Was Dich hier erwartet:
Ist es Liebhaberei, ein Faible oder schon eine Sucht? Die Versicherungsbranche hat es mir irgendwie angetan. Und sie ist seit jeher die am höchsten gewichtete Branche in meinem Dividendendepot.
Heute stelle ich eine weitere Versicherungsaktie vor, auf die ich erst jüngst aufmerksam geworden bin. Anlass war die Einladung zur Hauptversammlung, auf der ich einige interessante Tagesordnungspunkte entdeckte. Und da sie auch noch in der Nähe meines Wohnorts stattfand, bin ich einfach mal hingefahren.
Aus der Hauptversammlung heraus kaufte ich dann die erste kleinere Position. Offenbar waren andere anwesende Teilnehmer ebenfalls angetan, denn der Aktienkurs stieg erstmal in den nächsten Tagen.
Glücklicherweise ist die Nachfrage aber wieder zurückgegangen und ich konnte dann weitere Aktien günstig einsammeln.
Denn bei diesem Versicherungstitel kommt etwas zum Tragen, das meine anderen Titel nicht haben: die Marktkapitalisierung liegt unter 100 Millionen € und der Streubesitz ist bescheiden.
Warum aber genau das eine Chance darstellen kann und wie der Vorstand das Geschäftsmodell umstellt, erfährst Du in dieser Unternehmensvorstellung.
Als Aktie hat die DFV Deutsche Familienversicherung AG nicht den besten Ruf. Die bisherige Kursentwicklung ist enttäuschend gewesen und Anleger, die schon länger investiert sind, sitzen mehrheitlich auf Buchverlusten. Diese Vorstellung richtet jedoch den Blick voraus und hat als Basis das Kursniveau im Sommer 2025.
Ich halte Aktien der DFV Deutsche Familienversicherung AG, weshalb dieser Beitrag nicht als objektiv zu werten ist. Er ist durch die Anlegerbrille gefärbt. Ich habe ein Eigeninteresse daran, einen möglichst hohen Erlös aus meinem Investment zu erzielen. Die Eindrücke von der Hauptversammlung sind zudem subjektiv und andere Teilnehmer können sie komplett anders erlebt haben. Insbesondere ist dieser Beitrag keine Anlageempfehlung oder Anlageberatung. Er dient ausschließlich der Unterhaltung und hat den Zweck, Wissen über Vorgänge an der Börse zu vermitteln.
Genau wegen der historisch schwachen Aktienkursentwicklung stelle ich das Geschäft der DFV Deutsche Familienversicherung AG erst im hinteren Teil vor. Zunächst werfen wir einen Blick auf die Börsenhistorie.
Börsenhistorie
Die Vergangenheit der DFV Deutsche Familienversicherung AG an der Börse ist ein Musterbeispiel für den deutschen Kapitalmarkt. Und zwar in negativer Form. Die Aktie war nicht einmal ganze 6 Jahre im regulierten Markt notiert: Der Börsengang erfolgte am 04.12.2018 zu einem Preis von 12,00 € und am 17.09.2024 wurde das Delisting zu einem Preis von 6,60 € bekanntgegeben (wirksam zum 29.11.2024). Dazwischen lag aber auch noch eine Kapitalerhöhung zu 24,40 €.
Ursprünglich war damals übrigens der Börsengang schon für den 14.11.2018 geplant gewesen. Die Bookbuilding-Spanne von 17,00 € bis 23,00 € war aber offenbar zu hoch, so dass der Börsengang zunächst abgesagt wurde. Und dann eben zu einem Festpreis von 12,00 € drei Wochen später doch erfolgte.
Spannend war die Struktur des Börsengangs: 4,37 Mio. Aktien wurden per Kapitalerhöhung neu ausgegeben und der Gesellschaft flossen damit 52,1 Mio. € zu. Positioniert hatte sich die DFV Deutsche Familienversicherung damals als „Erster Insurtech IPO Europas“ und sollte quasi die Antwort auf Lemonade in den USA sein. Lemonade war 2016 gegründet worden, ging aber erst 2020 an die Börse.
Bei der Kapitalerhöhung im Juli 2020 wurden weitere 1,33 Mio. Aktien platziert. Der Bruttoemissionserlös von 32,35 Mio. € floss ebenfalls der Gesellschaft zu.
Damit hat die DFV Deutsche Familienversicherung in den Jahren 2018 und 2020 rund 80 Mio. € vom Kapitalmarkt eingenommen. Im Jahr 2025 liegt die Marktkapitalisierung bei einem Aktienkurs von 6,20 € bei gerade einmal 90 Mio. €.
In diesem Zusammenhang ist ebenfalls interessant, dass das Eigenkapital zum 31.12.2024 69 Mio. € betrug, was 4,72 € je Aktie entspricht.
Seit dem Delisting ist die Aktie nur noch an der Börse Hamburg und bei Lang & Schwarz handelbar.
Aktionärsstruktur und Streubesitz
Die DFV Deutsche Familienversicherung hat drei große Aktionäre: Der Gründer und Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Knoll hielt zum Delisting 19,55%, die Erben seines Mitgründers lagen bei 19,12% und Luca Pesarini (Gründer der Fondsgesellschaft ETHENEA) erhöhte seinen Anteil durch das Delisting-Übernahmeangebot und Zukäufe von 25,00% auf 39,85%. 14,28% werden von der VPV-Lebensversicherungs AG gehalten. Damit liegen 92,8% in festen Händen.
Auf der Hauptversammlung 2025 waren zudem die Spezialisten für Sondersituationen aus der Friesenstraße in Köln (Scherzer & Co. und RM Rheiner Management) mit 0,29% Anteilsbesitz vertreten.
Damit sind 93,09% nicht auf dem Markt. Die nicht zuzuordnenden 6,91% entsprechen lediglich 1 Mio. Aktien oder rund 6 Mio. € Marktkapitalisierung. Das erklärt, warum schon kleinere Kauf- oder Verkaufsorders die Preisfeststellung stark beeinflussen können.
Cash-Flow
Mit dem Delisting hat das Management eine Entscheidung getroffen: Bisher stand theoretisch immer frisches Geld zur Verfügung, weil man eine Kapitalerhöhung über die Börse hätte platzieren können. Deshalb lautete die Devise: Wachstum vor Profitabilität. Durch entsprechendes Marketing ließen sich fast beliebig Kunden und Verträge einkaufen.
Nun aber hat ein Schwenk stattgefunden: die Gesellschaft ist profitabel und strebt nur noch profitables Wachstum aus eigener Kraft an. Erkennbar ist das erstmals im Jahr 2024 als ein operativer Cashflow von 5,3 Mio. € erzielt wurde. Die liquiden Mittel sind entsprechend auf 5,9 Mio. € angestiegen.

