Was Dich hier erwartet:
Überraschend war es nicht, dass Kenvue übernommen wird. Dafür war die Aktie in den letzten Monaten viel zu sehr im Kurs gefallen. Überrascht war ich jedoch davon, dass der Käufer Kimberly-Clark sein würde. Denn im Portfolio gibt es keine Überschneidungen und so wird es ein komplett neu aufgestelltes Unternehmen werden.
Was das nun für die bisherigen Aktionäre sowohl von Kenvue als auch von Kimberly-Clark bedeutet und wie ich mich selbst positioniere, erfährst Du in diesem Beitrag.
Aber auch als Aktionär von Procter & Gamble oder anderen Konsumgütermarken solltest Du Dich mit dem neuen Player auseinandersetzen.
Das Wallstreet Journal berichtete nämlich, dass sich auch Procter & Gamble tiefer mit Kenvue befasst hätte. Und sie waren für mich auch der natürlichere Kandidat. Aber – und das zeichnet dann eben auch das Management von Procter & Gamble aus – sie schreckten vor den Unsicherheiten rund um mögliche Schadensersatzzahlungen für Babypuder und Tylenol zurück. Nun könnte ihnen stattdessen ein neuer Konkurrent erwachsen.
Wie uns der Merger verkauft wird
Endgültig festgezurrt wurde der Deal an einem Wochenende. Für die Berechnung der Übernahmeprämie wurden deshalb die Schlusskurse vom vorherigen Freitag (31.10.2025) herangezogen. Da schloss Kenvue (KVUE) mit 14,37 US$ und Kimberly-Clark (KMB) mit 119,71 US$. Die Aktionäre von Kenvue sollen nun für jede Kenvue-Aktie 0,14625 Kimberly-Clark-Aktien und eine Barzahlung von 3,50 US$ erhalten. Wer also 100.000 Aktien von Kenvue im Depot hat, tauscht sie gegen 14.625 Kimberly-Clark-Aktien ein und erhält zusätzlich noch 350.000 US$ in bar.
Bezogen auf die Schlusskurse vor dem Merger sieht das toll aus. Denn die beispielhaften 100.000 Kenvue-Aktien waren ja nur 1.437.000 US$ wert. Die Kimberly-Clark-Aktien und die Barkomponente ergeben hingegen 2.100.758,75 US$. Das ist eine Prämie von 46,2%.
Das Ganze hat nur einen riesigen Haken! Diese Prämie wird kein Kenvue-Aktionär jemals sehen. Denn der Aktienkurs von Kimberly-Clark schmolz direkt nach Handelsstart am Montag wie ein Eis in der Sonne. Schlusskurs am Montag (03.11.2025) waren dann nur noch 102,27 US$. Im obigen Beispiel erhält der Kenvue-Aktionär damit nur noch 1.845.698,75 US$. Die Prämie war damit bereits auf 28,4% gesunken.
Und laut der Unternehmensmeldung soll der Merger auch erst im 2. Halbjahr 2026 stattfinden. Am Umtauschverhältnis soll sich allerdings nichts mehr ändern. Es ist vertraglich fixiert und die Kenvue-Aktionäre tragen das volle Risiko, dass sie am Ende womöglich überhaupt keine Prämie erhalten. Das wäre theoretisch der Fall, wenn die Aktie von Kimberly-Clark bis dahin unter die Marke von 74,30 US$ sinkt.
Aber kein Aktionär muss so lange warten. Durch das festgeschriebene Umtauschverhältnis lässt sich die Differenz jederzeit berechnen. Die Rechnung ist simpel:
KMB-Aktienkurs * 0,14625 + 3,50 US$ > KVUE-Aktienkurs
Mit den Schlusskursen vom 07.11.2025 sieht das dann so aus:
103,85 * 0,14625 = 15,18 + 3,50 = 18,68 gegenüber einem KVUE-Kurs von 16,88. Der Abstand liegt also noch bei 1,80 US$ bzw. 10,6%.
