Kurt Tucholsky

    „Man glaubt, für das Vaterland zu sterben – und stirbt für Industrielle.“
    Anatole France

    „Wenn wir uns gegenüberstehen, würden wir uns nicht erschießen.“
    „Kamerad, ich wollte dich nicht töten.“
    Erich Maria Remarque – aus: „Im Westen nichts Neues“

    „Every gun that is made … signifies a theft from those who hunger and are not fed.“
    Dwight D. Eisenhower

    Kriege haben nicht nur lokale Folgen. Weil Ukraine und Russland zentrale Akteure im globalen Agrar- und Düngermarkt sind, beeinflusst allein ihr Konflikt schon weltweit Lebensmittelpreise und Versorgung, was besonders arme Länder trifft.

    Die United Nations wollten mit den „Sustainable Development Goals“ den Welthunger bis 2030 beenden. Doch laut dem World Food Programme sind bewaffnete Konflikte heute der größte Treiber von Hunger – sie zerstören Landwirtschaft, blockieren Lieferketten und treiben Lebensmittelpreise weltweit nach oben. Das Programmziel wird voraussichtlich nicht mehr erreicht.

    Abschließend noch etwas, das in Deutschland kaum jemand auf dem Radar hat, da der WW1 hier erheblich historisierter ist als in den betroffenen Nachbarländern:

    Der WW1 endete 1918 – aber seine Waffen wirken bis heute:

    Teile der Zone Rouge sind über 100 Jahre später noch verseucht und teilweise unbewohnbar.
    Seit 1918 wurden hunderte Zivilisten in Frankreich und Belgien durch alte Munition getötet.
    Noch heute werden jährlich hunderttausende Granaten und etwa 400–500 Tonnen Munition gefunden.

    Der Krieg ist dort also nicht wirklich vorbei – er liegt noch immer im Boden.

    Fazit:

    Jede Waffe hat einen Preis.
    Und jede Rüstungsaktie ihren Kurs.

    Preise und Kurse werden hier und jetzt in Geld bezahlt.
    Doch auch hundert Jahre später liegen weitere Preise im Boden.

    Und noch viel mehr werden hungernd dort bezahlt, wo keine Fernsehteams hinsehen.

  20. Avatar von Thomas
    Thomas

    wirklich beeindruckend, hier so persönliche, wohl durchdachte und nachdenklich ausformulierte Gedanken zum Thema zu lesen. Respekt @all. !!!

    Aber die Realität.

    Bis etwa 2021 hatten alle gedacht, das Geld keinen Preis mehr hat und nun das Zeitalter der Nullzinsen/negativen Zinsen endgültig begonnen hat. Wir wurden eines besseren belehrt und nun haben wir am Zinsmarkt wieder die ewige (und unabänderliche) Realität, das Geld seinen Preis hat, der über Zinsen abdiskontiert wird und werden muß.

    Bis etwa 2021 hatten hier in Europa alle gedacht, das nach ww1 und ww2 alle Nationen ihre Lektion gelernt haben und es keine größeren Kriege mehr geben würde. Friedensdividende sozusagen.
    Konflikte wie in Serbien/Kroatien wurden unter der Kategorie Ausnahmen bestätigen die Regel verbucht und die nicht minder brutalen genozidalen Auseinandersetzungen in Afrika haben wir elegant übersehen, weil es war ja weit weg (not in my backyard) Die wirklich allerdümmste und dämlich-elitäre Begründung für die Ignoranz der Konflikte in Afrika liegt in der Begründung eines vielleicht niedrigen Bildungstandes und mangelnder Aufklärung dort. Es geht hier wie dort immer um Ressourcen.
    Jetzt kommen die Einschläge in der Ukraine und wir sitzen bedröppelt da, weil es jetzt langsam unseren backyard betrifft. Und es will einfach nicht aufhören. So sehr wir es uns auch wünschen.
    Jetzt kommt auch noch der Iran on top und das will auch nicht so schnell aufhören. Hier betrifft es auch unseren Backyard, weil Tankstelle, Inflation, Rezession und und und. Alles hängt am Öl. Nicht auszudenken, wenn das ganze Öl dort zwei, drei oder mehr Monate im nahen Osten festsitzt und vom Markt verschwindet. Der Glanz von Dubai, Kuweit, Katar, Oman usw. im Elend versinkt. Das würde volkswirtschaftlich schwere Verwerfungen mit sich bringen. Da reicht auch die Freigabe von nationalen Reserven nicht mehr. Was wenn es doch passiert? Die Iraner werden auch denken, das es schließlich ihr Land ist und es Trump vielleicht auch nur ums Öl geht und nothing else. Siehe Venezuela.
    Wenn der Iran-Konflikt in ein, zwei Wochen beendet ist, werden wir erleichtert aufatmen, denken: Glück gehabt und werden zur Tagesordnung übergehen. Uns freuen, wenn die Aktienkurse wieder schön steigen.
    So jetzt nur noch schnell Frieden in der Ukraine werden wir denken und dann können wir wieder satt und zufrieden zur Tagesordnung übergehen.