Ausdrücklich steht in der Unternehmensprognose für 2025, dass „der Pfad der Profitabilität nicht verlassen werden“ soll.

Geplantes Ergebnis 2025 und Dividendenfähigkeit
Für das laufende Geschäftsjahr 2025 plant der Vorstand mit einem Ergebnis vor Steuern von 5 bis 8 Mio. €.

Zudem sollen die Versicherungsbeiträge organisch um 5% auf 175 Mio. € steigen.
Steuerlich verfügt die Gesellschaft noch über einen Verlustvortrag von 21,6 Mio. €, so dass das Vorsteuerergebnis im Wesentlichen auch dem Nachsteuerergebnis entsprechen sollte.
In der Hauptversammlung wurde – und das ist das Spannende aus meiner Sicht – dann auch verkündet, dass ein Gewinn in der geplanten Größenordnung dazu führen würde, dass die Gesellschaft dividendenfähig wird. Und wörtlich hieß es sogar: „Wir haben die Zahlung einer Dividende fest vor!“.
Auf der Tagesordnung der Hauptversammlung fand sich auch ein dazu passender Punkt (TOP 5): Beschlossen wurde im Ergebnis eine Umwandlung von 10 Mio. €, die bisher als gebundene Kapitalrücklage (§ 272 Abs. 2 Nr. 1 HGB) geführt wurden in eine freie Kapitalrücklage (§ 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB). Das entspricht exakt 0,69 € je Aktie, die damit theoretisch steuerfrei an die Aktionäre ausgeschüttet werden können.
Dieser Betrag wird voraussichtlich nicht als Dividende für das Jahr 2025 bezahlt werden. Realistisch ist angesichts des angestrebten Gewinns eher ein Betrag von 0,35 €. Aber auch das würde eine attraktive Dividendenrendite von 5,8% ergeben. Sie würde zudem ohne Abzug von Steuern ausgezahlt werden. Gleichzeitig würde aber der steuerliche Einstand reduziert, so dass dann bei einem späteren Verkauf der mögliche steuerpflichtige Aktienkursgewinn höher ist
Im 2027 könnte noch einmal eine solche Dividende gezahlt werden, danach wäre sie dann steuerpflichtig. Es sei denn, die Hauptversammlung würde erneut eine Umwandlung von gebundenen Kapitalrücklagen in freie Kapitalrücklagen beschließen. Denn weitere 29,718 Mio. € stehen als gebundene Kapitalrücklagen in der Bilanz und würden bei einer Umwandlung weitere 2,03 € je Aktie steuerfreie Ausschüttungen ermöglichen.
Theoretisch könnte die DFV Deutsche Familienversicherung damit die nächsten 7 Jahre eine steuerfreie Dividende in Höhe von 0,35 € ausschütten. Immer vorausgesetzt, es wird auch ein entsprechender operativer Gewinn erzielt und die Liquidität lässt die Ausschüttung zu.
Geschäftsmodell
Die DFV Deutsche Familienversicherung ist ein digitaler Direktversicherer. Ihr Geschäftsmodell basiert auf vollständig digitalisierten Prozessen in allen Bereichen des Unternehmens – von der Produktentwicklung und dem Vertrieb bis zur Schadenabwicklung. Die Versicherungsprodukte werden online vertrieben und dafür digitale Vertriebskanäle wie Google, Apps und Direktmarketing genutzt.
Als vergleichsweise junge Versicherung sind die internen Prozesse weitgehend automatisiert und viele Vorgänge werden „dunkel“ verarbeitet, also ohne menschliches Eingreifen.
Das Versicherungsspektrum ist bisher stark fokussiert und bezieht sich auf einfache Produkte, die sich leicht digital ohne intensive Beratung abbilden lassen: Krankenzusatz-, Pflege-, Unfall-, Sach- und Tierversicherungen. Schadensmeldungen können über eine App sehr schnell abgewickelt werden.
Hauptprodukt ist die Zahnzusatzversicherung, gefolgt von der Tierkrankenversicherung.
Delisting
Die DFV Deutsche Familienversicherung ist seit 2024 infolge des Delistings nicht mehr offiziell börsennotiert, wird aber weiterhin an der Börse Hamburg und über Lang & Schwarz gehandelt. Damit ist sie sogar über Trade Republic handelbar. Die Bedeutung eines Delistings habe ich hier ausführlich erläutert.
