Da hätte ich mutiger sein müssen

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Das eigene Anlageverhalten zu hinterfragen und dadurch zu optimieren. Das ist ein stetiger Prozess und darin will ich noch besser werden.

Der Divantis-Blog hilft mir dabei, indem ich meine Einschätzungen in Worte fassen und veröffentliche. Und dann auch mal selbst nachlesen kann, was ich eigentlich vorhatte. Und mich dann hinterfragen muss, warum ich es nicht umgesetzt habe.

Bei dieser Aktie muss ich ganz klar feststellen, dass ich hätte mutiger sein müssen. Müssen, nicht können! Denn alle Themen sind so eingetreten wie ich es erwartet hatte. Und ich wollte ursprünglich genau dann nachkaufen. Und habe es dann gelassen.

Warum mir das passiert ist und wie ich in Zukunft besser werden will, erfährst Du anlässlich der Dividendenzahlung der Aktie in diesem Beitrag.

Der deutsche Techwert SAP ist erst im Mai letzten Jahr ins Dividendendepot gekommen. Hier kannst Du meine Kaufmotive nachlesen. Bezahlt habe ich damals 106,92 € pro Aktie. Und wollte günstiger nachkaufen. Nach einem Anstieg bis auf 140 € hätte ich die Aktie im November dann für 90 € kaufen können. Inzwischen notiert die Aktie wieder bei 116 €.

Dividendenzahlung

SAP zahlt eine Dividende von 1,85 € pro Aktie. Das ist gegenüber dem Vorjahr (1,58 €) eine Erhöhung um 17,1%. Für die 10 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 18,50 €. Nach Abzug von Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag erhalte ich von maxblue eine Netto-Dividende von 13,62 €. Sie wurde mit Wertstellung 18.05.2021 überwiesen.

Dividendengutschrift SAP im Mai 2021

Perspektiven

Ein gutes Jahr habe ich die Aktie nun im Depot. Und bei der letzten Dividendenzahlung wörtlich geschrieben: “Insgesamt gibt es einige Hausaufgaben, die SAP zu machen hat. Ich habe das Gefühl, dass 2020 ein Jahr des Übergangs für SAP ist und nun Geduld gefragt ist.” Und ich ging davon aus, dass es noch gute Gelegenheiten geben werde, die Aktie günstig nachzukaufen.

Genauso ist es ja dann auch gekommen. Der neue Allein-CEO nahm eine Margenwarnung vor und reduzierte damit die langfristigen Erwartungen an die Profitabilität. Und die Aktie verlor ein gutes Viertel ihrer Marktkapitalisierung. Für einen DAX-Wert eine ungeheure Volatilität.

Hätte ich an meine eigenen Worte geglaubt, dann hätte ich in diesem Moment zugreifen müssen. Warum ich es nicht getan habe? Weil ich der Meinung war, dass es noch weiter abwärts gehen würde. Und ich nicht ins fallende Messer greifen wollte.

Bei anderen Aktien hatte ich das allerdings so praktiziert und damit im Ergebnis gute Gewinne eingefahren. Was war der Unterschied zu SAP?

Bei SAP hatte ich meine Hausaufgaben nicht gemacht. Ich hatte die Aktie zwar vor dem Kauf lange Zeit beobachtet, aber insgesamt nicht tief genug analysiert. Als großer DAX-Wert und aus meiner beruflichen Vergangenheit als Banker meinte ich, das Unternehmen gut genug zu kennen.

Im Absturz merkte ich dann, dass ich von meinem Investment nicht überzeugt genug war. Ich wusste einfach zu wenig, um ganz entspannt auf “Nachkaufen” zu klicken. Denn wo wäre das Problem gewesen, einfach bei 90 € und dann noch mal bei 70 € und 50 € nachzukaufen? Wenn ich von den Aussichten tief überzeugt gewesen wäre, dann wäre das kein Problem gewesen.

Ich hätte dann antizipiert, dass das Jahr bestimmt nicht so schlecht werden würde und die Aktie auch mit den gesenkten langfristigen Erwartungen immer noch ein ordentliches Wachstum schaffen würde.

Denn genau das lässt sich aus den Ergebnissen 2020 herauslesen: Zwar sank der Umsatz um 1%, die wichtigen Clouderlöse stiegen aber um 17%. Und das Betriebsergebnis legte sogar um 48% zu.

Im 1. Quartal des laufenden Jahres stiegen die Clouderlöse um 7%, während der Umsatz insgesamt um 3% zurück ging. Der Anteil der “besser planbaren Umsätze” stieg jedoch um 2 Prozentpunkte auf nun 78%.

Und damit wird der Umstieg der SAP in die Cloud weiter beschleunigt. Die Perspektiven stimmen, auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

SAP steht in diesem Jahr weiterhin auf meiner Nachkaufliste. Ich muss mich gedanklich davon lösen, dass ich den günstigen Nachkauf verpasst habe. Denn es wird auch in diesem Jahr bestimmt noch mal Korrekturen geben und dann werde ich zugreifen. Auch wenn sie das Tief aus dem November bei 90 € nicht mehr erreichen.

Und zukünftig werde ich noch mehr darauf achten, dass ich wirklich von all meinen Depotwerten überzeugt bin und dann auch bei entsprechenden Chancen ohne Zögern nachkaufen kann.

Auf einen Blick:

Unternehmen:SAP SE
ISIN:DE0007164600
Im Divantis-Depot seit:13.05.2020
Letzter Nachkauf am:--
Stückzahl im Divantis-Depot:10
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:107,81 €
Gesamtkaufpreis:1.078,10 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:25,26 €
Aktuelle Strategie:Bei Kursschwäche nachkaufen

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3 Gedanken zu „Da hätte ich mutiger sein müssen“

  1. Danke für deine Einschätzung von SAP, Ben.
    Auch ich hatte leider in diesem Jahr keine glückliche Hand, zu zweistelligen Kursen nachzukaufen.
    Nachgelegt habe ich zu 102, 107 und 115 Euro (einen Tag vor der Hauptversammlung).
    Ich bin optimistisch, dass die Aktie auf lange Sicht Freude macht und die Dividende auch in den Folgejahren steigen wird. In diesem Jahr war das ja ein heftiger Anstieg.
    Gruß Sebastian I

  2. Danke für die damalige Beurteilung.
    Schade dass Du Deiner eigenen Einschatzung damals nicht gertraut hast. Für mich war es Anlaß im Nov.2020 für ca.93 € 100St und im Dezember bei ca. 100€ nochmals 50St nachzukaufen. Meine ersten SAP Aktien stammen aus 2003 für unter 20€. Damals waren nennenswerte Dividendenzahlungen nicht in Sicht, aber das hat sich ja mittlerweile etwas zum Positiven verändert.
    Bis jetzt habe ich auch die Nachkäufe nicht bereut!
    Guß Andy

  3. Hi Ben,

    das selbe Problem habe ich bei vielen Aktien. Bei SAP war es andersrum, da habe ich bei immerhin 100 € eingekauft und wollte nur einen “kurzen Trade”. Jetzt halte ich sie mittlerweile immernoch und bin überzeugt, dass wir spätestens nächstes Jahr neue Hochs sehen werden. Dann verkaufe ich aber ebenfalls nicht sondern schiebe die Position in mein Dividendendepot.

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