Bei einer zweistelligen Dividendenrendite werde ich hellhörig. Jedenfalls dann, wenn sie auch verdient wird. Ganz soweit ist diese Aktie noch nicht, aber sie kratzt immerhin an der 9%-Marke.
Und damit liegt die Dividendenrendite schon über meiner langfristigen Zielmarke für ein Aktienengagement. Damit drängt sich ein Investment fast schon auf. Aber natürlich nur „fast“. Denn es kommt auch auf die Nachhaltigkeit der Dividende an.
Denn was nützt mir eine solche hohe Dividende, wenn sie demnächst gekürzt wird? Deshalb lasse ich mich nicht von der nackten Zahl treiben, sondern schaue mir zunächst die Geschäftsergebnisse und die Perspektiven an.
Und dann entscheide ich mich, ob ich auf dem jetzigen Niveau noch mal zugreife. Denn schließlich habe ich die Aktie bereits im Depot und befinde mich damit inzwischen leider im Kursminus.
Für Neuinvestoren ist die Lage damit womöglich noch attraktiver. Ohne Altlasten können sie sich die Dividendenrendite sichern. Jedenfalls für den Moment.
Wie die Zukunft aussieht, kann ich natürlich auch nicht mit Gewissheit sagen. Meine Gedanken dazu teile ich jedoch in diesem Beitrag. Und vielleicht inspirieren sie Dich zu einer eigenen Entscheidung.
Das kanadische Telekommunikationsunternehmen BCE (hier habe ich es ausführlich vorgestellt) hat aktuell diese bemerkenswerte Dividendenrendite.
Zustande gekommen ist sie – wie sollte es wohl sein – durch einen deutlichen Kursrückgang in der letzten Zeit. Gleichzeitig hat das Unternehmen seit meinem Einstieg die Dividende auch jedes Jahr angehoben.
Im Kurschart in der Heimatwährung des kanadischen Dollars ist die Talfahrt seit dem Allzeithoch im April 2022 – und damit vor 2 Jahren – signifikant:

Dividendenzahlung
BCE zahlt erstmals eine Quartalsdividende von 0,9975 CAD je Aktie (zuvor: 0,9675 CAD). Das ist eine Erhöhung um 3,1%. Für die 40 dividendenberechtigten Aktien in meinem Depot beträgt die Brutto-Dividende damit 39,90 CAD. Die Umrechnung in Euro erfolgte durch maxblue zum Kurs von 1,4716. Bei Trade Republic erfolgte die Umrechnung zu 1,4717. Bei der Quellensteuer werden die Unterschiede zwischen den beiden Brokern deutlich: maxblue hat erneut lediglich 15% Quellensteuer berechnet und sie vollständig auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Trade Republic hat – wie es auch die anderen Banken mit Ausnahme von maxblue machen – 25% Quellensteuer abgezogen, jedoch nur 15% auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Nach den Steuerabzügen verbleibt somit insgesamt eine Netto-Dividende von 19,85 €. Die Dividende wurde bei Trade Republic mit Wertstellung 15.04.2024 überwiesen, bei maxblue war es der 17.04.2024.


Annualisiere ich die Quartalsdividende, werden in einem Jahr 3,99 CAD Dividende gezahlt. Bei einem Aktienkurs von 44,66 CAD entspricht das einer Dividendenrendite von 8,98%. Die nächste Dividendenerhöhung könnte erneut im April 2025 erfolgen, so dass die tatsächliche Jahresdividende bei einem heutigen Kauf etwas höher liegen könnte.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost – YoC) bezieht sich auf meinen Einstand. Für die 40 Aktien habe ich insgesamt 1.423,95 € bezahlt. Nehme ich die Brutto-Quartalsdividende von 39,90 CAD und vervierfache sie, dann erhalte ich innerhalb eines Jahres 159,60 CAD brutto. Umgerechnet mit dem Wechselkurs von maxblue (dort hin sollen die Aktien ja zusammengeführt werden) ergibt das 108,45 €. Und damit ein YoC von 7,6%.
Perspektive
2 Jahre Abwärtstrend mit kurzen Erholungsphasen zwischendurch. Das ist schon erstaunlich. Und so notiert die Aktie aktuell auf ihrem tiefsten Stand der letzten 10 Jahre. Selbst das Corona-Tief wurde mittlerweile unterschritten.
