Wenn ein Konzern klarmacht, dass er sich neu aufstellen und aus der Schwerfälligkeit der Vergangenheit herauskommen will, dann feiert das die Börse zunächst.
Oft ist es aber erst mal nur ein Strohfeuer, denn zu lange dauert es, bis die entsprechenden Maßnahmen auch umgesetzt werden können. Bei einem Spin-Off vergehen in der Regel zwischen Ankündigung und Umsetzung mindestens 12 Monate. Und das bedeutet dann vor allem Kosten für Rechtsberatung, Abfindungen usw. in den Quartalsergebnissen.
Nachdem viele große Konzerne solche Ankündigungen gemacht haben und die Ergebnisse bisher durchwachsen waren (ich denke nur an AT&T und IBM!), ist nun mein nächster Depotwert damit an die Öffentlichkeit getreten.
Kommt auch diesmal das böse Erwachen? Bisher sieht es nicht danach aus!
Wie die letzten Quartalszahlen ausgefallen sind und welche Erwartungen ich nun an die Aktie habe, erfährst Du in diesem Beitrag.
Erst im Juni hatte ich 3M nachgekauft und auf die niedrige Bewertung mit einem KGV von 13 hingewiesen. Seitdem hat sich der Aktienkurs wieder etwas erholt.
Das Unternehmen selbst habe ich hier ausführlich vorgestellt.

Dividende
3M zahlt erneut eine Quartalsdividende von 1,49 US$ je Aktie. Für die nun erstmals 85 dividendenberechtigten Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 126,65 US$. Sie wurde vom Smartbroker zum Kurs von 1,0044 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 93,89 €. Sie wurde mit Wertstellung 12.09.2022 überwiesen.