Vorliegend bedeutet das Delisting vor allem eine eingeschränkte Transparenz. Geschäftszahlen werden nicht mehr unterjährig kommuniziert und auch Directors Dealings müssen nicht mehr publiziert werden. Den Aktionären bleibt deshalb nur der Blick in den jährlichen Geschäftsbericht und die Hauptversammlung, um sich zu informieren. Das rechtfertigt sicherlich einen Abschlag im Aktienkurs. Auf der anderen Seite bietet es die Chance, sich selbst ein tieferes Bild zu machen und in eine Aktie zu investieren, die vom Kapitalmarkt nicht mehr aktiv begleitet wird.
Für das Delisting selbst sind direkte und indirekte Kosten von 1,3 Mio. € angefallen, die im Jahresabschluss 2024 verbucht wurden. Der Vorstand bezifferte in der Hauptversammlung 2025 die jährlichen Einsparungen durch das Delisting auf 1,25 Mio. €.
Management
Der wichtigste und bestimmende Kopf der DFV Deutsche Familienversicherung ist der Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Knoll. Er ist der Gründer der Gesellschaft und war zuvor viele Jahre als promovierter Jurist bei der Allianz tätig. Er ist 1957 geboren und sein Vertrag läuft noch bis 2029. Nach eigenen Angaben wird dies voraussichtlich seine letzte Vertragsperiode sein, so dass er mit 72 Jahren in Ruhestand gehen würde. Er spricht selbst davon, dass er eine militärische Neigung habe und ist bekannt für provokative Statements, klare Worte und ehrgeizige Ziele. Knoll ist überzeugt, dass Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Branche grundlegend verändern und setzt konsequent auf kosteneffiziente und automatisierte Prozesse. In seiner HV-Rede setzte er eigene Spitzen gegenüber der „altehrwürdigen“ Versicherungsbranche, in der immer noch vieles über Papierformulare abgewickelt würde.
Der Name „Familienversicherung“ wird von Knoll offenbar auch in dem Sinne verstanden, dass es ein Familienunternehmen ist. So ist sein Sohn Maximilian Chief Operating Officer und seine Tochter Victoria Chief Commercial Officer und Chief HR Officer. Beide jedoch nicht als Vorstandsmitglieder, sondern ausgestattet mit Prokura.
Vorstandsmitglieder sind neben Dr. Stefan Knoll der CFO Dr. Karsten Paetzmann, Ansgar Kaschel als CSO für Vertrieb und Marketing und die CIO Dr. Bettina Hornung als IT-Verantwortliche.
Weitere Planung
Als wäre die Dividendenfähigkeit und der Wille zur Ausschüttung in 2026 noch nicht genug gewesen, wurde auf der Hauptversammlung auch noch auf Pläne zur Schaffung einer Holdingstruktur hingewiesen. Sie ist notwendig, wenn weitere Versicherungsgeschäfte betrieben werden sollen. Das Versicherungsaufsichtsgesetz fordert die sogenannte Spartentrennung (§ 8 Abs. 4 VAG): Versicherungsunternehmen, die im Lebens- oder Krankenversicherungsgeschäft tätig sind, dürfen keine anderen Versicherungssparten (wie etwa Schaden- und Unfallversicherung) betreiben.
Die DFV Deutsche Familienversicherung will deshalb einen reinen Sachversicherer gründen, um zukünftig – in einer rechtlich getrennten Einheit – auch eine Krankenvollversicherung anbieten zu können. Perspektivisch soll dann auch die Möglichkeit geschaffen werden, Lebensversicherungen (in einer dritten rechtlichen Einheit) anzubieten.
Die dann notwendige Holdingstruktur soll der Hauptversammlung 2026 vorgestellt und mit entsprechenden Anträgen zur Beschlussfassung gestellt werden.
Mein Engagement
Im Juni und Juli 2025 habe ich insgesamt 2.600 Aktien der DFV Deutsche Familienversicherung gekauft. Aufgrund der Marktenge habe ich mir dafür Zeit gelassen und die Käufe in kleinere Tranchen aufgeteilt.
Exemplarisch hebe ich drei Käufe hervor: Der Erstkauf erfolgte am 03.06.2025 zum Kurs von 6,20 €. Das war der oben beschriebene Kauf aus der Hauptversammlung heraus.

