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So ein Blog diszipliniert unheimlich. Denn ich dokumentiere ja mein Handeln. Und wenn ich viel hin- und herkaufen würde, dann wäre das ein ganz anderes Bild. So überlege ich mir tatsächlich vor einem Verkauf von Aktien, ob ich dafür eine nachvollziehbare Begründung habe. Und wenn ich die nicht habe, lasse ich es sein.
Oder ich lese noch mal in älteren Beiträgen von mir nach, wie ich denn eigentlich die Aktie eingeschätzt hatte. Und merke dann, dass es eigentlich keine Neueinschätzung gibt und ich bei gleichem Informationsstand nicht verkaufen wollte.
Dieses Unternehmen hatte aber eine besondere Konstellation in meinem Dividendendepot. Ich hatte die Aktien bei unterschiedlichen Banken und mit sehr stark voneinander abweichenden Einstiegskursen.
Und die kleinere Position, die nur 10% der größeren Position ausmachte, war ohnehin nicht auf extrem lange Dauer angelegt.
Und so kam es nun tatsächlich zu einem Verkauf dieses kleineren Anteils, der mir trotzdem einen vierstelligen Gewinn bescherte. Und im Nachhinein waren meine Verkaufsgründe dennoch nicht wohlüberlegt.
Warum ich trotzdem mit der Gewinnmitnahme zufrieden bin und wie ich die Aussichten für den Softwaregiganten nun einschätze, erfährst Du in diesem Beitrag.
Die Microsoft-Aktie gehört seit 2017 zu den Topwerten in meinem Dividendendepot. Da hatte ich auf einen Schlag 100 Aktien in mein Dividendendepot aufgenommen. Beim heutigen Kursniveau wäre das undenkbar für mich, aber damals war das noch ein vergleichsweise handliches Investment.
Hier hatte ich über den Kauf von Microsoft berichtet. Im 10-Jahres-Chart ist ein stringenter Anstieg bis Ende 2021 gut zu erkennen. Er endet ungefähr mit meinem Nachkauf von 10 Aktien (in 2 Tranchen). Es folgte ein negatives Jahr 2022 und seit Anfang 2023 geht es wieder stetig aufwärts – mit einem kleinen Rückschlag in den letzten Wochen.

Aktienverkauf
2 mal 5 Aktien von Microsoft hatte ich 2021 zusätzlich in mein Depot gekauft. 2022 waren die 10 Aktien dann deutlich im Minus und ab 2023 setzte dann ein beeindruckender Erholungskurs ein. Am 19.07.2024 habe ich mich dann von den Aktien getrennt und erhielt dafür nach Gebühren einen Betrag von 3.972,10 €. Bezahlt hatte ich für sie 2.803,75 € und zwischenzeitlich 50,86 € an Nettodividenden erhalten. Unterm Strich steht so ein Ertrag von 1.219,21 € oder 43,48%. Da ich noch Aktienverluste im Verrechnungstopf stehen hatte, wurden mir keine Steuern abgezogen.

Dividende
Microsoft zahlt erneut eine Quartalsdividende von 0,75 US$. Für die nun „nur noch“ 100 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt sich eine Brutto-Dividende von 75,00 US$. Sie wurde von maxblue zum Kurs von 1,1074 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 50,43 €. Sie wird mit Wertstellung 16.09.2024 überwiesen.

