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Sie war für mich über lange Jahre die „perfekte“ Aktie, um den IT-Bereich abzudecken. Auf der einen Seite die klassischen Produkte mit einer überragenden Marktstellung und auf der anderen Seite ein stark wachsender Cloud-Bereich und eine Beteiligung am führenden AI-Anbieter. Doch in den letzten Monaten hat sich das Bild gewandelt: auf einmal wird klar, welch massiven Investitionen notwendig sind, um das Wachstumstempo aufrecht zu erhalten. Und im AI-Sektor sind andere Anbieter vorbeigezogen.
Befindet sich das Unternehmen damit schon im Krisenmodus und muss ich mein Investment hinterfragen? Ganz so dramatisch ist es aus meiner Sicht zwar noch nicht, aber eine gewisse Vorsicht ist sicherlich nicht verkehrt. Insbesondere ist fraglich, ob die ergriffenen Gegenmaßnahmen zum Erfolg führen.
In diesem Beitrag erfährst Du, warum ich meine Depotposition moderat gestutzt habe und wie nun meine zukünftigen Erwartungen aussehen. Und auch, warum ich nun eher entspannt auf die Aktie schaue.
Die Microsoft-Aktie gehört seit 2017 zu den Topwerten in meinem Dividendendepot. Bis vor einem guten Jahr hatte sie sich ungefähr versiebenfacht und erreichte Ende Oktober 2025 sogar bei 542,07 US$ ein Alltime-High.
Davon ist die Aktie inzwischen jedoch wieder ein gutes Stück (29%!) entfernt.
Ursprünglich hatte ich 100 Aktien hier im Jahr 2017 gekauft. Im 10-Jahres-Chart ist ein stringenter Anstieg bis Ende 2021 gut zu erkennen. Er endet ungefähr mit meinem Nachkauf von 10 Aktien (in 2 Tranchen). Nach dem erneuten Anstieg bis 2024 hatte ich diese nachgekauften Aktien mit einem schönen Gewinn verkauft, da mir die Position dann insgesamt doch zu groß war. Die ursprünglichen 100 Aktien hielt ich dann weiter, nahm jedoch im März diesen Jahres einen Teilverkauf vor. Im Chart ist das genau die Stelle, in dem die Abwärtsbewegung vom Allzeithoch endet…
Aktuell kämpft die Aktie um die 400-Dollar-Marke und notiert leicht darunter:

Teilverkauf
In meinem Monatsbericht zum März hatte ich Anfang April schon darüber ausführlich berichtet, dass ich bei Microsoft einen Teilverkauf vorgenommen hatte. Zur Dokumentation kommen hier nun noch die Details und die offizielle Abrechnung: Ich verkaufte 15 Aktien am 27.03.2026 zu einem Kurs von 312,25 € im Direkthandel über Lang & Schwarz. Nach Abzug einer Provision von 11,71 € erhielt ich einen Verkaufserlös von 4.672,04 €. Ich wollte damit eigentlich nur meinen Einstand wieder zurückhaben und habe das auch gemeinsam mit den bisher erhaltenen Nettodividenden und einem früheren realisierten Gewinn geschafft. Ich war aber davon ausgegangen, dass ich noch Abgeltungssteuer auf den Gewinn zahlen müsste. Ich hatte nicht im Blick, dass ich bei maxblue noch einen gefüllten Aktienverlusttopf stehen hatte. So hätte ich eigentlich nur 13 Aktien verkaufen müssen, um mein Ziel zu erreichen…

Dividende
Microsoft zahlt erneut eine Quartalsdividende von 0,91 US$. Für die „nur noch“ 85 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt sich eine Brutto-Dividende von 77,35 US$. Sie wurde von maxblue zum Kurs von 1,1583 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 49,72 €. Sie wird mit Wertstellung 15.06.2026 überwiesen.