Bis zum Closing im 2. Halbjahr 2026 wird sich die Lücke schließen. Die Aktienkurse werden sich weiter annähern. Aber leider kann das sowohl durch Kursrückgänge bei Kimberly-Clark als auch Kursgewinne bei Kenvue passieren. Und genauso kann es auch Kursrückgänge oder Kursgewinne bei beiden Aktien geben. Verliert Kenvue z.B. weniger als Kimberly-Clark, dann verkleinert sich der Abstand auch. Und genauso könnte Kenvue z.B. deutlich stärker als Kimberly-Clark im Kurs zulegen, damit sich der Abstand verkleinert. Was zählt ist nur die Erkenntnis: beide Aktien sind mit der Merger-Ankündigung und dem festen Umtauschverhältnis aneinander gekoppelt worden. Und die sagenhafte Prämie von 46,2% ist nur Marketing. Kein Aktionär wird sie jemals erhalten!
Das neue Unternehmen
Kimberly-Clark (war damals hier meine allererste Depotvorstellung auf dem Divantis-Blog) ist bisher ausschließlich im Hygienebereich tätig, sei es für Babys und Kinder, die Familie, Frauen oder Senioren. Zudem gibt es noch eine professionelle Sparte, die Gewerbebetriebe ausstattet. Kenvue (hier ausführlich vorgestellt) hingegen hat Gesundheitsprodukte im Portfolio, die keine Überschneidungen zum KMB-Portfolio haben. Kartellrechtlich dürfte es also keine Hindernisse für die Fusion geben.
Beschäftigt man sich näher mit den beiden Einzelteilen des neuen Unternehmens, dann muss man sich selbst fragen, ob man in so ein breit und diversifiziertes Unternehmen investieren will. Wer bisher schon an Kimberly-Clark geglaubt hat, wird das eher bejahen können. Ich selbst war von 2016 bis 2022 Aktionär von Kimberly-Clark und es war seinerzeit eine meiner größeren Positionen im Depot. Gekauft hatte ich zu 114,55 US$ und war dann in 2 Tranchen zu 129,50 US$ und 127 US$ wieder ausgestiegen. Vergegenwärtigt man sich, dass die Aktie vor der Fusionsankündigung bei 119,71 US$ notierte, war mein Verkauf die richtige Entscheidung.
Bei einem aktuellen Kursniveau von nur noch rund 100 US$ ist aber sicherlich die Frage berechtigt, ob sich nun ein Kauf von Kimberly-Clark anbietet. Für mich persönlich hat sich an meiner Einschätzung – bezogen auf das KMB-Geschäft – jedoch nichts verändert. Die Produkte sind nicht wachstumsstark und auch zu leicht zu ersetzen. Und im Windelbereich bin ich bereits mit Procter & Gamble (hier vorgestellt) gut aufgestellt.
In Kenvue hingegen hatte ich als bisheriger Johnson & Johnson-Aktionär investiert. Ich schätze die Verbrauchergesundheitsprodukte als attraktiv und mit einer treuen Kundschaft ein. Mein Einstand bei Kenvue liegt allerdings deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Dazu hat in den letzten Monaten die Kampagne der US-Regierung gegen Tylenol beigetragen. Dem Schmerzmittel wird eine Förderung von Autismus von Kindern „angedichtet“, wenn es während der Schwangerschaft eingenommen wird. Kenvue konnte das bisher in Gerichtsverfahren widerlegen und in den öffentlichkeitswirksam vorgestellten Studien hatten wohl auch vermehrt Väter Tylenol während der Schwangerschaft der Mütter zu sich genommen. Welche Gedanken hinter der massiven Kampagne gegen Tylenol stehen und ob da womöglich auch sachfremde Erwägungen dahinter stehen, weiß ich natürlich nicht. Wundern würde es mich angesichts der florierenden Insidergeschäfte und Korruption im Umfeld der Trump-Administration allerdings nicht.
Sicher ist jedoch, dass es ein Rechtsrisiko für Kenvue gibt. Dazu gesellt sich noch die Thematik um das vermeintlich Krebs auslösende talkumbasierte Babypulver aus früheren Zeiten. Hier hat Kenvue im Rahmen des Split-offs von Johnson & Johnson die Haftung für alle Prozesse außerhalb der USA und Kanada übernommen. Und gerade erst im Oktober 2025 wurde eine milliardenschwere Schadensersatzklage in Großbritannien eingereicht.
Kann die Fusion noch aufgehalten werden?