    Aber so einfach ist es nicht.
    Es gibt etwas das heißt Realität.

    Es gehört zur Ehrlichkeit dazu, das unsere mehr oder weniger pazifistische Verhaltensweise möglicherweise doch etwas wohlfeil ist, weil sie abhängig ist von der geographischen Entfernung zu unserem eigene Wohlstand.
    Wer seinen eigenen Wohlstand ganz direkt und unmittelbar bedroht sieht, wird doch mindestens nach dem Rechtsanwalt und der Polizei rufen. Gut, das es so etwas gibt.

    Als Gedankenexperiment: Was machen wir, wenn die Russische Armee in Deutschland einmarschieren würde. Würdet ihr Euch dann ordentlich an der Hauptstraße aufstellen und die Schlüssel zu Euren Häusern an die Soldaten abgeben und vlt noch die Frauen zur Gesellschaft dazu ? Oder rufen wir dann nach der Bundeswehr, und schimpfen über die Verantwortlichen dort wie so vieles wohlfeiles, worüber wir immer so leicht und billig meckern, weil wir nicht dafür zuständig sind.

    In Wirklichkeit hoffen wir doch nur und beten abends zu Gott, das es niemals dazu kommt. Wir rechnen Wahrscheinlichkeiten aus.

    Zweitens gehört es dann zwingend zur Ehrlichkeit dazu, nach der Verantwortlichkeit dafür zu suchen, wie eine Art von Mensch wie Donald Trump die Wahl nach allen Regeln der Demokratie gewinnen konnte. Obwohl bekannt war, wie er ist.
    Die Antwort ist, das das ganze linke, wohlfeile woke moralinsaure und elitär überhebliche Lager der US Demokraten, deren Ausläufer in Europa uns nur allzugut bekannt sind, noch viel schlimmere Nervensägen sind, weil sie uns selbst noch nachts uns mit erhobenem Zeigefinger erziehen wollen und zu feige sind, Verantwortung für die verlorene Wahl zu übernehmen und Trump wieder ganz billig die Schuld an allem Unglück der Welt zuweisen wollen.

    Aber die Europäer schreien ganz laut Hilfe Hilfe, wenn es um militärischen Schutz geht und Trump hier und Trump dort und ohne ihn geht es nicht.
    Weil es hier wieder um den eigenen Backyard geht.

    Das sollte zur Nachdenklichkeit dazugehören.

    An der Börse wird Zukunft und Realität gehandelt. Phantasie nur zeitweise. Realität immer.

    Genau wie es IMMER ein oben und ein unten, ein heiß und ein kalt, ein rechts und ein links, ein schnell und ein langsam, ein dick und ein dünn usw. geben wird, müssen wir uns der Realität stellen, das es auch in hundert Jahren noch militärische Auseinandersetzungen um Resourcen unter welchem Deckmantel auch immer geben wird. Punkt.
    Die werden dann mit Mitteln der KI geführt werden.

    Menschen sind so. Einer ist friedlich. Zehn vielleicht. Bei hunderten ist schon mindestens ein Stinker und Störenfried dabei. Bei Tausend sicher mehrere. Auch in hunderten von Jahren.

    Ohne Militär/Polizei/Law (was auch immer das gerade ist) geht es nicht. Fertig.

    Danke ausdrücklich @ Ben, das er so nachdenklich und reflektiert/tolerant seinen Blog führt.

    Mal sehen, wie lange das im Iran dauert…

  21. Avatar von JanB
    JanB

    Von der Theorie her sollte „ESG (und konstruktiv)“ langfristig „dreckig (und destruktiv)“ schlagen, in der Praxis erleben wir gerade eine Phase des Gegenteils.

    Ich kann nicht die ganze Welt retten – und wenn ich starre Prinzipien aufstelle, muß „irgendjemand“ die Einhaltung der Kriterien als unabhängiger Schiedsrichter beurteilen (und der darf sich nicht betuppsen lassen). Irgenwann wird es unpraktisch (der Stahl oder das vegane CO2-neutrale Schmierfett landet teilweise in Kugellagern, davon landen ein paar in einem Elektromotor und ein paar der Elektromotoren landen in einem Rüstungsgut) und erst kommt das Fressen, dann die Moral. Prinzipien zahlen nicht „die Miete“.

    Bei der Befragung durch die Bank habe ich angegeben, daß mir ESG-Kriterien egal sind. Trotzdem habe ich keinen Tabak (Geschäft mit dem Elend Dritter), kein Glücksspiel (so ähnlich), keinen Walfang, … und keine direkte Rüstung im Depot.

