Eigentlich wollte ich wieder etwas über meine letzten Dividendenerträge schreiben. Novartis, Microsoft oder McDonald’s standen zur Wahl. Aber irgendwie fühlt es sich gerade nicht stimmig an.
Die Situation an den Börsen ist so fragil, dass ich mich selbst dabei erwische, wie ich gerade nicht über Einzeltitel nachdenken kann.
Das Schöne ist natürlich, dass die Dividenden trotzdem fließen. Ob ich jetzt darüber schreibe oder nicht.
Aber zugleich erlebe ich Benzinpreise, die stärker steigen als die meisten Dividendenerhöhungen in diesem Jahr sein werden. Und jetzt ist schon absehbar, dass die Gaspreise auch deutlich steigen werden.
Wie ich das bewerte und wohin meine Gedanken aktuell gehen, erfährst Du in diesem Beitrag.
Ich will hier keine politische Diskussion anzetteln. Ob es völkerrechtlich vertretbar war, den Iran anzugreifen und gezielt den Staatspräsidenten und weitere Funktionäre zu eliminieren, sollen andere entscheiden. Und ob es klug war, so zu handeln, will ich hier auch nicht erörtern.
Nur was für mich jetzt schon klar ist, ist die Tatsache, dass es kein kurzer, heftiger Schlag war. Sondern ein nun schon drei Wochen währender Angriff, dessen Ziel immer noch nicht erkennbar ist. Klar, es sollten die Atomanlagen zerstört und das Regime entscheidend geschwächt werden. Aber offenbar war die Hoffnung, dass sich das iranische Volk erheben und von den Revolutionsgarden befreien würde, nicht zu Ende gedacht. Denn nach Zehntausenden getöteten Demonstranten vor einigen Monaten, ist nun einfach keine mutige Opposition mehr vorhanden. Und hunderttausende Regimetreue stehen den Mullahs weiter zur Seite. Ein Regimewechsel kann nicht einfach von Außen herbeigebombt werden. Wenn das wirklich ein Ziel gewesen sein sollte, geht es jedenfalls nicht auf.
Stattdessen erleben wir Gegenangriffe des Iran, der die unterstützenden Staaten in der Region unter Druck setzt und Schäden verursacht, mit denen wohl im Vorfeld nicht ernsthaft gerechnet wurde. Mal ganz abgesehen von der prekären Situation um die Straße von Hormus.
Was ich mit meinen Worten ausdrücken will, ist eine gewisse Ratlosigkeit. Es ist – anders als ich es Ende Februar noch erwartet hatte – keine schnelle Operation, sondern entwickelt sich zu einem längerwährenden Angriff mit der realen Gefahr eines Flächenbrands. Nicht in dem Sinne, dass auch andere Staaten in den Angriffsmodus übergehen. Aber die dortige Wirtschaft, insbesondere die Öl- und Gasproduktion, ist stark betroffen. Und teilweise steht wohl auch schon fest, dass manche Schäden erst in einigen Jahren behoben sein werden.
Und die Auswirkungen auf uns sind auch größer als zunächst erwartet. Die steigenden Energiepreise sind erst der Anfang. Denn mit ihnen werden auch die Produktionskosten für viele Waren steigen. Und damit Preissteigerungen auslösen. Sie werden wiederum die Inflationsrate ansteigen lassen. Und die EZB auf den Plan rufen, die mit Zinssteigerungen gegenhalten wird. Und steigende Zinsen erhöhen wiederum die Finanzierungskosten von Unternehmen und drücken auf die Erträge.
All diese Gedanken erleben wir in den letzten Wochen und Tagen an der Börse. Mit jedem Tag, an dem die Angriffe auf den Iran weitergehen und kein Ende in Sicht ist, werden die Befürchtungen Stück für Stück zur Gewissheit. Und die neue Realität wird immer weiter in die Aktienkurse eingepreist.
Der DAX hat im März nun bereits rund 3.000 Punkte oder 11,5% verloren. Seit Tagen steht der Fear-and-Greed-Index allerdings auch schon auf Furcht. Trotzdem ist eine Gegenbewegung bisher ausgeblieben. Ohne Impulse, die ein baldiges Kriegsende andeuten, wird die Abwärtsbewegung wohl auch noch weiter anhalten.
Die Euphorie von Januar und Februar ist jedenfalls komplett verflogen. Für sich genommen ist das aber auch nicht schlimm, sondern eher normal. Mein Dividendendepot liegt seit Jahresbeginn aktuell bei -2%. Das ist alles andere als dramatisch.
Und trotzdem fühlt es sich so an. Auch das ist in einer Korrektur nichts Ungewöhnliches. Die Psychologie sorgt dafür, dass wir Kursverluste als viel heftiger erleben und Kursgewinne eher für normal halten.
Auch in dieser Phase gilt es daher, kühlen Kopf zu bewahren. Die Auswirkungen des Krieges lassen sich nicht wegdiskutieren. Und sie werden uns und die Wirtschaft auf vielen Ebenen treffen. Trotzdem wird es langfristig eine Lösung geben und auch wieder eine Erholung eintreten.
Ich erinnere mich an die Pandemie. Als uns klar wurde, dass sie länger dauern würde, waren die Folgen auch erst einmal nicht abzuschätzen. Danach kamen wir in eine Phase, in der wir überhaupt keine Perspektive auf ein Ende mehr spürten. Und trotzdem kam es zu einem Ende. Und sowohl die Wirtschaft als auch die Börsen erholten sich wieder.
Halte ich mir das vor Augen, dann wird es auch jetzt – trotz aller geopolitischen Themen – wieder so kommen, dass es „nur“ eine vorübergehende Phase war. Die Trends sind doch unverändert – oder sogar noch verstärkt. Staaten verschulden sich weiter und die beste Möglichkeit, damit umzugehen sind Sachwerte. Mit unternehmerischen Beteiligungen, nichts anderes sind Aktien ja, nehmen wir an der wirtschaftlichen Entwicklung teil. Und schützen unser Vermögen gegen Inflation.
Auch in diesen Zeiten ist ein ausgewogenes Depot wichtig und hilfreich. Einige Titel leiden mehr, andere weniger. Hätte man nun genug Cash, könnte man auch selektiv zugreifen. Manche Dividendenrenditen sind schon verlockend. Aber – wie eigentlich immer in solchen Situationen – habe ich keine Cashreserven angelegt. Und mir ist es auch zu unsicher, jetzt Rücklagen aufzulösen. Denn niemand weiß, ob es nicht besser wäre, erst in 2 oder 6 Monaten zu investieren.
Ich stelle mich innerlich jedenfalls auf weitere negative Wochen ein und erwarte auch keine schnelle Wende. Das Jahr 2026 ist trotzdem noch nicht abgeschrieben. Wir sind erst im März und es kann noch viel passieren. In alle Richtungen.
Nun fühle ich mich auch wieder bereit, über Einzeltitel zu schreiben. Aber einfach so die aktuelle Situation unbeachtet lassen, das ging einfach nicht.
Erlebst Du auch diese Ungewissheit oder wie gehst Du mit den Kursstürzen um? Lässt es Dich völlig kalt und wenn ja, wie gelingt Dir das? Lass uns diskutieren und austauschen! Mir hilft das Schreiben sehr, um meine Gedanken zu sortieren und mein Handeln zu hinterfragen. Ich freue mich auf Eure Kommentare.


Kommentar verfassen