Hilfe, ich bin zum Daytrader mutiert!

Es muss am schwülen Sommerwetter liegen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Mit mir sind die Gäule durchgegangen…

Mir hat es in den Fingern gekribbelt und ich konnte nicht widerstehen.

FANG ist das Zauberwort. Facebook, Amazon, Netflix und Google. Alle vier Produkte nutze ich eifrig, keine dieser Aktien befindet sich in meinem Dividendendepot. Das Zauberwort könnte auch FAANG sein, dann wäre Apple noch dabei. Nutze ich genauso, habe ich aber auch nicht im Depot.

Und – da muss man nicht drumrumreden – in diesen Aktien spielte in den letzten Jahre die Musik. Sie sind für einen Großteil der Performance des S&P500 verantwortlich. Und natürlich stelle ich mir immer wieder die Frage, warum ich eigentlich nicht in sie investiert habe. Wobei ich zumindest Facebook, Netflix und Apple schon mal hatte. Ist aber leider viel zu lange her. Und ich habe sie viel zu früh verkauft.

Nach Börsenschluss in den USA hat nun Netflix enttäuschende Zuwachsraten berichtet. Der Kurs ging nachbörslich 12% runter. Und was habe ich am Morgen gemacht?

Genau! Ich habe Netflix-Aktien gekauft. Nicht so viele, nämlich genau 5 Stück. Zu einem Kurs, der 14% unter dem gestrigen Schlusskurs lag. 292,59 € habe ich dafür bezahlt. Mit Gebühren insgesamt 1.472,90 €.

Warum? Weil ich begeisterter Netflix-Nutzer bin und endlich auch an dem Wachstum teilhaben wollte. Und ich den Kursabschlag für zu hoch hielt. Daher mein Kaufimpuls. Morgens um 8.53 Uhr. Beim ersten Kaffee…

Die Originalabrechnung des Kaufs der Netflix-Aktien

 

Nach dem zweiten Kaffee setzten dann meine Gedanken ein und fragten: Wofür habe ich eigentlich meine Anlagekriterien und wie will ich das den Bloglesern erklären?

Netflix zahlt keine Dividende. Und beabsichtigt das auch nicht. Stattdessen berichten sie über ihre Cash-Burn-Rate. Die Marktkapitalisierung liegt höher als die von Walt Disney. Obwohl die die wertvollen Inhalte haben. Und von Nachhaltigkeit ist mir bei Netflix auch wenig bekannt.

Der Aktienkurs stabilisierte sich mit meinen Gedanken etwas und ging auch gleich wieder runter. Ich habe mich eigentlich nur über mich selbst geärgert, dass ich schwach geworden war und nun auf einmal auf einen Intraday-Aktienkurs schaue. Langfristig gab es für mich eigentlich auch wenig überzeugende Gründe für Netflix. Klar, Streaming ist gegenüber dem normalen TV überlegen. Und das Nutzungsverhalten ändert sich rapide. Aber wird Netflix der einzige Profiteuer sein? Was ist mit Amazon Prime oder wenn Apple in den Markt einsteigt? Und dann fiel mir ein, dass ich ja mit AT&T und deren Kauf von Time Warner doch schon in dieser Branche investiert bin.

Jedenfalls habe ich ziemlich bald entschieden, dass ich die Aktien wieder aus dem Depot haben will. Und nicht auf Kursgewinne warte, sondern einfach nur mein Investment zurück will. Und mich wieder meinen „ruhigen“ und langweiligen Dividendentiteln widmen kann.

Am Nachmittag habe ich die 5 Netflix-Aktien dann wieder verkauft. Natürlich zu früh, denn in den USA ist der Kursabschlag nicht so hoch wie in Deutschland antizipiert. 299,69 € erhielt ich pro Aktie. Insgesamt nach Gebühren und Steuern 1.484,39 €.

Die Originalabrechnung des Verkaufs der Netflix-Aktien

 

Aber „immerhin“ habe ich 11,49 € Gewinn gemacht:

Der Tagesgewinn vom Netflix-Handel

Wichtiger ist mir aber die Erkenntnis, dass ich mal wieder gemerkt habe, dass meine Anlagekriterien für mich Gold wert sind. Allein dadurch, dass ich sie aufgeschrieben und kommuniziert habe, haben sie für mich eine nachhaltige Wirkung. Ich muss nur in Zukunft noch besser aufpassen, mich auch wirklich daran zu halten. Denn eins ist klar: Die Zeiten als Daytrader liegen lange hinter mir. Und ich will sie auch nicht wiederbeleben. Dafür ist mir meine Lebenszeit einfach zu schade. Ich will mich mit Aktien und Geldanlage beschäftigen. Aber nicht den ganzen Tag! Und vor allem will ich in Ruhe mein eigentliches Leben leben. Deshalb war das heute ein lehrreicher Tag für mich. Der gut ausgegangen ist und sich nicht wiederholen soll.

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5 Gedanken zu „Hilfe, ich bin zum Daytrader mutiert!“

  1. Die Einsicht wird durch diesen Kauf ja dann nochmal unterstrichen ;) Netflix ist meiner Meinung nach viel zu teuer, selbst mit dem Abschlag.