Zunächst einmal gibt es nur die Fusionsankündigung und eine schriftliche Vereinbarung der Vorstände der beiden Unternehmen. Sie sieht wechselseitig eine Break-up-Fee von 1 Mrd. US$ vor. Diese Vertragsstrafe müsste Kenvue an Kimberly-Clark bezahlen, wenn jetzt z.B. noch ein anderer Bieter ein attraktiveres Gebot abgeben würde. Und sollten die Aktionäre von Kimberly-Clark nach dem starken Kursrückgang nun kalte Füße bekommen und die Übernahme von Kenvue absagen, dann müsste Kimberly-Clark die Vertragsstrafe an Kenvue bezahlen.
Die Transaktion soll im 2. Halbjahr 2026 vollzogen werden. Bis dahin werden die Aktionäre von Kenvue und von Kimberly-Clark getrennt darüber abstimmen und regulatorische Freigaben (insbesondere von den Kartellbehörden) eingeholt.
Eine Aktionärsrevolte ist relativ unwahrscheinlich und auch kartellrechtlich ist aufgrund der fehlenden marktbeherrschenden Stellung des fusionierten Unternehmens wenig Gegenwind zu erwarten.
Wahrscheinlicher ist da schon die Einflussnahme großer Investoren, die sich womöglich gegen eine solche Fusion aussprechen könnten. Aber auf Seiten von Kenvue ist damit nicht zu rechnen, da die investierten Hedgefonds bereits im Vorfeld an einem solchen Deal interessiert waren und nun zumindest ohne Verlust aus ihrem Engagement aussteigen können.
Wie sieht es mit der Dividende aus?
Kenvue und Kimberly-Clark gelten beide als Dividendenaristokraten. Bei Kenvue wird dabei allerdings die Historie als Teil von Johnson & Johnson mit berücksichtigt. Und so betrachtet erhöhen beide Unternehmen ihre Dividende jährlich ununterbrochen seit mehr als 25 Jahren.
Kimberly-Clark hat seine letzte Dividendenerhöhung im Januar 2025 verkündet. Seitdem beträgt die Quartalsdividende 1,26 US$ (+3,3%). Es war die 53. Erhöhung in Folge.
Kenvue gab seine letzte Dividendenerhöhung Ende Juli 2025 bekannt. Mit +1,2% fiel sie relativ mager aus, die Quartalsdividende beträgt seitdem 0,2075 US$. Unter Einrechnung der Johnson & Johnson-Historie war es das 63. Jahr mit Erhöhungen in Folge.
Die Dividendenrenditen beider Unternehmen liegen aktuell im Bereich von 5%. Ob die Erhöhungshistorie auch vom fusionierten Unternehmen beibehalten wird, ist jedoch nicht sicher. Wenn man als Management an die Dividende herangehen will, dann wäre das der ideale Zeitpunkt. Man könnte dann gut begründen, dass zunächst Schulden abgebaut und die angestrebten Synergien erzielt werden sollen.
Das muss nicht passieren, aber man sollte sich auch nicht darauf verlassen, dass die Dividende so hoch bleibt bzw. noch weiter erhöht wird.
Ist das neue Unternehmen aus Kimberly-Clark und Kenvue eine Konkurrenz für Procter & Gamble?
Rein auf dem Papier stellt sich das neue Unternehmen nach der Fusion von Kimberly-Clark und Kenvue durchaus als Konkurrent von Procter & Gamble dar. Das fusionierte Unternehmen vereint dann rund 10 Marken, die jeweils über 1 Mrd. US$ Umsatz im Jahr generieren.