Perspektiven
Im August hatte ich über den Merger der 3M-Lebenmittelsicherheitssparte mit Neogen berichtet, der mittlerweile abgeschlossen ist. Wie angekündigt, habe ich nicht daran teilgenommen.
Ende nächsten Jahres will 3M nun seine Gesundheitssparte abspalten. Das soll diesmal über einen Spin-Off geschehen, so dass jeder 3M-Aktionär zusätzliche Aktien ins Depot gebucht bekommt.
3M wird sich dann auf Innovationen in der Materialwissenschaft konzentrieren. Der eigenständige Geschäftsbereich Health Care soll dann zu einem weltweit führenden, diversifizierten Technologieunternehmen im Gesundheitswesen werden, das die Bereiche Wundversorgung, Mundpflege, IT im Gesundheitswesen und biopharmazeutische Filtration abdeckt.
Der abzuspaltende Bereich steht für einen 2021er Umsatz von 8,61 Mrd. US$. Der verbleibende 3M-Hauptkonzern kommt dann noch auf einen Umsatz von 26,8 Mrd. US$. Rund ein Viertel des Umsatzes wird also abgespalten.
Davon sollen 80,1% an die 3M-Aktionäre gegeben werden, 19,9% sollen als Finanzbeteiligung gehalten und später monetarisiert werden.
Die Nachricht über den Spin-Off wurde zeitgleich mit den Quartalszahlen bekannt gegeben. Und dort waren Aufwendungen von 1,2 Mrd. US$ oder 1,66 US$ je Aktie enthalten, um die offenen Klageverfahren im Zusammenhang mit militärisch genutzten Ohrstöpseln zu regeln.
Vermutlich wäre die Aktie ohne die Spin-Off-Ankündigung brutal abgestraft worden. Denn der Quartalsgewinn betrug nur noch 0,14 US$ je Aktie. So feierte die Börse aber die Nachrichten von 3M. Also alles richtig gemacht vom Management…
Ich habe mir die Quartalszahlen nichtsdestotrotz genauer angeschaut. Dabei belastete der starke US-Dollar den Umsatz mit 4%-Punkten. Der Umsatz ging im Vorjahresvergleich um 3% zurück. Der freie Cash-Flow ging sogar um 41% zurück.
Und weil die Gelegenheit so günstig war, senkte 3M auch noch die Jahresprognosen:
Statt eines Umsatzzuwachses um 1-4% wird nun ein Umsatzrückgang um 0,5-2,5% erwartet. Organisch ist noch ein Wachstum da, es beträgt aber nun 1,5-3,5% nach zuvor 2-5%.
Der Gewinn je Aktie geht deutlich zurück, hier sind die Rechtskosten zu berücksichtigen: statt 9,89-10,39 US$ werden nur noch 7,32-7,82 US$ je Aktie erwartet. Und so relativ sich die niedrige Bewertung sofort.
Glücklicherweise gibt es noch die Möglichkeit, den Gewinn zu adjustieren („adjusted EPS“) und da können solche Einmalaufwendungen herausgenommen werden. Dieser „schön gerechnete“ Gewinn soll dann bei 10,30-10,80 US$ je Aktie liegen (zuvor: 10,75-11,25 US$).
Ob mit diesen Schritten wirklich die Rechtsthemen erledigt sind (dazu gehört auch ein Insolvenzverfahren für eine Tochtergesellschaft), wird sich erst noch zeigen. An der Börse führte es jedoch zu einem Aufatmen und die Aktie gehörte bei Vorlage der Quartalszahlen gemeinsam mit den Nachrichten zu dem Spin-Off und der vermeintlichen Lösung der Klagen zu den größten Tagesgewinnern. Und hat auch in den Tagen danach ihr zurückgewonnenes Terrain zunächst halten können.
Bis dann die Nachricht, dass die Insolvenz der Ohrstöpsel-Tochtergesellschaft nicht in dem Klageverfahren auf Schadensersatz anerkannt wird, für einen erneuten Ausverkauf der Aktie sorgte. Im Tagesverlauf verlor die Aktie mehr als 10%.
Die abzuspaltende Gesundheitssparte war in den ersten 6 Monaten des Geschäftsjahres übrigens der margenstärkste Bereich. Sie kam auf eine Marge von 29,7%, während der Gesamtkonzern bei 26,3% liegt (Adjusted EBITDA non-GAAP).
Das ist für mich auch der Grund, warum ich den Spin-Off voraussichtlich im Depot halten werde. Hier wird kein Problembereich abgespalten, sondern ein Sektor, der mit den anderen Sektoren wenig Synergien hat, aber für sich genommen äußerst profitabel ist. Und zusätzlich mit 4,5% organischem Wachstum im ersten Halbjahr auch überdurchschnittlich gewachsen ist.
Ich plane deshalb, etwaige Kursschwächen von 3M bis zum Ende nächsten Jahres für Nachkäufe zu nutzen. Ich will ja im Ziel auf 100 Aktien kommen und glaube, dass es sinnvoll ist, dieses Ziel vor dem Spin-Off zu erreichen. Denn dann erhalte ich neue Aktien, die für sich genommen auch eine ordentliche Positionsgröße aufweisen.
Nehmen wir einfach mal einen 3M-Aktienkurs von 150 US$ beim Spin-Off an. Der Wechselkurs zum Euro liegt in der Rechnung bei der Parität (1:1). Gleichzeitig würde die Gesundheitssparte ausschließlich anhand des Umsatzanteils bewertet. Da 80% der neuen Sparte an die Aktionäre gegeben werden, würde das für 100 3M-Aktien folgende Rechnung ergeben:
100 Aktien 3M á 150 US$ = 15.000 US$
Abspaltung von 25% = 3.750 US$
davon 80% an die 3M-Aktionäre = 3.000 US$
Dann wäre es so, dass vermutlich jeder 3M-Aktionär eine Aktie der Gesundheitssparte ins Depot gebucht bekommt. Der Aktienkurs der Zusatzaktie läge bei 30 US$ und der 3M-Kurs würde auf 120 US$ fallen.
Diese Rechnung gibt mir einen Anhaltspunkt für eine mögliche Bewertung zum Spin-Off-Termin Ende 2023. Aber bis dahin kann ja noch viel passieren. Unklar ist auch noch, ob die Abspaltung eine Dividende zahlen wird und ob sich die Höhe an der bisherigen Dividendenrendite von 3M orientieren wird. Klar ist aber, dass 3M nach dem Spin-Off entsprechend weniger Dividende zahlen wird.
Insgesamt waren das erfreuliche Nachrichten von 3M. Trotzdem glaube ich, dass sich in den nächsten Monaten immer mal wieder Nachkaufgelegenheiten ergeben werden. Und ich will sie aufmerksam beobachten und dann auch nutzen. Denn langfristig bin ich sowohl für den verbleibenden 3M-Teil als auch die Gesundheitssparte positiv eingestellt.
Das zuletzt gesunkene Kursniveau von unter 120 US$ habe ich noch nicht zum Nachkauf genutzt, da ich ja erst im Juni nachgekauft hatte. Ich warte jetzt die Stabilisierung ab und gehe davon aus, dass es noch genug Kaufgelegenheiten in den nächsten Monaten geben wird.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | 3M |
| ISIN: | US88579Y1010 |
| Im Divantis-Depot seit: | 12.01.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | 21.06.2022 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 85 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 159,43 € |
| Gesamtkaufpreis: | 13.551,77 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 1.918,69 € |
| Aktuelle Strategie: | verkaufen |

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