Außerdem habe ich einen Sparplan auf Microsoft bei Trade Republic angelegt, der bisher aber noch nicht nennenswert bestückt ist. Er dient zur Wiederanlage der Dividende und des Überschusses aus den Teilverkäufen über meinem Einstand.
Aus dieser Mini-Position habe ich 0,12 € netto erhalten. Interessant finde ich dabei, dass der Umrechnungskurs von Trade Republic besser als bei maxblue ist und die Wertstellung der Dividende auch 4 Tage früher erfolgt. Das bestätigt die Ergebnisse meiner Vergleiche bei den monatlichen Dividendenzahlungen von Realty Income.

Dividendenrendite
Annualisiere ich die Quartalsdividende, dann zahlt Microsoft eine Jahresdividende von 3,64 US$. Bei einem Aktienkurs von 397,36 US$ (Schlusskurs am 10.06.2026, dem offiziellen Dividendenzahltag) ergibt das eine Dividendenrendite von 0,91%. Bei einem heutigen Kauf dürfte es jedoch etwas mehr sein, da Microsoft traditionell seine Dividende zur Dezember-Zahlung erhöht.
Yield on Cost
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) profitiert von meiner vergleichsweise langen Haltedauer und den zwischenzeitlichen Dividendenerhöhungen. Rechne ich die Jahresdividende zum jetzigen Umrechnungskurs um, dann erhalte ich 267,12 € auf einen Einstand von 5.481,28 €. Das ist ein YoC von 4,87%.
Perspektiven
Ich muss schon zugeben, dass mich der Abwärtstrend bei Microsoft Ende März dann so weichgekocht hatte, dass ich einfach mal etwas Geld vom Tisch nehmen wollte. Der Teilverkauf war dann auch so dosiert, dass er meine Dividendenerträge kaum berührt. Das Niveau ist – durch die zwischenzeitliche Dividendensteigerung und den stärkeren Dollar – ungefähr vergleichbar mit dem Vorjahr.
Seitdem merke ich jedoch, dass ich wieder komplett entspannt mit der Depotposition umgehen kann. Microsoft – lange Zeit mein drittgrößter Wert im Depot – steht nun „nur noch“ auf Platz 7. Das geht einher mit den Sorgen, die sich in den letzten Monaten aus dem AI-Hype für Microsoft ergeben haben.
Denn lange Zeit war Microsoft mit der Beteiligung an OpenAI einer der AI-Profiteure schlechthin. Doch mit zunehmender Konkurrenz durch Anthropic und Google verlor Microsoft das Alleinstellungsmerkmal. Und als dann das Bewusstsein stieg, dass exorbitante Investitionen für die konkurrierenden AI-Unternehmen erforderlich sind, kehrte eine gewisse Ernüchterung ein.
Die Quartalsergebnisse selbst sind bei Microsoft seit jeher beeindruckend. Zuletzt wurde über einen Quartalsumsatz von 82,9 Mrd. US$ berichtet, ein Plus von 18% gegenüber dem Vorjahresquartal. Auf diesem Niveau immer noch zweistellig zu wachsen, ist nicht selbstverständlich. Der operative Gewinn legte sogar um 20% auf 38,4 Mrd. US$ zu. Der Gewinn je Aktie konnte auf 4,27 US$ gesteigert werden (+23%).
Getragen wird das Ergebnis und das Wachstum natürlich weiterhin – wie inzwischen schon einige Jahre – vom Cloudgeschäft. Es stand für 54,5 Mrd. US$ Umsatz (+29%) und macht damit inzwischen Zweidrittel des Umsatzes aus. Das ganz klassische Geschäft wie Windows OEM oder Xbox ging hingegen um 2% bzw. 5% zurück.
Um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, sind aber hohe Investitionen erforderlich. Das Geschäft skaliert zwar, aber es bedarf neuer Rechenzentren usw. Im nächsten Quartal sollen so über 40 Mrd. US$ investiert werden.
Natürlich ist es richtig, jetzt zu investieren und den Anschluss nicht zu verpassen. Und bei einer Bruttomarge des Cloudgeschäfts von 64% ist das auch profitabler Kapitaleinsatz. Trotzdem stellt sich die Frage, ob das immer so weitergehen wird und woher die Ausschüttungen an die Aktionäre (Dividenden und Aktienrückkäufe) in Zukunft kommen werden.