Gleichzeitig wird mit der jüngsten Erhöhung die höchste Dividende der Unternehmensgeschichte bezahlt. In der Addition ergibt das dann eben eine Dividendenrendite, die bemerkenswert ist.
Und damit kommen wir direkt zur Frage aller Fragen: Steht eine Kürzung bevor oder lässt sich mit dieser Dividende auch langfristig kalkulieren?
Sicher weiß ich das natürlich nicht. Ich kann mich an die Antwort auch nur herantasten. Zunächst einmal fand ich die jetzige Erhöhung ein starkes Signal. Eine Erhöhung um 3 Cent macht man nicht, wenn man kurz darauf die Dividende kürzen muss. Denn um den Track-Record der stetigen Dividendenerhöhungen (jetzt 16 Jahre in Folge) beizubehalten, wäre ja auch 1 Cent Erhöhung ausreichend gewesen. Und vermutlich hätten die Investoren das auch akzeptiert.
Bei Telekommunikationsunternehmen stellt die Dividende ein wichtiges Instrument dar. Wachstum gibt es ja kaum noch, da die Marktanteile bereits groß sind und eher von kleineren Wettbewerbern angegriffen werden. Die Dividenden stehen damit in direkter Konkurrenz zu Anleihezinsen. Und das erklärt auch zuallererst den Anstieg bis 2022 und dann den Absturz. In einem Niedrigzinsumfeld war BCE eine sehr gute Alternative für Einkommen suchende Investoren. Und mit Beginn des Zinsanstiegs gab es dann wieder attraktive Alternativen.
Der kanadische Zinsmarkt unterscheidet sich auch etwas vom US-Zinsmarkt. Während die Fed Zinssenkungen in der 2. Jahreshälfte zumindest diskutiert, ist das in Kanada nicht der Fall. Dort bleiben die Zinsen zunächst auf hohem Niveau, da die Inflation ebenfalls weiterhin hoch ist. Das einzige dortige Signal war, dass es keine weiteren Zinserhöhungen geben wird. Aber auch dafür gibt es keine Garantie, wenn die Inflation weiter voranschreitet.
Was die Aktie von BCE damit weiter unter Druck setzt, sind zusätzlich die hohen Refinanzierungskosten für das Unternehmen. Denn nicht nur, dass Anleihen attraktiver geworden sind. BCE muss selbst für Neuemissionen oder Prolongationen deutlich mehr Zinsen bezahlen. Und das schlägt sich in den Geschäftsergebnissen nieder.
Als eine Maßnahme hat BCE deshalb angekündigt, 9% seiner Belegschaft abzubauen (4.800 Beschäftigte). Innerhalb der letzten 30 Jahre ist das die einschneidenste Personalmaßnahme des Unternehmen. Sie führt zu Einsparungen von jährlich 250 Mio. CAD. Bereits in diesem Jahr sollen davon 150-200 Mio. CAD erreicht werden.
Das führt sicherlich zu einer Verbesserung der Kostenstruktur. Aber es zeigt auch, in welcher Verfassung sich der Konzern aktuell befindet. Und üblicherweise führen solche Massenentlassungen auch zu Unzufriedenheit und Sorge bei den verbleibenden Beschäftigten. Denn niemand kann sicher sein, dass es sich um die letzte Maßnahme handelt. Wenn sie nicht ausreicht, könnte schließlich die nächste Entlassungswelle starten.
BCE wird zusätzlich den Glasfaserausbau drosseln. Die Investitionen werden deutlich zurückgefahren und um rund 1 Mrd. CAD innerhalb von zwei Jahren reduziert.
Für mich stellt sich das wie ein Unternehmen im Rückwärtsgang dar. Aber welche Alternative gibt es dazu?
2023 legte der operative Umsatz zwar um 2,1% zu. Aber die stark gestiegenen Kosten und Zinsen drückten auf die Margen und die Gewinne. Der Nettogewinn sank um 20,5% und der Gewinn je Aktie um 23,5%. Verdient wurden noch 2,28 CAD nach 2,98 CAD im Vorjahr. Bereinigt waren es angabegemäß 3,21 CAD nach 3,35 CAD (-4,2%).