Trotzdem ist der Abstand zu Procter & Gamble noch deutlich:
| Kategorie | Kimberly-Clark + Kenvue | Procter & Gamble |
|---|---|---|
| Hauptproduktsegmente | Hygiene, Babyprodukte, Verbrauchergesundheit, Hautpflege, OTC-Arzneimittel | Gesundheit, Körperpflege, Haushalt, Baby- und Damenhygiene, Rasur |
| Schlüsselmarken | Huggies, Kleenex, Scott, Kotex, Cottonelle, Band-Aid, Tylenol, Neutrogena, Aveeno, Johnson’s, Listerine | Pampers, Gillette, Oral-B, Tide, Ariel, Wick/Vicks, Pantene, Always, Head & Shoulders |
| Marktposition | Stark in Baby- und Hygienemarkt, Verbrauchergesundheit durch OTC-Produkte | Branchenführer mit breiter globaler Präsenz und Diversifikation |
| Umsatzstärke | ca. 32 Mrd. US$ kombiniert | 84,4 Mrd. US$ |
| EBITDA (adjusted) | ca. 7 Mrd. US$ | ca. 23,3 Mrd. US$ |
Die kombinierte Firma aus Kimberly-Clark und Kenvue fokussiert stärker auf Gesundheits- und Hygieneprodukte mit ergänzendem Angebot an rezeptfreien Medikamenten, während P&G breiter streut und komplette Haushalts- und Pflegebedarfe abdeckt. Und so bleibt P&G durch die breitere Produktpalette und weltweite Marktpräsenz insgesamt führend.
Persönliches Fazit
Es gibt sicherlich verschiedene Sichtweisen auf diese Fusion. Sie unterscheiden sich schon davon, ob man Aktionär von Kimberly-Clark oder Kenvue ist. Als KMB-Aktionär ist zunächst einmal der kurzfristige Kursrutsch frustrierend. Auf der anderen Seite eröffnet der neue Unternehmensbereich durchaus auch Wachstumschancen. Und könnte für Kimberly-Clark langfristig zu einer erfolgreichen Neuaufstellung führen. Gleichwohl sind die Rechtsrisiken nicht zu unterschätzen und können finanziell belasten. Man denke nur an die Monsanto-Übernahme durch Bayer – Glyphosat war zunächst auch nur als kleines Rechtsrisiko eingeschätzt worden.
Als Kenvue-Aktionär ist die Aussicht noch trüber. Das Unternehmen hätte stand-alone die kritische Größe gehabt, sich über Jahre hinweg zu konsolidieren und den Unternehmenswert mit starken Marken zu steigern. Nun wird man der kleinere Partner in einem Konglomerat. Die Mitarbeiter haben gerade erst die Trennung von Johnson & Johnson hinter sich und müssen sich nun auf eine komplett neue Unternehmenskultur einstellen. Das ist sicherlich das größte Risiko und der Grund, warum die Mehrzahl aller Fusionen nicht erfolgreich ist. Mit der Fusion ist Kenvue jedoch vom Markt und es besteht keine Aussicht mehr, dass man als Aktionär von einer Übernahme zu einem deutlich besseren Preis profitiert. Aus meiner Sicht hat das Management Kenvue hier deutlich unter Wert verschleudert.
Das fusionierte Unternehmen ist hingegen ein deutlich größerer Brocken und für eine Übernahme kommen noch weniger potentielle Investoren in Betracht.
Mein persönlicher Investment-Case von Kenvue ist nicht aufgegangen. Ich wollte die ehemalige Verbrauchergesundheitssparte von Johnson & Johnson weiterhin neben JNJ im Depot haben. Nun würde das fusionierte Unternehmen für mich wie eine schlechte Kopie von Procter & Gamble in meinem Depot wirken. Und da muss ich klar sagen, dass ich lieber weiterhin auf die Nr. 1 setze.
Von Kimberly-Clark habe ich mich vor drei Jahren aus guten Gründen getrennt. Über die Hintertür dieser Fusion will ich diese Bleiente (überspitzt ausgedrückt) nun nicht wieder ins Depot bekommen. Ich werde deshalb Kenvue über kurz oder lang verkaufen. Vermutlich noch in diesem Jahr, um die Verluste steuerlich zu realisieren und dann für 2026 ein sauberes Portfolio zu haben.
Den weiteren Weg des kombinierten Unternehmens aus Kimberly-Clark und Kenvue werde ich dann aus der Ferne beobachten. Und ich habe dann ja immer noch die Möglichkeit, mich daran zu beteiligen. Aktuell sehe ich dafür keine Gründe, aber die Zukunft wird zeigen, ob das neue Unternehmen zu einem Erfolg wird.
Was denkst Du über die Fusion? Wie wirst Du Dich mit Deinen Aktien verhalten? Und kaufst Du womöglich gerade jetzt, weil Du an den Erfolg glaubst? Schreib gerne einen Kommentar und lass uns diskutieren!


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