Lange Zeit war SAP das wertvollste börsennotierte Unternehmen in Deutschland. Doch die klare Nr. 1 im DAX hat Federn lassen müssen. Auf einmal gibt es Zweifel, ob das Geschäftsmodell von SAP der rasanten Fortentwicklung der KI-Modelle wird standhalten können.
Und für ein paar Tage hat sich – pünktlich zur eigenen Hauptversammlung – ein altehrwürdiger Technologiekonzern auf den ersten Platz geschoben. Immer noch oftmals als „Maschinenbauer“ tituliert, ist das Unternehmen inzwischen aber auch sehr softwarelastig. Und diese Entwicklung wird von den Märkten wohlwollend begleitet – mit einem steigenden Aktienkurs.
Nun stellt sich die Frage nach den Perspektiven: Schreitet die Transformation so weit voran, dass der Aufwärtstrend im Aktienkurs fortgesetzt werden kann? Und reicht das dann wirklich, um SAP dauerhaft abzuhängen?
Wie ich die weitere Entwicklung einschätze und welche Highlights sich das Management für die nächsten Monate ausgedacht hat, erfährst Du in diesem Beitrag.
Im Langfristchart des DAX-Schwergewichts Siemens ist deutlich erkennbar, dass die Position in meinem Depot in den ersten Jahren viel Geduld erforderte. Dem ersten Kauf im Januar 2014 folgte eine Seitwärtsbewegung mit leicht fallender Tendenz. Die nächsten fünf Käufe fanden allesamt auf niedrigerem Kursniveau statt. Ein kleines Hoch im Jahr 2015 animierte mich damals, ein paar Gewinne mitzunehmen (Teilverkauf). 2016 und 2017 kaufte ich die Aktien wieder zurück und ab dann stand meine Position bei 120 Stück. Größere Kursrücksetzer gab es 2020 mit dem Corona-Crash und 2022 mit dem russischen Angriff auf die Ukraine – alles gute Kaufgelegenheiten. Genauso wie in den Trumpschen Zollwirren des letzten Jahres. Da tauschte die Siemens-Aktie noch mal auf 178 € ab, nur um dann bis zum neuen Allzeithoch von 261,75 € am 13. Januar 2026 zu steigen. Den Konzern habe ich hier vorgestellt.

Dividendenzahlung
Siemens zahlt in diesem Jahr eine Dividende in Höhe von 5,35 €. Gegenüber dem letzten Jahr (5,20 €) ist das eine Erhöhung um 2,9%. In den beiden Vorjahren lag die Erhöhung noch jeweils bei 10,6%. Für die weiterhin 125 Siemens-Aktien in meinem Dividendendepot ergibt sich eine Brutto-Dividende von 668,75 €. Da ich die Aktien aufgrund des stark unterschiedlichen Einstands in zwei separaten Depots halte, habe ich auch zwei Dividendenabrechnungen. Beim S-Broker liegen die 120 „alten“ Aktien und ich habe einen Freistellungsauftrag erteilt. Dort wurden mir deshalb keine Steuern abgezogen. Die 5 „neuen“ (erst im letzten Jahr nachgekauften) Aktien liegen bei flatex und mir wurde die normale Kapitalertragsteuer und der Solidaritätsabschlag berechnet. In der Addition erhalte ich eine Netto-Dividende von 661,70 €. Sie wurde mit Wertstellung 17.02.2026 überwiesen.


Die aktuelle Dividendenrendite von Siemens liegt bei 5,35 € Dividende und einem Aktienkurs von 235,75 € (Kurs vom Dividendenzahltag) bei 2,3%. Es ist aus meiner Sicht wahrscheinlich, dass es auch im nächsten Jahr eine Dividendenerhöhung geben wird. Bei einem heutigen Kauf wäre die Dividendenrendite damit voraussichtlich etwas höher.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) ist kompliziert. Wenn ich einfach nur meinen Bestand von 125 Aktien nehme, dann habe ich dafür 12.521,55 € bezahlt. Das entspricht 100,17 € pro Aktie. Die 5,35 € ergeben damit einen YoC von 5,34%. Dabei könnte ich es jetzt einfach belassen. Aber mir gefällt es, ein bißchen mehr zu differenzieren:
Bei den 120 „alten“ Aktien habe ich einen Einstand von ursprünglich 11.477,90 € (95,65 € je Aktie). Der YoC liegt für diese Aktien somit eigentlich bei 5,59%.
Allerdings wurde dieser Einstandspreis steuerlich durch die Abspaltung von Siemens Energy um 3.825,97 € reduziert. Seitdem beträgt mein steuerlicher Einstand je „alter“ Aktie nur noch 63,77 €. Und mein YoC damit 8,39%.
Und es geht noch weiter, mit den möglichen Werten: Die Siemens Energy Aktien habe ich seinerzeit für 1.488,83 € verkauft. Das ist der Betrag um den sich mein echter Einstandspreis von Siemens tatsächlich in Cash reduziert hat. 9.989,07 € oder 83,24 € je alter Siemens-Aktie habe ich also wirklich bezahlt. Insoweit beträgt mein YoC für die alten Aktien 6,43%.