Die letztjährige Dividende wurde damit nicht durch Gewinne verdient. Und auch der neue Satz von 3,99 CAD für ein ganzes Jahr liegt deutlich über den Gewinnen. Allerdings wird die Dividende ja aus dem Free Cash Flow bezahlt und dieser konnte 2023 immerhin um 2,5% zulegen. Absolut erreichte er 3,144 Mrd. CAD.
BCE hat das Ziel, eine Payout-Ratio von 65% bis 75% des Free Cash Flow zu erreichen. 2022 lag sie allerdings bei 108% und 2023 stieg sie sogar noch an und erreichte 111%. Die Dividende ist also nur durch die Aufnahme neuer Schulden möglich. Und das in einem Umfeld stark gestiegener Zinsen!
Und auch 2024 wird sich die Payout-Ratio deutlich über der Zielmarke bewegen – das wird auch im Geschäftsbericht erwähnt:

Das Management bezeichnet 2024 als Jahr der Transformation. Wenn man das glaubt und ihm vertraut, dann werden die Kostensteigerungen zurückgehen und sich der Free Cash Flow in den Jahren ab 2025 sukzessive wieder erhöhen.
Für mich scheint das Management jedenfalls willens, die Dividende beizubehalten und auch in 2025 wieder zu erhöhen. Wirklich sinnvoll ist das natürlich nicht. Hier hätte durchaus ein Beibehalten der Dividende oder sogar eine Kürzung seine Berechtigung gehabt.
Angesichts dieser Situation muss ich unweigerlich an meinen Ausstieg von Verizon vor einem Jahr denken (hier nachzulesen). Dort war ich mit einer ähnlichen Perspektive konfrontiert und habe die Aktien abgestoßen. Allerdings lag die Dividendenrendite dort „nur“ bei 6,95% und die Dividendenerhöhungen bewegten sicher über Jahre hinweg unter 2%.
Ein weiterer Pluspunkt für BCE ist für mich die Diversifikation in die kanadische Währung. Wie bei Aktien selbst möchte ich auch bei den Dividenden nicht alle Eier in einen Korb legen. Und da ist die hohe Dividendenrendite dann eine gute Möglichkeit, die Dividendeneinnahmen in kanadischem Dollar günstig zu steigern.
Trotzdem tue ich mich schwer mit einem Nachkauf. Ich habe ihn noch nicht getätigt. Einfach weil ich das Geschäftsmodell derzeit nicht besonders attraktiv finde. Die Investitionen werden ja nun zurückgefahren. Aber sie sind eigentlich notwendig, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu sein. Und in ein rückläufiges Unternehmen will ich nun wirklich nicht investieren.
Deshalb kann ich keine wirkliche Antwort auf die Frage geben, ob das nun eine historische Chance ist. Ich sehe die Möglichkeit, dass die Dividende so hoch bleibt und auch 2025 weiter erhöht wird. Aber ob die eingeleiteten Maßnahmen auch dazu führen werden, dass das Unternehmen wieder auf die Beine kommt und durch Wachstum die Dividende wieder in gesunde Relationen kommt? Ich habe da meine Zweifel…
Trotzdem kann es sein, dass ich mir demnächst einfach noch 10 Aktien von BCE dazu kaufe. Das ist absolut ja kein großer Betrag und ich „runde“ damit meinen Bestand auf 50 Stück auf. Und wenigstens kann ich dann im Nachhinein sagen, dass ich die historische Chance genutzt habe. Wenn es denn eine gewesen sein sollte!
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | BCE Inc. |
| ISIN: | CA05534B7604 |
| Im Divantis-Depot seit: | 27.07.2020 |
| Letzter Nachkauf am: | 19.10.2023 |
| verkauft am: | 08.05.2025 |
| ursprüngliche Stückzahl im Divantis-Depot: | 40 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 35,60 € |
| Gesamtkaufpreis: | 1.423,95 € |
| Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden: | 315,47 € |
| Gesamtverkaufserlös: | 749,70 € |
| Verlust inkl. erhaltener Dividenden: | 358,78 € |
| Verlust in Prozent: | 25,2% |


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