Annualisiere ich die Quartalsdividende, dann zahlt Microsoft eine Jahresdividende von 3,00 US$. Bei einem Aktienkurs von 427,00 US$ ergibt das eine Dividendenrendite von 0,7%. Bei einem heutigen Kauf dürfte es jedoch etwas mehr sein, da Microsoft traditionell seine Dividende zur Dezember-Zahlung erhöht. Die nächste Quartalsdividende sollte also schon höher sein und die Jahresdividende damit auch steigen.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) kann ich nach dem Teilverkauf nun wieder ausschließlich auf meine „alten“ 100 Aktien berechnen. Rechne ich die Jahresdividende zum jetzigen Umrechnungskurs um, dann erhalte ich 270,90 € auf einen Einstand von 6.448,56 €. Das ist ein YoC von 4,2%.
Perspektiven
Der Aktienverkauf war im Ergebnis dann spontan geschehen, aber er fühlt sich weiterhin in Ordnung an. Spontan deshalb, weil ich ihn an dem Tag tätigte als die weltweiten Störungen in Windows-Systemen bekannt wurden, die zu Flugausfällen, Schließungen von Behörden und vielem mehr führten. Wie sich dann später herausstellte, war ein Update von CrowdStrike dafür verantwortlich. Aber zunächst stand Microsoft auch im Fokus und es war unklar, ob sie sich womöglich Schadensersatzforderungen ausgesetzt sehen würden. In dem Moment drückte ich auf Verkaufen, um die Gewinne in den 10 Aktien zu sichern.
Die 100 Aktien standen und stehen nicht zur Disposition. Sie sind – so zumindest mein Plan – im Ewigkeitsteil meines Depots fest verankert. Wenn ich „ewig“ schreibe, dann meine ich trotzdem, dass ich regelmäßig die Entwicklung checke. Aber es drückt meine Überzeugung aus, dass die Marktstellung so gigantisch ist, dass auf für mich absehbare Zeit (also kurz vor der Ewigkeit!) nach menschlichem Ermessen keine Entwicklungen eintreten sollten, die einen Verkauf der Position empfehlenswert machen.
Und da spielt dann auch der Verkauf der 10 Aktien wieder eine Rolle: durch die Gewinnrealisierung habe ich mein eingesetztes Kapital in Microsoft nämlich noch einmal reduziert. Für die 100 Aktien habe ich zwar seinerzeit 6.448,56 € bezahlt. Nun habe ich aber 1.219,21 € Gewinn realisiert und 1.062,55 € Nettodividenden erhalten. Im Ergebnis habe ich damit nur noch 4.166,90 € oder 41,67 € je Microsoft-Aktie investiert. Und jedes Quartal sinkt dieser Betrag nun weiter.
Der Check ist bei Microsoft im Übrigen sehr entspannt. Das Unternehmen liefert beständig gute Zahlen. Zuletzt wurde über das 4. Quartal des Geschäftsjahres 2024 und damit auch über das Gesamtfiskaljahr berichtet. Der Quartalsumsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 15% auf 64,7 Mrd. US$. Der Nettogewinn stieg um 10% auf 22,0 Mrd. US$. Das entsprach einem Gewinn je Aktie von 2,95 US$, ebenfalls ein Plus von 10%. Die absoluten Zahlen waren jeweils auch höher als im Vorquartal.
Im Gesamtjahr erzielte Microsoft damit ein Umsatzplus von 16% auf 245,1 Mrd. US$. Der Nettogewinn legte 22% zu und erreichte 88,1 Mrd. US$. Das gleiche Wachstum beim Gewinn je Aktie, der 11,80 US$ erreichte.
Und während die absoluten Zahlen wirklich beeindruckend sind, ist der Gewinn je Aktie für mich tatsächlich weiterhin ein Manko. Denn im Vergleich zum Aktienkurs ist das nicht gerade üppig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von derzeit rund 36 ist einfach sehr hoch.
Natürlich wächst Microsoft weiterhin stark und das ist auch eine Leistung. Auf diesem Niveau noch zweistellig zuzulegen, unterstreicht die Ausnahmestellung des Unternehmens. Trotzdem halte ich die Bewertung durch die Börse für zu hoch.
Das muss aber nicht heißen, dass die Microsoft-Aktie demnächst abstürzt. Hohe Bewertungen können sich über Jahre oder gar Jahrzehnte halten. Aber man muss sich damit als Aktionär wohlfühlen. Und damit schließt sich der Kreis: mit meinen 10 jetzt verkauften Aktien hatte ich mich nicht so wohl gefühlt, da ich stetig Sorge vor einer Neubewertung durch die Börse hatte. Mit meinem Langfristbestand fühle ich mich hingegen sehr wohl. Denn auch bei einem Aktienkurs von 300 US$ wäre ich weiterhin deutlich im Plus und er würde ja auch nichts an den Dividendenzahlungen ändern.
Beherrschendes Thema an der Börse in Bezug auf Microsoft ist sicherlich weiterhin der AI-Hype. Hier ist Microsoft bisher sehr gut aufgestellt, insbesondere durch die Beteiligung an OpenAI. Aber der Wettbewerb ist intensiv und die Konkurrenz schläft nicht.
In trockenen Tüchern ist da noch lange nichts. Als entspannter Aktionär bin ich deshalb froh, dass Microsoft auch in den anderen Unternehmensbereichen wächst. Dort besteht ein Burggraben und Microsoft hat eine unangefochtene Position.
In den nächsten Tagen steht nun turnusgemäß die Verkündung der neuen Dividende für das neue Geschäftsjahr an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Microsoft erstmals mehr Cash für Dividendenzahlungen (21,7 Mrd. US$) als für Aktienrückkäufe (17,2 Mrd. US$) ausgegeben. Das muss nichts heißen, aber ich rechne nicht damit, dass die Dividendenerhöhung höher als Gewinn-Wachstumsrate des letzten Geschäftsjahres sein wird. 22% als Dividendenerhöhung wäre ja auch schon deutlich. Wenn ich einen Tipp abgeben müsste, dann wären es 0,90 US$ für die neue Quartalsdividende. Einfach weil es ein runder Wert ist und 20% Dividendensteigerung entspricht.
Letztes Jahr wurde die Dividendenerhöhung übrigens am 19. September bekannt gegeben. Und die Erhöhung lag bei „nur“ 10,3%. Ich bin gespannt, ob ich mit einer Verdoppelung der Erhöhung zu viel erwarte. Bald wissen wir mehr!
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Microsoft |
| ISIN: | US5949181045 |
| Im Divantis-Depot seit: | 11.10.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | 13.12.2021 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 100 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 64,49 € |
| Gesamtkaufpreis: | 6.448,56 € |
| durch Teilverkauf am 19.7.2024 realisierter Gesamtgewinn (Kurs & Dividenden): | 1.219,21 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 1.341,07 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Earnings Release FY24 Q4 – Microsoft Cloud Strength Drives Fourth Quarter Results |
| FY24 Q4 – Cash Flows |


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