Im gesamten Geschäftsjahr wird mit etwa 190 Mrd. US$ Investitionen geplant. 25 Mrd. US$ kommen dabei durch Preiserhöhungen bei Komponenten zustande. Und das ist genau die Crux an der Sache: Profiteure dieser gewaltigen Investitionen (und Microsoft ist ja kein Einzelfall) sind die Hardwareausrüster. Sie erleben eine nicht für möglich geglaubte Sonderkonjunktur und verdienen sich eine goldene Nase. In meinem Depot hat das z.B. dazu geführt, dass Lam Research im Depotgewicht deutlich vor Microsoft gerückt ist. Und auch Cisco macht mit seiner jüngeren Performance sehr viel Freude.
Wenn ich mich aktuell entscheiden müsste, dann würde ich auch lieber auf Hardware konzentrieren. Gleichzeitig haben mir die vergangenen Jahrzehnte gezeigt, dass Microsoft nicht in Gefahr ist. Das Unternehmen hat es immer geschafft, sich neu zu positionieren und hat den Aktionären viel Freude bereitet. Aber es gab auch immer mal mehrjährige Schwächephasen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns nun auch wieder in seiner Periode befinden.
Mein Teilverkauf hat mich jedoch entspannt und ich werde der Entwicklung einfach zuschauen. Ich habe ja jetzt nur noch meine Gewinne im Feuer und kann da auch mit einem zwischenzeitlichen Rückgang leben. In dieser Phase werden die Dividende weiter fließen und wohl auch erhöht werden. Und wenn es irgendwann wieder aufwärts mit dem Aktienkurs gehen sollte, dann kann das so schnell passieren, dass man eben zuvor investiert sein sollte.
In den letzten Tagen kamen nun verstärkt Meldungen auf, dass sich Microsoft von OpenAI emanzipiert. Microsoft verstärkt die Entwicklung eigener KI-Modelle (wie die Phi-Familie für Small Language Models), die lokal oder kostengünstiger auf Azure laufen, ohne dass Lizenzgebühren an OpenAI fließen. Ziel ist es, die Marke Copilot technologisch so unabhängig zu machen, dass im Hintergrund die KI-Modelle flexibel ausgetauscht werden können – egal ob sie von OpenAI, einem anderen Partner oder aus eigener Entwicklung stammen.
Außerdem entwickelt Microsoft eigene KI-Chips (wie dem Maia 200) und reduziert so die Abhängigkeit von Nvidia. Am Ende soll damit auch die Azure-Cloud für die eigenen, maßgeschneiderten KI-Modelle optimiert werden.
Damit hat sich Microsoft auf der einen Seite durch seinen 27%-Anteil eine sichere Position aufgebaut, falls OpenAI der avisierte Börsengang gelingt und/oder Gewinne einfährt. Gleichzeitig stellt sich Microsoft technologisch so unabhängig auf, dass es im KI-Rennen auch dann ganz vorne mitspielt, wenn die Partnerschaft mit Sam Altman irgendwann komplett in die Brüche gehen sollte.
Diese Entwicklung bestätigt mich darin, jetzt nicht ernsthaft von Krise im Zusammenhang mit Microsoft zu sprechen. Der Aktienkurs zeigt zwar keine positive Entwicklung mehr, aber das Unternehmen entwickelt sich weiter. Und im Ergebnis vertraue ich darauf, dass es Microsoft erneut gelingen wird, sich als führendes Unternehmen zu positionieren.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Microsoft |
| ISIN: | US5949181045 |
| Im Divantis-Depot seit: | 11.10.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | 13.12.2021 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 85 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 68,72 € |
| Gesamtkaufpreis: | 5.841,28 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 1.239,36 € |
| durch Teilverkauf am 19.7.2024 realisierter Gesamtgewinn (Kurs & Dividenden): | 1.219,21 € |
| durch Teilverkauf am 27.03.2026 realisierter Gesamtgewinn (Kurs & Dividenden): | 3.914,67 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren, Dividende reinvestieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Earnings Release FY26 Q3 – Microsoft Cloud and AI Strength Fuels Third Quarter Results |
| Fourth Quarter / Fiscal Year 2026 Outlook |


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