Der Kauf zum niedrigsten Aktienkurs erfolgte am 19.06.2025 zum Kurs von 6,05 € über Lang & Schwarz.

Und die größte Tranche kaufte ich am 14.07.2025 zum Kurs von 6,10 € an der Börse Hamburg.

Insgesamt habe ich für meine 2.600 Aktien als Kaufpreis 15.960,87 € inklusive aller Gebühren bezahlt. Das entspricht einem durchschnittlichen Einstandskurs von 6,14 € je Aktie.
Meine weitere Strategie
So lang sich der Aktienkurs unterhalb des Delisting-Übernahmeangebotspreises von 6,60 € bewegt, bin ich bereit, meine Depotposition zu erhöhen.
Wenn einer der Großaktionäre, der als Aufsichtsrat auch noch einen besseren Einblick in das Unternehmen hatte, vor einem Jahr 6,60 € je Aktie als günstig ansah, dann sollte das jetzt erst recht der Fall sein.
Das Depotgewicht meiner Position liegt nun bei rund 3%. Das lässt mich entspannt auf den Aktienkurs blicken. Nach Unten halte ich das Rückschlagrisiko tatsächlich für begrenzt. Die in Aussicht gestellte Dividende macht die Aktie bei Kursen unter 6,00 € noch attraktiver.
Nach Oben sehe ich aber aktuell auch kein kurzfristiges Potenzial. Es gibt schließlich keine unterjährigen Nachrichten mehr. Ein Gewinn von 6 Mio. € in 2025 würde einem Gewinn je Aktie von 0,41 € entsprechen. Bezogen auf meinen Einstand entspricht das einer Bewertung mit dem 15-fachen. Das ist jetzt keine krasse Unterbewertung. Schafft das Unternehmen allerdings das obere Ende der Planung mit 8 Mio. €, dann wären das 0,55 € je Aktie. Und damit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11. Mit Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2025 kann ich mir deshalb schon vorstellen, dass die Aktie an Nachfrage gewinnt.
Bei der DFV Deutsche Familienversicherung gilt es aber in jedem Fall zu beachten, dass die Aktie markteng ist. Es ist nicht so einfach, zu günstigen Kursen eine größere Position aufzubauen. Kauforders sollten deshalb in jedem Fall limitiert aufgegeben werden. Das gilt natürlich genauso für etwaige Verkaufsorders.
Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, werde ich dauerhaft nicht zu den Verkäufern gehören. Entwickelt sich das Unternehmen wie in Aussicht gestellt, dann habe ich einen soliden Dividendenwert zu einem günstigen Einstiegskurs im Depot, der mit einem moderaten und profitablen Wachstum in den nächsten Jahren seinen Weg gehen wird.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | DFV Deutsche Familienversicherung |
| ISIN: | DE000A2NBVD5 |
| Im Divantis-Depot seit: | 03.06.2025 |
| Letzter Nachkauf am: | 28.07.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 2.600 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 6,14 € |
| Gesamtkaufpreis: | 15.960,87 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 0,00 € |
| Aktuelle Strategie: | Bei Kursrückgang nachkaufen |


Kommentar verfassen