    Ich verkaufe auch öfters mal überbewertete Dividendentitel, kaufe diese dann aber wieder ein, wenn sie wieder günstiger sind. Dafür habe ich eine watchliste. Teva zb+50% oder Shell ist auch ganze 25% im Plus gewesen…

  2. Vielen Dank für diese kurzweilige Anektode über deinen Ausflug als Kurzzeit-Netflix-Aktionär, Ben. Dieser Trade, inkl. dem anschließenden Re-Trade – verdient weder die Bezeichnung „Spekulation“ und noch weniger den Titel „Investition“. ;-) Zum Glück weiß ich, dass du auch anders kannst. :-)
    Aber Aktionen wie diese zeigen immer wieder, wie wichtig es ist eine Strategie zu haben und dieser auch treu zu bleiben.

    Die FANG-Aktien und der Hype um diese sind schon eine Nummer für sich. Um Facebook, Amazon, Netflix und Google kommt man ja fast nicht mehr drumherum – sowohl im Alltag als Konsument und Nutzer, als auch als Börsianer beim Lesen der aktuellen Markt-News. Zugegeben, ich frage mich auch in regelmäßigen Abständen, ob ich nicht zumindest in Form eines Sparplanes monatlich in zumindest zwei von den Vieren investieren soll. Mein Ranking (Priorität) wäre dann wohl: 1) Google, 2) Amazon, 3) Facebook und 4) Netflix. Aber da mein monatliches Investkapital momentan eher gering ist (< 500 €), bleibe ich lieber meiner Strategie treu und kaufe bevorzugt eher langweilige Basiskonsum-, Gesundheit-/Pharma- und Burggrabenunternehmen mit entweder langer Dividendenhistorie oder hoher Dividendensteigerungsrate, welche zum Kaufzeitpunkt zumindest fair bewertet sind.
    Und die FANG-Aktien erfüllen nicht eins dieser Kriterien. Am ehestens käme dann noch Apple in Frage, wenn da nicht aktuell der hohe Preis wäre. :-/ Aber mal sehen, vielleicht treffen die nächsten iPhone-Absatzzahlen zum Weihnachtsgeschäft nicht ganz die Erwartungen der Beobachter und es geht mal 10 % Richtung süden. Dann bin ich zumindest über Apple FA-A-NG-Aktionär im weiteren Sinne.

    Viele Grüße,
    Danny "Pfeffersack"

    1. Hallo Danny,

      vielen Dank für Deine aufbauenden Worte! Es ist wirklich nicht leicht, an der Seite zu stehen und zuzuschauen. Vor allem wenn man als Konsument von den Produkten begeistert ist. Bei Facebook fällt mir das noch leicht, aber Netflix finde ich als Plattform richtig gut. Ich schaue kaum noch normales Fernsehen (außer z.B. die Fußball-WM), sondern mache mir mein eigenes Programm mit Netflix-Serien.
      Froh bin ich darüber, dass ich letztes Jahr Microsoft ins Depot genommen habe. Die sind zwar nicht FAANG, aber spielen in einer ähnlichen Liga. Mit dem Unterschied, dass sie auf eine lange Unternehmenshistorie zurückblicken können und Dividende zahlen. Apple sehe ich ähnlich wie Du – sind mir aktuell zu teuer, haben aber eine Chance ins Depot aufgenommen zu werden. Bei einem Rückschlag wie gestern bei Netflix wäre ich ohne Zögern dabei. Und würde dann auch nicht am gleichen Tag verkaufen, sondern langfristig dabei bleiben.

      Viele Grüße Ben

  3. Oder vielleicht war das doch dein „wahres Gesicht“, dein unterbewusstes Ueberich (dass du sonst so schoen kontrollierst/einsperrst) durfte mal kurz raus? Und nicht Schwaeche?

    Was, wenn du in wirklichkeit nur einfach „reich werden“ bzw „endlich auch eine tolle Performance“ bzw wenigstens „keine unterindexschnittliche Performance“ haben moechtest?

    Und all das Gequirlte „es kommt auf werthaltige Unternehmen an“ „nur Ausschuettungen sind wichtig“ „halte dich an die Regeln“
    sind nur ein doppelseitiges Zeitungsblatt ueber dem gaerenden Topf darunter?

    Face your Fears! Ehrlichkeit zu sich selbst ist schon mal sehr gut, gratuliere.

    1. Hallo Jörg,

      ich hätte es mir ja einfach machen können und den Kauf und Verkauf „unter den Tisch“ fallen lassen können. Aber ich wollte bewusst davon berichten. Um mir selber, aber auch Euch Lesern, mal wieder klarzumachen, dass Börse Psychologie ist. Und da kann man noch so sehr seine eigene Strategie fahren – manchmal ist es schwer, sich auch daran zu halten.
      Und das ist ja auch irgendwie eine Tücke des Onlinehandels: In früheren Zeiten musste man noch zur Bank laufen, sich beraten lassen und konnte erst dann handeln. Heute sind es wenige Mausklicks und eine Position ist gekauft oder verkauft.
      Positiv sehe ich auf jeden Fall, dass ich meinen Kauf schnell wieder korrigiert habe und insgesamt – bezogen auf mein Gesamtdepot – nur wenig Kapital eingesetzt hatte. Und natürlich, dass am Ende ein kleiner Gewinn übrig blieb und alles gut gegangen ist.

      Viele Grüße Ben

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