Addiere ich dazu den 2025er Nachkauf, dann habe ich einen „echten“ Einstand von 11.032,72 € oder 88,26 € je Aktie. Der YoC liegt damit bei 6,06% und das ist auch der Wert, den ich am ehrlichsten finde.
Perspektiven
Der Nachkauf der 5 Aktien zum Kurs von 207,15 € am 22. Januar 2025 hat sich als gute Investition gezeigt. In 13 Monaten gab es 10,55 € Dividende je Aktie und der Aktienkurs ist um 28,60 € gestiegen. Das sind brutto 18,9% Total Return. Der DAX (als Performanceindex vergleichbar) hat in diesem Zeitraum exakt 17,6% zugelegt.
Nun geht es mir nicht unbedingt darum, mit meinen Investments den Index zu schlagen. Aber natürlich ist es schöner zu sehen, dass ein Einzelaktienkauf eines DAX-Wertes zumindest in diesem überschaubaren Zeitraum einen Vorteil gegenüber einem ETF-Kauf hatte.
Die sehr gute Entwicklung des Aktienkurses von Siemens steht aber durch den Indexbezug in einem Kontext und kann nicht isoliert betrachtet werden. Deutsche Aktien wurden im zurückliegenden Jahr „wiederentdeckt“ und sind insgesamt gut gelaufen.
Siemens ist aber eigentlich auch nur noch dem Papier nach eine deutsche Aktie. Der Umsatzanteil in Deutschland liegt nur noch bei 14,8%. Die USA tragen hingegen 28,0% zum Umsatz bei, China liegt bei 9,1%. Betrachtet man allerdings Europa als Gesamtheit, dann ist das immer noch die stärkste Region.

Inhaltlich hat sich Siemens in den letzten Jahren vom Industriekonzern zu einem Softwarekonzern entwickelt. Dazu gehörte nicht nur die Abspaltung von Siemens Energy, sondern auch Akquisitionen. Erst 2024 wurde z.B. Altair erworben. Seitdem hat Siemens ein Standbein bei cloudbasierten AI-Lösungen im Industriebereich. Siemens hat sich allein Altair rund 10 Mrd. US$ bei einem Umsatz von 650 Mio. US$ kosten lassen. 2025 kam dann Dotmatics hinzu. Die Firma stellt eine Software für die Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln her und erzielte einen Umsatz von 300 Mio. US$. Der Kaufpreis für Siemens: 5,1 Mrd. US$.
Das ist auch der Hauptkritikpunkt aktuell: Siemens zahlt extrem hohe Prämien für Softwareunternehmen, die zu einem hohen Goodwill in der Bilanz führen. Zum 30. September 2024 lag er schon bei 41,0 Mrd. €. Ein Jahr später ist er auf 52,9 Mrd. € angewachsen (+29%). Dem steht ein Eigenkapital von 62,2 Mrd. € gegenüber.
Das Eigenkapital wurde allerdings dadurch gepusht, dass die Beteiligung von Siemens Energy so stark im Zeitwert gestiegen ist. Das machte allein 3,9 Mrd. € aus und kann bei einem Kursrückgang der Siemens Energy-Aktie auch schnell ins Gegenteil drehen. 2,4 Mrd. € wurden zudem aus dem Verkauf eines 7%-Anteils an Siemens Healthineers „gehoben“.
Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass Siemens größere Abschreibungen auf den Goodwill vornehmen muss. Aber das kann sich auch ändern. Und so rosig wie der Aktienkurs suggeriert, ist die bilanzielle Situation aus meiner Sicht nicht. Jedenfalls bleibt zu hoffen, dass der Hunger des Managements auf teure Übernahmen nun erst mal gestillt ist.
Erst mal müssen die Zukäufe integriert werden. Und daran arbeitet Siemens offenbar mit Hochdruck: Im Geschäftsbereich Digital Industries, dort ist das Softwaregeschäft angesiedelt, fielen im abgelaufenen Geschäftsjahr nämlich stark gestiegene Aufwendungen für Personalrestrukturierung auf. Das Ergebnis dieses Bereichs ging um 24% zurück. Allein 356 Mio. € statt 63 Mio. € im Vorjahr waren Aufwand für Abfindungen, Vorruhestandsprogramme und Outplacement.
Das letzte Geschäftsjahr war insgesamt aus meiner Sicht eher durchwachsen. Das zeigt auch die niedrig ausgefallene Dividendenerhöhung. Der Gewinn je Aktie der fortgeführten Aktivitäten sank sogar deutlich von 10,27 € auf 9,52 € (-7,3%).
Positiv hingegen entwickelte sich der Free Cash Flow der fortgeführten Aktivitäten. Er stieg auf 11,0 Mrd. € (+13,1%). Die Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2024 von 4,1 Mrd. € und die Aktienrückkäufe von 2,3 Mrd. € waren damit mehr als abgedeckt.