    Rüstungsgüter sind solange man damit nicht erfolgreich auf Beutezug geht (z.B. in Venezuela) streng genommen keine „Investition“, weil sie nichts produzieren. Vielleicht sind Defensivwaffen eine Art Versicherungsptämie weil sie etwas ermöglichen oder stabilisieren, mit Pech werden sie „Konsum“. Wir gönnen uns nach innen ja auch eine bewaffnete Polizei um die Guten vor den Bösen zu schützen.

    Vorwärtsgerichtet: Prinzipien über Bord werfen und bei der Betrachtung jedes Einzeltitels nachdenken „ob man seiner Oma am Sonntag die Bilder davon zeigen wollen würde“ (wie früher, als wir noch in billigen Filmen mitwirkten weil wir das Geld brauchten).

  22. Avatar von Luis G.
    Luis G.

    Ich überlege aktuell eine Position bei Chevron aufzubauen. Chevron sollte ja wirklich mit Exxon am meisten profitieren,oder?

    1. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Luis G.,

      Thomas Einwand ist berechtigt. Öl läuft gerade extrem gut. Der Vergleich mit Corona passt vielleicht nicht ganz, das war eine Ausnahmesituation (meine Meinung; Thomas ;) ). Wenn überhaupt würde ich mit einer kleinen Position reingehen. Allerdings musst Du mit einem größeren Rücksetzer rechnen; Ölaktien brennen gerade, also nur soviel investieren, dass Du Ölaktien im Blick hast. Langfristig wird der heutige Kurs nicht Bestand haben (Glaskugel!).

    2. Avatar von Hansi
      Hansi

      Gerade kam Meldung aus Iran:
      „Straße ist für alle Schiffe außer Israel, USA & Allierte frei.“
      Für China und Indien ist die Welt dann wieder in Ordnung.

  23. Avatar von Thomas
    Thomas

    @Luis G aber der Zeitpunkt wäre echt schlecht. Die sind doch grad heißgelaufen. Kann sein das die noch mal 10 20 oder 30 Prozent hochlaufen. Kann aber sein das es die in einem Jahr zum halben Preis gibt. Nach dem letzten Spike Oil 2020 konnte man ein halbes Jahr später Shell für knapp über 10 EUR das Stück einsammeln. Ich traue dem Frieden nicht, halte die Füße still. Bei starkem Einbruch würde ich auch stark nachkaufen. Keine Empfehlung.

  24. Avatar von Thomas
    Thomas

    @Börsenhai, hab mich etwas flüchtig ausgedrückt, stimmt schon. Aber siehe auch die Jahre 2007/8/9 und die Jahre 2014 bis 2016 hatten alle gemeinsam, das nach extremem Anstieg der extreme Fall kam beim Ölpreis. Ursachen und Parallelen zu heute kann sich jeder selbst raussuchen, bevor er/sie aktiv wird. Mir schwant auch hier wieder ähnliches, time das aber nicht.

    1. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Thomas,

      es widerspricht ja nicht deiner These.
      Im Prinzip gebe ich Dir ja recht. Also brauchst Du dich nicht entschuldigen. ;)

  25. Avatar von UrsprungsFrank
    UrsprungsFrank

    Ich bin immer wieder verblüfft wie sehr Investoren doch auch im Hier und Jetzt verhaftet sind. Selten wird rekapituliert, was z.B. in den letzten 30 Jahren für Modernisierungsschübe über die Menschheit gekommen sind. Ich glaube nicht zu viel zu behaupten, wenn ich sage, dass die Dynamik der Veränderungen noch mehr zunehmen werden als in den vergangenen Dekaden. Projekte, die mit Planung und Umsetzung mehr als 10 Jahre in Anspruch nehmen, sind einem hohen Risiko ausgesetzt, dass sie sich bei möglicher Inbetriebnahme überholt haben. Wenn man also mal die Zukunft weiterdenkt, so ist das doch gar nicht so unwahrscheinlich, dass der Deckungsbedarf von Energie mittels Öl und Gas auch recht schnell abnehmen kann. Für die Staaten im Nahen Osten ist die derzeitige Situation auch ein echtes Zukunftsdesaster. Gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen können sie nicht davon ausgehen, dass sie eben in Zukunft mit abnehmender Tendenz immer weniger gebraucht werden. Kurzum, obwohl ich selbst auch noch AGs in diesem Segment besitze, würde ich langfristig nicht mehr auf die Ölmultis setzen. Alternative Techniken sind da, optimieren sich immer schneller und werden stets billiger. Für Iran und Russland will es mir wie ein epochaler Endkampf ihrer Staatengefüge wie diese sich jetzt und der Vergangenheit darstell(t)en aussehen.

    Zum Timing: Ist nicht mein Ding. Dennoch, es gibt Aspiranten für Timing. Als Beispiel nennen ich nur einmal Yara. Der Chart der AG sagt alles.

    Schönen Sonntag at all

    1. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      UrsprungsFrank,

      Yara macht auch in Aluminium. Alu braucht was? Energie? Potzblitz!

      Öl zum verbrennen braucht niemand außer D so sehr. Wer auch immer das beschlossen hat.

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