Um den Aktionären bei der Analyse der Geschäftsergebnisse aber nicht die gute Laune zu verderben, nutzte das Management die Pressemeldung für eine Ankündigung: Die Tochter Siemens Healthineers soll entkonsolidiert und mittelfristig zu einer Finanzbeteiligung werden. Aktuell hält Siemens noch 67% an Siemens Healthineers. 30% der Anteile sollen an die Aktionäre von Siemens in Form einer Abspaltung gegeben werden. Wer Siemens-Aktien hält, soll damit Siemens Healhtineers-Aktien erhalten. Ähnlich war es ja auch schon bei Siemens Energy.
Unklar ist aber bisher, wie und wann das geschehen soll. Auch auf der Hauptversammlung konnten entsprechende Frage nicht beantwortet werden. Derzeit sieht es einfach danach aus, dass den Siemens-Aktionären eine Karotte vor die Nase gehalten wird. Motto: Schaut her, irgendwann gibt es noch ein paar Aktien von uns als Geschenk. Tatsächlich wird aber der Wert der Siemens-Aktien entsprechend sinken müssen. Denn die Siemens Healthineers-Aktien sind ja Teil des Siemens-Konzerns und damit auch im Aktienkurs von Siemens enthalten. Geschenkt wird hier nichts! Aber das Ganze wird immerhin transparenter.
Aktuell hat Siemens eine Marktkapitalisierung von 200 Mrd. €, Siemens Healthineers kommt auf 46 Mrd. €. Werden 30% dieser 46 Mrd. € abgegeben, sind das 14 Mrd. € bzw. 7% um die der Siemens-Kurs sinken müsste. Und das Abspaltungsverhältnis müsste 14:1 betragen. Für 14 gehaltene Siemens-Aktien gibt es also 1 Siemens Healthineers-Aktie neu ins Depot gebucht. Aber das ist natürlich nur eine Momentaufnahme und soll nur eine Indikation sein. Ein offizielles Verhältnis wird erst noch erarbeitet.
Und als Siemens-Aktionär kann man sich dann natürlich entscheiden, die Siemens Healthineers-Aktien auch wieder zu verkaufen.
Details zum Zeitplan sollen „Anfang des zweiten Quartals 2026“ bekanntgegeben werden. Warten wir also bis April und lassen uns überraschen. Jedenfalls wird eine Zustimmung durch die Hauptversammlungen von Siemens und Siemens Healthineers erforderlich sein. Und das spricht dann eher dafür, dass im Februar 2027 diese Zustimmung eingeholt und die Abspaltung dann im Verlauf des Jahres 2027 durchgeführt wird. Für außerordentliche Hauptversammlungen im Vorfeld dürfte die Zeit zu knapp und der Aufwand zu groß werden.
Für mich ist Siemens weiterhin eine Wette auf die erfolgreiche Transformation. Angefangen mit der Abspaltung von Siemens Energy, darauf folgend der Börsengang von Siemens Healthineers und verschiedenen Unternehmenskäufen und -verkäufen ist mit der angekündigten Abspaltung der Medizintechnik der nächste Schritt erkennbar.
Bisher hat sich das Investment für mich sehr gelohnt und es gibt nun keinen Grund, daran zu zweifeln. Den Goodwill muss man natürlich im Auge behalten. Und deshalb kommt auch keine Aufstockung für mich in Betracht. Wenn es dann irgendwann Details zur Verhältnis der Aktienausgabe von Siemens Healthineers gibt, dann kann ich ggf. noch eine kleine Position hinzufügen, um alles zu begradigen. Aber das wäre dann nur eine kosmetische Aktion, kein Investment aus Überzeugung.
Der Start ins neue Geschäftsjahr ist Siemens angabegemäß jedenfalls gut gelungen. Die Prognose sieht nun einen Gewinn je Aktie zwischen 10,70 € bis 11,10 € vor. Allerdings bezieht sie sich auf das „unverwässerte Ergebnis je Aktie vor Effekten aus der Kaufpreisallokation (EPS pre PPA)“ – und der Vergleichswert des Vorjahres liegt bei 12,95 €. Da war aber ein Gewinn (nach Steuern) von 2,1 Mrd. € aus dem Verkauf von Innomotics. Der Wert für 2024 lag bei 11,15 €. Und nach dem Gewinnrückgang in 2025 bei den fortgeführten Aktivitäten strebt Siemens nun in etwa wieder das Gewinnniveau von 2024 an. Wirklich prickelnd ist das nicht, aber für eine solche Transformationsphase auch nicht ungewöhnlich.
Meine 125 Aktien lasse ich entspannt liegen und freue mich auf weiter steigende Dividenden und Aktienrückkäufe.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Siemens AG |
| ISIN: | DE0007236101 |
| Im Divantis-Depot seit: | 21.01.2014 |
| Letzter Nachkauf am: | 22.01.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 125 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 100,17 € |
| Gesamtkaufpreis: | 12.521,55 € |
| steuerlicher Anschaffungswert: | 8.586,53 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 5.520,38 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Jahresfinanzbericht für das Geschäftsjahr 2025 |
| Fünfjahresübersicht für das Geschäftsjahr 2025 |
| Siemens plant Entkonsolidierung von Siemens Healthineers |


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